Arbeiten für und mit Patienten

Vorbereitung der Lungenmaschinen für den nächsten OP-Einsatz
Zum medizinisch-technischen Assistenten wird man schulisch ausgebildet und die Praxisphasen erfolgen meist in Krankenhäusern oder Facharztpraxen.
Foto: Thorsten Ulonska

Ausbildungsberufe im Krankenhaus

Arbeiten für und mit Patienten

Menschen dabei helfen, wieder gesund zu werden – das geht auch ganz ohne Studium. Viele Krankenhäuser sind derzeit auf der Suche nach Auszubildenden. Auf sie warten verantwortungsvolle Aufgaben, zum Beispiel als Medizinisch-technische Assistenten.

Robert Schwarz (25) ist Medizinisch-technischer Assistent für Funktionsdiagnostik (MTAF) in der Lungenfunktionsdiagnostik am Universitätsklinikum Dresden. „Den Umgang mit Technik, gepaart mit dem Kontakt zu Patienten, habe ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem Dialysezentrum kennengelernt. Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt er.

Aktuell ist der 25-Jährige vor allem an zwei Geräten im Einsatz: In einer geschlossenen, gläsernen Untersuchungskabine atmen seine Patienten in ein Mundstück aus und ein oder halten die Luft nach Anweisung an. Währenddessen misst Robert Schwarz, wie viel Luft in welcher Zeit ein- und ausströmt. Zudem arbeitet der 25-Jährige mit einem Fahrradergometer für Belastungstests der Lunge und des Herzens. „Wir müssen den Patienten immer viel erklären und sie dazu motivieren, richtig mitzumachen. Dazu braucht man viel Empathie und Geduld“, weiß der Medizinisch-technische Assistent.

Enge Zusammenarbeit mit Ärzten

Ein Porträt-Foto von Robert Schwarz

Robert Schwarz

Foto: privat

Die gemessenen Daten geben den Ärzten Hinweise darauf, ob sich die individuellen Beschwerden des Patienten durch eine eingeschränkte Lungenfunktion erklären lassen. Dafür schreibt Robert Schwarz die Messergebnisse in die elektronische Patientenakte. Zudem koordiniert er die Testtermine und führt Statistiken. „Wir müssen ganz genau arbeiten, sonst kommen wir zu falschen Werten, was gravierende Auswirkungen auf die Behandlung des Patienten haben kann.“ MTAF kennen sich deshalb nicht nur mit physikalisch-technischen Zusammenhängen aus, sondern auch mit den Vorgängen im menschlichen Körper.

Robert Schwarz hat eine schulische Ausbildung in seinen Beruf geführt. Auch andere Medizinisch-technische Assistenten (MTA) wie Laboratoriumsassistenten (MTLA) oder Radiologieassistenten (MTRA) werden an Berufsfachschulen ausgebildet. Die Praxisphasen erfolgen meist in Krankenhäusern oder Facharztpraxen. Die Ausbildung dauert in Vollzeit – egal welches Berufsfeld man wählt – drei Jahre. Daneben gibt es noch die Physio- und Ergotherapeuten. In diese Berufe kann entweder eine schulische Ausbildung oder ein duales Studium führen.

Auch gesundheitsspezifische Jobs in Verwaltung und IT

Ein Porträt-Foto von Andreas Rosin

Andreas Rosin

Foto: privat

„Im Bereich Pflege gibt es Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Hebammen“, sagt Andreas Rosin, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Dortmund. Diätassistenten werden ebenfalls an Krankenhäusern gebraucht, und wie in jedem Unternehmen auch Mitarbeiter für die Verwaltung: Kaufleute im Gesundheitswesen, Medizinische Fachangestellte sowie Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Medizinische Dokumentation kümmern sich zum Beispiel darum, dass auch jenseits der Station alles gut läuft. Gibt es eine Krankenhausapotheke, sind auch Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte gefragt.

Die unterschiedlichen Berufe zeigen: Krankenhäuser sind sehr vielfältige Arbeitgeber. Mitte 2017 waren dort fast 1,4 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr, so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Mit rund einer Million übt die Mehrzahl der Beschäftigten medizinische Gesundheitsberufe aus. 41 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. „Im Zuge der allgemeinen Entwicklung im medizinischen Bereich und der Tatsache, dass mit der älter werdenden Gesellschaft auch die Zahl der Menschen mit gesundheitlichen Problemen zunimmt, wird die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Berufsfeld auch weiterhin hoch bleiben“, ordnet Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein.

