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Interessant auch für Große

Julia Fritz mit einem Spielwarenkatalog in ihrem Büro
Julia Fritz arbeitet beim Spieleverlag Ravensburger und beschäftigt sich den ganzen Tag mit Spielzeug.
Foto: Ravensburger Verlag

Spielwarenindustrie

Interessant auch für Große

Spiele machen nicht nur Spaß, sondern bieten auch interessante Einsatzmöglichkeiten für Abiturienten und Hochschulabsolventen: Die Spielwarenindustrie hält vielfältige Aufgaben bereit.

Sieht man es aus der Sicht von Kindern, hat Julia Fritz einen Traumjob: Sie beschäftigt sich den ganzen Tag mit Spielzeug. Die 26-Jährige ist beim Spieleverlag Ravensburger Junior-Produktmanagerin für Experimentierkästen und Bastelsets. Ihre Arbeit ist sehr vielfältig: „Ich erstelle Markt- und Wettbewerbsanalysen, arbeite mit Redakteuren an der Entwicklung neuer Produkte, erstelle Marketingstrategien, überlege mir mit den Designern die Gestaltung der Verpackung und stehe in engem Kontakt mit unserem Vertrieb“, zählt die Diplom-Betriebswirtin einige ihrer Aufgaben auf. Gerade erst kam sie vom Dreh eines neue Werbespots zurück, nun muss sie sich Gedanken zu einem neuen Experimentierkasten machen.

Nach ihrem Studium International Business mit Schwerpunkt Marketing an der Fachhochschule Pforzheim begann Julia Fritz als Trainee bei Ravensburger, wo sie im Produktmanagement für Kinder- und Familienspiele eingesetzt war. Als Trainee hat sie gelernt: Produktmanager müssen langfristig denken. „Wir bereiten jetzt schon die Neuheiten für 2013 vor.“ Aktuell betreut sie sieben Experimentierkästen und fünf Bastelsets, die im kommenden Jahr neu herauskommen. Dazu braucht es viel Organisationstalent, um den Überblick über alle Projekte und Beteiligten zu behalten. Auch Kommunikationsfähigkeit wird groß geschrieben. „Ich finde es sehr befriedigend, mit Produkten zu arbeiten, die anderen Spaß bereiten. Wenn ich sehe, dass Kinder mit ,meinem' Spielzeug spielen, ist das schon ein tolles Gefühl.“

Mittelständisch geprägt

Ravensburger gehört, wie die meisten Firmen der Branche, zum Mittelstand. Knapp 1.000 Unternehmen sind insgesamt in der Spielwarenindustrie aktiv. Zählt man die Videospiele hinzu, machten die Unternehmen 2009/2010 einen Umsatz von knapp 4,3 Milliarden Euro, davon entfielen knapp 2,4 Milliarden auf traditionelles Spielzeug. Allein für Kinder unter drei Jahren kauften die Deutschen im Jahr 2010 Spielzeug im Wert von 320 Millionen Euro. Beim Umsatz steht Deutschland nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie auf Platz drei in Europa, hinter Großbritannien und Frankreich.

Ob Holz, Kunststoff oder andere Materialien: Die meisten Spiele werden im Ausland gefertigt, weil die Produktionskosten in Asien oder auch in Osteuropa niedriger sind als in Deutschland. Das hat auch Folgen für die Stellenangebote: „Die zunehmende Verschiebung von klassischen Spielwaren hin zu Videospielen und die wachsende Produktion im Ausland hat die Beschäftigtenzahl in der deutschen Spielwarenindustrie in den letzten zehn Jahren um gut ein Drittel reduziert“, weiß Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „2010 waren noch 10.000 Personen in der Spielwarenindustrie beschäftigt, zuletzt war jedoch eine Stabilisierung zu beobachten.“ Dazu beigetragen hat sicher unter anderem auch die Pleite von großen Spielwarenherstellern wie Märklin im Jahr 2009.

Wie sich die Beschäftigung künftig entwickle, hänge zum einen davon ab, ob China sich wie angekündigt tatsächlich aus der Spielwarenproduktion zurückziehe, meint Ralf Beckmann. „Andererseits bleibt offen, wie sich wachsende Ansprüche der Verbraucher, steigende Preise und geringe Geburtenraten auf die Nachfrage nach Spielzeug auswirken.“ Die gute Konjunktur im ersten Halbjahr 2011 ließ die Nachfrage nach Arbeitskräften aus der Spielwarenindustrie jedenfalls wieder ansteigen. „Trotz der Wirtschaftskrise hatten wir in den vergangenen Jahren Umsatzzuwächse von vier bis fünf Prozent“, meint Jürgen Jagoschinski vom Deutschen Verband der Spielwaren Industrie. „Auch für dieses Jahr erwarten wir ein Wachstum von drei bis dreieinhalb Prozent.“

Wirtschaftswissenschaftler gefragt

Dabei sind aber nicht nur Kreative gesucht. Natürlich braucht es auch Spieleautoren, die immer wieder neue Ideen entwickeln oder bekannten Spielen einen neuen Dreh geben. Diese Spieleerfinder sind jedoch meistens Freiberufler. „Nur wenige große Unternehmen beschäftigen eigene Entwickler und Designer“, weiß Jürgen Jagoschinski, der beim Deutschen Verband der Spielwaren Industrie für das Qualitätsmanagement zuständig ist. Auch in den Berufen Spielzeughersteller und Holzspielzeugmacher werden jährlich deutschlandweit nur etwa zehn neue Ausbildungsverträge unterschrieben. Der überwiegende Teil der Angestellten in der Spielwarenindustrie hat einen wirtschaftlichen Hintergrund: Produktmanager, Marketingexperten und Vertriebsmitarbeiter sorgen dafür, dass die Spiele auch erfolgreich vermarktet werden.

Auch die Simba-Dickie-Group, zu der bekannte Marken wie Big, Noris und Schuco gehören, beschäftigt vor allem Mitarbeiter mit wirtschaftlichen Kenntnissen. Abiturienten können sich bei Simba Dickie zu Industriekaufleuten oder zu Groß- und Außenhandelskaufleuten ausbilden lassen, Hochschulabsolventen finden Einsatzbereiche zum Beispiel im Vertrieb, im Marketing, im Produktmanagement oder im Controlling. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielwarenfirmen produziert die Simba Dickie Gruppe die Hälfte ihrer Produkte in Europa, so dass auch Wirtschaftsingenieure gefragt sind, die in der Produktion arbeiten. Bei Ravensburger arbeiten ebenfalls viele Betriebswirte, aber auch IT-Experten, Pädagogen, Geisteswissenschaftler und Ingenieure. Und Schmidt-Spiele bildet unter anderem Werbekaufleute aus und stellt Kommunikations-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler sowie Designer ein.

Was fasziniert Bewerber vor allem an der Spielwarenindustrie? „Unsere Produkte rufen Emotionen hervor. Jeder war schließlich mal Kind und hat gern gespielt“, sagt der Simba-Dickie-Group-Geschäftsführer Manfred Duschl. Bewerbern in der Branche gefällt meist das abwechslungsreiche Sortiment, das Menschen bis ins hohe Alter begleiten kann. „Mit Spielwaren kann nun mal jeder etwas anfangen.“

abi>> 21.10.2011