Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Den individuellen Weg finden

Wasserwaage, Hammer und Kelle liegen neben Pflastersteinen.
Pflastern, Schmieden oder Löten - das Handwerk bietet mit über 130 verschiedenen Berufen eine große Auswahl.
Foto: Axel Jusseit

Interview

Den individuellen Weg finden

Dr. Volker Born ist Leiter der Abteilung Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). abi» sprach mit ihm über Weiterbildungs- und Aufstiegschancen in handwerklichen Berufen.

abi>> Herr Dr. Born, viele, die einen Handwerksberuf erlernen, möchten anschließend den Meister machen. Welche Vorteile sind damit verbunden?

Dr. Volker Born: Es gibt 41 Gewerke, in denen ausschließlich mit dem Meisterbrief eine Existenzgründung möglich ist. Das gilt zum Beispiel für Kraftfahrzeugmechatroniker, die eine eigene Werkstatt eröffnen wollen, oder für Augenoptiker, die sich selbstständig machen möchten. Aber auch wenn kein Meisterbrief für die Selbstständigkeit erforderlich ist, empfiehlt sich eine entsprechende Fortbildung. Untersuchungen zeigen, dass die Insolvenzquote bei selbstständigen Handwerkern geringer ausfällt, wenn sie sich zum Meister weitergebildet haben. Denn Handwerksmeister bekommen nicht nur fachliche, sondern auch betriebswirtschaftliche Qualifikationen vermittelt – Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Unternehmensführung dringend nötig sind. Zudem legt man mit der Meisterprüfung auch die Ausbildereignungsprüfung ab und darf selbst junge Menschen ausbilden.

abi>> Stichwort Existenzgründung: Wie stehen derzeit die Chancen, einen Handwerksbetrieb übernehmen zu können?

Dr. Volker Born: Eine Betriebsübernahme wird immer attraktiver. In den nächsten zehn Jahren werden rund 200.000 Unternehmer im Handwerk in den Ruhestand wechseln und auf der Suche nach engagiertem Nachwuchs sein. Man kann beispielsweise als Junior-Partner einsteigen und hat so einen fließenden Übergang, bis man selbst die volle Verantwortung trägt.

abi>> Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Handwerksmeister?

Dr. Volker Born: Handwerksmeister können sich zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung fortbilden. Dabei erwirbt man Kompetenzen, um einen Betrieb strategisch neu auszurichten, indem man etwa neue Geschäftsfelder erschließt und für mehr Innovationspotenzial im Unternehmen sorgt.

Wer beispielsweise in einem größeren Betrieb Leitungs- oder kaufmännisch geprägte Führungsaufgaben übernehmen möchte – zum Beispiel im Bereich Personal oder Marketing –, kann sich nach der Ausbildung zum Kaufmännischen Fachwirt weiterbilden. Mit dieser Qualifizierung ist ebenfalls die Voraussetzung für eine Weiterbildung zum Betriebswirt im Handwerk geschaffen.

abi>> Bringt eine handwerkliche Ausbildung was für ein entsprechendes Studium?

Dr. Volker Born: Wer vor dem Studium bereits Erfahrungen in der betrieblichen Realität gesammelt hat, hat meist weniger Probleme, Theorie und Praxis miteinander zu verknüpfen. Das Lernen fällt häufig leichter. Insofern kann eine Ausbildung zum Erfolg im Studium beitragen. Inzwischen gibt es auch duale ausbildungsintegrierte Studienangebote, die sowohl zu einem Abschluss der Handwerkskammer (HWK) in einem Handwerksberuf als auch zu einem Bachelorabschluss führen. An einigen Hochschulen werden außerdem triale Studiengänge angeboten. Sie kombinieren den HWK-Abschluss mit dem Meisterbrief und einem Bachelorabschluss.

abi>> Was reizt junge Menschen, insbesondere mit Hochschulreife, am Handwerk und zu welcher Form der Weiterqualifizierung raten Sie denjenigen, die sich für einen Handwerksberuf entschieden haben?

Dr. Volker Born: Der Reiz des Handwerks liegt nicht zuletzt in der Vielfalt der über 130 Berufe und der Möglichkeit, sich im Handwerk zu verwirklichen. Der Anteil der Abiturienten, die sich für einen Handwerksberuf entscheiden, ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt derzeit bei etwa elf Prozent. Welchen Weg der Weiterqualifizierung man nach der Ausbildung einschlagen möchte, ist immer eine individuelle Entscheidung.

abi>> 11.08.2015