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Von der Jolle bis zum Containerschiff

Bootsbauer Leon Barthel verlegt das Teakdeck einer Segeljacht am 06.06.2016 auf der Böbs-Werft in Lübeck-Travemünde.
Neben handwerklichen Berufen wie den des Bootsbauers bietet ein Hafen unter anderem auch Arbeitsplätze für Kaufleute und Logistiker.
Foto: Grit Büttner

Ausbildung im Hafen – Hintergrund

Von der Jolle bis zum Containerschiff

Hafenbetrieb bedeutet heute vor allem Kreuzfahrt- und Containerschiffe, riesige Terminals und Docks, logistische Herausforderungen und Tourismus. Viele denken aber auch an hölzerne Frachtensegler, an den Klang von Hämmern und Sägen, der von der Werft herüberweht. Auch das ist immer noch Teil der Wirklichkeit. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten, die die Hafenbranche bietet.

Auf der dänischen Insel Strynø entstehen nach historischem Vorbild kleine Fischerboote aus Holz. Matti Buschmann durfte sich im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Bootsbauer selbst ein Bild davon machen. „Wir waren dort im Rahmen einer Projektfahrt mit unserer Berufsschulklasse und haben dabei auch selbst eine ‚Smakke-Jolle‘, ein hölzernes Fischerboot, gebaut“, berichtet der 21-Jährige. „Das war ein absolutes Highlight.“

Der leidenschaftliche Segler wollte ursprünglich Schiffsbauingenieur werden und hatte das entsprechende Studium bereits begonnen. „Doch schon im ersten Semester wurde mir klar, dass ich lieber etwas Praktisches machen wollte, anstatt in Hörsälen zu sitzen. So bin ich auf diese Ausbildung gekommen und habe mich bei Betrieben beworben, die auch Holzbootsbau anbieten.“ Es klappte bei der Bootswerft Schaich in Stralsund. Als Fachrichtung wählte er Neu-, Aus- und Umbau. Die dreieinhalbjährige Ausbildung wird außerdem in der Fachrichtung Technik angeboten.

Reparaturen an Yachten und Umsetzung eigener Entwürfe

Ein Porträt-Foto von Matti Buschmann

Matti Buschmann

Foto: privat

Im Berufsalltag kommt es heute selten vor, dass komplette Boote konstruiert werden. „Meist geht es um Reparaturen. Viele Boote sind aus Kunststoff, es fallen aber auch verschiedene Holzarbeiten an. So habe ich schon mal eine Scheuerleiste gewechselt oder ein Stabdeck aus Holz verlegt“, nennt der Auszubildende einige Aufgaben.

Die Ausbildung beinhaltet außerdem zehn Berufsschulblöcke in Lübeck-Travemünde. Vermittelt wird dabei unter anderem der Umgang mit den unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall und Kunststoff. Zudem lernen die Auszubildenden, Boote zu entwerfen. Diese werden dann auf Projektreisen und in der Schule gebaut, selbst erprobt und bewertet. So werden wesentliche Grundlagen für ein späteres Studium zum Schiffbauingenieur geschaffen. „Nach dem Abschluss könnte ich auch wie andere Handwerker auf die Walz gehen und mir eine Stelle als Tischler suchen. Doch ich kann mir auch gut vorstellen, als Bootsbauer im Ausland zu arbeiten, zum Beispiel in Neuseeland“, nennt Matti Buschmann verschiedene Perspektiven.

Drehscheiben für Handel und Logistik

„Viele denken beim Hafen nur an Schiffe, doch es ist eher ein komplexes Miteinander von Firmen und Gewerken“, erklärt Dörte Funck von der Agentur für Arbeit Hamburg zum Thema. „Daher bieten sich hier noch weitaus mehr Möglichkeiten und Ausbildungsberufe. Gibt man etwa auf der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit das Stichwort ‚Hafen‘ in der Volltextsuche ein, bekommt man viele Anregungen“, empfiehlt sie.

„Viele Unternehmen stellen bevorzugt oder sogar ausschließlich Auszubildende mit Abitur oder Fachhochschulreife ein“, betont die Berufsberaterin. Mehr als die Hälfte aller, die eine Ausbildung zum Bootsbauer beginnen, haben eine Hochschulzugangsberechtigung. Bei den Schiffsmechanikern, die unter anderem die Maschinen auf Containerschiffen und Lotsenbooten in Schuss halten, liegt der Anteil der Abiturienten regelmäßig bei mindestens einem Drittel (siehe „Instandhaltung auf Ozeanriesen“). Der Abiturientenanteil bei Schifffahrtskaufleuten liegt derzeit – je nach Fachrichtung – sogar bei 81 beziehungsweise 92 Prozent. Sie organisieren den Umschlag, Transport sowie die Lagerung von Gütern und verkaufen Logistikdienstleistungen (siehe auch „Internationale Seetransporte organisieren“). Bei den Fachkräften für Hafenlogistik, die die Container für den Weitertransport zusammenstellen, liegt der Abiturientenanteil immerhin noch bei 20 Prozent (siehe auch die Ausbildungsreportage „Fachkraft für Hafenlogistik“).

