Von der Jolle bis zum Containerschiff

Bootsbauer Leon Barthel verlegt das Teakdeck einer Segeljacht am 06.06.2016 auf der Böbs-Werft in Lübeck-Travemünde.
Neben handwerklichen Berufen wie den des Bootsbauers bietet ein Hafen unter anderem auch Arbeitsplätze für Kaufleute und Logistiker.
Foto: Grit Büttner

Ausbildung im Hafen

Von der Jolle bis zum Containerschiff

Hafenbetrieb bedeutet heute vor allem Kreuzfahrt- und Containerschiffe, riesige Terminals und Docks, logistische Herausforderungen und Tourismus. Viele denken aber auch an hölzerne Frachtensegler, an den Klang von Hämmern und Sägen, der von der Werft herüberweht. Auch das ist immer noch Teil der Wirklichkeit. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten, die die Hafenbranche bietet.

Auf der dänischen Insel Strynø entstehen nach historischem Vorbild kleine Fischerboote aus Holz. Matti Buschmann durfte sich im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Bootsbauer selbst ein Bild davon machen. „Wir waren dort im Rahmen einer Projektfahrt mit unserer Berufsschulklasse und haben dabei auch selbst eine ‚Smakke-Jolle‘, ein hölzernes Fischerboot, gebaut“, berichtet der 21-Jährige. „Das war ein absolutes Highlight.“

Der leidenschaftliche Segler wollte ursprünglich Schiffsbauingenieur werden und hatte das entsprechende Studium bereits begonnen. „Doch schon im ersten Semester wurde mir klar, dass ich lieber etwas Praktisches machen wollte, anstatt in Hörsälen zu sitzen. So bin ich auf diese Ausbildung gekommen und habe mich bei Betrieben beworben, die auch Holzbootsbau anbieten.“ Es klappte bei der Bootswerft Schaich in Stralsund. Als Fachrichtung wählte er Neu-, Aus- und Umbau. Die dreieinhalbjährige Ausbildung wird außerdem in der Fachrichtung Technik angeboten.

Reparaturen an Yachten und Umsetzung eigener Entwürfe

Ein Porträt-Foto von Matti Buschmann

Matti Buschmann

Foto: privat

Im Berufsalltag kommt es heute selten vor, dass komplette Boote konstruiert werden. „Meist geht es um Reparaturen. Viele Boote sind aus Kunststoff, es fallen aber auch verschiedene Holzarbeiten an. So habe ich schon mal eine Scheuerleiste gewechselt oder ein Stabdeck aus Holz verlegt“, nennt der Auszubildende einige Aufgaben.

Die Ausbildung beinhaltet außerdem zehn Berufsschulblöcke in Lübeck-Travemünde. Vermittelt wird dabei unter anderem der Umgang mit den unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall und Kunststoff. Zudem lernen die Auszubildenden, Boote zu entwerfen. Diese werden dann auf Projektreisen und in der Schule gebaut, selbst erprobt und bewertet. So werden wesentliche Grundlagen für ein späteres Studium zum Schiffbauingenieur geschaffen. „Nach dem Abschluss könnte ich auch wie andere Handwerker auf die Walz gehen und mir eine Stelle als Tischler suchen. Doch ich kann mir auch gut vorstellen, als Bootsbauer im Ausland zu arbeiten, zum Beispiel in Neuseeland“, nennt Matti Buschmann verschiedene Perspektiven.

Drehscheiben für Handel und Logistik

„Viele denken beim Hafen nur an Schiffe, doch es ist eher ein komplexes Miteinander von Firmen und Gewerken“, erklärt Dörte Funck von der Agentur für Arbeit Hamburg zum Thema. „Daher bieten sich hier noch weitaus mehr Möglichkeiten und Ausbildungsberufe. Gibt man etwa auf der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit das Stichwort ‚Hafen‘ in der Volltextsuche ein, bekommt man viele Anregungen“, empfiehlt sie.

