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Spielen, lachen, Tränen trocknen

Kinderhand mit Verband, angelegt von der Auszubildenden zwecks Blutabnahme
Die Arbeit mit Kindern bereitet oftmals viel Freude, setzt aber auch Belastbarkeit und Einfühlungsvermögen voraus.
Foto: Fotografie Andreas Herrmann

Ausbildungsberufe mit Kindern

Spielen, lachen, Tränen trocknen

Mit den Kleinen spielen und lachen oder sie bei Schwierigkeiten unterstützen – und zum Dank in strahlende Kinderaugen blicken. Viele junge Menschen wünschen sich einen Beruf, in dem sie mit Kindern arbeiten können. Wer sich für diesen Weg entscheidet, ergreift eine abwechslungsreiche, aber anspruchsvolle Tätigkeit, bei der viel Einfühlungsvermögen gefragt ist.

Vor allem im Bereich Therapie und Pflege müssen Auszubildende auch mit schwierigen Situationen zurechtkommen – etwa wenn ein Kind Probleme hat oder krank ist. Während seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger stellt sich Jonathan Ritter solchen Herausforderungen. Wegweisend für den Berufswunsch des 20-Jährigen waren unter anderem mehrere Jahre als ehrenamtlicher Jugendgruppenleiter und ein zweiwöchiges Praktikum in der Erwachsenenpflege. „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mir dabei besonders viel Spaß gemacht“, erklärt er. Bei der Recherche im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit fand er mit dieser schulischen Ausbildung genau das Richtige.

Mit schwierigen Situationen umgehen können

Ein Porträt-Foto von Jonathan Ritter

Jonathan Ritter

Foto: Caroline Louis

Der angehende Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger besucht die Berufsfachschule des Kinderkrankenhauses „Auf der Bult“ in Hannover. Theorie und Praxis sind dabei eng miteinander verwoben. Von der Chirurgie bis hin zur Intensivstation für Neugeborene – in der Klinik lernt Jonathan Ritter alle Bereiche kennen. Im Theorieunterricht gibt es anstelle fester Fächer sogenannte Lernsituationen, die teils auch Gastdozenten entsprechender Einrichtungen anleiten. Block für Block werden anhand von Fallbeispielen verschiedene Erkrankungen und Pflegesituationen durchgesprochen, die im Krankenhausalltag vorkommen. In einer Lernsituation ging es etwa um das Thema Epilepsie. „Zu Beginn der Unterrichtseinheit haben wir ein fiktives Beispiel bekommen, das Symptome und Entwicklungen beinhaltete, die typischerweise bei einem Patienten mit dem Krankheitsbild auftreten“, erklärt Jonathan Ritter. „So kann man neben den pflegefachlichen Inhalten auch gleichzeitig die Anleitung und Betreuung der Eltern und die rechtlichen Aspekte erarbeiten, die sich in einem solchen Fall ergeben können.“

Mittlerweile ist Jonathan Ritter im dritten und letzten Ausbildungsjahr. Seine Ausbildungstage in der Kinderklinik verlaufen sehr unterschiedlich – je nach Station und Zustand der Patienten. Unter der Anleitung der betreuenden Pflegefachkräfte übernimmt der Auszubildende nach und nach immer mehr Aufgaben bei der Betreuung und Pflege der Kinder. „Zu meinen Aufgaben gehört es auch, das Frühstück vorzubereiten oder die Kinder zum Spielen anzuregen.“ Außerdem begleitet er die Ärzte bei ihren Untersuchungen und ist bei den Gesprächen mit den Eltern dabei.

Der Auszubildende wird dieses Jahr mit der staatlichen Abschlussprüfung abschließen. Für ihn war es die richtige Entscheidung. „Es macht unglaublich viel Spaß und man lernt auch etwas für das Leben und den Umgang mit Menschen.“

Pflegen, therapieren, betreuen

Ein Porträt-Foto von Uwe Botzenhart

Uwe Botzenhart

Foto: privat

Wie der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sind auch viele weitere Ausbildungsberufe mit Kindern im Bereich Therapie und Pflege angesiedelt. Uwe Botzenhart, Studien- und Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Aachen, nennt die wichtigsten Beispiele: „Neben den Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern gehören dazu Logopäden, die Kinder mit Sprachstörungen betreuen. Ergotherapeuten wiederum helfen Menschen, die durch eine physische oder psychische Erkrankung, eine Behinderung oder eine Entwicklungsverzögerung beeinträchtigt sind. Einige spezialisieren sich dabei auf die Arbeit mit Kindern.“ Ähnlich verhält es sich bei den Physiotherapeuten, die Störungen im Bewegungsablauf behandeln. In speziellen Einrichtungen arbeiten Heilerziehungspfleger mit behinderten Kindern und Jugendlichen. Hebammen und Entbindungspfleger sind schon vor der Geburt des Kindes für die werdenden Mütter da. Sie führen Kontrolluntersuchungen durch, begleiten die Geburt und unterstützen die Eltern in der ersten Zeit danach.

