Aufbruchstimmung liegt in der Luft

Flughafen Impressionen
Ein Flughafen hält spannende und vielfältige Tätigkeitsfelder für angehende Auszubildene bereit.
Foto: Frank Pieth

Ausbildung am Flughafen

Aufbruchstimmung liegt in der Luft

Wer kennt das nicht: Kaum betritt man den Flughafen, schon packt einen das Fernweh. Jetzt schnell rein in den Flieger und raus in die weite Welt! Damit das reibungslos klappt, arbeiten Tausende Menschen fast rund um die Uhr – sieben Tage die Woche. Welche Berufe man hier erlernen kann und worauf es dabei ankommt, hat abi >> recherchiert.

Jedes Mal, wenn ich zur Arbeit komme, fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Ich erinnere mich daran, wie ich damals über die vielen fremdsprachigen Menschen gestaunt habe“, sagt Lukas Reddig. Der 21-Jährige absolviert zurzeit eine dreijährige, duale Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann bei den Berliner Flughäfen. „Als Kind habe ich viel Zeit am Flughafen verbracht. Es war mein Traum, Pilot zu werden. Das hätte aber aus medizinischen Gründen nicht geklappt, deshalb habe ich mich nach Alternativen umgeschaut und bin auf den Luftverkehrskaufmann gestoßen“, sagt er.

Ein Porträt-Foto von Lukas Reddig

Lukas Reddig

Foto: privat

In seiner Ausbildung lernt er alles rund um die Abläufe am Flughafen, insbesondere, was den Ein- und Verkauf der Dienstleistungen seines Arbeitgebers, der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, betrifft. Dazu gehört es, die gesamte Infrastruktur und die Kapazitäten zu planen, die Kosten zu berechnen, die rechtlichen Zollbestimmungen im Auge zu behalten und etwa Start- und Landezeiten mit den Airlines zu verhandeln. Am liebsten kümmert sich Lukas Reddig aber um die operative Abfertigung des Flugverkehrs. „Ich mag es, im direkten Kontakt zu den Passagieren zu sein, also am Check-in, an der Info zu stehen, Tickets zu verkaufen, Ansagen zu machen oder im Terminal zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Diese Abwechslung gefällt mir am Beruf. Deshalb habe ich mich auch für die Ausbildung und nicht für das Studium ‚Luftverkehrsmanagement‘ entschieden, bei dem es viel mehr um rein administrative Aufgaben hinter den Kulissen geht“, erklärt er.

Nach zwei Wochen am Flughafen, etwa in der Administration oder am Terminal, drückt er immer für eine Woche die Schulbank an der Berufsschule. Neben Luftverkehrsrecht, Geographie, Rechnungswesen, Wirtschaftslehre sowie Sicherheits- und Einfuhrbestimmungen paukt er hier auch Deutsch, Englisch und Sport. „Man braucht in jedem Fall gute Leistungen in Mathe, Deutsch und Englisch. Das ist die Basis. Außerdem sollte man sich für die Luftfahrt interessieren.“

Heiß begehrte Jobs: Pilot und Fluglotse

Für die Luftfahrt begeistern können sich viele Jugendliche. „Vor allem die Ausbildungen zum Piloten oder zum Fluglotsen sind heiß begehrt“, sagt Stefanie Lua vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit in Düsseldorf, und merkt an: „Die Ausbildung zum Fluglotsen erfolgt durch die Deutsche Flugsicherung. Die Ausbildung zum Piloten wird zum größten Teil über private Flugschulen angeboten.“

Der Pilotenverband Vereinigung Cockpit schreibt dazu: „Der Arbeitsmarkt für Piloten in Europa ist gesättigt. Die großen Fluggesellschaften haben lange Wartelisten mit Jobaspiranten.“ Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit ergänzt: „Für Piloten oder auch für Fluglotsen gibt es insgesamt nur sehr wenige Stellenangebote. 2016 waren es jahresdurchschnittlich jeweils rund zehn gemeldete Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit. Fluglotsen stellen mit knapp 5.000 Beschäftigten eher eine kleine Gruppe dar – ihre Zahl war zuletzt leicht rückläufig.“

