Von Therapeuten und Lernhelfern

Ein Logopäde spielt mit einem Kind
Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zu fördern, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.
Foto: Felix Somieski

Ausbildungsberufe mit Kindern

Von Therapeuten und Lernhelfern

Kinder in ihrer Entwicklung fördern und begleiten, mit ihnen spielen, basteln und Spaß haben ist eine bereichernde und abwechslungsreiche berufliche Tätigkeit. Als Logopäde unterstützt Philipp Wenzel (26) zum Beispiel die Sprachentwicklung seiner kleinen Patienten. Aber es gibt noch weitere spannende Ausbildungsberufe mit Kindern.

Wörtlich übersetzt sind Logopäden „Sprecherzieher“. Sie behandeln Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörbeeinträchtigungen. „Für Kinder muss die logopädische Arbeit immer auf spielerischem Weg verpackt sein, damit sie Spaß an dem haben, was sie lernen“, erklärt Philipp Wenzel. Dass er in seinem Beruf mit Medizin, mit Sprache und vor allem mit Menschen zu tun haben wollte, wusste der 26-Jährige schon während der Schulzeit. Nach seinem Abitur begann er deshalb gleich eine schulische Ausbildung zum Logopäden und hat diese nach drei Jahren mit einer staatlichen Abschlussprüfung abgeschlossen.

Ein abwechslungsreicher Beruf

Ein Porträt-Foto von Philipp Wenzel

Philipp Wenzel

Foto: Maike von Haas

Philipp Wenzel arbeitet jetzt interdisziplinär mit Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten in verschiedenen Einrichtungen zusammen. Momentan hat der junge Logopäde zwei halbe Stellen, eine an einer Klinik und eine in einer Praxis. „Der Beruf kann sehr abwechslungsreich sein. Ich mache jeden Tag neue Erfahrungen“, erzählt Philipp Wenzel. „Seitdem ich als Logopäde arbeite, bin ich gereift, vor allem durch den Kontakt mit Menschen.“

Und die schätzt er sehr: Bereits während seiner Ausbildung entschied er sich zusätzlich für das achtsemestrige Studium „Health Care Studies – Fachrichtung Logopädie“ an der Hamburger Fern-Hochschule (HFH). In Studium und Ausbildung lernte Philipp Wenzel auch seinen eigenen Körper besser kennen und trainierte, wie er seine Stimme optimal nutzen kann.

Therapeutisch und pädagogisch

„Die Logopädie gehört wie die Ergotherapie zu den therapeutischen Ausbildungsberufen“, ordnet Berufsberaterin Leila Bading von der Arbeitsagentur Berlin Philipp Wenzels Beruf ein. „Auch wenn beide Berufe nicht direkt auf eine Arbeit mit Kindern abzielen, besteht die Möglichkeit, sich darauf zu spezialisieren.“ Dies trifft auch auf Physiotherapeuten zu. Ganz auf Kinder fokussiert dagegen ist die Erzieher-Ausbildung.

In inklusiven Kindertagesstätten, die auch Kinder mit Beeinträchtigung besuchen, arbeiten diese oft mit Heilerziehungspflegern oder mit Sozialassistenten bzw. Kinderpflegern zusammen – und das schon in der Ausbildung. „Wer Erzieher werden möchte, macht nicht nur eine schulische Ausbildung, sondern muss auch mehrere Praktika meist davor, währenddessen und abschließend absolvieren“, berichtet die Berufsberaterin.

Spezialisierte pflegerische Aufgaben

Neben therapeutischen und pädagogischen gibt es auch pflegerische Einsatzgebiete für „Kinder-Spezialisten“. „Wer sich im pflegerischen Bereich auf Kinder spezialisieren möchte, für den bietet sich eine Ausbildung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege an“, sagt Leila Bading. Auch der Beruf der Hebamme bzw. des Entbindungspflegers hat mit der Pflege von Kindern zu tun, wenn auch im Säuglingsalter.

