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Kreativität und Technik vereint: das Handwerk

Kaffee und Kuchen in Auslage
Der Konditor ist nur einer von zahlreichen Lehrberufen in der Handwerksbranche.
Foto: Martin Rehm

Abiturienten im Handwerk – Hintergrund

Kreativität und Technik vereint: das Handwerk

Mit Holz, Metall, Lebensmitteln, Stoff, Leder, Glas oder Papier, mit dem Computer, mit Kunden und für Kunden arbeiten: Das Handwerk hat mit über 130 Berufen aus unterschiedlichen Bereichen und Tätigkeitsfeldern eine große Spannbreite zu bieten. Die Vielfalt, der technische Fortschritt und die guten Aufstiegschancen der Branche machen das Handwerk auch für Abiturienten interessant.

Julia Goffin hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Die 21-Jährige macht eine Ausbildung zur Konditorin in einem traditionellen Familienbetrieb. „Ich habe schon immer gerne gebacken, anfangs nur für Freunde“, erzählt sie. „Nach dem Abitur habe ich mich dann gefragt, wofür ich mein Leben lang jeden Morgen gerne aufstehen würde. Da ist mir die Idee mit der Konditorlehre gekommen.“

Ein Porträt Foto von Julia Goffin

Julia Goffin

Foto: privat

Aufstehen muss die angehende Konditorin besonders früh: Unter der Woche beginnt der Arbeitstag um 6 Uhr, samstags um 5 Uhr. „Wir stellen erst die alltäglichen Gebäcke wie Teilchen und Hefehörnchen her, die morgens zum Frühstück in der Auslage liegen müssen“, erzählt Julia Goffin, die sich im zweiten Ausbildungsjahr befindet. „Danach kommen – je nach Saison – verschiedene Torten und Kuchen an die Reihe. Außerdem backen wir für Aufträge Hochzeits-, Tauf- oder Kommunionstorten.“ Die abwechslungsreiche Arbeit im Handwerk macht der Abiturientin großen Spaß. „Mir gefällt die lockere Art im Handwerk“, meint sie. „Für mich wäre ein Bürojob nichts. Es ist schön, am Ende des Tages Ergebnisse der eigenen Arbeit in der Hand zu halten.“

Die Hochschulreife ist für die Konditorausbildung keine Voraussetzung, bringt aber dennoch Vorteile mit sich: „Die Berufsschule fällt mir schon leichter, weil ich mir in der Schule angeeignet habe, wie man am besten lernt und ich vieles schon kenne“, findet Julia Goffin und schildert, worauf es als Konditorin ankommt: „In meinem Beruf muss man sich einiges merken: Wie sieht welche Torte aus? Welche Füllungen gibt es? Ansonsten sollte ein gewisses Maß an Geschicklichkeit vorhanden sein, um auch filigranere Arbeiten durchführen zu können. Man muss sich kreativ neue Ideen ausdenken können und sollte vor allem Spaß am Backen und Dekorieren haben.“

Nach ihrer Ausbildung möchte sie ins Ausland gehen, dort arbeiten und Erfahrungen sammeln, um dann einen lang gehegten Wunsch wahr zu machen: „Mein Kindheitstraum ist es, ein eigenes Café zu eröffnen.“

Mehr Abiturienten im Handwerk

Dass Abiturienten wie Julia Goffin sich für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden, kommt immer häufiger vor, weiß Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Die Zahl der Abiturienten, die eine Ausbildung im Handwerk absolvieren, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Trotzdem ist ihre Zahl noch vergleichsweise gering – 2015 entfiel nur jeder achte Ausbildungsvertrag im Handwerk auf einen Abiturienten.“ Unter den gesamten Ausbildungsanfängern hat vergleichsweise mehr als jeder Vierte Abitur.

Für die meisten Handwerksberufe reicht formal die Mittlere Reife oder der Hauptschulabschluss aus, um eine Lehrstelle zu bekommen. In manchen Gewerken finden sich aber auch viele Auszubildende mit Hochschulreife. „Die Betriebe können selbst entscheiden, ob sie jemanden mit Abitur möchten oder nicht“, erläutert Axel Rosenau von der Agentur für Arbeit in Hannover. „Oftmals ist jedoch die Motivation für die Ausbildung, die sich in bereits absolvierten Praktika oder privaten Hobbies zeigt, wichtiger als die Noten. Im Handwerk sind je nach Beruf eher technisches Grundverständnis, Kundenorientierung oder Geschicklichkeit gefragt.“