„Viele Unternehmen stellen bevorzugt oder sogar ausschließlich Auszubildende mit Abitur oder Fachhochschulreife ein“, betont die Berufsberaterin. Mehr als die Hälfte aller, die eine Ausbildung zum Bootsbauer beginnen, haben eine Hochschulzugangsberechtigung. Bei den Schiffsmechanikern, die unter anderem die Maschinen auf Containerschiffen und Lotsenbooten in Schuss halten, liegt der Anteil der Abiturienten regelmäßig bei mindestens einem Drittel (siehe „Instandhaltung auf Ozeanriesen“). Der Abiturientenanteil bei Schifffahrtskaufleuten liegt derzeit – je nach Fachrichtung – sogar bei 81 beziehungsweise 92 Prozent. Sie organisieren den Umschlag, Transport sowie die Lagerung von Gütern und verkaufen Logistikdienstleistungen (siehe auch „Internationale Seetransporte organisieren“). Bei den Fachkräften für Hafenlogistik, die die Container für den Weitertransport zusammenstellen, liegt der Abiturientenanteil immerhin noch bei 20 Prozent (siehe auch die Ausbildungsreportage „Fachkraft für Hafenlogistik“).

Neben den klassischen Hafenberufen gibt es noch weitere Beschäftigungsfelder. So sind etwa Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung im Hafen gefragt. „Viele Häfen sind außerdem für den Tourismus von Bedeutung, sei es wegen der Kreuzfahrtschiffe oder den sehenswerten Hafen, die sich für Museumsschiffe und Ausflugsfahrten anbieten“, ergänzt die Berufsberaterin. Daher ist teils auch eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit möglich. Weitere Optionen bieten sich in der Hafengastronomie. Noch näher am Wasser sind die Behördenberufe im Hafen, sei es beim Zoll oder bei der Wasserschutzpolizei. Die jeweiligen Beamten sind auch auf Schiffen und Booten unterwegs, um Kontrollen durchzuführen. Wer in diesen Tätigkeitsbereich hineinschnuppern möchte, kann vorab einen freiwilligen Wehrdienst bei der Marine in Erwägung ziehen.

Neue Perspektiven durch Automatisierung

Ein Porträt-Foto von Heinz Brandt

Heinz Brandt

Foto: privat

An den Terminals sind, bedingt durch die technische Entwicklung, zum Beispiel Industriemechaniker oder Elektroniker für Automatisierungstechnik häufiger angebotene Ausbildungsberufe. Diesen Trend sieht auch Heinz Brandt, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe e. V. (ZDS.): „Die zunehmende Automatisierung wirkt sich stark auf die gewerblichen Ausbildungsberufe im Hafen aus. Dabei gibt es einen klaren Trend hin zu den Berufsfeldern Technik und IT, weil sich zum Beispiel die Steuerungstechnik an den Umschlagsgeräten entsprechend verändert. Für Wartungsarbeiten sind dort Mechatroniker zuständig. Um die komplexen Systeme zu programmieren, sind Fachinformatiker für Systemintegration oder Anwendungsentwicklung gefragt.“

Nach Einschätzung des Experten sind damit auch die Anforderungen an die Auszubildenden gestiegen. „In klassischen Bereichen wie Mechanik und Elektrotechnik kommt es heute mehr auf Mathematik, Physik und technisches Verständnis an als darauf, zum Schraubenschlüssel zu greifen. Sie sind daher zunehmend auch für Abiturienten interessant.“ Auf eines sollten sich Interessierte dabei besonders einstellen: „Im Hafen zu arbeiten, bedeutet auch, viele Aufgaben bei Wind und Wetter im Freien durchzuführen“, betont Heinz Brandt.

„Insgesamt gute Beschäftigungschancen“

Und wie sieht es insgesamt mit den beruflichen Zukunftsperspektiven aus? „Grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt für Berufe im Hafen konjunkturabhängig und daher immer wieder Schwankungen unterworfen, sagt Dr. Jens Stephani vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Insgesamt bieten sich jedoch gute Beschäftigungschancen, was sich auch in niedrigen Arbeitslosenquoten in hafentypischen Berufen zeigt. Bei den Schifffahrtskaufleuten beispielsweise liegt sie bei 2,8 Prozent. Bei den Berufen im Güter- und Warenumschlag in Häfen sind es 1,2 Prozent.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z.B. Hafen)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Verband Deutscher Reeder (VDR)

Der VDR mit Sitz in Hamburg vertritt überbetriebliche Interessen der deutschen Reedereien auf Ebene des Bundes, der Länder sowie international.
www.reederverband.de

Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e.V. (ZDS)

Der ZDS ist der Bundesverband der am Seegüterumschlag in den Seehäfen beteiligten Betriebe in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
www.zds-seehaefen.de

