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Den Problemen auf den Zahn fühlen

Zwei Männer unterhalten sich.
Bevor man eine Ausbildung abbricht, sollte man erst einmal ein klärendes Gespräch suchen.
Foto: Susanne Erler

Probleme in der Ausbildung

Den Problemen auf den Zahn fühlen

Mobbing in der Firma, kein Durchblick in der Berufsschule, gesundheitliche Probleme – wer seine Ausbildung abbricht, hat meist gute Gründe. Aber Achtung: Ein Abbruch sollte gut überlegt sein!

Fast jeder vierte Azubi in Deutschland bringt seine Ausbildung nicht zu Ende. Über 140.000 waren es im Jahr 2014. Die Gründe sind unterschiedlich, sehr häufig kommt es aber vor, dass sich Auszubildende im Betrieb nicht wohlfühlen. „Nach meiner Erfahrung sind es meist zwischenmenschliche Konflikte: ein cholerischer Chef, mobbende Kollegen. Manchmal ist es aber auch nur ein kleiner Streit, an dem die jungen Leute verzweifeln“, sagt Dr. Thomas Frank von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm. „Nicht selten handelt es sich um ein Missverständnis. Nach einem klärenden, offenen Gespräch sieht die Welt meist schon anders aus. Deshalb: Bei Problemen immer unbedingt an den Ausbilder oder eine andere Vertrauensperson wenden“, empfiehlt er und ergänzt: „Wenn dabei nichts rauskommt, sind unsere Sozialpädagogen als Mediatoren für die Azubis da und versuchen mit beiden Seiten zu erarbeiten, wie es weitergehen kann. Ist dann aus der Mücke bereits ein Elefant geworden, hilft leider oft nur noch der Betriebswechsel.“

Ein Porträt-Foto von Stefan Krüger

Stefan Krüger

Foto: Privat

Azubis sollten sich in jedem Fall kritisch fragen: Was genau stört mich überhaupt? „Ein Gespräch ist da oft hilfreich“, sagt auch Stefan Krüger, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Schwerin. „Ist es der Betrieb, die neue Wohnsituation, die Ausbildung selbst oder einfach nur die Umstellung auf das neue Leben mit 40 Arbeitsstunden in der Woche? Dann bringt ein Betriebs- oder Ausbildungswechsel gar nichts.“ Oft würden sich die ersten Zweifel nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auflösen. „Ich empfehle, die ersten Wochen abzuwarten und zu schauen, wie es sich entwickelt“, rät der Berufsberater.

Fehler bei der Berufswahl vermeiden

Nicht selten sind es allerdings tatsächlich fachliche Gründe, die zu einem vorzeitigen Abbruch führen. „Die Medien liefern oftmals ein ganz falsches Bild von Ausbildungsberufen. Dann haben die jungen Leute völlig andere Erwartungen“, erläutert Thomas Frank. „Dabei gibt es viele Möglichkeiten sich vorher zu informieren“, meint Stefan Krüger. „Dafür sind wir da. Wer nicht zur persönlichen Berufsberatung kommen möchte, kann sich im Internet, bei BERUFENET, BERUFE.TV oder auf Berufsmessen informieren. Auch Orientierungstests oder ein Schulpraktikum bringen vorab Klarheit.“

Trotzdem hat Stefan Krüger Verständnis für Irrtümer. „Fehler machen wir alle mal. Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Gerade wenn man jung ist, weiß man nicht immer genau, was man kann und will“, sagt er und empfiehlt, bei Zweifel, einen Termin in der Berufsberatung zu vereinbaren. „Wir können bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz helfen. Außerdem werden Nachteile beim Kindergeld und einer möglichen Familienkrankenversicherung vermieden.“ Da sich der Ausbildungsabbruch oder -umstieg auf den Kindergeldanspruch auswirken kann, sollten sich Betroffene in jedem Fall auch sofort bei der Familienkasse melden. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht frühestens nach einem Jahr beitragspflichtiger Ausbildung.

Ein Porträt-Foto von Dr. Thomas Frank

Dr. Thomas Frank

Foto: Privat

Auch die Ausbildungsberater bei den Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern helfen beim Ausbildungsumstieg. „Wer sich ganz früh sicher ist, kann versuchen im gerade angefangenen Ausbildungsjahr in eine neue Ausbildung zu wechseln. Es gibt immer Betriebe, die händeringend Azubis suchen“, sagt Thomas Frank. Dann müsse einem aber klar sein, dass der Stoff aus der Berufsschule eigenverantwortlich nachgeholt werden muss.

Alternativen finden

Bei der Bewerbung für einen alternativen Ausbildungsplatz empfehlen beide Berater maximale Offenheit. „Wer eine Ausbildung abbricht, kann das meist gut begründen. Aus meiner Erfahrung heraus haben die Betriebe dafür Verständnis“, sagt Thomas Frank. Berufsberater Stefan Krüger ergänzt: „Eine gute Gelegenheit, die Beweggründe darzulegen, ist das Bewerbungsgespräch. Im Anschreiben dagegen würde ich es nicht thematisieren.“

Beide Experten raten dazu, erst zu kündigen, wenn man einen neuen Ausbildungsvertrag oder die Zusage für einen Studienplatz in der Tasche hat. Während der Probezeit, die mindestens einen, maximal vier Monate dauert, geht das von heute auf morgen. Später gibt es in der Regel eine gesetzliche Kündigungsfrist von mindestens vier Wochen. Nahtlosen Betriebswechslern wird die bisher geleistete Ausbildungszeit angerechnet – Azubis, die in einen anderen Beruf wechseln, aber im Berufsfeld bleiben, oft ebenfalls. „Alle anderen fangen von vorne an“, sagt Thomas Frank. Auszubildenden, die bereits im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr sind, empfiehlt er deshalb durchzuhalten.

Für diejenigen, die Angst haben, durch die Prüfung zu rauschen, gibt es kostenlos Nachhilfeunterricht. „Bei uns kann man die sogenannten ‚ausbildungsbegleitenden Hilfen‘ beantragen. Dann finanziert die Arbeitsagentur den Zusatzunterricht“, sagt Stefan Krüger. Auch der Wechsel ins Studium ist bei Abiturienten nicht unüblich. „Auch dann ist es wichtig, dass man sich in der Übergangszeit wegen Kindergeld und Krankenversicherung informiert. Jobben kann man ja trotzdem“, merkt der Berufsberater an.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs

Industrie- und Handelskammern

Bei Problemen in der dualen Ausbildung sind die IHKs vor Ort ein guter Ansprechpartner. Auf der Website der Dachorganisation gibt es einen IHK-Finder mit Direktzugriff auf die örtliche Kammer.
www.dihk.de

Handwerkskammern

Die Handwerkskammern sind die richtige Adresse für Auszubildende in handwerklichen Berufen. Über eine Deutschlandkarte auf der Webseite der Dachorganisation findet man die jeweilige örtliche Vertretung.
www.zdh.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Zahlen und Fakten zum Thema Ausbildungsabbruch dokumentiert die Seite des Bundesinstituts für Berufsbildung.
www.bibb.de

Ausbildungsbegleitung VerA

VerA ist ein Angebot des Senior Experten Service (SES) an alle, die in der Ausbildung auf Schwierigkeiten stoßen und mit dem Gedanken spielen, ihre Lehre abzubrechen.
www.vera.ses-bonn.de

abi>> 20.01.2016