Kaufmännische Luftfahrtberufe

Ein Porträt-Foto von Stefanie Lua

Stefanie Lua

Foto: privat

Aber auch andere Ausbildungsplätze, die für Abiturienten interessant sind, seien rar gesät und schnell besetzt. „Dazu gehören die Luftverkehrskaufleute und die Servicekaufleute im Luftverkehr. Die Ausbildungsplätze von Reiseverkehrskaufleuten, die es ja auch am Flughafen gibt, bleiben dagegen oft unbesetzt“, sagt Arbeitsvermittlerin Stefanie Lua. Und das obwohl sich die genannten drei Berufe sehr ähneln: Bei allen drei sind Organisationstalent, Sprachkenntnisse, Serviceorientierung und Kontaktfreude sehr wichtig.

Im Unterschied zu den Luftverkehrskaufleuten, arbeiten Servicekaufleute vor allem im operativen und nur selten im administrativen Bereich. Arbeitgeber sind neben den Flughafenbetreibern auch Airlines und Abfertigungsgesellschaften. Luftverkehrskaufleute werden zudem bei Speditionen und Reisebüros beschäftigt. Für beide käme nach der Ausbildung ein Studium im BWL-Bereich infrage, etwa Luftverkehrsmanagement oder Verkehrsbetriebswirtschaft; aber auch eine Weiterbildung zum Fachwirt – Güterverkehr und Logistik beziehungsweise Personenverkehr und Mobilität wäre möglich.

Möglichkeiten für Technikbegeisterte

Für technisch Interessierte mit einem Faible für die Luftfahrt bietet sich eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker oder Fluggerätelektroniker an. Auch diese Berufe werden unter anderem am Flughafen dual gelehrt. „Viele Abiturienten mit technischer Begabung und handwerklichem Geschick entscheiden sich aber für ein Ingenieursstudium, zum Beispiel Luft- und Raumfahrttechnik oder Verkehrswesen“, sagt Stefanie Lua. Auch für diejenigen, die eigentlich Pilot oder Fluglotse werden wollten, kann so ein Studium eine Alternative sein.

Susanne Lindner spricht grundsätzlich von guten Aussichten für alle, die eine Ausbildung am Flughafen absolviert haben. „Die Nachfrage nach Berufen rund um den Flughafen war in der Vergangenheit immer mal wieder Schwankungen unterworfen, zuletzt war sie für viele Berufe steigend. Insgesamt haben sich die Arbeitsmarktchancen von Berufen rund um den Flughafen in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Die Beschäftigung ist tendenziell steigend. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem niedrigen Niveau und war in vielen Berufen zuletzt rückläufig.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

AusbildungPlus

Informationsportal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) rund ums duale Studium in Deutschland, inklusive Datenbank mit Studienangeboten und Kooperationsbetrieben.
www.ausbildungplus.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV)

Der Flughavenverband ADV ist der älteste zivile Luftfahrtverband in Deutschland. Unter ‚Service‘ findest du auch einen Link zu einer Stellenbörse mit Praktika, Ausbildungsplätzen und weiteren Jobs.
www.adv.aero

Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)

Auf der Website gibt’s interessante Einblicke in aktuelle Themen der Branche.
www.bdl.aero

DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

Die DFS ist für die Flugverkehrskontrolle in Deutschland zuständig.
www.dfs.de

 

Ausbildung am Flughafen – Interview

„Ein Flughafen sollte wie ein geölter Motor laufen“

Wie realistisch ist es, am Traumarbeitsplatz Flughafen Arbeit zu finden – und auch auf lange Sicht zu behalten? abi>> hat bei Jobst Wellenkamp, Fachbereichsleiter Personal bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) nachgefragt.

abi>> Herr Wellenkamp, wie geht es den Flughäfen in Deutschland? Ist ein Arbeitsplatz in der Luftfahrt in Deutschland krisensicher?

