Berufliche Vielfalt
Das Studium der Sozialwissenschaften führt zu keinem klar definierten Berufsbild. Positiv ausgedrückt hört sich das so an: Einem angehenden Soziologen oder Sozialwissenschaftler steht ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten offen.
Ob im IT-Bereich oder in der PR-Branche: Sozialwissenschaftlern steht ein breites Spektrum an Berufen offen.
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Der studierte Soziologe Ragnar Heil beispielsweise arbeitet als Senior Consultant bei Microsoft. Und die Soziologin Silke Weiß-Aziz ist Referentin im Bildungszentrum der AUDI AG. „Es gibt in so einem großen Unternehmen unheimlich viele Handlungsfelder für Leute wie mich, etwa im Gesundheits- oder Personalwesen, in der Organisationsentwicklung oder auch in der Kommunikation und im Marketing“, erklärt sie, „wir Soziologen denken nicht immer nur ‚klein, klein’, sondern haben die großen Zusammenhänge im Blick.“
Dank dieser Fähigkeit sind Soziologen und Sozialwissenschaftler vielseitig einsetzbar, beispielsweise in PR und Marketing, in der Medien- und Kommunikationsbranche oder in der Markt- und Meinungsforschung. Doch auch Entscheider im Kulturmanagement oder in der Weiterbildungsbranche sowie Verbände und Parteien greifen gern auf die Kompetenzen und Kenntnisse der Sozialwissenschaftler zurück. Laut Bundesagentur für Arbeit waren 2009 die meisten Sozialwissenschaftler im Gesundheits- und Bildungssektor tätig, im öffentlichen Dienst, in der Unternehmensführung und -verwaltung, aber eben wie Ragnar Heil auch bei IT-Dienstleistern sowie bei Unternehmensberatungen.
Stabiler Arbeitsmarkt
Entgegen des landläufigen Vorurteils, ein Sowi-Student mache am besten gleich noch seinen Taxischein, sehen die Arbeitsmarktchancen für Sozialwissenschaftler gar nicht übel aus. Judith Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit erklärt: „Der Arbeitsmarkt für Sozialwissenschaftler hat sich trotz Wirtschaftskrise stabil gehalten.“ Im Detail bedeutet das: Die Zahl der arbeitslosen Sozialwissenschaftler hat in den vergangen sechs Jahren stark abgenommen – von 11.000 im Jahr 2003 auf 6.000 im Jahr 2009, wobei zwischen dem ersten Krisenjahr 2008 und 2009 der Rückgang stagnierte – im Gegensatz zum allgemeinen Trend steigender Arbeitslosenzahlen.
Hürden beim Berufseinstieg
Entgegen dieser positiven Entwicklung könnte es Absolventen derzeit aber ein wenig schwerer fallen, ins Berufsleben einzusteigen. Doch Arbeitsmarktexpertin Wüllerich erklärt: „Berufseinsteiger sollten sich nicht entmutigen lassen, da sich die Suchzeiten nach einer Stelle zwar verlängern, letztendlich der Berufseinstieg jedoch klappen dürfte. Insbesondere die gestiegene Altersstruktur der Beschäftigten signalisiert für die kommenden Jahre einigen Ersatzbedarf.“
Auch Alfred Fuhr vom Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen macht Mut: „Selbst wenn ein Absolvent kaum je als ‚Soziologe’ eingestellt wird, ist er für viele Stellen, die für Betriebswirte oder auch für Psychologen ausgeschrieben sind, geeignet. Er bringt nicht nur Fachkenntnisse, sondern vor allem ausgeprägte Softskills mit. Die ermöglichen es ihm, etwa als Marktforscher die gewonnenen Erkenntnisse auf bestimmte soziale Milieus anzuwenden, als Pressesprecher die Journalistenkollegen zu analysieren, als Personalberater die Fähigkeiten der Mitarbeiter exakt herauszuarbeiten und als Akzeptanzforscher die Wahrnehmung einer Partei beim Wähler sowie das Wählerprofil zu erforschen und darzustellen.“ Aber auch an den Hochschulen gibt es Stellen für Soziologen.
Zusatzqualifikation wichtig
Ragnar Heil haben seine Zusatzqualifikationen zur Stelle bei Microsoft verholfen. Sein früh stark ausgeprägtes Interesse an IT sowie die Spezialisierung im Studium auf Themen mit Internetrelevanz seien sicher entscheidend gewesen. Aber auch die im Studium erworbenen Fähigkeiten helfen ihm in seinem Beruf weiter: „Ich kann oft eine ganz andere Brille aufsetzen als ein Jurist oder BWLer. Denn mein Studium hat mich dazu befähigt, die Mikropolitik, die Organisationsstruktur, die Kultur und die Arbeitsabläufe eines Unternehmens zu erfassen. Ich habe gelernt, Zahlen kritisch zu hinterfragen und mich schnell in Neues einzuarbeiten.“ All dies seien Dinge, die ihm als Berater für Software-Lösungen oft zugute kämen, meint der 36-Jährige. Das Soziologiestudium allein hätte ihn jedoch sicher nicht zu seinem Posten befähigt, glaubt Ragnar Heil. Alfred Fuhr vom Bundesverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen rät deshalb allen Studierenden: „Netzwerken und Praktika machen.“
Festzuhalten bleibt also: Ein sozialwissenschaftliches Studium verspricht auch in Zukunft gute Jobchancen – vor allem jedoch in Verbindung mit einer weitergehenden Qualifizierung.