Bundesverband öffentlicher Binnenhäfen e.V. (BÖB)

Der Bundesverband verleiht den Interessen seiner rund hundert Mitglieder Stimme und Gehör im politischen Meinungsbildungsprozess.
www.binnenhafen.de

Deutscher Speditions- und Logistikverband (DSLV)

Die Dachorganisation hat rund 3.000 Mitglieder, die in 16 Landesverbänden organisiert sind.
www.dslv.org

Bundesmarine

Die Deutsche Marine ist zur Ausbildung, im Manöver, für humanitäre Hilfe oder zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung weltweit im Einsatz.
www.marine.de

 

Ausbildung im Hafen – Berufsübersicht

Vom Bootsbauer bis zum Schiffsmechaniker

Direkt auf Schiffen oder rundherum bieten sich viele berufliche Möglichkeiten – je nachdem, eher im technischen oder kaufmännischen Bereich. abi>> stellt einige davon vor, die für Abiturienten besonders interessant sind.

Bootsbauer/in

  • Aufgaben: Bau, Reparatur und Wartung von Booten und Schiffen sowie Einbau; Reparatur und Wartung elektronischer Geräte und Einrichtungen in Booten
  • Mögliche Arbeitgeber: Bootsbau- und Reparaturwerkstätten, Bootswerften, Zuliefererbetriebe

Fachkraft für Hafenlogistik

  • Aufgaben: Warenumschlag für Hafenbetriebe, Kontrolle ein- und ausgehender Ladungen, Steuerung des Weitertransports oder der Lagerung, Steuerung des Weitertransports oder der Lagerung, Bearbeitung der Frachtpapiere, Frachtberechnungen
  • Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Warenumschlags in See- oder Binnenhäfen, Reedereien, Betriebe der Warenkontrolle

Kaufmann/-frau – Spedition und Logistikdienstleistung

  • Aufgaben: Organisation des Versands, des Umschlags sowie der Lagerung von Gütern; Verkauf von Verkehrs- und logistischen Dienstleistungen
  • Mögliche Arbeitgeber: Speditionen und Unternehmen im Bereich Umschlag und Lagerwirtschaft

Schifffahrtskaufmann/-frau

  • Aufgaben: Den Transport von Gütern im Seeverkehr planen und organisieren; für eine optimale Auslastung der Schiffe sorgen; Fracht akquirieren; Frachtraum buchen und die Schiffsabfertigung im Hafen abwickeln
  • Mögliche Arbeitgeber: Reedereien, Seehafenspeditionen, Schiffs- und Befrachtungsmakler

Schiffsmechaniker/in

  • Aufgaben: Maschinen und technische Anlagen an Bord eines Schiffes bedienen, reparieren und warten; Instandhaltungsarbeiten an Deck
  • Mögliche Arbeitgeber: Reedereien in allen Bereichen der Küsten- und Seeschifffahrt, im Güterverkehr und im Passagierverkehr; Hafenbetriebe, Unternehmen der Bugsier- und Bergungsschifffahrt sowie der Meeresfischerei; bei der Bundesmarine oder der Küstenwache (Bundespolizei); bei Wasserwirtschafts- und Schifffahrtsämtern; in Schiffbaubetrieben

 

Ausbildung im Hafen – Interview

Kaufmännische und technische Berufswege am Hafen

Robert Howe ist Geschäftsführer der bremenports GmbH & Co. KG. Das öffentliche Unternehmen betreibt die Infrastruktur der Hafengruppe Bremen/Bremerhaven. abi>> hat den Experten zu den Ausbildungsmöglichkeiten befragt.

abi>> Herr Howe, gibt es Ausbildungsberufe im Bereich Hafenlogistik, in denen Abiturienten derzeit besonders gefragt sind?

Robert Howe: Wir bieten keine spezifischen Ausbildungen für die Hafenlogistik an. Wir betreuen die Infrastruktur der Zwillingshäfen Bremen und Bremerhaven. Als Hafen-Managementgesellschaft suchen wir unter anderem Abiturienten insbesondere als Auszubildende im kaufmännischen Bereich, etwa Kaufleute für Büromanagement.

abi>> Im Hafen selbst sind vermutlich auch technische Berufe von Bedeutung?

