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Rubrik Lehrer und Eltern


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Wie gehe ich in Zeiten der Krise mit Prognosen um?

"Der Bedarf ist da"

Der Maschinenbau vermeldet ein enormes Auftragsminus, die Umsätze in der Automobilindustrie brechen ein, die Arbeitslosigkeit steigt an: Die Wirtschaftskrise hat auch die deutschen Schlüsselbranchen gebeutelt. Bleibt die Frage: Wirkt sich die Krise nachhaltig auf deren Entwicklung aus oder haben die Trendaussagen seriöser Zukunftsforscher über die tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft weiter Bestand?

An einer blau gemusterten Wand hängt ein Thermometer.

Haben Prognosen und Trendaussagen über die deutsche Wirtschaft weiter Bestand?

Foto: WillmyCC

Diese Frage stellen sich nicht nur Berufstätige, die um ihren Arbeitsplatz bangen. Auch junge Menschen nehmen solche Meldungen mit Interesse und mit ein bisschen Sorge auf. „Ich habe die Nachrichten in den vergangenen Monaten schon sehr genau verfolgt“, erzählt Lara Grunwald, Gymnasiastin aus Rheda-Wiedenbrück bei Bielefeld. Und auch in ihrem Freundeskreis sorgte die Wirtschaftskrise immer wieder für Gesprächsstoff. „Aber ich kenne keinen, der seinen Studienwunsch wegen der Krise geändert hat“, sagt die 19-jährige Gymnasiastin. Das gilt auch für sie selbst. „Ich will Ärztin werden, und so wie es ausschaut, schaffe ich den Numerus clausus auch“, freut sie sich. Ihrer Meinung nach sollte man sich bei der Berufswahl weder auf aktuelle Entwicklungen noch auf Prognosen verlassen. „Ich finde, dass man bei Studien- und Berufswahl auf seine Interessen und Wünsche achten sollte und nicht so sehr auf die Arbeitsmarktaussichten“, sagt Lara Grunwald.

Interessen im Fokus

Eine Einstellung, die Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung bei der Bundesagentur für Arbeit als beispielhaft herausstellt: „Es ist wichtig, dass junge Menschen ihre Interessen und Fähigkeiten bei der Berufs- und Studienwahl in den Vordergrund stellen.“ Keinesfalls sollten sie sich durch die aktuelle Lage gegen ein Studium entscheiden, das zum Beispiel in eine der sogenannten Schlüsselbranchen wie etwa den Maschinenbau oder in eine andere Branche im MINT-Bereich, also Berufe aus Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, mündet. Natürlich, so räumt er ein, habe die Krise auch negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in diesen Branchen gehabt. Dennoch ist für den Arbeitsmarktexperten Beckmann klar: „Der Bedarf ist da.“ Die sogenannten Trendaussagen der BA, dass Absolventen in den Schlüsselbranchen wie etwa Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik künftig gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben, bleiben bestehen.

Diese Aussage wird auch durch die aktuelle Arbeitsmarktprojektion 1995 bis 2025 des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt. So wird das Arbeitskräfteangebot (Erwerbspersonenpotential) demografiebedingt stark sinken, während die Zahl der Erwerbstätigen nur gering zurückgehen dürfte. Die Lücke beginnt sich also zu schließen. Was positiv ist, weil dann immer weniger Menschen ohne Arbeitsplatz sein werden. Das passiert allerdings nur, wenn sich die Personen weiterbilden und der künftige Bedarf an Arbeitskräften somit nicht nur quantitativ, sondern auch in qualifikatorischer Hinsicht gedeckt werden kann. Ansonsten droht ein Horrorszenario: Massenarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel.

Ein Kurvendiagramm zeigt, wie sich das Erwerbspersonenpotenzial und die Zahl der Erwerbstätigen immer mehr aneinander anggleichn.