Bei Physiotherapeuten und Krankenpflegern herrscht in Deutschland bereits Fachkräftemangel. Auch die Nachfrage nach Medizinisch-technischen Assistenten bzw. Radiologieassistenten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Die Arbeitsmarktlage ist für alle, die im Krankenhaus arbeiten wollen, also ausgesprochen gut“, resümiert die Arbeitsmarktexpertin.

Empathie und Interesse am Menschen

Aber die Arbeit im Krankenhaus ist auch anspruchsvoll und erfordert meist eine gewisse persönliche Reife. „Deshalb werden von diesen Berufen auch Abiturienten angesprochen“, weiß Berufsberater Andreas Rosin. „Manche überbrücken mit der Ausbildung die Wartezeit für einen Studienplatz und sammeln so wertvolle Praxiserfahrung für ihren späteren Einsatz im Krankenhaus. Andere sehen in der Arbeit mit den Patienten eine persönliche Erfüllung.“

Ein Porträt-Foto von Peer Köpf

Peer Köpf

Foto: Otto (DKG)

Außer einem großen Interesse an der Arbeit mit Menschen und der inneren Einstellung, anderen helfen zu wollen, sollten Mitarbeiter in einem Krankenhaus psychisch und physisch belastbar sein, ergänzt Peer Köpf, stellvertretender Geschäftsführer des Dezernats Personalwesen und Krankenhausorganisation der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG): „Nicht selten hat man mit Schwerstkranken zu tun“, sagt er. Die Bereitschaft zu Schichtdiensten sollte ebenfalls vorhanden sein. „Auch wenn viele Krankenhäuser mittlerweile alternative Arbeitszeitmodelle anbieten“, ergänzt der Experte. Mitarbeiter in kaufmännischen Berufen müssen laut Peer Köpf außerdem sehr genau arbeiten sowie zuverlässig und vertrauenswürdig sein, weil sie oft mit sensiblen Patientendaten zu tun haben.

Und wer einen technischen Beruf wie Robert Schwarz anstrebt, sollte zudem ein großes Interesse an Technik mitbringen, ergänzt der 25-Jährige MTAF. „Und bereit sein, immer wieder Neues zu lernen, etwa wenn medizinische Fachkreise neue Empfehlungen aussprechen.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Die Berufsfeld-Information der Bundesagentur für Arbeit. Der Wegweiser mit über 1.500 Reportagen unter anderem zu Aus- und Weiterbildung (siehe Teilberufsfeld „Pflege, Therapie, medizinische Assistenz“)

berufsfeld-info.de/planet-beruf.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Medizin).

http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Dachverband für Technologen/innen und Analytiker/innen in der Medizin Deutschland (DVTA)

Berufsverband für alle Medizinisch-technischen Assistenten-Berufe (MTA) mit einer guten Übersicht über alle MTA-Schulen in Deutschland.

www.dvta.de

Deutscher Pflegerat

Bundesarbeitsgemeinschaft Plfege- und Hebammenwesen

www.deutscher-pflegerat.de

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

www.dbfk.de

Verband medizinischer Fachberufe

www.vmf-online.de

Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)

www.dkgev.de

 

Ausbildungsberufe im Krankenhaus – Berufsübersicht

Vielfältige Aufgaben für Abiturienten

Die Arbeit in Krankenhäusern ist abwechslungsreich und verantwortungsvoll, die beruflichen Möglichkeiten sind vielfältig. abi» hat eine Auswahl zusammengestellt.