Ein Porträt-Foto von Robert Howe

Robert Howe

Foto: privat

Robert Howe: Das ist richtig. Wir müssen unsere Hafenanlagen professionell unterhalten. Die Ausbildungsberufe Elektroniker für Betriebstechnik, Fachinformatiker für Systemintegration sowie Industriemechaniker spielen da eine wichtige Rolle. Wir bieten außerdem die Ausbildung zum Schlosser an. Sie ist auch für Abiturienten interessant, die im Anschluss zum Beispiel das duale Studium der Mechatronik aufnehmen wollen. Ferner bilden wir Bauzeichner der Fachrichtung Tief-, Straßen- und Landschaftsbau sowie Vermessungstechniker aus.

abi>> Wie sieht es mit dualen Studiengängen aus?

Robert Howe: Wir bieten den dualen Studiengang Bauingenieurwesen an. Dabei kooperieren wir mit der Hochschule 21 in Buxtehude. Bauingenieurwesen hat bei uns einen klassischen Hafenbezug: Schwerpunkte sind unter anderem Wasserbau und Eisenbahnbau. Spätere Tätigkeitsfelder sind zum Beispiel die Bauunterhaltung und Bauaufsicht.

abi>> Welche Anforderungen müssen Bewerber grundsätzlich für solche Berufe erfüllen?

Robert Howe: Grundsätzlich wünschen wir uns aufgeschlossene und motivierte Auszubildende. Bei uns wird viel im Team gearbeitet. Offenheit, Kommunikationsfähigkeit und Interesse an einem professionellen und kollegialen Miteinander sind gern gesehen. Hinzu kommen jeweils spezifische Anforderungen. Unsere angehenden Kaufleute für Büromanagement sollten zum Beispiel Interesse an administrativen Tätigkeiten, gutes schriftliches und mündliches Ausdrucksvermögen sowie Verantwortungsbewusstsein mitbringen.

abi>> Welche Interessen sollte man grundsätzlich für „Hafenberufe“ haben?

Robert Howe: Das hängt ebenfalls vom jeweiligen Ausbildungsbereich ab. So benötigen unsere dual Studierenden, die angehenden Schlosser, Bauzeichner und die Vermessungstechniker unter anderem ein besonderes Faible für technische Zusammenhänge. Und natürlich erwarten wir grundsätzlich ein Interesse am permanenten Lernen und an einer persönlichen Weiterentwicklung.

abi>> Welche Perspektiven bieten sich Absolventen entsprechender Ausbildungen?

Robert Howe: Auf eine hohe Qualität der Ausbildung legen wir großen Wert. In den vergangenen Jahren sind unsere Auszubildenden wiederholt bei der Bestenehrung der Handelskammer Bremen ausgezeichnet worden. Grundsätzlich bietet bremenports die Möglichkeit, während der Ausbildung vierwöchige Auslandspraktika zu absolvieren. Außerdem engagieren wir uns bei der Qualifizierung von Geflüchteten. Derzeit werden zwei Geflüchtete in ausbildungsnahen Jahrespraktika beschäftigt. Ziel ist es, diese Jugendlichen im nächsten Jahr in die Ausbildung zu übernehmen.

 

Schifffahrtskauffrau

Internationale Seetransporte organisieren

Celine Frese (19) hat sich für die Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau der Fachrichtung Linienfahrt bei der Orient Overseas Container Line Ltd. (OOCL) am Standort Bremen entschieden. Die Reederei mit Hauptsitz in Honkong bietet weltweite Containertransporte inklusive verschiedener Logistikdienstleistungen an.

Als Celine Frese vor dem Abitur über ihre Zukunft nachdachte, lag ihr der Gedanke an eine Ausbildung im Hafen zunächst fern. „Die Schifffahrt erschien mir zu speziell, und ich dachte, man müsse dabei auch immer selbst mit an Bord sein. Ich wollte gerne etwas Kaufmännisches machen und habe daher in ganz anderen Bereichen geschaut“, erzählt sie. Das Bild wandelte sich, als ihr ein Freund, angehender Schifffahrtskaufmann, begeistert von seiner Ausbildung erzählte und sie sich im Internet näher darüber informierte. „Also habe ich mich beworben und im Vorstellungsgespräch festgestellt, dass es mir sogar noch besser gefällt als Berufe, die mich zuvor mehr interessiert hatten.“

Die Zusage kam, kurz darauf begann sie die Ausbildung bei der Orient Overseas Container Line Ltd. (OOCL) am Standort Bremen. Inzwischen befindet sich Celine Frese im dritten und letzten Jahr ihrer Ausbildung.

