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Mit einer guten Orientierung zum Erfolg

Ein Blindenhund
Mit der richtigen Unterstützung und einer guten Vorbereitung haben Menschen mit Behinderungen gute Chancen, ihre Ausbildung zu meistern.
Foto: Martin Rehm

Ausbildung mit Behinderung – Hintergrund

Mit einer guten Orientierung zum Erfolg

In Kindergärten und Schulen schreitet die Inklusion voran. Doch wie ist die Situation in Ausbildungsbetrieben? Wie gelingt es jungen Menschen mit Behinderungen, erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen? Zwei Expertinnen des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesagentur für Arbeit berichten.

„Am Anfang sollten Jugendliche mit Behinderungen herausfinden, welche Neigungen, Stärken und Interessen sie haben“, rät Kirsten Vollmer vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Sie empfiehlt, sich schon vor dem Abitur umfassend mit der Berufswahl auseinanderzusetzen und beispielsweise in einem Praktikum erste Betriebserfahrungen zu sammeln. „Außerdem sollten sie sich früh genug über die Voraussetzungen im gewünschten Ausbildungsberuf informieren und überlegen, ob sie die Anforderungen der Ausbildung erfüllen – je nach Art und Schwere der Behinderung sind manche Berufe, wie zum Beispiel Dachdecker, vielleicht nicht möglich“, erläutert Kirsten Vollmer. Trotzdem sei es immer gut, offen an die Ausbildungssuche heranzugehen. So hätten sich heutzutage Ausbildungsbetriebe vieler Branchen im Bereich Inklusion weiterentwickelt, sagt die Expertin.

Möglichst frühzeitig sollten Jugendliche mit Behinderungen klären, inwieweit sie Anspruch auf Nachteilsausgleich haben, ergänzt sie. „Der Nachteilsausgleich fordert die sogenannten zuständigen Stellen (in der Regel Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Landwirtschaftskammern) auf, die Einschränkungen der jungen Menschen in der Durchführung und Prüfung der Ausbildung zu berücksichtigen. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, die Ausbildung zeitlich angepasst zu gliedern, sprachlich angepasste Prüfungsaufgaben zu erhalten oder technische Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen.“

Unterstützungsmöglichkeiten vorschlagen

Ein Porträt-Foto von Kirsten Vollmer

Kirsten Vollmer

Foto: BIBB

Ebenso sei es möglich, Prüfungen mündlich statt schriftlich abzulegen oder einen Gebärdensprachdolmetscher hinzuzuziehen. Nachteilsausgleich bedeute jedoch nicht, dass das Prüfungsniveau gesenkt werde, betont Kirsten Vollmer. „Auszubildende sollten sich ein fachärztliches beziehungsweise psychologisches Gutachten ausstellen lassen, das sie spätestens bei der Anmeldung zur Prüfung an die zuständige Kammer weiterleiten“, sagt die BIBB-Vertreterin. „Es ist auch immer hilfreich, wenn Auszubildende konkrete Unterstützungsmöglichkeiten vorschlagen, die ihnen im Betrieb helfen würden und welche Form des Nachteilsausgleichs für ihre Behinderung angemessen ist.“

Näher erkundigen können sich Jugendliche insbesondere auch bei Ausbildungsberatern von Kammern der betreffenden Berufsgruppe. „Mittlerweile haben viele Kammern speziell geschulte Inklusionsberater“, schildert Kirsten Vollmer. „Eine hilfreiche Orientierung, beispielsweise in Sachen Rechte, Pflichten und Hilfsangebote, bietet auch REHADAT, ein Informationsangebot, das vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt und vom Bundesinstitut für Arbeit und Soziales gefördert wird.“

Förderangebote der Bundesagentur für Arbeit

Ein Porträt-Foto von Andrea Deis

Andrea Deis

Foto: Liane Osthoff

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bietet ebenfalls umfassende Unterstützungsmöglichkeiten für Auszubildende mit Handicap. „Grundsätzlich kann jeder Interessierte zur Berufsberatung kommen. Wer einen Schwerbehinderten-Ausweis hat, erhält einen Termin bei der Reha-Beratung“, sagt Andrea Deis, Beraterin für Rehabilitanden und Schwerbehinderte in der Agentur für Arbeit Wiesbaden. „Je nach Art und Schwere der Behinderung übernimmt die Bundesagentur für Arbeit bis zu 80 Prozent der Ausbildungsvergütung – diesen Ausbildungszuschuss zahlen wir dem Ausbildungsbetrieb während der gesamten Ausbildungszeit“, erläutert sie. So solle auch ein Anreiz für Arbeitgeber geschaffen werden, mehr Menschen mit Behinderungen einzustellen. Den Antrag müssen die Betriebe vor Ausbildungsbeginn bei der BA stellen. „Wir prüfen dann die Fördervoraussetzungen“, so die Beraterin.

