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Finanzieller Durchblick für Azubis

Auf dem Foto ist eine Ausgabenliste zu sehen, außerdem ein Kalender, Geldscheine und Geldmünzen sowie Stift und Brille.
Als Azubi muss man seine Finanzen im Blick behalten. Dazu gibt Ulrike Friedrich wichtige Tipps.
Foto: Martin Rehm

Finanzen in der Ausbildung

Finanzieller Durchblick für Azubis

Wieviel verdient man im Durchschnitt während einer Ausbildung? Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettovergütung? Und welche Förderungsmöglichkeiten können Auszubildende in Anspruch nehmen? Ulrike Friedrich, Ausbildungsexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), gibt wichtige Tipps in puncto Finanzen.

abi>> Frau Friedrich, was sollte im Ausbildungsvertrag hinsichtlich der Vergütung festgelegt sein?

Ulrike Friedrich: Im Ausbildungsvertrag regeln Ausbildungsbetrieb und Auszubildende eine angemessene Vergütung. Sie soll mit fortschreitender Ausbildung, aber mindestens jährlich, steigen. Die Höhe der Vergütung richtet sich meist nach dem jeweiligen Branchentarifvertrag oder ortsüblichen Sätzen. Wird der Ausbildungsvertrag bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) erfasst, wird dort ebenfalls geprüft, ob eine angemessene Vergütung vereinbart wurde.

abi>> Wie viel verdienen Auszubildende im Durchschnitt in einer tariflich geregelten dualen Ausbildung?

Ein Porträt-Foto von Ulrike Friedrich

Ulrike Friedrich

Foto: Katrin Moreno Garzòn

Ulrike Friedrich: Im Durchschnitt beträgt die Azubi-Vergütung derzeit 876 Euro – in Westdeutschland etwas darüber und in Ostdeutschland etwas darunter. Insgesamt sind die Azubi-Vergütungen in den vergangenen zehn Jahren kräftig gestiegen. Dabei gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Branchen, Berufen und Bundesländern.
Übrigens: Im Ausbildungsvertrag wird die Vergütung der Branche vereinbart, in der die Ausbildung stattfindet. Das heißt, für eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement in einer Bank gilt die „Bankvergütung“; findet dagegen eine Gastronomieausbildung in der Chemieindustrie statt, gibt´s die „Chemievergütung“.
Das Wichtigste ist jedoch, mit der Ausbildung zufrieden zu sein. Wenn die Chemie im Betrieb stimmt und der Beruf den Wünschen entspricht, sollte die Ausbildung nicht nur nach der Vergütung ausgewählt werden.

abi>> Werden Überstunden bezahlt?

Ulrike Friedrich: Wenn der Auszubildende mehr arbeitet als die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit, wird diese Beschäftigung besonders vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen.

abi>> Worin besteht der Unterschied zwischen Brutto- und Nettovergütung?

Ulrike Friedrich: Im Ausbildungsvertrag steht die Bruttovergütung. Da Auszubildende sozialversicherungspflichtig sind, zahlen sie aber zusätzlich Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, zudem Steuern. Die Nettovergütung ist kurzum das, was nach diesen sogenannten Abzügen aufs Konto überwiesen wird. Ausnahme: Auszubildende, die unter 325 Euro Vergütung bekommen, zahlen keine Sozialabgaben.

abi>> Welche Lebenshaltungskosten können auf Auszubildende zukommen?

Ulrike Friedrich: Wer noch zu Hause wohnt, sollte klären, wie viel er für die Gemeinschaftskasse beisteuern muss. Wer ausziehen will, sollte Kosten für Wohnung, Mobilität und Essen bedenken. Die Faustregel hierbei lautet: möglichst nicht mehr als ein Drittel des monatlich zur Verfügung stehenden Geldes für Wohnraum ausgeben. Hinsichtlich Versicherungen ist zu klären, ob Kranken- und Privathaftpflichtversicherung über die Familienversicherung abgedeckt sind. Wer sich gegen Berufsunfähigkeit versichern möchte, geht dies am besten früh an.

abi>> Lassen sich all diese Kosten von der Ausbildungsvergütung bezahlen?  Und wenn nein, welche speziellen Fördermöglichkeiten gibt es?

Ulrike Friedrich: Grundsätzlich soll die Azubi-Vergütung eine Hilfe und Erleichterung bei der Durchführung der Ausbildung sein – sie ist kein Gehalt. Ob ein Azubi mit der durchschnittlichen Vergütung das Leben selbstständig finanzieren kann, hängt vom persönlichen Lebensstil ab. In Berufen oder Branchen mit niedrigeren Vergütungen können die Förderung nach BAföG oder die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Bundesagentur für Arbeit unterstützen. Außerdem gibt es zinsfreundliche Bildungskredite. Gut zu wissen: Wer während der Ausbildung nicht zu Hause wohnt und von den Eltern keinen Unterhalt erhält, kann bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld bekommen. Ansonsten wird es den Eltern ausbezahlt.

abi>> Welche Voraussetzungen müssen Auszubildende erfüllen, um Förderungen in Anspruch zu nehmen?

Ulrike Friedrich: Die Voraussetzungen werden durch verschiedene Komponenten bestimmt, zum Beispiel die Art der Ausbildung oder das Alter – das ist ein komplexes Feld. Die richtige Anlaufstelle macht es leichter: Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) wird bei der Agentur für Arbeit beantragt, BAföG für Schüler beispielsweise bei der Stadt- oder Ortsverwaltung.

abi>> Haben Sie weitere Finanztipps für Auszubildende?

Ulrike Friedrich: Interessant für alle, die eine Ausbildung weiter weg von zu Hause beginnen wollen, ist, dass immer mehr Ausbildungsbetriebe bei Bedarf Verpflegung oder Unterkunft zur Verfügung stellen. Solche „Sachbezugswerte“ werden zwar von der Ausbildungsvergütung abgezogen, ein Viertel der Bruttovergütung muss aber ausbezahlt werden. In teuren Städten kann sich das lohnen. Außerdem gibt es für Azubis viele Vergünstigungen – ob Kino, Handy-Tarif oder Versicherung. Das Wichtigste ist aber, ein Girokonto für die Vergütung zu eröffnen.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

Der Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit liefert vielseitige Informationen zum Thema Ausbildung, Studium und mehr.
www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Rechner zur Berufsausbildungsbeihilfe

www.babrechner.arbeitsagentur.de

BAföG

Informationen unter anderem zur Auszubildendenförderung
www.bafög.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Zusammenschluss aller 79 Industrie- und Handelskammern
www.dihk.de

handwerkskammer.de

Gemeinschaftsinitiative aller 53 Handwerkskammern
www.handwerkskammer.de

Zentralverband des Deutschen Handwerks

www.zdh.de

abi>> 16.08.2018

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