Raten für Stellplätze anbieten

Ein Porträt-Foto von Celine Frese

Celine Frese

Foto: Marit Ortmann

Vom Standort Bremen aus werden die Häfen in Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg bedient. Die 19-Jährige lernt während ihrer Ausbildung alle Abteilungen kennen. „Es ging los mit den Bereichen Export und Import, um die Zusammenhänge und alle weiteren Abläufe zu verstehen“, berichtet sie. „Anschließend war ich zum Beispiel in der Abteilung Operations, dort hat man vor allem mit Dienstleistern zu tun.“ Auch die Kommunikation mit den zuständigen Instanzen im Hafen gehört zu ihren Aufgaben, etwa um die Abfertigung der Schiffe zu organisieren.

Die Abteilung Sales – also Verkauf – hat die Auszubildende ebenfalls schon kennengelernt. Hier werden die Stellplätze für Container auf den Schiffen verkauft und dafür die Transportkosten festgelegt, die sogenannten Raten. „Diese Raten sind je nach Kunde unterschiedlich und daher streng vertraulich“, betont sie. Auch sonst wählt sie ihre Worte mit Bedacht. Eine Hauptaufgabe ist die Kundenbetreuung per Telefon oder E-Mail, oft auf Englisch. Weltweite Geschäftspartner sind Spediteure, Exporteure, Handelshäuser oder auch andere Reedereien und Schiffsmakler.

Fachrichtung: Linienfahrt

In der Abteilung Buchhaltung bekam Celine Frese Einblicke in das betriebsinterne Abrechnungswesen. Ihre Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau macht sie in der Fachrichtung Linienfahrt, „das bedeutet, unsere Schiffe haben feste Fahrpläne. In der Fachrichtung Trampfahrt dagegen fahren die Schiffe nach Bedarf, vergleichbar mit einem Taxi.“ Weil ihr Arbeitgeber ausschließlich für Linienfahrt zuständig ist, stand die Fachrichtung für sie von vornherein fest.

An zwei Vormittagen pro Woche besucht die Auszubildende die Berufsschule. Anschließend geht es von 14 bis 17 Uhr wieder ins Büro. „In der Schule haben wir die Fächer Englisch, Geografie, Politik, Steuerung und Kontrolle, Management in der Seeschifffahrt und Schifffahrtsdienstleistungen“, berichtet sie.

Da sie Abitur hat, hätte Celine Freese die dreijährige Ausbildung auch um ein halbes Jahr verkürzen können. Doch sie entschied sich stattdessen, parallel das Studium zur Betriebswirtin zu absolvieren. Es wird vom kooperierenden Bremer Institut für Handel und Verkehr (BIHV) angeboten. „Nach Abschluss meiner Ausbildung kann ich dann den Bachelorabschluss ‚Business Administration‘ erlangen, wenn ich noch mindestens acht Monate weiterstudiere. Dies ist auch mein nächstes Ziel.“

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Schifffahrtskauffrau

Typischer Tagesablauf

Während ihrer Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau durchläuft Celine Frese (19) verschiedene Abteilungen. Entsprechend unterschiedlich können ihre Arbeitstage aussehen. Für abi>> hat sie von einem Tag im Verkauf berichtet – mit vorherigem Schulunterricht.

8 Uhr

Am Vormittag hat Celine Frese zunächst Berufsschulunterricht. Auf dem Plan stehen die Fächer Steuerung und Kontrolle, Englisch und Geografie. Dabei wird sie unter anderem darauf vorbereitet, internationale Abläufe zu verstehen und mit Kunden weltweit kommunizieren zu können.

13 Uhr

Die Stunde Mittagspause nutzt Celine Frese, um mit anderen Azubis in der Bremer Innenstadt essen zu gehen.

14 Uhr

Die Auszubildende trifft im Sales-Büro ihres Ausbildungsbetriebs ein. Dort prüft sie zunächst den Posteingang und geht alle E-Mails durch. Von der ältesten zur jüngsten Anfrage arbeitet sie alles ab, sortiert Spam aus und leitet E-Mails, die sie nicht betreffen, an zuständige Ansprechpartner weiter. Dringende Anfragen werden vorrangig bearbeitet.