Medizinisch-technische/r Radiologieassistent/in

Aufgaben: Erstellen von Röntgenaufnahmen, Einsetzen tomografischer Verfahren, Durchführung nuklearmedizinischer Untersuchungen mithilfe von radioaktiven Substanzen
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Arztpraxen bzw. Facharztpraxen für Radiologie
Mehr zum Beruf Medizinisch-technische/r Radiologieassistent/in auf BERUFENET>>

Medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

Aufgaben: Durchführung der Laboruntersuchungen von Körperflüssigkeiten und -gewebe zur Krankheitsvorsorge, -erkennung und -behandlung
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Arztpraxen, medizinische Laboratorien, Blutspendedienste
Mehr zum Beruf Medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in auf BERUFENET>>

Medizinisch-technische/r Assistent/in – Funktionsdiagnostik

Aufgaben: Untersuchen von Patienten mit medizinischen Geräten, testen von z.B. Hirnströmen, Hörfähigkeit, Gleichgewichtssinn und Lungenfunktion
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Facharztpraxen, medizinische Laboratorien, Zentren für Diagnostik
Mehr zum Beruf Medizinisch-technische/r Assistent/in – Funktionsdiagnostik auf BERUFENET>>

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in

Aufgaben: Betreuung und Versorgung von kranken und pflegebedürftigen Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, Ausführen von ärztlich veranlassten Maßnahmen, Assistieren bei Untersuchungen und Behandlungen, Dokumentieren von Patientendaten.
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser mit Stationen für Kinder, Jugendliche oder Säuglinge, Kinderkliniken und Kinderheime, Facharztpraxen für Kinder und Jugendliche, ambulante Pflegedienste
Mehr zum Beruf Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in auf BERUFENET>>

Gesundheits- und Krankenpfleger/in

Aufgaben: Betreuung und Versorgung von kranken und pflegebedürftigen Menschen, Durchführung ärztlich veranlasster Maßnahmen, Assistenz bei Untersuchungen und Behandlungen von Patienten. Dokumentation von Patientendaten
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Facharztpraxen oder Gesundheitszentren, Altenwohn- und –pflegeheime, Einrichtungen der Kurzzeitpflege, ambulanter Pflegedienst, Wohnheime für Menschen mit Behinderung
Mehr zum Beruf Gesundheits- und Krankenpfleger/in auf BERUFENET>>

Ergotherapeut/in

Aufgaben: Beratung, Behandlung und Förderung von Patienten mit physischen oder psychischen Erkrankungen, Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen. Erarbeiten von individuellen Behandlungsplänen, Durchführung von Therapien und Präventionsmaßnahmen
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Kliniken, Gesundheitszentren, soziale Einrichtungen und Heime, Praxen für Ergotherapie, pädagogische Einrichtungen wie Sonderschulen und Frühförderzentren
Mehr zum Beruf Ergotherapeut/in auf BERUFENET>>

Physiotherapeut/in

Aufgaben: Behandlung von Menschen, deren körperliche Bewegungsmöglichkeiten z.B. durch Krankheit oder Unfall eingeschränkt sind, Durchführen von vorbeugenden Therapiemaßnahmen
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Kliniken, Facharztpraxen, Praxen für Physiotherapie, Altenheime, Rehabilitationszentren
Mehr zum Beruf Physiotherapeut/in auf BERUFENET>>

Medizinische/r Fachangestellte/r

Aufgaben: Assistieren von Ärzten bei der Untersuchung, Behandlung, Betreuung und Beratung von Patienten, organisatorische und Verwaltungsarbeiten
Mögliche Arbeitgeber: Arztpraxen aller Fachgebiete, Krankenhäuser, andere Institutionen und Organisationen des Gesundheitswesens, medizinische Labore, betriebsärztliche Abteilungen von Unternehmen, Gesundheitsämter
Mehr zum Beruf Medizinische/r Fachangestellte/r auf BERUFENET>>

Assistent/in – Gesundheits- und Sozialwesen

Aufgaben: betriebswirtschaftlich-organisatorische Aufgaben im Bereich Gesundheit und Pflege, Beratung und Betreuung hilfs- und pflegebedürftiger Menschen
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime, Krankenversicherungen, Gesundheitsämter
Mehr zum Beruf Assistent/in – Gesundheits- und Sozialwesen auf BERUFENET>>

Kaufmann/-frau – Gesundheitswesen

Aufgaben: Planen und organisieren aller Geschäftsprozesse im Gesundheitswesen, Entwicklung von Dienstleistungsangeboten, Qualitätsmanagement und Marketing
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, medizinische Labore oder Arztpraxen, Krankenversicherungen und Rettungsdienste, Altenpflegeheime, ambulante Alten- und Krankenpflege
Mehr zum Beruf Kaufmann/frau im Gesundheitswesen auf BERUFENET>>

