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Tüfteln im Labor

Eine junge Frau mischt im Labor gemahlene Körner im Reagenzglas mit Milchsäure.
Weil sie naturwissenschaftliche Kenntnisse auf Oberstufenniveau mitbringen, haben Abiturienten gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz in den Laborberufen.
Foto: Karsten Socher

Ausbildungsberufe im Labor

Tüfteln im Labor

Analysieren, mikroskopieren, präparieren – Laborberufe wie Pflanzentechnologe, Werkstoffprüferin oder Biologielaborant sind inhaltlich anspruchsvoll und bieten ein vielseitiges Arbeitsfeld. Kein Wunder, dass sich viele Abiturienten für eine Ausbildung in einem dieser Berufe entscheiden.

Eine ideale Verbindung aus Theorie und Praxis – das stellt die Ausbildung zur Pflanzentechnologin für Judith Reese dar. Die 22-Jährige aus Lage Lückhausen im Landkreis Lippe ist in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend zu Hause und wusste immer, dass sie später im Bereich der Landwirtschaft arbeiten wollte: „Ich bin gerne draußen praktisch tätig, zudem finde ich Pflanzen und das, was in ihrem Inneren abläuft, spannend.“ Daher hat sie sich für eine Ausbildung zur Pflanzentechnologin bei der W. Borries-Eckendorf GmbH & Co. KG entschieden.

Nah an der Natur

Ein Porträt-Foto von Judith Reese.

Judith Reese

Foto: privat

Pflanzentechnologen züchten Kulturpflanzen wie Raps oder Getreide und entwickeln sie weiter. „Man kann jeden einzelnen Schritt in der Entwicklung einer Pflanze miterleben“, erzählt Judith Reese. Welche Saison gerade herrscht, wie die Pflanze währenddessen wächst – all das prägt den Alltag von Pflanzentechnologen. Im Herbst säen sie aus, im Winter analysieren sie die vergangene Ernte und bereiten im Gewächshaus neue Kreuzungen vor. Im Frühling beurteilen sie die jungen Pflanzen und sondern unerwünschte aus, im Sommer ernten sie. Frühling und Sommer bedeuten immer auch, lange Tage auf dem Feld zu verbringen. „Es ist toll, so nah an der Natur zu sein“, bringt es Judith Reese auf den Punkt.

Herbst und Winter dagegen sind Laborzeit. „Über Monate habe ich im Saaten-Union Biotec Labor auf unserem Firmengelände praktisch gearbeitet: auf der Sterilbank Doppelhaploiden, also reinerbige Pflanzen, angelegt und herangezogen. Diese wurden später ins Gewächshaus gepflanzt und weiterentwickelt.“ Außerdem führte sie im Molekularlabor Markeranalysen durch, prüfte also anhand bestimmter Merkmale der Pflanzen, ob sie sich für die Zucht eignen.

Die dreijährige Ausbildung, die sie dank ihres Abiturs um ein Jahr verkürzen konnte, hat sie mittlerweile abgeschlossen: „In den zwei Jahren Ausbildung war kein Tag wie der andere. Pflanzentechnologe ist ein sehr vielfältiger Beruf“, resümiert Judith Reese. Seit dem Wintersemester 2017 studiert die junge Frau nun Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen. „Die vorangegangene Ausbildung hat mich gut auf das Studium vorbereitet. Meine bisherigen praktischen Erfahrungen kann ich in jedem Fall nutzen. Und ich muss keine Praktika mehr machen“, erklärt sie.

Eine echte Alternative zum MINT-Studium

Berufsberater Matthias Riedel von der Agentur für Arbeit Jena beobachtet häufig, dass Abiturienten nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung in einem Laborberuf wählen. Pflanzentechnologen gehören ebenso zu dieser Berufsgruppe wie Werkstoffprüfer, Milchwirtschaftliche Laboranten, Lacklaboranten, Agrarwirtschaftlich- beziehungsweise Landwirtschaftlich-technische Assistenten, Biologie-, Chemie- oder Physiklaboranten.

