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Probleme offen ansprechen

Diverse Hilfsmittel wurden zur Baustellenabsicherung einer Straße aufgestellt.
Wenn es nicht mehr weitergeht: Wer mit dem Gedanken spielt, seine Ausbildung abzubrechen oder zu wechseln, sollte sich frühzeitig einen alternativen Weg überlegen.
Foto: Martin Rehm

Probleme in der Ausbildung - Hintergrund

Probleme offen ansprechen

Fast ein Viertel aller Auszubildenden in Deutschland löst vor Ablauf der Ausbildungszeit den Berufsausbildungsvertrag, oft schon in der Probezeit. Dieser Schritt sollte jedoch gut überlegt sein. Für Auszubildende, die darüber nachdenken, gibt es viele Unterstützungsangebote.

Wer jeden Morgen ungern zur Arbeit in seinen Ausbildungsbetrieb geht, sollte sich fragen, warum das so ist. Sich über die Gründe klar zu werden, ist der erste Schritt, um zu einer Lösung zu kommen. Die Schwierigkeiten können ganz unterschiedlich sein – die Erwartungen wurden enttäuscht, es gibt Probleme mit dem Chef oder die Aufgaben füllen einen nicht aus.

Manche Branchen sind besonders häufig von vorzeitigen Vertragslösungen betroffen: „Im Bereich Hotellerie und Gastronomie wird fast ein Drittel aller Ausbildungsverhältnisse vor dem Ausbildungsende gelöst", weiß Florian Kaiser, Bildungsberater bei der IHK für München und Oberbayern. „Hier spielen meist weniger vermeintlich schlechte Arbeitsbedingungen eine Rolle, sondern eher, oft auch durch das Fernsehen vermittelte, falsche Vorstellungen von einem Beruf.“

Falsche Erwartungen oder Probleme im Betrieb

Ein Porträtfoto von Thomas Ledergerber

Thomas Ledergerber

Foto: SKUB

Auch Thomas Ledergerber von der Agentur für Arbeit Freiburg hat in Beratungsgesprächen festgestellt, dass falsche Erwartungen an den Beruf ein Grund sind, warum Ausbildungen abgebrochen werden: „Abiturienten sind zwar weniger oft von Ausbildungsabbrüchen betroffen als Azubis mit Haupt- und Realschulabschlüssen. Aber auch bei ihnen gibt es manchmal das Problem, dass der Beruf in der Vorstellung spannender war als im richtigen Leben. Sie fühlen sich unterfordert.“ Genauso kann es zu Überforderung kommen, wenn das Lernpensum in der Berufsschule nicht bewältigt werden kann.

Insgesamt liegt die Quote für Ausbildungsabbrüche seit Jahren zwischen 20 und 25 Prozent. „Erfahrungsgemäß steigt der Prozentsatz in Zeiten, in denen Auszubildende gesucht sind. Dann werden Verträge eher mal gelöst“, erklärt der Experte der Agentur für Arbeit. Neben falschen Vorstellungen vom Beruf sind Probleme im Ausbildungsbetrieb ein häufiger Grund, warum die Lehrzeit nicht beendet wird. Manche verstehen sich mit ihrem Ausbilder oder den Kollegen nicht, einige werden sogar gemobbt. Manchmal werden aber auch Ausbildungsinhalte nicht richtig vermittelt oder es müssen fachfremde Arbeiten ausgeführt werden.

Gespräche führen und Unterstützung suchen

Ein Porträtfoto von Florian Kaiser

Florian Kaiser

Foto: privat

Florian Kaiser von der IHK rät: „Bei all diesen Problemen gilt, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Wichtig ist, das Gespräch zu suchen: mit Eltern, Geschwistern oder Freunden und natürlich mit dem Ausbildungsverantwortlichen im Betrieb. Oftmals lassen sich so Probleme aus der Welt schaffen. Finden sich jedoch keine Lösungen, gibt es bei den Industrie- und Handelskammern vor Ort Ansprechpartner, die sich auskennen und beratend oder vermittelnd tätig werden.“ Diese Hilfe bieten auch die Handwerkskammern an.

Unterstützung bei Ausbildungsproblemen findet man außerdem in den örtlichen Agenturen für Arbeit. „Im Gespräch mit einem Berater wird nach möglichen Lösungen und Alternativen gesucht,“ erzählt Thomas Ledergerber. „Wir bieten beispielsweise die sogenannte Assistierte Ausbildung (Asa) an. Hier wird der Auszubildende begleitet, um das Verhältnis zum Betrieb wieder zu stabilisieren oder Wissensdefizite auszugleichen.“ Ein persönliches Coaching bieten die Senior Experts der VerA Initiative, die sich ebenfalls zum Ziel gesetzt hat, Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Was gilt es zu beachten?