Arbeitsmarktbilanz 1995 - 2025

Quelle: IAB

Generell versteht BA-Mitarbeiter Beckmann junge Menschen, die Prognosen kritisch gegenüberstehen. Prognosen werden unter bestimmten Annahmen getroffen und können daher nie zu 100 Prozent sicher sein. So gilt unter Fachleuten folgender Grundsatz: Die Zuverlässigkeit von Prognosen nimmt mit dem Differenzierungsgrad ab. Das heißt: Vorsicht bei Vorhersagen, die einzelne Berufe betreffen.  

Doch damit ist noch nicht jedes Problemfeld angesprochen. Prognosen können sich selbst erfüllen oder sich selbst zerstören, da überzogene Reaktionen auf eine Prognose zur Folge haben, dass sich das Prognostizierte in der Realität verändert. Herauskommen kann dabei der berüchtigte Schweinezyklus. Die Theorie vom Schweinezyklus hat ein Ökonom in den zwanziger Jahren entworfen: Der Preis für Schweinefleisch ist hoch. Die aktuell günstige Lage animiert viele Bauern, in die Schweinezucht zu investieren.

Sind die Schweine schlachtreif, existiert dann aber ein Überangebot an Schweinefleisch, der Preis sinkt. Die Folge ist, dass viele Bauern wieder umstellen auf Getreideanbau oder Milchwirtschaft. Übertragen auf die Berufswelt heißt das: Werden die Perspektiven eines Berufes als besonders positiv oder negativ gepriesen, hat das Einfluss auf die Berufswahl. Beispiel Elektro- und Maschinenbau-Ingenieure: Der real verschlechterte Arbeitsmarkt und die Rede von einer Ingenieurschwemme Anfang bis Mitte der neunziger Jahre verursachte einen massiven Rückgang an Ingenieurstudierenden, der schließlich in den vergangenen Jahren zu einem Mangel an Ingenieuren geführt hat.

Niedrige Arbeitslosenquote

„Natürlich ist ein Studium kein Jobgarant, aber Akademiker haben im Vergleich mit Abstand die niedrigsten Arbeitslosenquoten“, weiß Markus Hummel, Mitarbeiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Qualifikationsforschung. Im Jahr 2005, als zuletzt differenzierte Daten nach Qualifikationsniveau erhoben wurden, lag die Quote laut IAB bei 4,1 Prozent. „An diesen Zahlen wird sich auch grundlegend nichts etwas ändern“, sagt der IAB-Mitarbeiter, der gerade eine Aktualisierung der Daten vornimmt, die im Laufe des Jahres erscheinen wird.

Balkengrafik, die die Entwicklung der Anteile der Erwerbstätigen zeigt: Land- und Forstwirtschaft: 1995: 2,9 Prozent, 2010: 2,0 Prozent, 2025: 1,5 Prozent. Warenproduzierendes Gewerbe wie etwa Baugewerbe, Energie- und Wasserversorgung, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden: 1995: 32,6%, 2010: 24,8%, 2025: 21,5%. Dienstleistungen wie Forschung und Entwicklung, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Markt- und Meinungsforschung, Ingenieurbüros und Werbeagenturen: 1995: 64,6%, 2010: 73,2%, 2025: 77%.

Entwicklung der Erwerbstätigen nach Wirtschaftsbereichen

Quelle: IAB

Dafür, dass diese Aussage auch in Zukunft noch gelten wird, sorgt etwa der Strukturwandel hin zu einer Dienstleistungs-, Wissens- und Informationsgesellschaft. Wie die aktuelle Arbeitsmarktprojektion des Nürnberger IAB zeigt, werden immer mehr anspruchsvolle und unternehmensbezogene Dienstleistungen benötigt. Auf einzelne Wirtschaftsbereiche herunter gebrochen bedeute das, dass vor allem Softwarehäuser, Hardwareberatung, Forschung und Entwicklung, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Markt- und Meinungsforschung, Ingenieurbüros und Werbeagenturen mehr qualifiziertes Personal brauchen. Zu den Verlierern wird vor allem das Verarbeitende Gewerbe zählen, das sich zwar von der aktuellen Wirtschaftskrise erholen wird, langfristig aber dennoch Beschäftigung abbauen wird.

 

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