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Bei Chefs beliebt

eine Bürobesprechung mit zwei Männern links im Bild und einer Frau rechts.
Absolventen von dualen Studiengängen können oftmals mit einer abgeschlossenen Ausbildung UND einem Studienabschluss aufwarten. Deshalb sind sie von den Chefs so geliebt.
Foto: Striegl

Arbeitsmarktchancen

Bei Chefs beliebt

Ein abgeschlossenes Studium, Berufserfahrung, bereits eingearbeitet — die Absolventen dualer Studiengänge bieten das, was sich viele Personaler wünschen. Das verspricht gute Arbeitsmarktchancen.

In den vergangenen Jahren hat die Siemens AG die Zahl der Plätze für ein duales Studium insbesondere im technischen Bereich kontinuierlich gesteigert. 2010 haben laut Unternehmensangaben insgesamt rund 760 junge Leute ein duales Studium mit Siemens als Partner begonnen, das ist fast ein Drittel aller Ausbildungsplätze des Unternehmens. Die Siemens AG bildet so einen großen Teil des eigenen Nachwuchses aus. „Auf diesem Weg erwerben bei uns zurzeit in Kooperation mit rund 30 Hochschulen rund 2.300 Nachwuchskräfte neben einem IHK-Abschluss auch einen internationalen Bachelor-Abschluss. Die Übernahmequote ist sehr hoch. Der Großteil der Absolventen bekommt einen Job“, führt Michael Friedrich, einer der Sprecher des Unternehmens, aus.

Aber nicht nur Siemens bietet immer mehr Plätze für ein duales Studium an. Wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ergab, die im Sommer 2010 veröffentlicht wurde, gehen 41 Prozent der befragten 400 Unternehmen von einem steigenden Bedarf an dualen Studiengängen aus. 53 Prozent prognostizieren für die kommenden Jahre gleichbleibenden Bedarf und nur fünf Prozent glauben, dass sich ihr Bedarf bei gleichbleibend guter Konjunktur verringern wird.

Ingenieure gesucht

Auch der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) ist der Kombination aus Theorie und Praxis gegenüber positiv eingestellt. „Duale Studiengänge stellen eine echte Alternative dar, die wir begrüßen“, sagt Dr. Markus Finck vom VDI.

Ähnliches ist aus dem Rückversicherungsunternehmen Munich Re zu vernehmen: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten Hochschulabsolventen fast ausschließlich theoretisches Wissen mitbringen. Vielen fehlt die Transfererfahrung, um das theoretische Wissen in der Berufspraxis umzusetzen. Aus diesem Grund halten wir es sowohl für Studierende als auch für uns als Unternehmen für einen großen Vorteil, dass Praxis und Theorie von Anfang an eng miteinander verzahnt sind“, sagt Michaela Schindler, die Ausbildungsleiterin des dualen Studiums im Unternehmen. Die Munich Re bietet eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen in Kombination mit einem Bachelor- und Masterstudium im Bereich Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an.

Und auch Dr. Stephan Pfisterer vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien BITKOM ist den Absolventen gegenüber positiv eingestellt. Zwar gäbe es in Großunternehmen auch Stellen in Forschungsabteilungen, bei denen es vor allem auf theoretisches Wissen ankommt. „Doch die meisten Unternehmen wünschen sich Mitarbeiter, die praktische Erfahrungen haben und deren Produkte oder Services kennen. Und das können besonders gut solche Fachkräfte leisten, die im Unternehmen sozialisiert wurden“, weiß der BITKOM-Experte für Bildung und Personal. Bereits eine 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und BITKOM vorgelegte Studie, für die mittelständische Unternehmen befragt wurden, hat das hohe Interesse an dual ausgebildeten Mitarbeitern belegt. Demnach möchten die Unternehmen der Branche ihren Fachkräftebedarf mit Hochschulabsolventen bis 2015 um sechs Prozent steigern. „Den größten Teil sollen Absolventen dualer Studienangebote abdecken“, sagt Dr. Pfisterer.

Warum die Absolventen dualer Studiengänge so beliebt sind, weiß Dirk Werner, stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. „Die Absolventen haben schon Berufserfahrung, sind eingearbeitet, wissen wie der Laden läuft, und sind sofort einsetzbar“, meint er. „Mit dem dualen Studium bilden die Unternehmen ihren eigenen Nachwuchs aus und wirken somit einem möglichen Fachkräfteengpass entgegen.“

Statistische Infos über die Arbeitsmarktchancen der dualen Absolventen gibt es allerdings nicht. In der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit werden die Absolventen von dualen Studiengängen nicht gesondert aufgeführt, sondern in der jeweiligen Berufsgruppe erfasst. Die meisten dualen Studiengänge gibt es in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften. „Da die Einsatzfelder von Betriebswirten über die gesamte Branchenpalette verteilt sind, konnten selbst während der letzten Krise Beschäftigungsverluste in einzelnen Branchen durch Beschäftigungsgewinne in anderen Bereichen ausgeglichen werden“, sagt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Aktuell dürften sich die Chancen für Jobsuchende weiter verbessern, ist doch die Zahl der gemeldeten Stellen 2010 spürbar gestiegen.“ Und auch für Ingenieure sieht es gut aus: „Durch die wirtschaftliche Belebung kletterte die Nachfrage nach Ingenieuren im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau 2010 gegenüber 2009 um 20 Prozent“, meint der Arbeitsmarktexperte. „In den kommenden Jahren zeichnet sich ein hoher Ersatzbedarf ab, da jeder siebte sozialversicherungspflichtig beschäftigte Maschinen- und Fahrzeugbauingenieur 55 Jahre oder älter ist und in absehbarer Zeit in den Ruhestand eintreten wird.“ Auch für Elektroingenieure sind die Chancen gut. „Die Arbeitslosenquote war auch 2010 die geringste in allen Ingenieursgruppen.“

Gute Aufstiegsmöglichkeiten

Und wie sieht es mit den Aufstiegsmöglichkeiten aus? „In der Regel steigen die Absolventen dualer Studiengänge zunächst nicht sehr hochrangig ein, beispielsweise als Sachbearbeiter oder Teilprojektleiter“, weiß Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft. „Sie können danach aber relativ schnell aufsteigen, häufig sogar schneller als ‚normale‘ Bachelorabsolventen.“ Der Grund liegt auch hier in der Zeitersparnis. „Nach einem dualen Studium sind die Absolventen ‚job-ready‘“, meint Dirk Werner. Da sie bereits seit mehreren Jahren im Unternehmen sind, kennen sie die Abläufe und wachsen schneller in anspruchsvolle Tätigkeiten und Positionen hinein. „Abhängig von der individuellen Arbeitsleistung bestehen sehr gute Aufstiegschancen“, meint auch Michaela Schindler von Munich Re.

abi>> 07.11.2011