„Eine Ausbildung in diesem Bereich ist für Abiturienten mit naturwissenschaftlichen Interessen und Stärken eine echte Alternative zum MINT-Studium“, meint der Berufsberater. Vor allem aus zwei Gründen: Einerseits sind die meisten Laborberufe inhaltlich anspruchsvoll sowie vielseitig und bieten gute Einstiegs-, Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten. Andererseits schrecken manche Abiturienten vielleicht vor einem MINT-Studium zurück, weil es ihnen zu lang, theoretisch und schwierig erscheint. Außerdem haben in einigen Fachrichtungen – beispielsweise in der Chemie – Absolventen oft nur dann Chancen auf einen guten Job, wenn sie promovieren. So müssen sie nach dem Studienabschluss weitere Jahre auf höchstem wissenschaftlichen Niveau arbeiten und forschen, und dies in einigen Regionen bei unsicheren Zukunftsaussichten.

Ausbildung als Sprungbrett

„Gerade Abiturienten mit Neigung zum praktischen naturwissenschaftlichen Tun entscheiden sich vor diesem Hintergrund oft für eine Ausbildung“, weiß Matthias Riedel. Hinzu kommen diejenigen, die perspektivisch – wie Judith Reese – studieren wollen und die Ausbildung als Sprungbrett nutzen. Sie lernen zunächst solide naturwissenschaftliche Arbeitstechniken, können dank der Ausbildung teilweise Praktika ersetzen und haben bereits erste Erfahrungen in der Branche gesammelt.

„Bei Abiturienten sind nach meiner Erfahrung vor allem die Ausbildung zum Biologie- und zum Chemielaboranten gefragt. Berufe wie Baustoffprüfer oder Textillaborant sind weniger bekannt“, berichtet der Berater. Der Anteil der Azubis mit Fach- oder Hochschulreife ist bei allen Laborberufen groß: vergleichsweise am geringsten bei den Milchwirtschaftlichen Laboranten mit 47 Prozent, am höchsten bei den Biologielaboranten mit 76 Prozent.

Gefragte Fachkräfte

„Abiturienten bringen Vorkenntnisse der entsprechenden Naturwissenschaften auf Oberstufenniveau mit, vor allem, wenn sie darauf ihren Schwerpunkt gelegt haben. Dazu kommen meist solide Mathekenntnisse, ein souveräner Umgang mit Tabellen und Statistiken, Forscherdrang und Experimentierfreude sowie gute fremdsprachliche Fähigkeiten, vor allem in Englisch. All dies macht sie zu idealen Ausbildungsbewerbern für die Laborberufe, zumal viele außerdem noch selbstständig sind und bereit, sorgfältig zu arbeiten“, fasst Matthias Riedel zusammen. Nach dem Abschluss bieten viele Unternehmen den Laborspezialisten attraktive Arbeitsplätze, besonders in der Pharma- und Chemiebranche.

Laut Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit machen Laborberufe einen relativ kleinen Anteil des gesamten Arbeitsmarktes aus. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist leicht gewachsen, die Arbeitslosigkeit etwas gesunken“, kommentiert sie. Zudem wurden in den landwirtschaftstechnischen Berufen im vergangenen Jahr mehr offene Stellen gemeldet als noch 2016 – mit Ausnahme der Lacklaboranten. „Generell ist es in dieser Branche – wie in vielen anderen – empfehlenswert, sich frühzeitig ein Netzwerk zu schaffen und über Praktika Kontakte zu knüpfen, wenn man den Einstieg schaffen will“, rät Claudia Suttner.

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Labor)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Labor)
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten. (Suchwort: Labor; Berufswelt Ausbildung: z.B. Naturwissenschaften; Glas, Farben, Lacke, Kunststoffe)
www.berufsfeld-info.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)

www.bibb.de

Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland

www.vbio.de

abi>> 14.05.2018

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