„Außerdem kann ein Antrag auf technische Arbeitshilfen und Arbeitsassistenz gestellt werden, wie zum Beispiel größere PC-Bildschirme für sehbeeinträchtigte Menschen oder einen Gebärdendolmetscher für hörbeeinträchtigte Menschen“, sagt Andrea Deis. „Wir beauftragen auch technische Berater, um zu prüfen, welche zusätzlichen Hilfsmittel der Auszubildende benötigt – dies kann zum Beispiel ein höhenverstellbarer Rollstuhl sein oder ein Pager für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung, der bei Benachrichtigungen vibriert.“

Ebenfalls möglich sei laut Andrea Deis eine Einstiegsqualifizierung, bei der jungen Menschen Kenntnisse und Fertigkeiten des ersten Ausbildungsjahres im Betrieb vermittelt werden: „Die Qualifizierung kann sechs bis zwölf Monate dauern und zählt als betriebliches Langzeitpraktikum, das die zuständigen Kammern bei erfolgreicher Absolvierung als erstes Lehrjahr einer Ausbildung anerkennen können.“ In dem Fall zahlt die Bundesagentur für Arbeit einen monatlich Zuschuss von 231 Euro sowie die Sozialversicherungsbeiträge an den Betrieb.

Alternativen zur Ausbildung im Betrieb

Je nach Art und Schwere der Behinderung kann es sein, dass eine reguläre Ausbildung im Betrieb nicht möglich ist. In solchen Fällen kann die Ausbildung durch eine außerbetriebliche Ausbildungseinrichtung unterstützt werden.

Beim kooperativen Ausbildungsmodell begleitet und unterstützt etwa ein Bildungsträger den Azubi fachtheoretisch und pädagogisch. Die fachpraktische Ausbildung erfolgt in einem Kooperationsbetrieb. „Der Bildungsträger ist zum Beispiel für Gespräche mit den Kammern oder der Berufsschule zuständig und unterstützt bei der Organisation“, sagt die Berufsberaterin.

Eine weitere Möglichkeit ist eine integrative Ausbildung. Diese findet in einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung wie etwa einem Berufsbildungswerk statt. Hierbei vermittelt das Berufsbildungswerk sowohl fachtheoretisches als auch fachpraktisches Wissen. „Die Ausbildung erfolgt dann in den überbetrieblichen Werkstätten eines Berufsbildungswerkes und besonderen Berufsschulen“, berichtet Andrea Deis. „Wohnen können die Azubis in einem Internat, da die Berufsbildungswerke nicht immer ortsnah sind.“

Als weiteres Förderangebot im Anschluss an den Ausbildungszuschuss nennt die Beraterin einen Eingliederungszuschuss. Diesen zahlt die BA dem Arbeitgeber, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist und der Betrieb den Auszubildenden übernimmt.

Andrea Deis versichert: „Alle Fördermaßnahmen und Ausbildungsangebote werden individuell geprüft und in der Beratung mit dem jungen Menschen geplant, abgestimmt und durchgeführt.”

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bundesagentur für Arbeit

Ausbildungs- und Fördermöglichkeiten stellt die Bundesagentur für Arbeit in Beratungsgesprächen vor.
www.arbeitsagentur.de

Informationen zu Förderangeboten für Menschen mit Behinderungen:

www3.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/MenschenmitBehinderung/index.htm

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Informationen zu den gesetzlichen Regelungen zur Inklusion
www.bmas.de

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Die HRK ist ein Zusammenschluss der staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland und fungiert als Forum für den gemeinsamen Meinungsbildungsprozess.
www.hrk.de

einfach teilhaben

Das Webportal für Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen, Verwaltungen und Unternehmen ist ein Angebot vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
www.einfach-teilhaben.de/DE/StdS/Home/stds_node.html

REHADAT

Ein Informationsangebot zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
www.rehadat.de

Deutsches Studentenwerk

Die bundesweit 58 Studentenwerke kümmern sich um die soziale, wirtschaftliche, kulturelle und gesundheitliche Förderung.
www.studentenwerke.de/de/behinderung

abi>> 18.08.2017