Wenn der Entschluss zum Ausbildungsabbruch dennoch feststeht, gibt es einiges zu berücksichtigen. „Die meisten Verträge werden in den ersten Monaten der Ausbildung gelöst“, berichtet Florian Kaiser. „Das fällt in die Probezeit und das Ausbildungsverhältnis kann jederzeit ohne die Nennung von Gründen fristlos gekündigt werden.“ Danach muss der Auszubildende generell eine Kündigungsfrist von vier Wochen einhalten beziehungsweise die rechtlichen Rahmenbedingungen im Ausbildungsvertrag beachten. Wird die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortgeführt, wird die bisher geleistete Ausbildungszeit in der Regel angerechnet – das gilt häufig auch für Azubis, die in einen anderen Beruf wechseln, aber im Berufsfeld bleiben.

Daneben ist im Rahmen eines Ausbildungsabbruchs zu klären, wie die Krankenversicherung weiterläuft. „Nach zwölf Monaten in einer dualen Ausbildung hat man das Recht auf Arbeitslosengeld, das man bei den Agenturen für Arbeit beantragen kann“, ergänzt Thomas Ledergerber. „Außerdem gilt es zu prüfen, ob man weiterhin Anspruch auf Kindergeld hat.“ Bei einem Abbruch oder einem Wechsel sollte man darüber hinaus im Blick behalten, wie die Regelungen zur Berufsschulpflicht im jeweiligen Bundesland ausgestaltet sind. Wechselt man im selben Beruf in einen anderen Betrieb in der Region ist es wichtig, sich darum zu kümmern, dass man die Berufsschule weiter besuchen kann.

Gut informieren und ausprobieren

„Man sollte sich vor jeder Ausbildung sehr gut über den zukünftigen Beruf und den Betrieb informieren“, rät Florian Kaiser. „Informationen gibt es im Internet, bei BERUFENET, BERUFE.TV, auf Ausbildungsmessen oder im direkten Kontakt. Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Beruf zu einem passt, macht man am besten ein Praktikum. So sieht man, ob die Vorstellungen den Realitäten entsprechen und ob ein Betrieb zu einem passt.“

Bei der Suche nach dem richtigen Weg helfen die Studien- und Berufsberater der Agenturen für Arbeit weiter. „Man sollte sich über seine Stärken und Interessen im Klaren sein“, weiß Thomas Ledergerber. „Diese Auseinandersetzung mit sich selbst beginnt idealerweise frühzeitig, damit man nicht einen Berufsweg als Notnagel wählen muss.“

Um Alternativen kümmern

Dennoch kann es vorkommen, dass sich der Wunschberuf als die falsche Wahl entpuppt. „Wer sich sicher ist, den falschen Beruf gewählt zu haben, muss sich nicht drei Jahre durchkämpfen“, findet der Experte der IHK. „Dann ist es kein Beinbruch, wenn man die Ausbildung aufgibt und sich etwas Neues sucht.“ Die Suche nach Alternativen beginnt am besten schon vor dem Ausbildungsabbruch.

Thomas Ledergerber gibt abschließend zu bedenken: „Natürlich macht es einen Unterschied, ob man seine Ausbildung in den ersten Monaten oder kurz vor der Prüfung abbrechen möchte. Manchmal besteht auch die Möglichkeit, mit dem Abschluss in anderen Bereichen zu arbeiten oder eine Weiterbildung zu beginnen und die Ausbildung dafür dann doch durchzuziehen. Wer Probleme im Betrieb hat, muss diese offen ansprechen und sich Hilfe suchen. Da gehört auch Mut dazu.“

Weitere Informationen

Arbeitsagenturen

Berufsberater der örtlichen Arbeitsagenturen besprechen mit dir deine Ausbildungsprobleme und helfen, Lösungen zu finden.
www.arbeitsagentur.de

 BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

 JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Industrie- und Handelskammern

Bei Problemen in der dualen Ausbildung sind die IHKs vor Ort ein guter Ansprechpartner. Auf der Website der Dachorganisation gibt es einen IHK-Finder mit Direktzugriff auf die örtliche Kammer.

www.dihk.de

Handwerkskammern

Die Handwerkskammern sind die richtige Adresse für Auszubildende in handwerklichen Berufen. Über eine Deutschlandkarte auf der Webseite der Dachorganisation findet man die jeweilige örtliche Vertretung.

www.zdh.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Zahlen und Fakten zum Thema Ausbildungsabbruch dokumentiert die Seite des Bundesinstituts für Berufsbildung.
www.bibb.de

Ausbildungsbegleitung VerA

VerA ist ein Angebot des Senior Experten Service (SES) und richtet sich an alle, die in der Ausbildung auf Schwierigkeiten stoßen und mit dem Gedanken spielen, ihre Lehre abzubrechen.
www.vera.ses-bonn.de

abi>> 15.03.2018