Im Bereich Pädagogik ist Erzieher ein häufig anvisierter Ausbildungsberuf. Sie betreuen und fördern Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und sind dabei vor allem in Kindergärten, Tagesstätten, Heimen und Ganztagsschulen tätig. Darüber hinaus gibt es auch schulische Ausbildungen, die eine Tätigkeit als Musik-, Gymnastik-, Tanz-, oder Sportlehrer ermöglichen.

Wegweisend: Praktische Erfahrungen

In allen Bereichen gehören Geduld und Einfühlungsvermögen zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen. „Man sollte außerdem kommunikativ sein, sich für andere Menschen und pädagogische sowie gesellschaftspolitische Fragestellungen interessieren“, ergänzt Uwe Botzenhart. Außerdem hält er viel von einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder anderen vorherigen Praxiserfahrungen: „Einige Jugendliche haben verklärende Vorstellungen von Bereichen wie Therapie, Pflege und Pädagogik. Ein Freiwilligendienst oder ein Praktikum ist eine gute Möglichkeit, um sich ein Bild zu machen.“ Bei einigen Ausbildungen zählt Praxiserfahrung ohnehin zu den Zulassungsvoraussetzungen – je nach Fachschule und Bundesland können diese unterschiedlich aussehen.

Die meisten dieser Ausbildungen werden in schulischer Form angeboten. Für Ausbildungen, die an privaten Bildungseinrichtungen absolviert werden, muss man meist Schulgeld bezahlen – insbesondere in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Hierfür können Schüler aber einen entsprechenden BAföG-Antrag prüfen lassen. Im Bereich Pflege und Therapie werden zunehmend auch Studiengänge angeboten. Beispielsweise Logopädie oder Ergotherapie. „Es gibt einen klaren Trend zur Akademisierung“, erklärt Uwe Botzenhart. „Doch es kann sinnvoll sein, zuvor eine passende Ausbildung mit viel Praxisnähe zu absolvieren, weil das Studium oft eher wissenschaftlich-theoretisch orientiert ist.“

Wer mit seinem Abschluss im Ausland arbeiten möchte, sollte berücksichtigen, dass in einigen Ländern – zum Beispiel in Frankreich – Hochschulabschlüsse anstelle fachschulischer Ausbildungen üblich sind und es somit Hürden bei der Anerkennung geben kann.

Guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Grundsätzlich haben die Fachkräfte am Arbeitsmarkt gute Chancen: „Rund 656.000 Personen waren 2015 in Kinderbetreuungseinrichtungen angestellt – Tendenz zunehmend“, berichtet Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „Die Nachfrage an Erziehern ist seit Jahren steigend.“ So wurden der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2015 insgesamt rund 41.000 Stellen zur Besetzung gemeldet. Das waren 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig ist die bereits geringe Arbeitslosigkeit weiter gesunken – um drei Prozent auf durchschnittlich 13.000 Arbeitslose im Jahr 2015. „Auch in Gesundheitspflegeberufen oder in Therapieberufen ist die Arbeitsmarktsituation positiv“, ergänzt Ralf Beckmann. „In einigen Berufen wie Hebamme, Musik- oder Tanzlehrer, ist meist eine selbstständige Tätigkeit üblich.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z.B. Kinder)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit über 350 Videos zu verschiedenen Ausbildungs- und Studienberufen.
www.berufe.tv

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: z.B. Kinder)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl)

www.dbl-ev.de

Bundesverband für Ergotherapie in Deutschland e.V.

www.bed-ev.de/home/default.aspx

Deutscher Hebammenverband

www.hebammenverband.de

Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V (BeKD)

www.bekd.de

Verband Bildung und Erziehung (VBE)

www.vbe.de

abi>> 17.10.2016

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