Jobst Wellenkamp: Jedes Jahr mehr Passagiere, jedes Jahr mehr Güter. Im letzten Jahr bestiegen 223 Millionen Menschen in Deutschland ein Flugzeug. Die Branche wächst konstant, auch wenn es immer mal wieder kleinere Einbrüche gibt. Wir gehen davon aus, dass das Passagieraufkommen in den nächsten zehn Jahren bereits bei über 300 Millionen liegt. Darauf weist die große Reisefreudigkeit von jüngeren Menschen hin. Das Risiko, seinen Arbeitsplatz aus wirtschaftlichen Gründen zu verlieren, ist also ziemlich gering – auch wenn man sich vergegenwärtigt, dass, anders als in anderen Branchen, der Arbeitsplatz ja nicht einfach ins Ausland verlagert werden kann, sondern immer lokal verankert bleibt.

abi>> Wie viele Menschen arbeiten aktuell an deutschen Flughäfen?

Ein Porträt-Foto von Jost Wellenkamp

Jost Wellenkamp

Foto: Matthias Jankowia

Jobst Wellenkamp: Schätzungsweise 180.000 Menschen sind direkt auf den Flughäfen beschäftigt. Wir vom Flughafenverband ADV vertreten nur die Flughafengesellschaften selbst. Das sind die 22 großen, internationalen Verkehrsflughäfen und die bedeutenden Frachtdrehkreuze. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Regionalflughäfen und hunderte kleinere Flugplätze.
Die wesentliche Aufgabe der Flughafengesellschaften ist es, sich um die Infrastruktur für den Start und die Landung der Flugzeuge zu kümmern. Zudem bieten wir alle Services an, die damit im Zusammenhang stehen. Arbeitgeber auf dem Flughafengelände sind aber auch die Airlines, die Logistikunternehmen, die DFS Deutsche Flugsicherung, Sicherheitsfirmen, Feuerwehr, Polizei, Reisebüros und vieles mehr. Ein Flughafen ist quasi eine kleine Stadt, mit allem, was dazu gehört.

abi>> Bleiben wir einmal bei Ihrem Kerngeschäft, also bei den Berufen rund um Start und Landung der Maschinen. In welchen Bereichen benötigen Sie Mitarbeiter?

Jobst Wellenkamp: Grundsätzlich gibt es operative, technische und kaufmännische Luftfahrtberufe. Die meisten unserer Angestellten arbeiten bei den sogenannten Bodenverkehrsdiensten. Wie schon der Name sagt, sind das die Dienste, die erledigt werden müssen, während sich das Flugzeug am Boden befindet: Maschinen auf die Parkposition einweisen, Flugzeuge sowie Türen und Ladeluken sichern, be- und entladen der Fracht, Gepäck abfertigen, Instandhaltungsmaßnahmen und Services koordinieren. Aber auch im Security- und Safetybereich wird viel Personal benötigt. Die Flughafengesellschaften müssen dies alles organisieren, verwalten und immer wieder nach den neuesten Anforderungen gestalten.

abi>> Worauf kommt es grundsätzlich bei der Arbeit am Flughafen an?

Jobst Wellenkamp: Viele Jobs sind Jobs wie in einem anderen Unternehmen auch, das trifft auf alle Verwaltungsaufgaben sowie auf viele technische Berufe zu. Bei den Bodenverkehrsdiensten und anderen operativen Luftfahrtberufen ist Stressresistenz allerdings schon etwas, was betont werden muss. Denn ein Flughafen sollte immer laufen wie ein geölter Motor – wenn mal etwas Unvorhersehbares passiert, sollte der Passagier nichts mitbekommen. Dazu ist ein hohes Maß an Flexibilität notwendig.

abi>> Hat sich die Luftfahrtbranche in den letzten Jahren verändert? Wo haben Sie Personalbedarf?

Jobst Wellenkamp: Ganz klar spielen Sicherheitsfragen eine immer größere Rolle. Neben den normalen Passagier-, Gepäck- und Personalkontrollen werden zunehmend auch Experten eingesetzt, die das menschliche Verhalten im Flughafen beobachten und analysieren. Auch die gesamte IT am Flughafen gilt als kritische Infrastruktur. Das heißt, wir brauchen hochqualifiziertes IT-Personal, auch weil uns das Thema Digitalisierung mehr und mehr bewegt.

 

Fluglotsin – Control Center

Herrscherin über den Luftraum

Immer konzentriert bei der Sache sein und auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf behalten: Darauf kommt es in Selma Warneckes Ausbildung zur Fluglotsin an. Die 23-Jährige hat sich einen der Ausbildungsplätze bei der DFS-Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt ergattert.

