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Wenn Lebensträume platzen

Zimmerschlüssel eines Hotels
Den Traum vom eigenen Hotel hat Kimberly Morgan Hinrichs abgehakt. Stattdessen studiert sie nun Journalismus.
Foto: Nancy Heusel

Probleme in der Ausbildung: Reportage

Wenn Lebensträume platzen

Eine eigene Pension aufmachen – das war Kimberly Morgan Hinrichs Traum. Mit diesem Ziel vor Augen beginnt sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Doch die Ausbildung entpuppt sich als Fehler. Heute studiert die 24-Jährige Journalismus und ist froh über ihre Entscheidung.

„I ch bin ein Mensch, der andere gerne umsorgt“, sagt Kimberly Morgan Hinrichs. „Ich mag es einfach, für Leute da zu sein und freue mich immer, wenn ich jemanden verwöhnen kann, zum Beispiel mit einem selbst gebackenen Brot zum Frühstück.“ Die Leidenschaft für die Gastlichkeit ist geblieben, nur den Traum von der eigenen Pension, den hat sie aufgegeben. „Ich finde schon noch, dass Hotelfachfrau ein wunderschöner Beruf ist. Bei mir haben aber einfach die Rahmenbedingungen nicht gestimmt“, sagt die Halb-Costa-Ricanerin. Ihre Ausbildung beginnt sie bei einer großen Hotelkette in Bremen. „Ich dachte, in so einem edlen Hotel wird viel Wert darauf gelegt, den Menschen den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen“, begründet die 24-Jährige ihre Wahl. Die Realität im Ausbildungsalltag entsprach jedoch nicht ihren Erwartungen.

Gespräche ohne Erfolg

Für ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau durchläuft Kimberly Morgan Hinrichs die verschiedenen Abteilungen des Hotels. Ihre erste Anlaufstelle ist der Service. Das Team ist freundlich und die junge Frau fühlt sich wohl. Dann wechselt sie ins Housekeeping. Dort beginnen die Probleme. Sie kommt mit dem rauen Umgangston nicht zurecht und fühlt sich schlecht betreut. Auch die Arbeitszeitenregelung mit Überstunden und Saisonarbeit macht ihr zu schaffen. Sie äußert ihren Unmut gegenüber ihrem Ausbilder, sucht das Gespräch mit den Vorgesetzten – ohne Erfolg. Die Zweifel werden größer: „Ich fühlte mich nicht ernst genommen. Ich habe mich dann gefragt, liege ich wirklich so falsch oder bin ich für die Branche einfach nicht geeignet?“

Kimberly Morgan Hinrichs setzt ihre Ausbildung dennoch fort. Sie hofft, dass es im Laufe der Zeit besser wird. Vom Housekeeping wechselt sie ins Lager und dann in die Küche. Die Probleme bleiben. In der Hoffnung, etwas ändern zu können, sucht sie Hilfe bei der Industrie- und Handelskammer und schaltet schließlich die Beratungsstelle „Ausbildung – Bleib dran“ von der Uni Bremen ein. Gemeinsam mit einem Mediator der Beratungsstelle sucht sie noch einmal das Gespräch mit der Personalabteilung ihres Ausbildungsbetriebs. Doch die Fronten sind bereits verhärtet. Der Mediator als neutraler Dritter bekräftigt ihre Wahrnehmung. „Ich bin unendlich dankbar, dass da jemand war, der mir in dieser schweren Zeit fachlich zur Seite stand“, sagt die junge Frau rückblickend.

Studium statt Ausbildung

Ein Jahr hat Kimberly Morgan Hinrichs zu diesem Zeitpunkt schon durchgehalten. Dann zieht sie die Notbremse und kündigt. In der Berufsschule hört sie sich zunächst nach einem neuen Betrieb um, in dem sie ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau abschließen könnte. Doch dann beschließt sie, die Ausbildung komplett abzubrechen: „Mir wurde klar, dass mich dieser Beruf nicht glücklich machen würde.“ Stattdessen schreibt sie sich für den Bachelorstudiengang Journalismus an der Hochschule Bremen ein. „Auf Journalismus bin ich recht schnell gekommen. Das war ja mein ursprünglicher Traum, den ich aber als unrealistisch weggeschoben hatte“, erklärt Kimberly Morgan Hinrichs. Die Zeit bis zum Studienstart überbrückt sie mit Jobben und Verreisen. Ihre Eltern unterstützen sie in der Übergangsphase sehr. Sie kann in die Familienversicherung zurück, so ist sie wenigstens krankenversichert.

Mittlerweile ist Kimberly Morgan Hinrichs im dritten Semester. Vier Semester Studium liegen noch vor ihr – genauso wie mehrere Praktika. Ihre Entscheidung bereut sie nicht, im Gegenteil: „Dieser Weg war der einzig richtige für mich“, sagt die 24-Jährige heute. Das Thema Gastfreundschaft ist für sie trotzdem nicht komplett vom Tisch. Immer noch lädt sie gerne Freunde und Verwandte zu sich ein und umsorgt sie – ohne Stoppuhr, dafür aber voller Herzenslust.

abi>> 20.01.2016