Neben den klassischen Hafenberufen gibt es noch weitere Beschäftigungsfelder. So sind etwa Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung im Hafen gefragt. „Viele Häfen sind außerdem für den Tourismus von Bedeutung, sei es wegen der Kreuzfahrtschiffe oder den sehenswerten Hafen, die sich für Museumsschiffe und Ausflugsfahrten anbieten“, ergänzt die Berufsberaterin. Daher ist teils auch eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit möglich. Weitere Optionen bieten sich in der Hafengastronomie. Noch näher am Wasser sind die Behördenberufe im Hafen, sei es beim Zoll oder bei der Wasserschutzpolizei. Die jeweiligen Beamten sind auch auf Schiffen und Booten unterwegs, um Kontrollen durchzuführen. Wer in diesen Tätigkeitsbereich hineinschnuppern möchte, kann vorab einen freiwilligen Wehrdienst bei der Marine in Erwägung ziehen.

Neue Perspektiven durch Automatisierung

Ein Porträt-Foto von Heinz Brandt

Heinz Brandt

Foto: privat

An den Terminals sind, bedingt durch die technische Entwicklung, zum Beispiel Industriemechaniker oder Elektroniker für Automatisierungstechnik häufiger angebotene Ausbildungsberufe. Diesen Trend sieht auch Heinz Brandt, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe e. V. (ZDS.): „Die zunehmende Automatisierung wirkt sich stark auf die gewerblichen Ausbildungsberufe im Hafen aus. Dabei gibt es einen klaren Trend hin zu den Berufsfeldern Technik und IT, weil sich zum Beispiel die Steuerungstechnik an den Umschlagsgeräten entsprechend verändert. Für Wartungsarbeiten sind dort Mechatroniker zuständig. Um die komplexen Systeme zu programmieren, sind Fachinformatiker für Systemintegration oder Anwendungsentwicklung gefragt.“

Nach Einschätzung des Experten sind damit auch die Anforderungen an die Auszubildenden gestiegen. „In klassischen Bereichen wie Mechanik und Elektrotechnik kommt es heute mehr auf Mathematik, Physik und technisches Verständnis an als darauf, zum Schraubenschlüssel zu greifen. Sie sind daher zunehmend auch für Abiturienten interessant.“ Auf eines sollten sich Interessierte dabei besonders einstellen: „Im Hafen zu arbeiten, bedeutet auch, viele Aufgaben bei Wind und Wetter im Freien durchzuführen“, betont Heinz Brandt.

„Insgesamt gute Beschäftigungschancen“

Und wie sieht es insgesamt mit den beruflichen Zukunftsperspektiven aus? „Grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt für Berufe im Hafen konjunkturabhängig und daher immer wieder Schwankungen unterworfen, sagt Dr. Jens Stephani vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Insgesamt bieten sich jedoch gute Beschäftigungschancen, was sich auch in niedrigen Arbeitslosenquoten in hafentypischen Berufen zeigt. Bei den Schifffahrtskaufleuten beispielsweise liegt sie bei 2,8 Prozent. Bei den Berufen im Güter- und Warenumschlag in Häfen sind es 1,2 Prozent.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z.B. Hafen)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Verband Deutscher Reeder (VDR)

Der VDR mit Sitz in Hamburg vertritt überbetriebliche Interessen der deutschen Reedereien auf Ebene des Bundes, der Länder sowie international.
www.reederverband.de

Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e.V. (ZDS)

Der ZDS ist der Bundesverband der am Seegüterumschlag in den Seehäfen beteiligten Betriebe in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
www.zds-seehaefen.de

Bundesverband öffentlicher Binnenhäfen e.V. (BÖB)

Der Bundesverband verleiht den Interessen seiner rund hundert Mitglieder Stimme und Gehör im politischen Meinungsbildungsprozess.
www.binnenhafen.de

Deutscher Speditions- und Logistikverband (DSLV)

Die Dachorganisation hat rund 3.000 Mitglieder, die in 16 Landesverbänden organisiert sind.
www.dslv.org

Bundesmarine

Die Deutsche Marine ist zur Ausbildung, im Manöver, für humanitäre Hilfe oder zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung weltweit im Einsatz.
www.marine.de

abi>> 30.10.2017

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