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Alles neu?

Studentin der Kartographie- und Geomedientechnik beim Arbeiten mit einem elektronischen Aufzeichnungsgerät.
Kartograph Alexander Lelanz frischt seine Kenntnisse zu geographischen Informationssystemen auf, um mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten.
Foto: Christof Stache

Ausbildungsberufe im Wandel

Alles neu?

Aus dem Rettungsassistenten wird der Notfallsanitäter, aus dem Kartographen der Geomatiker und aus dem Molkereifachmann der Milchtechnologe: Auch Ausbildungsberufe brauchen gelegentlich ein Update – weil neue Technologien zur Verfügung stehen, Gesetze sich ändern oder neue Fähigkeiten gebraucht werden.

Alexander Lelanz (29) arbeitet als Kartograph bei der Stadt Fürth. Er erstellt grafisch anspruchsvolle Stadtkarten wie Fahrradstadtpläne, Freizeitkarten oder digitale Stadtgrundkarten. Außerdem betreut er den Druck- und Reproduktionsservice des Stadtplanungsamtes. Den Beruf des Kartographen, den Alexander Lelanz von 2005 bis 2008 erlernt hat, gibt es heute in dieser Form nicht mehr. Denn die bisherigen Berufe Kartograph, Vermessungstechniker und Bergvermessungstechniker wurden 2010 zu den „Berufen in der Geoinformationstechnologie“ zusammengeführt. In diesem neuen Berufsfeld gibt es nun nur noch die beiden Berufe Geomatiker und Vermessungstechniker.

Ein Porträt-Foto von Alexander Lelanz

Alexander Lelanz

Foto: Hans Hönle

„Mein Kollege hat eine Ausbildung zum Geomatiker gemacht. Er hatte teilweise ganz andere Lerninhalte als ich“, berichtet Alexander Lelanz. „Ein Beispiel: Während meiner Ausbildung bei einem Verlag habe ich den Umgang mit einem Grafikprogramm gelernt, heute wird zusätzlich noch die Arbeit mit einem Geografischen Informationssytem (GIS) vermittelt, was damals nicht Teil meiner Ausbildung war.“ Die neuen Kenntnisse eignet sich Alexander Lelanz zum einen bei der täglichen Arbeit, zum anderen in betriebsinternen Schulungen an. „Weil der Kartograph eher ein Nischenberuf ist, gibt es kaum entsprechende Weiterbildungen“, weiß er aus eigenen Recherchen. Daher hat er sich für ein berufsbegleitendes Fernstudium der Geoinformatik an der Universität Salzburg entschieden. Das Studium vermittelt vor allem praxisorientierte Kenntnisse zu Geographischen Informationssystemen – dadurch holt er auf, was er in seiner Ausbildung zum Kartographen nicht gelernt hat.

Mit der Zeit gehen

Der Kartograph ist nur einer von vielen Ausbildungsberufen, die jährlich umstrukturiert und modernisiert werden. „Je nachdem, wie stark sich die Anforderungen an einen Beruf verändert haben, werden jährlich zwischen fünf und 20 Ausbildungsberufe angepasst – über alle Berufszweige hinweg“, weiß Markus Bretschneider, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Über die neuen Inhalte beraten und entscheiden die Sozialpartner, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, zusammen mit Bund und Ländern.

Gründe für Berufsneuordnungen gibt es viele: „Techniken und Technologien verändern sich und die Digitalisierung schreitet immer weiter voran“, erklärt der Experte. Auch eine stärkere Kundenorientierung sowie das Thema Qualitätsmanagement spielen heutzutage in vielen Branchen eine zunehmende Rolle. Hinzu kommen mehr Eigenverantwortlichkeit und selbstständiges Arbeiten. Und nicht zuletzt schlagen sich neue gesetzliche Regelungen, zum Beispiel verschärfte Hygienevorschriften im Lebensmittelbereich, in den Ausbildungsinhalten nieder.

Man lernt nie aus

Manche Berufe behalten ihren Namen, andere erhalten nach der Neustrukturierung neue Bezeichnungen. So heißt der Molkereifachmann seit 2010 Milchtechnologe, die Fachkraft für Süßwarentechnik läuft seit 2014 unter dem Titel Süßwarentechnologe und 2016 wird aus dem Hörgeräteakustiker ein Hörakustiker. „Wir wollen die Begriffe nicht nur aussagekräftiger, sondern für die Bewerber auch attraktiver machen“, erklärt Markus Bretschneider.

Wenn ein Ausbildungsberuf umstrukturiert wird, müssen sich aktuelle Auszubildende dieses Berufs aber keine Sorgen machen: „Es besteht Bestandsschutz“, sagt Markus Bretschneider. „Man kann also seine Ausbildung nach den alten Bestimmungen beenden. Auszubildende und Arbeitgeber können aber auch gemeinsam entscheiden, ob ein Wechsel nach dem ersten oder zweiten Ausbildungsjahr zum neuen System für den Rest der Ausbildung sinnvoll ist.“ Wer seine Ausbildung nach alter Ordnung abgeschlossen hat und merkt, dass für seine Arbeit die neuen Ausbildungsinhalte nötig sind, kann Weiterbildungen oder Anpassungsqualifizierungen durchlaufen. „Weiterbilden muss man sich ohnehin stetig“, betont Markus Bretschneider, „denn früher oder später ist jeder Ausbildungsinhalt veraltet."

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.

www.bibb.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Informationen zu Bildung und Forschung in Deutschland

www.bmbf.de

abi>> 11.07.2016

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