Pharmazeutisch-technische/r Assistent/in

Aufgaben: Apotheker/innen bei der Prüfung, Herstellung und beim Verkauf von Arzneimitteln sowie Wirk- und Hilfsstoffen unterstützen, einfache physiologisch-chemische Untersuchungen durchführen, Verwaltungsaufgaben übernehmen
Mögliche Arbeitgeber: Krankenhausapotheken, öffentliche Apotheken, Versandapotheken, pharmazeutische Industrie
Mehr zum Beruf Pharmazeutisch-technischer Assistent/in auf BERUFENET>>

 

Ausbildungsberufe im Krankenhaus – Interview

„Zukünftig stehen Pflegefachleuten alle Wege offen“

Ab 2020 wird es in Deutschland eine gebündelte Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau geben. Im Interview mit abi» erklärt Christine Vogler, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerates, was dahinter steckt.

abi»: Die Pflegeausbildung soll reformiert werden. Was genau ist da geplant?

Christine Vogler: Wir haben derzeit in Deutschland drei pflegerische Berufe: Altenpfleger/in, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in sowie Gesundheits- und Krankenpfleger/in. Das ist einmalig auf der Welt. Überall sonst richten sich die Pflegeberufe nicht nach der Altersgruppe der Pflegebedürftigen. Das ist ja auch sinnvoll, denn im Krankenhaus gibt es auch alte Menschen, und in einem Pflegeheim können zum Beispiel auch behinderte Kinder oder Jugendliche leben. Daher soll es ab 2020 bei uns ebenfalls eine gemeinsame Grundausbildung zur Pflege geben. Anschließend spezialisieren sich die Pflegekräfte. Mit dieser Ausbildungsreform bietet Deutschland eine europafähige Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann. an.

abi»: Wo liegt dann der Unterschied zu den bisherigen Ausbildungen?

Ein Porträt-Foto von Christine Vogler

Christine Vogler

Foto: privat

Christine Vogler: Bisher werden angehende Altenpfleger fast ausschließlich in Altenheimen eingesetzt, angehende Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger nur in Krankenhäusern. In Zukunft werden die Auszubildenden des neuen Berufes Pflegefachmann bzw. Pflegefachfrau alle Arbeitsbereiche, in denen Menschen zu pflegen sind, kennenlernen – sowohl die Krankenhäuser als auch die ambulante Versorgung und die Pflegeheime. Nach drei Jahren oder auch schon im letzten Jahr der Ausbildung kann man seine Kenntnisse in einem der Bereiche vertiefen, wenn man möchte. Nach der Ausbildung kann man sich dann mit Hilfe von Fortbildungen weiter qualifizieren, zum Beispiel für die Arbeit mit Demenzkranken oder die Pflege bei Schmerzbekämpfung oder Krebs. Außerdem wird es demnächst ein Studienfach Pflege geben.

abi»: Und wo findet die Ausbildung künftig statt?

Christine Vogler: Man ist zwar in einem Betrieb, etwa einem Krankenhaus oder einem Pflegeheim, angestellt, aber man wechselt die Einrichtungen. Um die Einsätze kümmert sich der Ausbildungsträger. Auszubildende werden demnächst also während ihrer Ausbildung unterwegs sein, um alle künftigen Einsatzbereiche kennenzulernen.

abi»: Was ist der Vorteil dieser Umstrukturierung?

Christine Vogler: Die Pflegefachleute sind flexibler einsetzbar, ihnen stehen alle Wege innerhalb der Pflege offen. Außerdem werden die Löhne angepasst: Bisher werden Altenpflegekräfte oft schlechter bezahlt als Gesundheits- und Krankenpfleger, obwohl sie fast die gleichen Aufgaben haben. Durch die Vereinheitlichung der Löhne wird das Berufsbild in der Pflege attraktiver werden.

