Neubeginn
"Es war genau die richtige Entscheidung", ist sich Britta Kaufmann (Name geändert) sicher. Sie hat noch in der Probezeit ihre Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau abgebrochen und stattdessen ein BWL-Studium begonnen.
Rund 20 Prozent aller Azubis brachen im Jahr 2006 ihre Ausbildung ab.
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„Es war lange mein Wunsch, in diesem Berufsfeld zu arbeiten. Schon während meiner Schulzeit habe ich ein Praktikum in einem Reisebüro gemacht, weil ich mich für Tourismus interessiert habe. Außerdem wollte ich nach der Schule etwas Praktisches machen." Für Britta Kaufmann war deshalb klar, eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau zu beginnen.
Doch aus dem vermeintlichen Traum wurde schnell ein Albtraum. Die Stimmung im Büro war schlecht. Die heute 30-Jährige glaubt zu wissen, woran es lag: „Alle wussten, dass ein Mitarbeiter gekündigt werden sollte und verstanden nicht, weshalb trotzdem ein Azubi eingestellt wurde. Meine Kollegen haben das als unfair empfunden und sich gegen mich gerichtet."
Probleme mit den Kollegen
Britta Kaufmann wurde von ihren Kollegen nicht gegrüßt und nicht ausreichend eingearbeitet. „Ich durfte nur Aufkleber auf Kataloge kleben." Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind und Auszubildende auch mal unangenehmere Arbeiten erledigen müssen, war ihr bewusst, aber: „Ich habe in meinem Praktikum mehr gelernt und damals wurde mir auch viel mehr erklärt als in meiner Ausbildung."
Ein klärendes Gespräch suchte Britta Kaufmann erst gar nicht. Als zu breit empfand sie die Front im Büro. Heute würde sie es anders machen und auch Auszubildenden raten, erstmal mit den Kollegen oder dem Chef über die Situation zu sprechen. Bedenken ihre Ausbildung abzubrechen, hatte Britta Kaufmann viele: „Es war mir schon immer wichtig, meine Ziele umzusetzen. Deswegen war es für mich schwer, hier eine Niederlage zu akzeptieren. Außerdem hatte ich vor dem Bruch im Lebenslauf Angst."
Neuanfang geglückt
Hilfe suchte Britta Kaufmann bei Freunden und ihrer Familie. Sie ging zum Berufsberater ihrer örtlichen Agentur für Arbeit, den sie schon seit ihrer Schulzeit kannte. Und auch er riet ihr, die Ausbildung besser noch in der Probezeit zu beenden. Vor allem aber half er ihr bei der Neuorientierung. Gemeinsam überlegten sie, welche Möglichkeiten Britta Kaufmann offen stünden. Ein BWL-Studium sollte es dann werden. Die Kündigung selbst war kein Problem, denn in der Probezeit konnte sie ohne Angabe von Gründen einfach kündigen.
„Als ich die Kündigung abgegeben hatte, fühlte ich mich richtig erleichtert." Zeit darüber nachzudenken hatte sie nicht, zum Glück, wie sie sagt. Dank dem Nachrückverfahren konnte sie ohne Verzögerungen ins Studium starten, das sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen hat. Mittlerweile arbeitet sie als Projektleiterin in einem Logistikunternehmen. „Rückblickend bereue ich es überhaupt nicht. Ich bin jetzt absolut glücklich." Anderen Auszubildenden rät sie, auf das eigene Gefühl zu hören. Aber vor allem, sich rechtzeitig Gedanken über Alternativen zu machen.