„Wer selbst gut organisiert ist und gerne Verantwortung übernimmt, für den ist auch der Beruf der Medizinischen Fachangestellten interessant“, zählt sie weiter auf und verweist auf deren Assistenztätigkeiten in Kinderkrankenhäusern oder -arztpraxen. Aber auch dual ausgebildete Fachangestellte für Bäderbetriebe oder Sportfachleute arbeiten etwa als Trainer mit Kindern, genauso wie Diätassistenten, die zum Beispiel junge Menschen mit Stoffwechselstörungen oder Nahrungsmittelintoleranzen begleiten.

Einfühlungsvermögen und Durchsetzungskraft

„Wer mit Kindern arbeiten will, sollte Einfühlungsvermögen und Durchsetzungskraft mitbringen“, rät Berufsberaterin Leila Bading. „Auch Kreativität, Nahbarkeit und Nervenstärke sind gefragt.“ Da oft mit und in Gruppen gearbeitet wird, sollte man zudem leicht den Überblick behalten können und Multitasking-fähig sein. „Und man darf sich nicht vor der Elternarbeit scheuen, denn hinter jedem Kind stehen oft Erwachsene mit konkreten Vorstellungen“, sagt sie und betont, dass auch körperliche Belastbarkeit wichtig sei: „Man braucht eine gute Beweglichkeit und ein gutes Hör- und Sprechvermögen.“ Nicht zu vernachlässigen seien zudem die Dokumentationspflichten in den meisten Berufen mit Kindern.

Um herauszufinden, ob der anvisierte Beruf den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten tatsächlich entspricht, empfiehlt die Berufsberaterin im Vorfeld der Ausbildung ein Praktikum. Häufig ist dies sogar Pflicht. Dabei könne man für sich herausfinden, ob man speziell Kinder in ihrer Entwicklung begleiten möchte oder eher Menschen in Problemlagen unterstützen. Leila Bading fügt hinzu: „Berufliche Vorerfahrung ist von Vorteil im Bewerbungsprozess. Im pflegerischen Bereich ist ein Freiwilliges Soziales Jahr perfekt.“

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Grundsätzlich bieten sich für Fachkräfte in der Kindererziehung am Arbeitsmarkt sehr gute Chancen. „Rund 600.000 Personen waren 2017 in Kinderbetreuungseinrichtungen angestellt. Die Tendenz ist zunehmend“, berichtet Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Die Zahl der gemeldeten Stellen im Feld der Kinderbetreuung und -erziehung hat von 2016 auf 2017 überdurchschnittlich zugenommen, und zwar um 5 Prozent auf 11.000. Auch in Gesundheitspflegeberufen oder in Therapieberufen ist die Arbeitsmarktsituation sehr positiv.“

Wichtig zu wissen: Die meisten Ausbildungen in Gesundheits- und Sozialberufen sind schulisch organisiert. Dafür kann Schüler-BAföG beantragt werden. Aufstiegschancen ergeben sich oft über Weiterqualifizierungen oder ein Studium. „Viele soziale Berufe haben in den letzten Jahren den Weg an die Hochschulen gefunden“, erklärt Berufsberaterin Leila Bading. „Neben Sonder- bzw. Heilpädagogik oder Sozialer Arbeit gibt es auch neuere Studiengänge wie ‚Bildung und Erziehung im Kindesalter‘, Logopädie oder Ergo- sowie Physiotherapie. Nicht zu vernachlässigen ist, dass die Verdienstmöglichkeiten mit einem Studium steigen.“ Über diese sollte man sich im Vorfeld sowieso gut informieren, rät sie, denn große Sprünge könne man als Einsteiger im sozialen Bereich in der Regel nicht machen.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Die Berufsfeld-Information der Bundesagentur für Arbeit. Der Wegweiser mit über 1.500 Reportagen unter anderem zu Aus- und Weiterbildung (siehe Teilberufsfeld „Pflege, Therapie, medizinische Assistenz“ bzw. „Soziales, Pädagogik“)
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Kinder).
http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe.
www.berufe.tv

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Diakonie Deutschland

Karriereportal mit vielen Infos zu Ausbildungsberufen mit Kindern inklusive Ausbildungsplatzbörse
http://karriere.diakonie.de/alle-berufe