„Lufthansa One-Two-Three. Langen Radar. Identified“, mit diesen Worten begrüßt Selma Warnecke das Flugzeug, das soeben ihren Luftraum erreicht hat. Und auch wenn es nur eine Simulation ist, verfolgt die 23-Jährige jetzt hochkonzentriert am Radarbildschirm, wie sich das kleine Viereck langsam durch ein Wirrwarr von Linien von rechts oben nach links unten bewegt.

Als Radarlotsin ist sie dafür verantwortlich, dass alle Flugzeuge, die ihren Luftraum durchfliegen, genau auf der Flughöhe, zur geplanten Geschwindigkeit an einer bestimmten Position, auf einem bestimmten Kurs den nächsten Luftraum erreichen – ohne zu nah an ein anderes Flugobjekt zu gelangen. „Man muss alle Flieger im Kopf haben und wissen, was der Pilot möchte. Falls der vorgesehene Mindestabstand unterschritten werden sollte, muss man frühzeitig eingreifen und mit seinen Anweisungen die Flieger auseinanderhalten. Spannend wird es außerdem, wenn es einen Notfall gibt oder ein Unwetter aufkommt“, erklärt die angehende Fluglotsin.

Erst Theorie, dann Simulationen

Ein Porträt-Foto von Selma Warnecke

Selma Warnecke

Foto: privat

Selma Warnecke ist im ersten Ausbildungsjahr. Nach fünf Monaten Theorie mit Themen wie Luftrecht, Flugzeugkunde, Meteorologie, Luftfahrtenglisch und Navigation trainiert sie nun vor allem an wirklichkeitsnahen Simulationsübungen. „Wir sind immer zu dritt, einer ist der Radarloste, einer der Koordinationslotse, der mit den anderen Lufträumen im ständigen Kontakt ist, und der dritte spielt die Piloten. Nach maximal zwei Stunden ist Pause und wir wechseln durch“, erklärt sie.

In ihrer Ausbildung konzentriert sich Selma Warnecke auf das Lotsen im sogenannten Unteren Luftraum. Andere spezialisieren sich auf den Oberen Luftraum oder werden Towerlotsen. „Es hat mich sehr gefreut, dass mir dieser Luftraum zugewiesen wurde, weil hier meiner Meinung nach am meisten los ist. Hier befinden sich die Flieger nach dem Start im Steigflug beziehungsweise werden für die Landung vorbereitet. Wenige Minuten vor der Landung übergeben wir die Flieger dann an die Towerlotsen.“

Nach dem ersten Ausbildungsabschnitt wechselt sie direkt an ihren zukünftigen Arbeitsplatz und wird „on the Job“ trainieren. Am Ende ihrer Ausbildung erhält sie eine Lizenz für genau den Luftraum, an dem sie trainiert hat. Je nach persönlicher Entwicklung und Einsatzort kann das noch einmal zwischen zwölf und 24 Monaten dauern. „Den Einsatzort können wir uns nicht aussuchen. Die DFS entscheidet, wo neue Leute gebraucht werden.“

Mehrstufiges Auswahlverfahren

Schon für den Start ihrer Ausbildung musste Selma Warnecke äußerst flexibel sein. Bereits vor drei Jahren hatte sie sich beworben, musste aber mehr als zweieinhalb Jahre warten, bis es dann schließlich losgehen konnte. „Damals wurden keine neuen Lotsen gebraucht. Die DFS plant genau nach Bedarf. Zurzeit sind die Wartezeiten kürzer“, sagt sie.

Mit einem klassischen Bewerbungsschreiben startete sie in ein aufwändiges Auswahlverfahren. Selma Warnecke passte ins Profil und wurde zu einem zweitägigen Eignungstest nach Hamburg ins Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) eingeladen. Hier musste sie beweisen, dass sie das Zeug dazu hat, sich räumlich zurechtzufinden, sich nicht ablenken zu lassen, sicher im Kopf zu rechnen – und vor allem schnell Entscheidungen zu treffen.