15 Uhr

Heute treffen besonders viele Anfragen zu Raten auf Englisch ein: Kunden möchten eine bestimmte Anzahl von Containern nach Plan verschiffen und fragen, was es kosten würde. Celine Frese erstellt und verschickt Angebote. Sie achtet dabei auf Vertraulichkeit, denn die Raten kosten je nach Kunde unterschiedlich.

16 Uhr

Inzwischen sind die ersten Antworten zu den Angeboten eingetroffen. Einige Kunde möchten sie wahrnehmen, andere sagen ab. Die 19-Jährige setzt die Kommunikation entsprechend fort und leitet die Buchungen der Stellplätze in die Wege. Wenn die Kunden das Angebot akzeptieren, kümmert sie sich darum, dass die jeweiligen Raten in die Kontrakte aufgenommen werden, damit zukünftige Buchungen möglich sind. Anschließend schickt sie eine schriftliche Bestätigung an den Kunden.

17 Uhr

Feierabend. Morgen wird die Auszubildende in die Transportabteilung wechseln, in der es um Speditionstätigkeiten und zusätzliche Logistikdienstleistungen geht. Auf die neuen Aufgaben, die sie dort erwarten, ist sie schon gespannt.

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Schiffsmechaniker

Instandhaltung auf Ozeanriesen

Während seiner Ausbildung zum Schiffsmechaniker ist Paul Friedrich Pultke (19) regelmäßig auf Containerschiffen unterwegs – und legt auch im Hafen Hand an.

Ein Praktikum in der 10. Klasse brachte Paul Friedrich Pultke „auf den richtigen Dampfer“. Weil er sich für den Beruf Schiffsmechaniker interessierte, sah er sich auf der Internetseite des Verbands Deutscher Reeder (VDR) um und stieß auf eine ungewöhnliche Ausschreibung. „Angeboten wurde ein Ferienfahrerpraktikum. Dabei können Oberstufenschüler in den Sommerferien auf einem Schiff mitfahren und den Bordalltag kennenlernen. Ich habe mich sofort beworben.“ Die Antwort übertraf seine Erwartungen: „Mir wurde ein Praktikum auf einem großen Containerschiff zugesagt, das nach Asien und Südamerika fuhr.“ Es war die Santa Rita, das Ausbildungsschiff der Reederei Hamburg Süd – und schon bald darauf ging er für sechs Wochen an Bord.

Praktikum gibt den Ausschlag

Ein Porträt-Foto von Paul Friedrich Pultke

Paul Friedrich Pultke

Foto: privat

Als Paul Friedrich Pultke zurückkehrte, stand sein Berufswunsch fest: „Ich habe gleich eine Bewerbung an die Reederei geschrieben, wurde dann zum Bewerbungsgespräch eingeladen und bekam auch schnell eine Zusage. Dabei war sicherlich auch das Praktikum ausschlaggebend, denn nicht jedem liegt die Seefahrt“, berichtet der 19-Jährige, der sich inzwischen im zweiten Ausbildungsjahr bei der Tochterfirma der Hamburg Süd, der Columbus Shipmanagement GmbH (CSG) befindet.

Die dreijährige Ausbildung zum Schiffsmechaniker beginnt dort mit dem zweiwöchigen Lehrgang „Safety Basics“, in dem Grundlegendes zur Sicherheit vermittelt wurde. Es folgen Praxisphasen an Bord der Santa Rita oder auf anderen Containerschiffen, im Wechsel mit Blockunterricht an der Berufsschule in Lübeck-Travemünde: Jeweils drei Monate hat er Unterricht, dann geht es auf die nächste Fahrt.

Im Maschinenraum und an Deck

Nach und nach lernt Paul Friedrich Pultke dabei, die vielseitigen Aufgaben eines Schiffsmechanikers auszuüben. „Bei unserer ersten Fahrt hatten wir für zehn Wochen eine Metallgrundausbildung, bei der wir Techniken wie Feilen, Sägen, Schweißen und Drehen gelernt haben“, berichtet er. „Denn es kommt auch vor, dass man zum Beispiel ein Ersatzteil unterwegs selbst herstellen muss.“

Im Maschinenraum und an Deck fallen regelmäßig Instandhaltungsarbeiten an, bei denen er immer mehr dazulernt. Ein Schiffsbetriebsmeister steht den Auszubildenden dabei zur Seite. Mal gilt es etwa, die Aggregate an den Maschinen zu warten, mal ist eine Winde an Deck defekt, dann wieder ist eine Kontrolle der Ladung fällig. „Wir sind unter anderem auch dafür zuständig, zu überprüfen, ob die Kühlcontainer funktionieren“, sagt Paul Friedrich Pultke. Übungen für den Fall eines Brands an Bord gehören ebenfalls zur Ausbildung.

