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Gute Fahrt!

Zu sehen ist eine Lokführerin.
Die Ausbildungsmöglichkeiten bei Eisenbahnbetrieben sind vielfältig. Lokführer/in ist nur ein Beispiel.
Foto: Martin Rehm

Ausbildung auf Schienen

Gute Fahrt!

Bei Eisenbahnbetrieben werden Fachkräfte händeringend gesucht, allen voran Lokomotivführer und Fachkräfte, die die Lokomotiven und Züge warten können. Die meisten Ausbildungsplätze bietet die Deutsche Bahn.

Fabian Kielczynski ist zwar kein typischer „Trainspotter“, der schon als Kind von Zügen fasziniert war, aber ein Faible für Züge hatte er trotzdem schon immer. Als er dann zum ersten Mal eine Weiche umstellte und kurz darauf ein 2.000 Tonnen schwerer Güterzug über die Schienen fuhr, „packte“ es ihn: „Ich habe vor zwei Jahren an einem Camp der Deutschen Bahn (DB) teilgenommen, bei dem der Beruf des Fahrdienstleiters vorgestellt wurde“, erzählt der 30-Jährige.

Sein Studium, das sich nicht so entwickelte wie gedacht, gab er daraufhin auf und bewarb sich bei der DB für die Ausbildung zum „Eisenbahner/-in im Betriebsdienst (EiB), Fachrichtung Fahrweg“, die auf eine Tätigkeit als Fahrdienstleiter vorbereitet. „Das ist vergleichbar mit einem Lotsen im Flugverkehr. Man stellt Weichen und Signale und trägt eine entsprechend hohe Verantwortung für die Menschen in den Zügen“, beschreibt er. Darüber hinaus sperren Fahrdienstleiter bei Störungen Gleise oder veranlassen Nothalte. In enger Kommunikation mit den Lokführern sorgen sie für den pünktlichen, reibungslosen und sicheren Zugbetrieb.

Ein bestimmter Schulabschluss ist für die Ausbildung nicht vorgeschrieben, aber im Jahr 2016 hatten 54 Prozent der angehenden Fahrdienstleister die Hochschulreife. „Kein Wunder“, meint Fabian Kielczynski, denn der Lernstoff hat es in sich: „Zunächst bekommt man eine Grundausbildung über Züge, Schienen- und Zugsicherungssysteme sowie Stellwerktechniken. Dann geht es weiter mit Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen, die man beherrschen muss.“

Viele Unternehmen, wenig Ausbildungsbetriebe

Ein Porträt-Foto von Fabian Kielczynski

Fabian Kielczynski

Foto: privat

Das Schienennetz in Deutschland erstreckt sich laut Statistischem Bundesamt über 33.380 Kilometer. Den Großteil davon betreibt zwar die Deutsche Bahn, doch sie ist nur eines von über 400 öffentlichen Eisenbahnunternehmen, die das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) listet. Hinzu kommen private Unternehmen und etwa auch Chemieparks mit eigenem Bahnbetrieb. Aber längst nicht jeder Betrieb bildet aus. Die Deutsche Bahn ist mit Abstand der größte Anbieter an Ausbildungsplätzen, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Laut der DB haben 2017 mehr als 3.700 Schulabgänger dort eine Berufsausbildung oder ein duales Studium begonnen. Neben 50 Ausbildungsberufen stehen 25 duale Studiengänge zur Auswahl.

Nach der Ausbildung könne man Fabian Kielczynski zufolge theoretisch überall in Deutschland eingesetzt werden. „Es ist aber immer eine örtliche Einweisung nötig“, betont er. Wer wie der 30-Jährige Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Fahrweg werden will, findet die meisten Ausbildungsplätze bei der DB Netz AG. Wer hingegen die zigtausend PS starken, tonnenschweren Loks im Personen- oder Güterverkehr steuern will, muss eine Ausbildung zum „Eisenbahner/-in im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“ durchlaufen und benötigt zudem eine Fahrberechtigung. „Diese setzt bestimmte medizinische und psychologische Anforderungen voraus“, weiß Schulleiter Josef Lammers von der „Städtischen Berufsschule für Fahrzeugtechnik – Eisenbahn – Fahrbetrieb“ in München.