Studium als zweites Standbein

Während die DLR-Psychologen und Experten die ersten Tests auswerteten, kümmerte sich Selma Warnecke um einen Plan B. „Ich wollte unbedingt Fluglotsin werden. Trotzdem bestand die Gefahr, dass es nicht klappen könnte.“ Sie begann deshalb mit einem Studium der Technomathematik, einer Mischung aus Mathematik und Ingenieurwissenschaften.

Als sie nach weiteren Bewerbungsrunden schließlich die Zusage erhielt, hätte die Ausbildung theoretisch beginnen können: „In Abstimmung mit der DFS habe ich mein Bachelor-Studium aber noch zu Ende gemacht, damit ich ein zweites Standbein habe, sollte ich meine Lotsentauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen verlieren“, sagt sie und spielt damit auch auf das Seh- und Hörvermögen an, dass bei Lotsen ähnlich wie bei Piloten sehr gut sein muss.

Dass sie als Fluglotsin den ganzen Tag im gleichen Raum sitzt, stört sie nicht. „Alles was ablenkt, ist schlecht und ich möchte mich ja voll auf das konzentrieren, worauf es gerade ankommt: Flugzeuge sicher ans Ziel zu bringen. Außerdem haben wir ja alle zwei Stunden eine Pause von einer halben Stunde. Dann können wir ja abschweifen und in den Himmel schauen.“

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Fluglotsin – Control Center

Typischer Tagesablauf

Selma Warnecke lernt an der DFS- Flugsicherungsakademie, wie man Flugzeuge sicher durch den deutschen Luftraum navigiert. Heute stehen neben Simulationsübungen auch Militärverfahren auf dem Stundenplan.

7.30 Uhr

Selma Warnecke betritt die Flugsicherungsakademie und begibt sich in den Simulationsraum. Dort bereitet sie gemeinsam mit ihren zwei Teamkollegen die erste Übung vor.

7.45 Uhr

Zunächst übernimmt Selma Warnecke die Rolle des Radarlotsen und ist per Funk im ständigen Kontakt zu den „Piloten“, die in ihrem Luftraum fliegen. Ein halbe Stunde lang lässt sie den Radarbildschirm nicht aus den Augen, verfolgt alle Flugbewegungen, errechnet schnell notwendige Sinkraten oder Kurskorrekturen und gibt sie an die Piloten durch.

8.30 Uhr

Die Übung wird im Anschluss mit dem Übungsleiter besprochen. Direkt danach beginnt die zweite Übung.

8.45 Uhr

Nun übernimmt Selma Warnecke die Rolle des Koordinationslotsen, wobei das Telefon ihr wichtigstes Arbeitsmittel ist. Darüber ist sie im ständigen Kontakt zu allen angrenzenden Lufträumen, zum Tower und zum Flugdatenbearbeiter.

9.30 Uhr

Auch der zweite Simulationsdurchlauf wird besprochen.

9.45 Uhr

Frühstückspause

10.15 Uhr

Beim dritten Durchlauf setzt sich Selma Warnecke als imaginärer Pilot ans Ruder der Flugzeuge.

11.15 Uhr

Mittagspause

12 Uhr

Anschließend stehen Militärverfahren auf dem Stundenplan. Es gelten andere Abstände, die Sicherheit von Tief- und Formationsflügen muss gewährleistet sein und viel extremere Sink- und Steigraten berücksichtigt werden.

15.20 Uhr

Der Unterricht ist zu Ende.

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Servicekauffrau im Luftverkehr

Mit Freundlichkeit punkten

Schon in ihrer Ausbildung zur Servicekauffrau im Luftverkehr kümmert sich Nadine Kos (21) darum, dass sich Passagiere am Münchner Flughafen wohlfühlen. Für den Service-Dienstleister Aerogate sorgt sie mit dafür, dass alles rund um die Flugzeugabfertigung nahtlos ineinander greift.

„Ich liebe meine Ausbildung. Sie ist unglaublich abwechslungsreich“, sagt Nadine Kos. Die 21-Jährige lernt nahezu alle Bereiche eines Flughafens kennen. Sie verkauft Flugtickets, steht den Passagieren an der Info Rede und Antwort, kümmert sich um den Check-in, hilft beim Boarding am Gate, kontrolliert und koordiniert die Be- und Entladung des Flugzeugs auf dem Vorfeld, sucht und findet, wenn Gepäck verloren geht und übernimmt Arbeitsplanungsaufgaben in der Verwaltung. Jeweils zwei Monate wird sie in jeder Abteilung umfassend geschult. „Am meisten Spaß machen mir die Aufgaben, bei denen ich viel mit Menschen zu tun habe. Die Büroarbeit dagegen ist nicht so meins“, erklärt die junge Frau.

