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Karriereziel: Über den Wolken

Ein Flugzeug fliegt nach dem Start über den Wolken der Sonne entgegen
Die Luft- und Raumfahrtbranche bietet neben dem Beruf des Piloten vielseitige Einsatzmöglichkeiten für Ingenieure und IT-ler.
Foto: Somieski/ Willmy CC

Luft- und Raumfahrtindustrie

Karriereziel: Über den Wolken

Die Luft- und Raumfahrtindustrie, also Bau und Wartung von Luft- und Raumfahrzeugen, bietet spannende Arbeitsfelder im Bereich Hochtechnologie. Vor allem Ingenieure und Informatiker sind gefragt.

Mit zehn Jahren wollte ich Astronaut werden“, erinnert sich Tony Brüssow. Heute fliegt er zwar nicht ins All, aber er beschäftigt sich täglich mit Raketen – und damit ist für den Luft- und Raumfahrtingenieur ein Traum in Erfüllung gegangen. Während seines Studiums an der Technischen Uni Berlin baute er mit Kommilitonen eine Gasturbine für Flugzeugtriebwerke. Diese stellte er auf der Luftfahrtmesse ILA aus, wo der Leiter des Standorts Lampoldshausen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf ihn aufmerksam wurde. Nach seinem Diplomabschluss 2010 bewarb sich Tony Brüssow beim DLR und arbeitet seitdem am Institut für Raumfahrtantriebe in der Abteilung Versuchsanlagen. „Ich bin als Versuchsleiter an zwei Forschungsprüfständen im Einsatz und teste Brennkammern für Raketentriebwerke“, erklärt der 27-Jährige. Dazu werden in etwa ein Meter lange Modelltriebwerke Ventile eingesetzt, und die Triebwerke werden wie bei einem Raketenstart gezündet. Tony Brüssow und sein rund zehnköpfiges Team prüfen während der Heißlaufphase, wie sich zum Beispiel der Druck oder die Temperatur in den Brennkammern verändern. „Die Daten fließen in eine Datenbank und werden später von uns analysiert“, erklärt der Ingenieur.

Mehr Arbeitsplätze, mehr Umsatz

Tony Brüssow (27) bei der Arbeit

Tony Brüssow (27)

Foto: Privat

Knapp 95.500 Menschen arbeiteten 2010 in der Luft- und Raumfahrtindustrie, also dem Bau und der Wartung von Flugzeugen und Raumfahrzeugen. Nicht eingerechnet in die Branche werden beispielsweise Fluggesellschaften und deren Mitarbeiter wie Piloten und Flugbegleiter sowie Fluglotsen.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten der Branche ist im Bereich Luft- und Raumfahrtsysteme tätig, also beispielsweise in der Planung, Entwicklung und Erprobung neuer Luft- und Raumfahrtgeräte. Rund 30.000 Mitarbeiter sind mit der Ausrüstung wie beispielsweise den Instrumenten beschäftigt, fast 11.000 mit Antrieben, rund 2.700 mit Werkstofftechnologien und sonstigen Bauteilen. „Seit 2007 nahm die Zahl der Arbeitsplätze im Luft- und Raumfahrtbau um zehn Prozent zu“, weiß Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „Insgesamt bieten sich gut qualifizierten Fachkräften mit beispielsweise einem ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Abschluss sehr interessante Tätigkeitsfelder mit guten Arbeitsmarktchancen.“

Auch im Bereich des Umsatzes hebt die Luft- und Raumfahrtindustrie buchstäblich ab: Der Umsatz stieg seit 2002 stetig an und lag nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie 2010 bei rund 24,7 Milliarden Euro. Neuere Zahlen werden erst im Herbst 2012 erhoben. Die zivile Luftfahrt – also der Passagier- und Frachttransport sowie die Verkehrs- und Wetterüberwachung – hatte mit 65 Prozent den größten Anteil am Umsatz. Der größte Auftraggeber der Branche ist der europäische Flugzeughersteller Airbus mit Hauptsitz in Frankreich. 2010 wurden 3.552 Flugzeuge allein für Airbus gebaut. Im Bereich der Raumfahrt werden vor allem Aufträge in den Bereichen Erdbeobachtung, Kommunikation und Navigation bearbeitet. Die deutsche Raumfahrtindustrie ist zum Beispiel an den Programmen Ariane 5 (Trägerrakete), TanDeM-X (Radarsatellit für digitale Höhenmessungen) und CryoSat-2 (Forschungssatellit für Eismassen in der Arktis und Antarktis) beteiligt. Im Bereich Verteidigung sind vor allem die Programme Eurofighter, NH90 und Tiger (Kampfflugzeuge und -hubschrauber) interessant, wobei die Bundeswehrreform sich negativ auf die Auftragslage ausgewirkt hat.

Platz für viele Berufsgruppen

Durch die unterschiedlichen Aufgaben werden auch die unterschiedlichsten Spezialisten gebraucht, wobei an vorderster Stelle aber die Ingenieure stehen. Diese hat auch Diehl Aerosystems mit Hauptsitz in Laupheim im Blick. Das Luftfahrtunternehmen teilt sich fachlich in die Bereiche Avionik (Bordelektronik) – dazu gehören die Entwicklung und Produktion von elektrischen Geräten, Systemen unter anderem für die Regelung, Navigation, Triebwerksteuerung und Beleuchtung – und Kabine. „Hier entwickeln und fertigen wir alles von der Innenverkleidung der Fluggastkabine über Toiletten und Waschräume bis hin zu den Stauschränken und Küchen“, erklärt Personalleiter Martin Amend. Wer als Trainee bei Diehl einsteigt, lernt in 18 Monaten das gesamte Unternehmen kennen. Der größte Bedarf an Nachwuchskräften besteht im Bereich Entwicklung. Für die Avionik werden hier vor allem Luft- und Raumfahrtingenieure, Elektrotechniker und (technische) Informatiker benötigt, für die Kabine Luft- und Raumfahrtingenieure sowie Verfahrenstechniker. „Wer im Programm- und Projektmanagement arbeiten will, sollte neben technischen Kenntnissen auch betriebswirtschaftliches Know-how haben“, erklärt Martin Amend. In der Produktion sind Maschinenbauer, Wirtschaftsingenieure und Produktionstechniker gesucht. Darüber hinaus bildet das Unternehmen auch angehende Industriekaufleute, Elektroniker, Mechatroniker, Produktdesigner, Verfahrens- und Fertigungsmechaniker aus – teilweise im dualen Studium. Bewerber finden an der Branche laut Martin Amend zum einen die hochtechnologische Elektronik und modernste Werkstoffe faszinierend, zum anderen die Arbeit in fachgemischten Teams und internationalen Zusammenhängen. „Und dann ist da natürlich noch der emotionale Aspekt“, ergänzt der Personalleiter: „der Traum des Menschen vom Fliegen.“

abi>> 14.03.2012