Manöver im Hafen

Wenn der nächste Hafen angesteuert wird, oftmals zu später Stunde, müssen auch alle Auszubildenden „auf Standby“ sein. Jede Hand wird benötigt, um den Ozeanriesen am Pier zu vertäuen – ebenso beim Ablegen. „Genauso kann es vorkommen, dass wir als Steuermann eingesetzt werden, wenn wir in den Hafen ein- oder auslaufen“, ergänzt Paul Friedrich Pultke. Weil er auch vieles zur Bootsführung lernt, kann er nach dem Abschluss der Ausbildung den Sportbootführerschein See beantragen, ein schönes Plus für die Freizeit.

Beruflich wird für ihn wohl ein Hochschulstudium der nächste Schritt sein: „Das ist erforderlich, um die weitere Laufbahn zum technischen Offizier, also Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik, oder nautischem Offizier bis hin zum Kapitän einschlagen zu können“, erklärt er. „Ich finde beide Bereiche spannend und werde mir noch überlegen, in welchem die Reise weiter gehen wird.“

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Schiffsmechaniker

Typischer Tagesablauf

Die Aufgaben eines Schiffsmechanikers sind vielfältig. Paul Friedrich Pultke (19) ist im zweiten Ausbildungsjahr und hat schon viel gelernt. Für abi>> berichtet er, wie ein Tag am Bord der Santa Rita abläuft.

5.45 Uhr

Raus aus der Koje: Wenn Paul Friedrich Pultke aufgestanden ist und seine Arbeitskleidung angezogen hat, begibt er sich in den Maschinenraum.

6 Uhr

Bei seiner täglichen Runde, erledigt der Auszubildende „Daily Duties“, tägliche Wachaufgaben wie das Spülen eines Turboladers.

7.15 Uhr

Zum Frühstück treffen sich alle Auszubildenden in der Messe des Schiffs, dem Speise- und Aufenthaltsraum.

8 Uhr

Paul Friedrich Pultke begibt sich wieder in den Maschinenraum. Dort arbeitet er heute mit dem dritten Ingenieur zusammen: Eine Leckage muss ausgebessert und abgedichtet werden.

10 Uhr

Zur Stärkung gibt es zwischendurch eine Kaffeepause.

10.20 Uhr

Im Maschinenraum ist wieder einiges zu tun. Unter anderem müssen Filter gereinigt und einige Teile ausgetauscht werden.

12 Uhr

Mittagspause

13 Uhr

Der Schiffsbetriebsmeister, an Bord auch „SBM“ genannt, spricht Paul Friedrich Pultke an – oben an Deck macht eine Winde Probleme, die sollten sie sich gemeinsam ansehen. Es stellt sich heraus, dass ein Ölwechsel erforderlich ist, den der Auszubildende durchführt.

15 Uhr

Pause

15.20 Uhr

Es geht in die Werkstatt, weil die Auszubildenden noch ein Ersatzteil anfertigen müssen, das ein Ingenieur beauftragt hat. Dieses wird benötigt, um eine defekte Rohrleitung zu reparieren. Gemeinsam schweißen sie das benötigte Teil zusammen, um es dann zu montieren.

17.30 Uhr

Nach dem Abendessen ist normalerweise Feierabend für die Auszubildenden. Heute aber läuft die Santa Rita wieder einen Hafen an. Da müssen alle auf „Standby“ sein, um beim Anlegemanöver zu helfen.

21 Uhr

Nun kommt der Anruf per Handy: Klar machen zum Anlegen, Standby in zehn Minuten. Auch Paul Friedrich Pultke zieht sich wetterfest an und begibt sich an den Bug – dort befinden sich die Winden zum Festmachen.

23.30 Uhr

Nach dem Anlegen geht ein längerer Tag an Bord zu Ende. Dafür dürfen die Auszubildenden morgen länger ausschlafen.

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Stand: 18.07.2019