Positiv überrascht

Ein Porträt-Foto von Nadine Kos.

Nadine Kos

Foto: Bareither

Aktuell ist Nadine Kos im zweiten Jahr ihrer dualen Ausbildung. In einem halben Jahr wird sie ihre schriftliche IHK-Abschlussprüfung machen. Dann werden vor allem die Inhalte abgefragt, die sie im jeweils sechswöchigen Blockunterricht an der Berufsschule Freising erlernt hat. Neben Luftverkehrswirtschaft, Serviceleistungen und Allgemeiner Wirtschaftslehre pauken die angehenden Servicekaufleute unter anderem Datenverarbeitung und Sprachen. „Wir vertiefen unsere Englischkenntnisse und lernen Spanisch.“

Der Hauch von weiter Welt, die Vielfalt der Ausbildung – all das war Nadine Kos gar nicht bewusst, als sie sich für die Ausbildung im Oktober 2014 bewarb. „Das hat mich richtig positiv überrascht. Mir waren eigentlich ganz andere Sachen wichtig, nämlich, dass ich nach meinem Fachabitur erstmal was Praktisches machen kann. Außerdem wollte ich unbedingt bald mein eigenes Geld verdienen und – für mich ganz entscheidend – in der Nähe bleiben. Da der Flughafen ja quasi fast direkt vor unserer Haustür liegt, habe ich mich dann intensiv darüber informiert, welche Ausbildungsmöglichkeiten es hier gibt.“

Vorstellungsgespräch in großer Runde

Nach eingängiger Online-Recherche war sich Nadine Kos sicher, dass die Servicekauffrau im Luftverkehr am besten zu ihren Interessen und Eigenschaften passt. „Ich bin geduldig und behalte auch in stressigen Situationen Ruhe. Ich bin flexibel, kommunikationsfreudig und da ich zweisprachig aufgewachsen bin, fallen mir Sprachen leicht“, resümiert die Halbkroatin.

Das Vorstellunggespräch, zu dem sie auf ihre Bewerbung hin eingeladen wurde, lief ganz anders ab als erwartet. „Wir wurden zu fünft eingeladen – aber eben nicht zu einem Assessment-Center mit Aufgaben, sondern wirklich einfach zu einem Gespräch in großer Runde. Dabei wurde aber wohl doch geschaut, wie wir miteinander umgehen. Ich nehme an, weil die Sozialkompetenz eine ganz große Rolle in unserem Beruf spielt.“

Wechselnde Arbeitszeiten

Seitdem lernt sie jeden Tag etwas Neues. Der Schichtdienst – der Flughafen muss von 3 Uhr bis 24 Uhr besetzt sein – ist für sie okay. „Die Frühschicht, die um 6 Uhr losgeht, ist mir eigentlich am liebsten. Dann hat man noch was vom Tag“, sagt sie. Für den Umgang mit genervten Fluggästen hat sie zu jeder Tageszeit eine eigene Philosophie parat: „Meine Erfahrung ist, wenn man Verständnis zeigt und freundlich bleibt, dann bekommt man auch viel Freundlichkeit zurück.“

Die Chancen, dass Aerogate sie nach ihrer Ausbildung in eine Festanstellung übernimmt, stehen gut. „Wenn es klappt, bin ich zufrieden. Vielleicht kann ich dann zur Schichtleiterin aufsteigen. Oder ich studiere doch noch Luftverkehrsmanagement. Festlegen möchte ich mich da noch nicht.“

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Servicekauffrau im Luftverkehr

Typischer Tagesablauf

Während ihrer Ausbildung zur Servicekauffrau im Luftverkehr hat Nadine Kos schon viele unterschiedliche Bereiche am Münchner Flughafen kennengelernt. Für abi>> gibt sie einen Einblick in einen typischen Tag als Ramp-Agent auf dem Vorfeld des Flughafens.