Deutscher Pflegerat
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
www.deutscher-pflegerat.de

Bundesverbandes für Ergotherapeuten in Deutschland e.V.
www.bed-ev.de

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)
www.dbfk.de

Berufsverband Heilerziehungspflege
www.berufsverband-hep.de

Deutscher Bundesverband für Logopädie
www.dbl-ev.de

Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.
www.dbsh.de

 

Ausbildungsberufe mit Kindern – Berufsübersicht

Ausbildungsberufe mit Kindern

Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sie in ihrer Entwicklung fördern, sie pflegen oder in Konfliktlagen betreuen will, dem stehen spannende, spezifische Berufsfelder offen. abi» hat einige Ausbildungsberufe exemplarisch aufgelistet.

Erzieher/in

Aufgaben und Ausbildung: Erzieher betreuen, fördern und erziehen Kinder und Jugendliche. Eine schulische Aus- bzw. Weiterbildung an Fachschulen, Fachakademien und Berufskollegs führt in den Beruf.

Mögliche Arbeitgeber: Kindergärten, Kinderkrippen und Horte, Kinder-, Jugendwohn- und Erziehungsheime, Familienberatungs- und Suchtberatungsstellen

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Heilerziehungspfleger/in

Aufgaben und Ausbildung: Heilerziehungspflege sind für die pädagogische, lebenspraktische und pflegerische Unterstützung und Betreuung von Menschen mit Einschränkungen zuständig. Sie begleiten sie stationär und ambulant bei der Bewältigung ihres Alltags. Heilerziehungspfleger/in ist eine landesrechtlich geregelte schulische Aus- bzw. Weiterbildung an Berufsfachschulen.

Mögliche Arbeitgeber: Heilerziehungspfleger arbeiten in Kindertagesstätten, Wohn- und Pflegeeinrichtungen und an Schulen.

Mehr zum Beruf „Heilerziehungspfleger/in“ auf BERUFENET>>

Sozialpädagogische/r Assistent/in/ Kinderpfleger/in

Aufgaben und Ausbildung: Sozialpädagogische Assistenten bzw. Kinderpfleger betreuen und pflegen Säuglinge, (Klein-)Kinder und teilweise auch Jugendliche. Die schulische Ausbildung findet an Berufsfachschulen und Berufskollegs statt.

Mögliche Arbeitgeber: Kinderkrippen, Kindergärten und Kinderhorte, Kinderheime oder Wohnheime für Menschen mit Behinderung, Ganztagesschulen, Privathaushalte (mit Kleinkindern), Erholungs- und Ferienheime und Kinderkrankenhäuser und -kliniken

Mehr zum Beruf „Sozialpädagogische/r Assistent/in / Kinderpfleger/in“ auf BERUFENET>>

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in

Aufgaben und Ausbildung: Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger betreuen und versorgen kranke und pflegebedürftige Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Die Ausbildung erfolgt an Berufsfachschulen für Krankenpflege, die an Kliniken und Krankenhäuser angegliedert sind.

Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser auf Stationen für Kinder, Jugendliche oder Säuglinge, Kinderkliniken und Kinderheime, Facharztpraxen für Kinder und Jugendliche und ambulante Pflegedienste

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Hebamme/Entbindungspfleger

Aufgaben und Ausbildung: Hebammen und Entbindungspfleger betreuen Frauen und ihre Familien von der Familienplanung bis zum Ende der Stillzeit. Die schulische Ausbildung erfolgt an Berufsfachschulen für Hebammen und Entbindungspfleger. Darüber hinaus kann Hebammenkunde an Hochschulen studiert werden.

Mögliche Arbeitgeber: Geburtshilfliche Abteilungen von Krankenhäusern, Hebammenpraxen und Geburtshäuser, soziale Dienste und Gesundheitsämter

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Logopäde/Logopädin

Aufgaben und Ausbildung: Logopäden beraten, untersuchen und behandeln Patienten mit Sprach-, Sprech- oder Stimmstörungen auf Basis einer ärztlichen Verordnung. Die Ausbildung ist bundesweit einheitlich geregelt. Sie dauert drei Jahre und findet an Berufsfachschulen für Logopädie statt.

Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Rehabilitationszentren, Logopädie-Praxen, Sprachheilkindergärten und Gesundheitsämter

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Musiklehrer/in

Aufgaben und Ausbildung: Musiklehrer/innen unterrichten Instrumentalspiel, Gesang, Notenlesen und Musiktheorie. Die Ausbildung ist landesrechtlich geregelt und findet an Berufsfachschulen, Musikakademien, Konservatorien und anderen Bildungseinrichtungen statt.

Mögliche Arbeitgeber: Musikschulen, Musikvereinen und allgemeinbildende und weiterführenden Schulen (z.B. Haupt-, Real- oder Gesamtschulen)

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Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger

Auch da sein, wenn die Eltern leiden

Eigentlich wollte Felix Scheffke (23) Arzt werden. Doch während eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) merkte er, dass er als Pfleger viel mehr Kontakt mit den Patienten haben würde. Deshalb hat er sich umentschieden und macht nun eine Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.

Bei den Neugeborenen hatte ich immer das Gefühl, ich habe die Zukunft in der Hand. Ich habe mich oft gefragt, was wohl aus den Kindern wird, wenn sie, so wie ich, um die zwanzig sein werden“, erinnert sich Felix Scheffke an seinen Einsatz auf einer Wöchnerinnenstation zu Beginn seiner Ausbildung zurück. Während der dreijährigen Ausbildung in der DRK-Kinderklinik Siegen durchläuft er mehrere Stationen. Dem Krankenhaus ist eine eigene Kinderkrankenpflegeschule angeschlossen. Dort wird die Theorie dazu gelehrt. Theorie und Praxis wechseln in durchgängigen Blockeinheiten ab.

Einsatz auf vielen verschiedenen Stationen

Ein Porträt-Foto von Felix Scheffke

Felix Scheffke

Foto: Arnd Dickel

Im ersten Praxisblock pflegte der 23-Jährige Kinder mit einer Störung des Nervensystems. Das medizinische Fachwort dafür heißt Neuropädiatrie. Es folgten Einsätze in einem Wohnheim für Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung und schließlich die Arbeit mit Neugeborenen. „Ich hatte immer gedacht, dass ich am liebsten mit Grundschulkindern arbeiten möchte, aber meine Arbeit auf der Wöchnerinnenstation war ein besonderer Einsatz, auch weil die Kinder dort in der Regel gesund sind.“

Jetzt ist Felix Scheffke im zweiten Ausbildungsjahr und lernt die chirurgische Ambulanz und die Arbeit im OP kennen. „Im OP führe ich Springertätigkeiten aus und beobachte so viel ich kann, um möglichst viel zu lernen. Ich versuche immer, so nah wie möglich bei der Operation zu sein oder verfolge die OP über den Monitor“, sagt er.

Den Menschen als Ganzes im Blick

Nach dem Abitur auf einem Berufskolleg für Gesundheit und Soziales wollte Felix Scheffke eigentlich Arzt werden. Zur Vorbereitung auf das Studium entschied er sich für ein FSJ auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Emmerich. „Das war eine sehr spannende Zeit, ich durfte auch in andere Abteilungen hereinschnuppern und konnte sehr viel beobachten und lernen. Dabei habe ich aber auch gesehen, dass Ärzte deutlich weniger Kontakt mit den Menschen haben als Pflegende. In der Pflege ist man den ganzen Tag bei den Patienten und kann sie richtig kennenlernen.“

Er ist froh, dass ihm dies vorab bewusst wurde. „Ohne das FSJ wäre ich nie in die Pflege gegangen“, betont er. Eine Aufgabe im FSJ war es, Patienten aus dem Aufwachraum des OPs zu übernehmen. Ab und zu überwachte Felix Scheffke auch Kinder und bemerkte dabei, dass er ihnen mehr Aufmerksamkeit widmete als Erwachsenen. „Wenn Kinder auf Station lagen, habe ich öfter nach ihnen geschaut, um zu sehen, dass auch alles gut ist“, sagt er. So sei er darauf gekommen, sich für die Kinderkrankenpflege zu entscheiden.