Vielfalt an Ausbildungsberufen

Den größten Teil der Ausbildungsangebote auf Schienen machen aber die gewerblich-technischen Berufe aus, etwa Mechatroniker/-in, Industriemechaniker/-in oder Elektroniker/-in für Betriebstechnik. Sie werden zum Beispiel in der Fahrzeuginstandhaltung, in Stellwerken oder bei der Wartung von Maschinen und Anlagen gebraucht. „Duale Studiengänge im Bereich Betriebswirtschaft und Ingenieurwesen bieten die Option, innerhalb von drei Jahren einen reinen Bachelorabschluss oder in viereinhalb Jahren einen Bachelor und parallel dazu einen IHK-Abschluss als Facharbeiter zu erwerben. So kann man zum Beispiel Bauingenieur und Gleisbauer/Tiefbaufacharbeiter kombinieren“, nennt Manuela Stock, Beraterin der Agentur München, eine weitere Möglichkeit für Abiturienten, die eine Affinität zur Eisenbahn haben.

Zu den kaufmännischen Berufen gehören die Kaufleute für Verkehrsservice, die unter anderem als Zugbegleiter unterwegs sind, sowie in Reisezentren oder Servicepoints arbeiten. Um die Logistik hinter den Kulissen geht es dagegen in der Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung. „Dieser kaufmännische Beruf ist auf die Besonderheiten des Verkehrs- und Logistikmarktes zugeschnitten. Hier sorgt auch der stark wachsende Internethandel für einen Bedarf an Fachkräften“, weiß Manuela Stock. „Und da auch auf den Schienen nichts mehr ohne IT läuft, gibt es neben den Berufen mit Bezug zur Eisenbahn auch Fachinformatiker/-innen in den Fachrichtungen Systemintegration oder Anwendungsentwicklung sowie IT-Systemelektroniker/-in, die etwa bei der DB Systel GmbH ausgebildet werden.“

Job mit Zukunft

Die im Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) organisierten Verkehrsunternehmen im Personen- und Eisenbahngüterverkehr befördern nach eigenen Angaben rund 10 Milliarden Fahrgäste jährlich und transportieren rund 600 Millionen Tonnen Güter im Jahr – Tendenz steigend.

Diese Entwicklung sorgt dafür, dass gut ausgebildete Mitarbeiter immer mehr gefragt sind. Aktuell befinden sich rund 2.600 Nachwuchskräfte in der Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, der Großteil davon in der Fachrichtung „Lokführer und Transport“. Der Nachwuchs werde dringend gebraucht, denn laut VDV ist die Personalsituation bei den Triebfahrzeugführern/-innen und beim Eisenbahnbetriebspersonal bereits angespannt: „Einerseits kommen neue Eisenbahnunternehmen hinzu und die Aufgaben der am Markt tätigen Anbieter nehmen stetig zu, andererseits wird es immer schwieriger, junge Menschen für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen“, weiß Marcus Gersinske, Fachbereichsleiter Ressourcenmanagement Eisenbahn im VDV.

Und was bringt die Digitalisierung? Werden dadurch Berufe wie Lokführer nicht wegfallen, wenn Züge künftig autonom fahren? Diese Frage beantwortet der Experte mit einem klaren Nein: „Im Berufsalltag spielt die digitale Unterstützung eine immer größere Rolle, aber die Berufe werden sicher nicht abgeschafft werden.“ Die Digitalisierung sieht der Verband nicht als Bedrohung, im Gegenteil: „Wir erhoffen uns davon generell effizientere Automatisierungsprozesse.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Studienwahl

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im finder nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Schienenjobs

Das Jobportal für Berufe rund um die Schiene liefert einen Überblick über verschiedene Berufsgruppen der Bahnberufe und listet aktuelle Stellenangebote auf.
www.schienenjobs.de/bahnberufe/

Eisenbahn-Bundesamt

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ist die deutsche Aufsichts-, Genehmigungs- und Sicherheitsbehörde für Eisenbahnen und Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Hier sind sowohl öffentliche als auch private Unternehmen aufgelistet.
www.eba.bund.de

Karriereseite der Deutschen Bahn

Die Bewerbung bei der DB erfolgt über die Karriereseite www.deutschebahn.com/karriere. Hier findet man bereits jetzt alle Ausbildungsplätze und Angebote für duale Studiengänge für den Start im Herbst 2019.

abi>> 20.08.2018

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