 

Gesundheits- und Krankenpfleger

Mit viel Empathie flexibel bleiben

Nach dem Abitur wusste Julius Falkenberg (20) noch nicht so recht, was er werden will. Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) brachte ihn auf die Idee, eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger zu absolvieren. Inzwischen ist er im zweiten Lehrjahr und profitiert von seinem Vorwissen.

Die Arbeit mit Menschen in einem medizinischen Umfeld hat mir super gefallen, daher habe ich mich für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beworben“, erinnert sich Julius Falkenberg. Seine Ausbildung macht er im Centrum für Pflegeberufe am Klinikum Nürnberg. Mittlerweile ist er im zweiten Lehrjahr. „In meiner Ausbildung wechseln sich Praxiseinsätze mit zwei- bis sechswöchigen Phasen an der Berufsschule ab“, erklärt er.

In der Praxis lernen die Auszubildenden viele verschiedene Bereiche kennen. Der Nürnberger hat bereits in der Unfallchirurgie im Klinikum gearbeitet, im ambulanten Pflegedienst der Diakonie, in der Inneren Medizin in einem Krankenhaus und in der Herzchirurgie. Demnächst sind Einsätze in der Gynäkologie oder der Geburtshilfe sowie in einer Psychiatrischen Abteilung geplant. Auch die Notaufnahme und der OP-Bereich stehen auf dem Praxisprogramm. „So bekommen wir einen guten Überblick über die Abläufe in den verschiedenen Abteilungen in einem Krankenhaus“,  erläutert er.

Pflegetechniken und Anatomie

Ein Porträt-Foto von Julius Falkenberg

Julius Falkenberg

Foto: privat

Dank seines Freiwilligen Sozialen Jahres kannte sich Julius Falkenberg schon ein wenig mit pflegerischen Aufgaben aus, trotzdem wurde er nicht ins kalte Wasser geworfen. „Anfangs bin ich mit einem erfahrenen Pfleger mitgegangen, der mir alles gezeigt und erklärt hat“, erinnert er sich an den Beginn seiner Ausbildung. „Nach und nach wurde ich selbstsicherer und konnte die Patienten dann selbst versorgen.“

Auch in den Theoriephasen lernt er Pflegetechniken kennen: wie man Patienten richtig lagert, wie man sie beim Waschen unterstützt oder sie so hebt, dass es für den Pfleger möglichst einfach ist. „Das macht die Arbeit auf der Station natürlich leichter“, findet Julius Falkenberg. Darüber hinaus stehen Fächer wie Anatomie, Physiologie, rechtliche Grundlagen im Krankenhaus und Kommunikationstechniken auf dem Stundenplan. „Wir kommunizieren schließlich den ganzen Tag: mit den Patienten, den Ärzten, den Angehörigen, den Pflegekollegen – da muss man sich immer wieder auf andere Menschen einstellen.“

Mit einem guten Zeitmanagement für die Menschen da sein

Der Auszubildende achtet darauf, dass er sich seine Zeit gut einteilt, sodass zwischendurch auch mal ein Gespräch mit den Patienten oder die Erfüllung eines besonderen Wunsches möglich ist. „Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, hilft oft mehr als Medikamente und Behandlungen“, ist der angehende Gesundheits- und Krankenpfleger überzeugt. Deshalb brauche man für diesen Beruf viel Empathie. „Man muss sich in die Menschen hineinversetzen können und ihre Bedürfnisse erkennen. Manchmal gibt es auch unschöne Situationen, etwa wenn es einem Patienten schlechter geht oder er sogar verstirbt“, sagt Julius Falkenberg. „Dann braucht man eine professionelle Distanz, damit einem das nicht zu nahegeht.“

Je nach Einsatzplan arbeitet Julius Falkenberg im Früh- oder im Spätdienst, ab der zweiten Hälfte der Ausbildung steht hin und wieder auch der Nachtdienst an. „Auch an den Wochenenden müssen wir manchmal arbeiten, denn ein Krankenhaus funktioniert rund um die Uhr. Dafür haben wir dann auch mal unter der Woche frei“, merkt er an. Für die Schichtdiensteinsätze müsse man seine Freizeit im Voraus gut planen. Trotz guter Planung sei es aber wichtig, als Gesundheits- und Krankenpfleger flexibel zu bleiben, denn Unvorhergesehenes könne immer passieren.