Große Empathie für die kleinen Patienten

„Die Herausforderung in der Arbeit mit kranken Kindern ist, dass sie emotionaler sind als Erwachsene“, merkt Felix Scheffke an. „Wenn Kinder, die vielleicht noch nicht sprechen können, leiden, oder Kinder, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, aus dem Leben gerissen werden, dann nimmt mich das schon mit. Da gilt es dann trotzdem, eine professionelle Distanz zu wahren“, betont er. Denn nur dann kann Felix Scheffke den Kindern und auch den Eltern helfen. „Die Elternarbeit, das Anleiten und Beraten von Eltern ist eine der wichtigsten Tätigkeiten in dem Beruf, vor allem auf der emotionalen Ebene“, erklärt der angehende Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.

Theorie und Praxis miteinander vereint

Insgesamt wird der 23-Jährige vierzehn Stationen durchlaufen und genauso viele Theorieblöcke. Dabei bekommt er unter anderem einen Einblick in die Pflegewissenschaft, lernt in Gesundheitsfragen zu beraten und Rehabilitationskonzepte zu entwickeln. Am Ende der Ausbildung werden es 2.100 Theorie- und 2.500 Praxisstunden sein. Zur Ausbildung gehören auch Einsätze außerhalb der Kinderklinik. Bald wird er eine Kardiologie-Station für erwachsene Herzpatienten kennenlernen und sich mit den Anforderungen in der Neurologie befassen, sowie Einblick in die mobile Pflege bekommen. Dafür kooperiert sein Lehrkrankenhaus mit umliegenden Häusern.

Nach Abschluss der Ausbildung will sich Felix Scheffke spezialisieren: „Es gibt ganz viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Momentan strebe ich eine Zusatzausbildung für Intensivpflege oder Anästhesie an. Das ist eine schöne Mischung aus der Arbeit mit Kindern und eine höhere fachliche Herausforderung.“ 

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Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger - Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

In der Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger durchläuft Felix Scheffke insgesamt vierzehn Stationen. In der chirurgischen Ambulanz der DRK-Kinderklinik Siegen lernt er zurzeit die Abläufe im OP kennen.

7:30 Uhr

Felix Scheffke betritt den OP-Bereich, kleidet sich aus, desinfiziert sich noch einmal die Hände. In der Kabinenschleuse zieht er anschließend eine OP-Hose, den sogenannten Kasack, das Kleidungsoberteil in der Pflege, OP-Haube und OP-Schuhe an, alles in Grün.

7:45 Uhr

Felix Scheffke erkundigt sich, in welchem OP und mit wem er an diesem Tag zusammenarbeitet.

8 Uhr

Die erste OP beginnt. Er schließt die Kittel der Operateure, sucht Instrumente raus und hält diese steril für das Team bereit. Er bereitet elektrische Geräte vor und hilft bei der Dokumentation der Operationen.

10 Uhr

Felix Scheffke nimmt noch einmal den OP-Bericht zur Hand. Im Bericht wird festgehalten, was zu welchem Zeitpunkt passiert. Neben der elektronischen Dokumentation führen die Pfleger auch ein analoges OP-Buch. Er überprüft, ob der Zeitpunkt des OP-Beginns stimmt, ob jeder Schnitt und jede Naht dokumentiert wurde, und ergänzt schließlich die Uhrzeit des OP-Endes.

10:15 Uhr

Nach Abschluss der OP bringt Felix Scheffke das OP-Besteck aus dem Raum zur Sterilisation und bereitet Organteile zum Versand für den Pathologen vor.

10.45 Uhr

Die nächste OP beginnt.

13 Uhr

Heute hat Felix Scheffke pünktlich um 13 Uhr eine halbstündige Mittagspause. Steht ein Notfall an, kann sich sein Mittagessen auch mal um Einiges nach hinten verschieben. Dann isst er erst um 15 Uhr zu Mittag. Es kommt es aber auch vor, dass er nach einer ersten, etwas längeren OP schon um 11 Uhr in die Pause gehen kann.