6 Uhr

Nach dem Einstempeln wird die Auszubildende an der Sicherheitskontrolle akribisch durchgecheckt. Über den Gepäckkeller geht sie anschließend ins Büro. Dort erfährt sie, für welche Flugzeuge sie heute zuständig sein wird.

6.15 Uhr

In der Umkleidekabine zieht sie ihre Sicherheitsschuhe an und eine Warnweste über. Wichtig dabei ist, dass ihr Flughafenausweis immer gut zu sehen ist.

6.30 Uhr

Nadine Kos fährt mit den Auto zur Position ihres ersten Flugzeugs. Dort trifft sie den zuständigen Loader, dem sie die Verladungspapiere bringt. Nadine Kos‘ erste Aufgabe ist es, das Vorfeld genauestens abzusuchen. Selbst kleinste Gegenstände müssen entfernt werden, denn sie könnten das Triebwerk des Flugzeugs beschädigen.

6.45 Uhr

Nachdem das erste Flugzeug gelandet ist, klärt sie mit dem Kabinenpersonal ab, ob etwas Besonderes auf dem Flug vorgefallen ist oder beispielsweise Rollstuhlfahrer an Bord sind, die einen speziellen Mobility-Service benötigen.

7 Uhr

Während die Passagiere aussteigen und die Koffer entladen werden, bespricht sie mit dem Piloten, welche Dienstleistungen die Crew am Münchner Flughafen in Anspruch nehmen will. Muss getankt werden? Soll geputzt werden? Danach ruft Nadine Kos die jeweiligen Zuständigen an und ordert die Dienste.

7.15 Uhr

Da das Flugzeug bereits in 30 Minuten wieder startklar sein soll, bespricht sie mit dem Flugpersonal, wann das Boarding voraussichtlich beginnen kann.

7.20 Uhr

Die Auszubildende überwacht Boarding und Beladung. Erst wenn das Flugzeug seine Vorfeld-Position verlassen hat, darf auch sie ihren Platz verlassen.

7.50 Uhr

Nadine Kos ist wieder im Büro und gibt alle wichtigen Dokumente des gerade abgefertigten Flugzeugs ab. Danach geht sie zur Position ihres zweiten Flugzeugs.

8.30 Uhr

Das nächste Flugzeug trifft ein. Nadine Kos bespricht mit dem Kabinenpersonal, was zu tun ist, koordiniert die Kommunikation mit den einzelnen Servicediensten und ist für die Crew der direkte Draht zum Gate.

11 Uhr

Nadine Kos macht Mittagspause.

11.40 Uhr

Das dritte Flugzeug für heute rollt an und auch jetzt steht Nadine Kos für alle Aufgaben bereit.

14 Uhr

Nach vier Flugzeugen ist Feierabend.

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Pilot

„Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt“

Über den Wolken schweben und täglich fremde Länder bereisen. Als Pilot lebt Tobias Hinsch diesen Traum. Der 31-Jährige arbeitet bei einer Tochter der größten deutschen Fluggesellschaft.

Seit vier Jahren fliegt Tobias Hinsch als Co-Pilot. Dabei sitzt er genauso am Ruder wie der Kapitän. „Wir fliegen immer zu zweit. Immer ein Co-Pilot und ein Kapitän, wobei wir beide vollwertige Piloten sind. Es handelt sich hier lediglich um Rangbezeichnungen, also quasi um die Titel innerhalb einer Karrierelaufbahn. Kapitän wird man in der Regel automatisch, wenn man über genug Flugerfahrung und ein gewisses Dienstalter verfügt“, erklärt er. „Im Flugbetrieb wechseln wir uns ab. Derjenige, der nicht fliegt, hält den Kontakt zu den Fluglotsen, überwacht den Luftraum mit Blick aus dem Fenster und behält alle Systemanzeigen im Blick.“

Absolute Konzentration

Ein Porträt-Foto von Tobias Hinsch

Tobias Hinsch

Foto: Bert Bostelmann

Wenn er im Sonnenuntergang einen Flughafen anfliegt, ist das für Tobias Hinsch einer der schönsten Momente und er weiß wieder, warum er Pilot geworden ist. Adrenalin schüttet er dabei keines mehr aus, längst sind die Abläufe für ihn zur Routine geworden. „Absolute Konzentration ist natürlich trotzdem ein Muss.“

Nach der Landung gilt es, sich mit dem Bodenpersonal für den Rückflug abzustimmen. Gibt es besondere Passagiere? Wie viel Gepäck wurde eingecheckt? Muss getankt werden? Hat sich das Wetter geändert? Die Verantwortung für die Entscheidungen trägt zwar der Kapitän, als Co-Pilot muss er trotzdem über jedes Detail Bescheid wissen und alles dokumentieren.