Gute Vorbereitung für ein medizinisches Studium

Was Julius Falkenberg nach seiner Ausbildung machen will, steht noch nicht fest. „Ich überlege, ein Fach aus dem Gesundheitsbereich zu studieren. Da gibt es ja vom Pflegemanagement bis zur Medizin eine riesige Bandbreite.“ Er findet es auf jeden Fall gut, durch die Ausbildung die Praxis hautnah kennenzulernen. „Die Pflege ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die auch für mich als Abiturient sinnvolle Perspektiven bietet.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Tagesablauf Gesundheits- und Krankenpfleger

So kann ein Arbeitstag aussehen

Julius Falkenberg absolviert eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Für abi» beschreibt er, wie ein typischer Ausbildungstag in der Unfallchirurgie aussieht.

6:00 Uhr:

Der Frühdienst beginnt. Die Pfleger aus der Nachtschicht machen die Übergabe, damit Julius Falkenberg und seine Kollegen wissen, was in der Nacht passiert ist.

6:15 Uhr:

Der Auszubildende geht durch die Station und prüft bei den Patienten die Vitalzeichen: Er misst Blutdruck, Puls und Körpertemperatur und erkundigt sich nach dem allgemeinen Befinden.

7:00 Uhr:

Julius Falkenberg begleitet die Ärzte auf Visite. So weiß er schnell, ob demnächst zum Beispiel eine Operation ansteht oder ob er sonst etwas Besonderes bei den Patienten auf seiner Station beachten muss.

7:45 Uhr:

Die Pfleger und die Azubis teilen das Frühstück aus und helfen Patienten, die nicht alleine essen können.

9:30 Uhr:

Nach einer eigenen Frühstückspause unterstützt Julius Falkenberg Patienten, die seine Hilfe brauchen – etwa beim Waschen, beim Einnehmen der Medikamente, oder er wechselt Verbände.

11:30 Uhr:

Zur Mittagszeit gehen die Pfleger und die Azubis erneut in alle Zimmer und teilen das Essen aus. Anschließend ist Zeit, die Pflegeberichte für jeden Patienten zu erstellen und zu dokumentieren, was gemacht wurde.

13:30 Uhr:

Es erfolgt die Übergabe an den Spätdienst, und Julius Falkenberg kann Feierabend machen.

<< Hier geht's zurück zur Ausbildungsreportage

 

Kauffrau im Gesundheitswesen

Vom Einkauf bis zum Controlling

Nach einem Bundesfreiwilligendienst in einer Jugendfreizeitstätte stand für Katharina Mytzka (20) fest: Die soziale Arbeit oder Pflege ist nichts für sie – die Gesundheitsbranche dagegen schon. Nun macht sie eine duale Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen in einem Krankenhaus.

Die Branche Gesundheit und Soziales hat mir schon grundsätzlich gefallen. Gern wollte ich deshalb auch eine Ausbildung in diesem Bereich machen – am liebsten jedoch in der Verwaltung, nicht im sozialen oder pflegerischen Bereich“, erzählt Katharina Mytzka, die jetzt im zweiten Lehrjahr ihrer dualen Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen ist.

Praktisch erlernt die 20-Jährige den Beruf im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Eineinhalb Tage in der Woche geht sie zur Berufsschule. Hier lernt sie die Theorie, unter anderem zu den Themen Gesundheitsmanagement, Steuerung, Arbeitsprozesse und Datenverarbeitung. Auch Englisch, Deutsch, Politik, Religion und Sport stehen auf dem Stundenplan.

Einblick in viele Abteilungen

Ein Porträt-Foto von Katharina Mytzka

Katharina Mytzka

Foto: Anna Kabbe

Im ersten Lehrjahr wechselte Katharina Mytzka etwa alle zwei Monate die Abteilung, um zunächst einen Überblick über die verschiedenen Bereiche im Krankenhaus zu bekommen: So wurde sie bereits in der Personalabteilung, im Patientenmanagement, in der Patientenaufnahme, in der Finanzbuchhaltung, im Zentrallager, im Einkauf und in der EDV eingesetzt. Derzeit arbeitet sie im Controlling. „Zu Beginn meiner Einsätze habe ich immer erst mal den Kollegen über die Schulter geschaut, und sie haben mir viel erklärt. Meist habe ich dann auch schnell eigene Aufgaben übernommen“, berichtet die Auszubildende.