13:30 Uhr

Die nächste OP steht an. Felix Scheffke ist schon routiniert im Vorbereiten der Instrumente und Geräte.

16 Uhr

Die OP ist beendet, die Dokumentation und Sterilisation abgeschlossen. Felix Scheffke geht wieder zur OP-Schleuse, zieht sich aus. Die grünen OP-Kleider kommen in einen Korb. Er desinfiziert seine Hände und kleidet sich in der Umkleidekabine an.

16.15 Uhr

Felix Scheffke verlässt das Krankenhaus

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Erzieherin

In den prägenden Jahren begleiten

Erzieher spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern, und nicht selten hinterlassen sie auf Dauer Spuren im Leben eines Menschen. Auch Chiara Lindert (24) erinnerte sich als junge Erwachsene an ihre wertvolle Zeit im Kindergarten zurück – und entschied sich im zweiten Anlauf für eine Ausbildung zur Erzieherin.

Chiara Lindert ist im zweiten Ausbildungsjahr an der Fachschule für Erziehung der Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI) in Berlin. Zurzeit absolviert sie ein dreimonatiges Praktikum im Kunst- und Bildungszentrum „Die gelbe Villa“ in Berlin-Kreuzberg. Die gelbe Villa bietet Projektwochen für Schulen an sowie unterschiedliche Werkstätten und Workshops als Freizeitprogramm.

Als Praktikantin ist die 24-Jährige ein vollwertiges Mitglied im Team. Sie motiviert die Kinder und Jugendlichen, hilft bei Handgriffen oder unterstützt dabei, Entscheidungen zu treffen. „Manchmal reicht es, wenn ich eine Idee habe und sage: ‚Hey, das kannst du doch auch so gestalten“, sagt sie. „Oder wenn ich sehe, dass jemand einfach keine Lust mehr hat, ermuntere ich ihn oder sie auch, aufzuhören und etwas anderes zu machen.“

Spannende Projektarbeit

Ein Porträt-Foto von Chiara Lindert

Chiara Lindert

Foto: privat

Chiara Lindert kann sich aussuchen, in welchem Projekt und in welcher Werkstatt sie mitarbeiten möchte. Die Themen für die Grundschul-Projektwochen reichen von Kunst und Kultur über naturwissenschaftliche Themen bis hin zu gesunder Ernährung und kreativer Sprachförderung. Am Nachmittag können Kinder wählen zwischen Arbeit mit Holz, Elektronik oder Nähen, Fotografie, Töpfern, Tanz- und Theaterworkshops und vielen anderen Werkstätten. Hier steht Chiara Lindert den Kindern motivierend und unterstützend zur Seite.

Den Umgang mit Kindern und Jugendlichen und worauf es dabei ankommt, lernt die junge Frau im theoretischen aber sehr praxisorientierten Unterricht in der Berufsfachschule. „Mir gefällt sehr, dass wir in der Schule viel diskutieren und uns austauschen“, sagt Chiara Lindert. Unterrichtet wird Recht, Pädagogik und Psychologie aber auch Sport und Bewegung, Musik- und Mediengestaltung, Darstellendes Spiel und Spielmethoden sowie Krankheitsbilder. Auch der Umgang mit Gewalt wird trainiert. „Wir müssen viele Referate und Vorträge halten und uns immer wieder in Gruppen darauf vorbereiten. Es geht viel um Selbstbildung, Eigenwahrnehmung“, berichtet sie.

Viel Praxis in der Ausbildung

Im ersten Jahr ihrer Ausbildung arbeitete Chiara Lindert in einem Berliner Kinderladen mit. „Obwohl ich wusste, dass das nicht mein späteres Einsatzgebiet werden sollte, war ich begeistert davon, wie die Erzieher mit den Kindern umgehen. Ich habe dort viel gelernt, und die Erzieher haben mich immer eingebunden und zu allen Reflexionsterminen mitgenommen.“ Ihr letztes Praktikum im letzten und dritten Ausbildungsjahr will Chiara Lindert an einer deutschen Schule in Rom machen, mit der ihre Berufsfachschule eine Kooperation hat.

