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„Ein Flughafen sollte wie ein geölter Motor laufen“

Flughafen Impressionen
Die Luftverkehrsbranche wächst beständig. Derzeit sind etwa 180.000 Personen an deutschen Flughäfen beschäftigt.
Foto: Frank Pieth

Ausbildung am Flughafen – Interview

„Ein Flughafen sollte wie ein geölter Motor laufen“

Wie realistisch ist es, am Traumarbeitsplatz Flughafen Arbeit zu finden – und auch auf lange Sicht zu behalten? abi>> hat bei Jobst Wellenkamp, Fachbereichsleiter Personal bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) nachgefragt.

abi>> Herr Wellenkamp, wie geht es den Flughäfen in Deutschland? Ist ein Arbeitsplatz in der Luftfahrt in Deutschland krisensicher?

Jobst Wellenkamp: Jedes Jahr mehr Passagiere, jedes Jahr mehr Güter. Im letzten Jahr bestiegen 223 Millionen Menschen in Deutschland ein Flugzeug. Die Branche wächst konstant, auch wenn es immer mal wieder kleinere Einbrüche gibt. Wir gehen davon aus, dass das Passagieraufkommen in den nächsten zehn Jahren bereits bei über 300 Millionen liegt. Darauf weist die große Reisefreudigkeit von jüngeren Menschen hin. Das Risiko, seinen Arbeitsplatz aus wirtschaftlichen Gründen zu verlieren, ist also ziemlich gering – auch wenn man sich vergegenwärtigt, dass, anders als in anderen Branchen, der Arbeitsplatz ja nicht einfach ins Ausland verlagert werden kann, sondern immer lokal verankert bleibt.

abi>> Wie viele Menschen arbeiten aktuell an deutschen Flughäfen?

Ein Porträt-Foto von Jost Wellenkamp

Jost Wellenkamp

Foto: Matthias Jankowia

Jobst Wellenkamp: Schätzungsweise 180.000 Menschen sind direkt auf den Flughäfen beschäftigt. Wir vom Flughafenverband ADV vertreten nur die Flughafengesellschaften selbst. Das sind die 22 großen, internationalen Verkehrsflughäfen und die bedeutenden Frachtdrehkreuze. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Regionalflughäfen und hunderte kleinere Flugplätze.
Die wesentliche Aufgabe der Flughafengesellschaften ist es, sich um die Infrastruktur für den Start und die Landung der Flugzeuge zu kümmern. Zudem bieten wir alle Services an, die damit im Zusammenhang stehen. Arbeitgeber auf dem Flughafengelände sind aber auch die Airlines, die Logistikunternehmen, die DFS Deutsche Flugsicherung, Sicherheitsfirmen, Feuerwehr, Polizei, Reisebüros und vieles mehr. Ein Flughafen ist quasi eine kleine Stadt, mit allem, was dazu gehört.

abi>> Bleiben wir einmal bei Ihrem Kerngeschäft, also bei den Berufen rund um Start und Landung der Maschinen. In welchen Bereichen benötigen Sie Mitarbeiter?

Jobst Wellenkamp: Grundsätzlich gibt es operative, technische und kaufmännische Luftfahrtberufe. Die meisten unserer Angestellten arbeiten bei den sogenannten Bodenverkehrsdiensten. Wie schon der Name sagt, sind das die Dienste, die erledigt werden müssen, während sich das Flugzeug am Boden befindet: Maschinen auf die Parkposition einweisen, Flugzeuge sowie Türen und Ladeluken sichern, be- und entladen der Fracht, Gepäck abfertigen, Instandhaltungsmaßnahmen und Services koordinieren. Aber auch im Security- und Safetybereich wird viel Personal benötigt. Die Flughafengesellschaften müssen dies alles organisieren, verwalten und immer wieder nach den neuesten Anforderungen gestalten.

abi>> Worauf kommt es grundsätzlich bei der Arbeit am Flughafen an?

Jobst Wellenkamp: Viele Jobs sind Jobs wie in einem anderen Unternehmen auch, das trifft auf alle Verwaltungsaufgaben sowie auf viele technische Berufe zu. Bei den Bodenverkehrsdiensten und anderen operativen Luftfahrtberufen ist Stressresistenz allerdings schon etwas, was betont werden muss. Denn ein Flughafen sollte immer laufen wie ein geölter Motor – wenn mal etwas Unvorhersehbares passiert, sollte der Passagier nichts mitbekommen. Dazu ist ein hohes Maß an Flexibilität notwendig.

abi>> Hat sich die Luftfahrtbranche in den letzten Jahren verändert? Wo haben Sie Personalbedarf?

Jobst Wellenkamp: Ganz klar spielen Sicherheitsfragen eine immer größere Rolle. Neben den normalen Passagier-, Gepäck- und Personalkontrollen werden zunehmend auch Experten eingesetzt, die das menschliche Verhalten im Flughafen beobachten und analysieren. Auch die gesamte IT am Flughafen gilt als kritische Infrastruktur. Das heißt, wir brauchen hochqualifiziertes IT-Personal, auch weil uns das Thema Digitalisierung mehr und mehr bewegt.

abi>> 10.07.2017