Danach startet Tobias Hinsch wieder Richtung Heimatflughafen. „Anders als die Kollegen von den Langstrecken schlafe ich immer in meinem eigenen Bett“, sagt er. „Im Normalfall arbeite ich fünf Tage am Stück, auch an Feiertagen und Wochenenden. Und dann gibt es noch die Nachtflüge.“ Jeden Tag fliegt er eine andere Route. „Ich starte meine Arbeitstage immer in Hamburg und kehre nach zwei oder vier Flügen wieder nach Hause zurück.“

Hohe Ausbildungskosten

Die Begeisterung fürs Fliegen hat den Piloten schon mit vier Jahren gepackt. „Da bin ich zum ersten Mal mit meinen Eltern in den Urlaub geflogen und durfte auch ins Cockpit rein“, erinnert er sich. Von da an will er Pilot werden.

Nach dem Abi und Zivildienst bewarb er sich bei der größten deutschen Fluggesellschaft, denn die Finanzierung der Fluglizenz aus eigener Tasche wäre für ihn nicht in Frage gekommen. Stattdessen übernimmt die Gesellschaft für ihre angehenden Piloten einen Teil der immensen Kosten von heute zirka 120.000 Euro. „Trotzdem musste ich noch 40.000 Euro selbst finanzieren. Dafür habe ich ein Darlehen aufgenommen, das ich heute noch abzahle. Wer sich heute für die Ausbildung entscheidet, muss allerdings mit 70.000 Euro und mehr rechnen. Manche Fluggesellschaften übernehmen gar keine Kosten“, sagt er.

Komplexer, psychologischer Eignungstest

Am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Hamburg durchlief er einen komplexen Eignungstest, bei dem unter anderem räumliches Vorstellungsvermögen, Englisch, Stressresistenz, Mathematikkenntnisse, Teamfähigkeit und andere psychologische Parameter geprüft werden. „Ich war unglaublich aufgeregt, weil davon abhing, ob sich mein Traum erfüllt. Als dann klar war, dass ich das Zeug zum Piloten habe, war ich mehr als glücklich“, sagt er.

2007 trat er seine Ausbildung an – allerdings im Rahmen eines dualen Studiums. Er schrieb sich dazu für den Studiengang „Luftfahrtsystemtechnik und -management für Verkehrsflugzeugführerinnen und Verkehrsflugzeugführer“ an der Hochschule Bremen ein. „Ich wollte auf Nummer sicher gehen und ein zweites Standbein haben, falls ich etwa meine Flugtauglichkeit aus medizinischen Gründen verliere“, erklärt er.

Kein sofortiger Berufseinstieg

Für die Zeit nach seiner Ausbildung hatte ihm die Fluggesellschaft einen Arbeitsplatz garantiert. Doch zunächst war nicht klar, wann genau er diesen antreten kann. „So gesehen war es gut, dass ich ein zweites Standbein hatte. Ich habe mich in Frankfurt beworben und auch etwas in einem Ingenieurbüro gefunden. Ich dachte, dass es gut ist, schon einmal vor Ort zu sein, damit ich schnell meinen Dienst am Frankfurter Flughafen antreten kann.“ Schließlich bekam er das Angebot, für eine Tochtergesellschaft in Hamburg zu fliegen. Die Airline fliegt alle innereuropäischen Ziele an, die nicht von Frankfurt oder München aus starten.

 

abi» Animation

Berufe am Flughafen

Fluglotse, Pilotin, Fluggeräteelektroniker – am Flughafen gibt es viele spannende Berufe. Die abi>> Animation zeigt, wer welche Aufgaben übernimmt.

 


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Stand: 27.06.2019