Eigentlich wollte Chiara Lindert gar nicht Erzieherin werden. „Meine Eltern arbeiten in erzieherischen Berufen. Ich wollte das nicht. Zuerst habe ich mich deshalb für ein Studium der ‚Gartenbaulichen Phytotechnologie‘ entschieden, aber bald gemerkt, dass das nichts für mich ist“, erzählt sie. Stattdessen begleitete sie ihren Vater zu einer Streikkundgebung für soziale Berufe – und änderte ihre Meinung. „Eine Sprecherin auf dem Podium berichtete zunächst von der fehlenden Wertschätzung für den Beruf. Aber dann bat sie uns Zuschauer, sich daran zu erinnern, wer für uns früher wichtig war.“ Chiara Lindert fielen sofort zwei Menschen ein, eine Erzieherin aus dem Kindergarten und auch ein Lehrer, der für sie sehr prägend war. Daraufhin beschloss sie, selbst Erzieherin zu werden.

Weiterführende Zukunftspläne

Später möchte Chiara Lindert mit Kindern im Grundschulalter arbeiten oder auch mit Jugendlichen. In jedem Fall möchte sich sich weiterbilden oder ein Studium anschließen. Sie kann sich zum Beispiel gut vorstellen, Theaterpädagogik zu studieren oder eine Weiterbildung zur Traumapädagogin zu absolvieren. Das einzige, was Chiara Lindert in der Ausbildung bedauert, ist der geringe Männeranteil. „Das liegt sicher auch daran, dass die Bezahlung und die Wertschätzung für diese Tätigkeit nicht besonders hoch sind und gleichzeitig die Anforderungen immer mehr steigen. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert, denn Kinder und Jugendliche brauchen dringend Männer als Vorbilder, um Geschlechterrollenbilder aufzubrechen.“

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Erzieherin – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Die Erzieher-Ausbildung ist sehr praxisorientiert und beinhaltet mehrere Praktika. Für abi» schildert Chiara Lindert (24), wie ihr Arbeitsalltag im Kinder- und Freizeitzentrum „Die gelbe Villa“ in Berlin aussieht.

7:45 Uhr

Chiara Lindert verlässt ihre Wohnung und macht sich in Richtung „Die gelbe Villa“ auf.

8:45 Uhr

Chiara Lindert begrüßt gemeinsam mit einer Künstlerin die Kinder der Schulprojektwoche zum Thema: „Zauberhaftes Licht“. Sie führen gemeinsam mit den Kindern Licht-Experimente durch. Chiara Lindert beobachtet, assistiert und unterstützt. Sie hilft, ermutigt und motiviert.

12:45 Uhr

Teambesprechung am Freitag, die Projektwoche wird ausgewertet: Haben sich die Erwartungen erfüllt? Gab es Probleme? Welches Resümee zieht das Team? Chiara Lindert diskutiert mit.

13:30 Uhr

Kurze Mittagspause mit Kollegen

14 Uhr

Die offenen Workshops am Nachmittag beginnen. Chiara Lindert begleitet in dieser Woche den Workshop „TIW – Technik ist weiblich“ für Mädchen aus den Klassen acht bis zehn. Sie greift den jungen Technikerinnen unter die Arme und hilft dabei, ihre Ideen zu verwirklichen. Dadurch unterstützt sie die Mädchen auch, sich von Geschlechterklischees zu befreien und sie für technische Themen zu begeistern.

17 Uhr

Chiara Lindert hat Feierabend und fährt nach Hause.

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Heilerziehungspflegerin

Die Lebensfreude im Blick

Für Julia Ostermann (24) ist jedes Kind ein einzigartiger, wundervoller Mensch. Deshalb hat sie sich für einen Beruf entschieden, der ihr viel Zeit lässt, sich auf jeden Einzelnen ganz intensiv einzulassen. Sie ist Heilerziehungspflegerin geworden und leitet nun die Gruppe einer Heilpädagogischen Tagesstätte in der Nähe von Augsburg.