Bei der Patientenaufnahme war sie zum Beispiel viel im Haus unterwegs, um den Privatpatienten ihre Verträge auf die Station zu bringen. „Dadurch hatte ich auch direkten Kontakt zu den Patienten, das war sehr interessant“, erinnert sie sich. In der Einkaufsabteilung gehörte es zu ihren Aufgaben, die Bestellungen – vom Rollstuhl bis zum OP-Zubehör – per Fax zu verschicken. In anderen Abteilungen hat sie den Umgang mit Word, Excel und anderen IT-Programmen des Krankenhauses gelernt.

Sorgfältige Arbeit unabdingbar

„Am meisten Spaß hat mir bisher mein Einsatz in der Finanzbuchhaltung gemacht, weil ich viele Aufgaben selber lösen konnte und nicht so viel nachfragen musste wie in manch anderen Abteilungen“, berichtet Katharina Mytzka. Auch, dass sich in diesem Bereich jedes Jahr wieder etwas verändert und man deshalb viel Neues lernen muss, findet sie gut. „Grundsätzlich gefällt mir an meinem Beruf, dass man sehr sorgfältig arbeiten muss – auch im Privaten ist mir Ordnung sehr wichtig“, betont die Auszubildende. Vor allem wenn es um sensible Patientendaten geht, ist Sorgfalt, Zuverlässigkeit und ein hohes Verantwortungsbewusstsein äußerst wichtig. Zudem sei Aufgeschlossenheit von Vorteil, sagt sie, man müsse offen und gern auf Kollegen und – je nach Einsatzgebiet – auch auf Patienten zugehen können.

„Oft ist mein Schreibtisch voll mit vielen verschiedenen Aufgaben. Man muss also auch gut organisiert sein und Prioritäten setzen können“, führt sie als weitere wichtige Eigenschaften für den Beruf an. Ihr Tipp für alle, die sich für ihre Ausbildung interessieren: „Ein Praktikum ist gut, um zu sehen, ob einem die Arbeit wirklich liegt.“ Auch wenn sie nicht täglich mit Patienten zu tun hat, ist es ihr wichtig, dass sie mit ihrer Tätigkeit im Gesundheitswesen etwas für Menschen tun kann. „Für mich war diese Ausbildung genau die richtige Entscheidung“, betont sie.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Kauffrau im Gesundheitswesen – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Katharina Mytzka lernt den Beruf der Kauffrau im Gesundheitswesen. Für abi» beschreibt sie, wie ein typischer Ausbildungstag in der Abteilung Patientenmanagement aussieht.

7:15 Uhr:

Katharina Mytzka nutzt die Gleitzeit und kommt heute früh ins Büro. Zunächst schaut sie, welche Aufgaben für den heutigen Tag anstehen.

7:45 Uhr:

Heute muss sie zahlreiche Briefe an Patienten schreiben. Sie exportiert eine Liste mit Krankenhauszuzahlungen für die erbrachten Leistungen aus dem Computer-System und bereitet einen großen Stapel an Briefen zum Versand vor.

10:00 Uhr:

Manchmal kommen Briefe an die Patienten mit dem Vermerk „Unzustellbar“ ins Krankenhaus zurück. Dann muss Katharina Mytzka den Grund dafür herausfinden. Sie recherchiert die Adressen und ruft bei den Patienten zu Hause an. Bei manchen Telefonaten muss sie Fingerspitzengefühl beweisen, weil die Patienten nicht einsehen, dass sie etwas bezahlen sollen.

12:30 Uhr:

Zur halbstündigen Mittagspause trifft sich Katharina Mytzka mit Kollegen und anderen Auszubildenden in der Kantine des Krankenhauses.

13:30 Uhr:

Am Nachmittag hilft Katharina Mytzka den Kollegen bei der Berechnung der Fallpauschalen (das ist der Betrag, den das Krankenhaus pro Behandlungsfall abrechnen kann). Im Computersystem sind Ziffern zu einzelnen Leistungen hinterlegt, mit denen sich die Behandlungen abrechnen lassen.