Dabei haben sich viele Berufsbilder im Handwerk durch die Digitalisierung und den vermehrten Einsatz von Computern stark gewandelt: „Die Kfz-Mechaniker heißen heute Kfz-Mechatroniker. Anstatt am Auto zu schrauben, wird heute erst einmal der Bordcomputer ausgelesen, um Probleme zu finden“, führt der Teamleiter aus Hannover als Beispiel an. „Auch in anderen Berufen, wie Fotograf oder Hörakustiker, spielen PC-Kenntnisse eine immer größere Rolle.“

Selbstverwirklichung und Karriere

Ein Porträt-Foto von Axel Rosenau

Axel Rosenau

Foto: privat

Gründe, mit Abitur eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen, gibt es viele. „Einige Abiturienten reizt es, durch das Handwerk in künstlerischen Berufen zu arbeiten, etwa als Fotograf, Masken- oder Bühnenbildner“, erläutert Axel Rosenau. „In vielen Handwerksberufen kann man seine kreativen Talente sehr gut ausleben.“ Andere Schüler wollen erst praktische Erfahrungen sammeln, bevor sie an ein Studium denken. „Als Abiturient gibt es viele Möglichkeiten, im Handwerk Karriere zu machen“, weiß der Experte der Agentur für Arbeit. „Es gibt Zusatzqualifikationen wie den Betriebsassistenten im Handwerk, der kaufmännische Kenntnisse vermittelt.“ Auch der Technische Betriebswirt im Handwerk verbindet handwerkliches und technisches Know-how mit dem kaufmännischen Bereich.

Der klassische Weg für Absolventen einer handwerklichen Ausbildung, die Führungsverantwortung übernehmen oder sich selbstständig machen wollen, führt über die Meisterweiterbildung. In dieser vertiefen die Teilnehmenden nicht nur ihr Fachwissen, sondern eignen sich auch Kenntnisse aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Recht und Arbeitspädagogik an. Mehr über die Meisterqualifikation sowie über weitere Aufstiegsweiterbildungen wie Fachwirt oder Techniker erfährst du im Beitrag „Dank Weiterbildung auf Bachelor-Niveau“.

„Abiturienten können nach der Ausbildung auch ein Studium anschließen, wie etwa ein Elektriker, der später noch Elektrotechnik studiert. Es gibt sogar Angebote für duale oder triale Studiengänge. Hier werden Ausbildung und Studium oder sogar Ausbildung, Studium und Meisterprüfung kombiniert absolviert“, ergänzt Axel Rosenau.

Sind die dualen Studiengänge meist fachlich orientiert, kombiniert die triale Qualifikation die handwerkliche Ausbildung mit dem Meistertitel und dem Bachelor in Handwerksmanagement. Da es sich um ein recht neues Studienmodell handelt, ist die Anzahl der Anbieter noch sehr übersichtlich. Bisher wird das triale Studium Handwerksmanagement nur von der Fachhochschule des Mittelstands in Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern zu Köln, Hannover und Schwerin sowie von der Hochschule Niederrhein in Kooperation mit verschiedenen regionalen Partnern durchgeführt. In dieser anspruchsvollen und nur mit viel Fleiß und Arbeitsorganisation zu bewältigenden Ausbildung werden die Azubis innerhalb kürzester Zeit darauf vorbereitet, selbst einen Betrieb zu leiten.

Eigener Chef

Die Übernahme eines Betriebs ist dabei eine durchaus realistische Möglichkeit. „Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks sucht etwa jeder vierte Betriebsinhaber derzeit einen Nachfolger“, berichtet Ralf Beckmann. Axel Rosenau ergänzt: „In fünf bis zehn Jahren gibt es etwa 200.000 Betriebe ohne Nachfolger. Mit einer Ausbildung im Handwerk hat man also exzellente Entwicklungsmöglichkeiten.“

Die Chancen, eine Lehrstelle zu bekommen, sind ebenfalls sehr hoch. „Immer mehr Unternehmen klagen über Nachwuchsmangel. So blieben 2016 rund 14.000 gemeldete Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt“, berichtet Ralf Beckmann. Bei 130 handwerklichen Berufen und zahlreichen Weiterqualifizierungsangeboten gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um ans Ziel zu kommen. „Jeder kann den speziellen Weg für sich finden“, ist sich Axel Rosenau sicher.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z.B. Handwerk)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Über den „finder“ kannst du gezielt nach ausbildungsintegrierenden Studiengängen suchen.
www.studienwahl.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

www.bibb.de

AusbildungPlus

Bundesweiter Überblick über Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikation und duale Studiengänge www.ausbildungplus.de

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

www.zdh.de

Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk

https://zwh.de

Berufsprofile im Handwerk

Informative Website des Deutschen Handwerkskammertags (DHKT) e.V.
www.handwerk.de

Handfest-Online

Jugendmagazin des Handwerks im Internet
www.handfest-online.de

Handwerk4you.net

Handwerksberufe von A bis Z

www.handwerk4you.net

abi>> 18.09.2017

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