In einem normalen Kindergarten oder Hort sind die Gruppen relativ groß und die Möglichkeit, auf einzelne Kinder einzugehen, ist eher gering. Ich finde aber, dass jeder Mensch einen eigenen Charakter hat, der es verdient, gefördert zu werden“, sagt Julia Ostermann. „Im sonderpädagogischen Bereich steht die Persönlichkeit im Vordergrund, und wir haben die Möglichkeit, herauszufinden und herauszukitzeln, was diesen einzigartigen Menschen ausmacht.“

Zehn Teenager im Alter von 12 bis 14 Jahren betreut sie in ihrer Gruppe, zusammen mit einer Kinderpflegerin und einem Praktikanten. Ihr Arbeitgeber ist die Heilpädagogische Tagesstätte des Fritz-Felsenstein-Hauses in Königsbrunn bei Augsburg. Hier verbringen insgesamt 300 Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung ihre Nachmittage.

Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung

Ein Porträt-Foto von Julia Ostermann

Julia Ostermann

Foto: privat

Die Arbeit der Teamleiterin beginnt um 12.30 Uhr, wenn ihre Schützlinge von der Schule kommen. „Die Kinder essen zu Mittag und erzählen dann, was sie erlebt haben. Wir besprechen, was sie danach machen wollen, zum Beispiel rausgehen oder einfach chillen. Und natürlich müssen sie ihre Hausaufgaben machen“, berichtet die Heilerziehungspflegerin.

Um 16 Uhr werden die Kinder mit dem Schulbus dann nach Hause gebracht. An zwei Tagen in der Woche arbeitet Julia Ostermann zusätzlich von 16 bis 21 Uhr im Schülerwohnheim des Hauses. „Ich helfe dort ein oder zwei Internatskindern am Nachmittag bei alltäglichen Dingen wie Zimmer aufräumen, vielleicht beim Duschen oder ich unternehme etwas mit ihnen.“

Leben miteinander erfahren

„In meiner Arbeit mit Kindern mit Behinderung steht die Lebensfreude im Vordergrund. Es geht um das Erleben der Kinder und das Miteinanderleben“, erklärt Julia Ostermann. „In der Regel können wir uns die Zeit für die Kinder nehmen, die sie brauchen“, sagt sie. Klar, ihr Alltag kann auch stressig sein, erzählt sie: „Manchmal kommen zwei Kinder zu mir, weil sie sich gestritten haben, und dann fängt auch noch ein drittes Kind an, seine Version zu erzählen. Daneben warten die anderen Kinder. Aber das lässt sich alles lösen.“

Sie betont, dass es bei aller Nähe trotzdem wichtig sei, nicht zu emotional zu werden und die richtige Distanz zu entwickeln, weil man sonst nicht mehr helfen könne. In solchen Fällen sei es gut, dass man als Team arbeite und nie alleine sei. „Und wenn wir einmal doch nicht weiterwissen, hilft die Leiterin der Heilpädagogischen Tagesstätte immer“, ergänzt sie.

Viel Praxis vor und in der Ausbildung

Den Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen hat Julia Ostermann in ihrer schulischen Ausbildung gezielt erlernt. Die Ausbildung ist landesrechtlich, zum Teil sehr unterschiedlich geregelt, dauert in der Regel zwei bis drei Jahre und bereitet auf eine staatliche Abschlussprüfung vor. Voraussetzung sind meist mindestens zwei Jahre Praxiserfahrung im sozialen Bereich. Julia Ostermann hat deshalb vor ihrer Ausbildung mehrere Praktika absolviert und sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei ihrem späteren Arbeitgeber entschieden.

Auch im Rahmen der schulischen Ausbildung gab es Praxisphasen, die Julia Ostermann an eine Sonderschule in Augsburg führte. „In der Ausbildungszeit hat mich ein Lehrer in den Praxisphasen begleitet“, berichtet Julia Ostermann. „Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, über die Dinge sofort zu sprechen, die mich bewegen. Nur wenn man es ausspricht, kann man wachsen“, erinnert sie sich zurück. Weiteführende Pläne für ihre berufliche Zukunft hat sie derzeit nicht. Aus ihrer Sicht ist sie in ihrem Traumberuf angekommen.


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Stand: 17.07.2019