15:30 Uhr:

Nachdem sie bei den Abrechnungen die eingetragenen Zu- und Abschläge kontrolliert hat, macht Katharina Mytzka Feierabend.

<< Hier geht's zurück zur Ausbildungsreportage

 

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste – Medizinische Dokumentation

Studien dokumentieren und organisieren

Als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste ist Annika Göcke Expertin für die Erfassung von Patientendaten. Die 28-Jährige hat unter anderem schon in einer Kinderarztpraxis gearbeitet und war in der Krebsregister-Dokumentation tätig. Derzeit ist sie in der Uniklinik Münster für klinische Studien zuständig.

Ich unterstütze vor allem die Ärzte bei ihrer Arbeit an diesen Studien, die dabei helfen sollen, die beste Therapie für den Patienten zu finden“, erklärt Annika Göcke ihre Aufgaben im Knochenmarktransplantationszentrum der Uniklinik Münster. Ihre duale Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Medizinische Dokumentation hat sie ebenfalls an der Uniklinik Münster absolviert und ist nun, nach mehreren Zwischenstationen, wieder hierher zurückgekehrt.

Ein Porträt-Foto von Annika Göcke

Annika Göcke

Foto: Janik Krietenbirk

„Ich sitze bei meiner Arbeit größtenteils vor dem Computer, aber ich habe auch Patientenkontakt und tausche mich häufig mit den Ärzten aus – diese Mischung gefällt mir gut“, betont Annika Göcke, die schon immer gern in der Medizin arbeiten wollte, aber nicht als Ärztin oder Krankenschwester. „Der Beruf der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste Fachrichtung Medizinische Dokumentation ist da genau das Richtige“, sagt sie.

Vorbereitung der Studien

Zu ihren Aufgaben gehört es, zusammen mit den Ärzten die Kriterien für eine Teilnahme an den Studien zu definieren. Außerdem koordiniert sie die anschließenden Visitentermine und notwendigen Untersuchungen und dokumentiert, welche Medikamente die Studienteilnehmer bekommen. „Manchmal wissen wir selbst nicht, ob die Patienten ein echtes Medikament oder ein Placebo erhalten – das ist dann nur verschlüsselt in der Dokumentation hinterlegt“, erläutert die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste. Sie organisiert für die Ärzte auch die Ausgabe der Medikamente, überwacht die richtigen Lagerungsbedingungen und vernichtet die Packungen zusammen mit der Klinikapotheke, wenn dies in der Studie so vorgesehen ist.

Bei ihrer Arbeit muss sie besonders sorgfältig und zuverlässig sein. Unerwünschte, vor allem lebensbedrohliche Ereignisse muss sie innerhalb von 24 Stunden dem Safety Desk melden. „Es geht dabei schließlich um die Gesundheit der Menschen“, erklärt sie und betont, dass die Fehlerfreiheit von Studien auch von anderen Stellen feinmaschig überprüft und überwacht wird.

Gute Planung und Hygiene

Die größte Herausforderung in ihrer Arbeit sieht sie derzeit darin, die vielbeschäftigten Ärzte zu erreichen, wenn es dringende Dinge zu besprechen gibt. Zudem muss sie sich regelmäßig mit anderen Dokumentaren abstimmen. „Teamfähigkeit ist bei unserer Arbeit sehr wichtig. Bei uns laufen nicht nur alle Fäden zusammen, teamintern müssen wir bei Vertretungen häufig auch die Tätigkeiten der Kollegen übernehmen. Manchmal habe ich sehr viel auf dem Tisch und muss deshalb gut koordinieren und organisieren können.“ Aber auch der Alltag im Knochenmarktransplantationszentrum birgt seine Hürden: Aus hygienischen Gründen ist es immer notwendig, sich vor dem Betreten der Station umzuziehen. „Aber zum Wohle der Patienten muss das sein – dafür arbeite ich ja in einem Krankenhaus.“


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Vielfältige Aufgaben für Abiturienten

  • Vom Einkauf bis zum Controlling

  • Studien dokumentieren und organisieren

  • „Zukünftig stehen Pflegefachleuten alle Wege offen“

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 18.06.2019