Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Tierische Patienten und Kollegen

Marlene Bürkle schneidet einem Hund die Krallen.
Wer sich für Berufe mit Tieren interessiert, sollte neben der Wertschätzung für Tiere einen guten Zugang zu ihnen haben. Das prägt auch die Arbeit der angehenden TFA Marlene Bürkle.
Foto: Mias König

Ausbildungsberufe mit Tieren – Hintergrund

Tierische Patienten und Kollegen

Wer seine Tierliebe im Beruf ausleben möchte, kann aus einer Reihe verschiedener Berufsausbildungen wählen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Arbeit mit Tieren viel Geduld erfordert und auch körperlich anstrengend sein kann.

Um nicht unmittelbar den Klassenraum durch den Hörsaal zu ersetzen, wollte Marlene Bürkle nach dem Abitur zunächst praktische Erfahrung sammeln. „Ich habe erst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Denkmalpflege gemacht und dort unter anderem in der Landwirtschaft mitgearbeitet. Die Arbeit mit den Tieren hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich um eine Ausbildungsstelle als Tiermedizinische Fachangestellte – kurz TFA – beworben habe“, erzählt die 20-Jährige, die sich derzeit im zweiten Lehrjahr befindet.

Den betrieblichen Teil ihrer Ausbildung zur TFA absolviert sie in der Tierarztpraxis von Dr. Ursula Leyer in Nürnberg. Daneben besucht sie einmal pro Woche die Berufsschule. „Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Anatomie, Hygiene und Behandlungsassistenz“, erklärt die Auszubildende. „Im Labor bearbeiten und analysieren wir Blutproben“, ergänzt sie. Darüber hinaus lernt sie, wie man Termine einplant und Rechnungen erstellt.

Ausbildung als gute Voraussetzung

Ein Porträt-Foto von Marlene Bürkle.

Marlene Bürkle

Foto: Mias König

In der Regel beginnt der Arbeitstag für Marlene Bürkle damit, dass sie um 8 Uhr morgens die Praxis öffnet und Büroarbeit erledigt. Ab 8.30 Uhr ist dann meist OP-Zeit und sie assistiert der Tierärztin. „Ich reiche Tupfer und Klemmen oder helfe beim Nähen. Außerdem lerne ich, wie man die Narkose überwacht“, erklärt sie. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Entfernen von Zahnstein mittels eines Ultraschallgeräts.

Während der Nachmittagssprechstunde kümmert sich die angehende TFA um die eintreffenden Patienten samt Besitzern und bringt sie in den Behandlungsraum. Der Kundenkontakt ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Neben Hunden, Katzen und Hamstern gehören auch ausgefallenere Tiere wie Eichhörnchen oder Ratten zu den Praxispatienten.

Mit kranken Tieren zu arbeiten, erfordert eine ausgeprägte Beobachtungsfähigkeit. „Tiere können nicht sagen, was ihnen fehlt. Wenn es einem kranken Tier nach der Behandlung besser geht, ist das eine tolle Motivation.“ Nach ihrer dreijährigen Ausbildung möchte Marlene Bürkle ein Studium der Tiermedizin aufnehmen: „Durch die Ausbildung habe ich gute Voraussetzungen für das Studium und sammele Wartesemester.“

Einfühlungsvermögen und Belastbarkeit

„Viele Abiturienten, die sich für Berufe mit Tieren interessieren, gehen den Weg über ein Studium wie beispielsweise Tiermedizin oder Agrarwissenschaft“, sagt Judith Böhmann von der Agentur für Arbeit Cloppenburg. „Eine vorausgehende Berufsausbildung kann hier ein Sprungbrett sein, um praktische Erfahrung zu sammeln, aber auch um zu sehen, ob der Beruf der richtige für jemanden ist.“ Allerdings kann eine Berufsausbildung mit Tieren auch eine echte Alternative sein, wenn man nicht studieren möchte. Beliebte Ausbildungsberufe in diesem Bereich sind etwa Tierpfleger/in, Pferdewirt/in, Veterinärmedizinisch-technische/r Assistent/in oder Tiermedizinische/r Fachangestellte/r.

Schülerinnen und Schüler, die sich für Berufe mit Tieren interessieren, sollten neben der Wertschätzung für Tiere einen guten Zugang zu ihnen haben. „Für die Arbeit mit Tieren benötigt man Einfühlungsvermögen und viel Geduld. Tiere machen nun mal nicht immer das, was der Mensch möchte“, weiß Judith Böhmann.

Auch eine gewisse körperliche und psychische Belastbarkeit ist für einige Berufe in diesem Bereich unerlässlich. „Viele Tätigkeiten, wie das Ausmisten von Ställen oder das Satteln von Pferden, sind körperlich anstrengend. Und manchmal ist leider auch der Tod eines Tieres ein Thema im Berufsalltag“, erklärt die Beraterin.

Neben den klassischen Ausbildungsberufen mit Tieren gibt es solche, die erst auf den zweiten Blick etwas mit Tieren zu tun haben. „Beispielsweise gibt es pädagogische, psychologische oder medizinische Berufe, darunter Erzieher, Sozialpädagogen oder Gesundheits- und Krankenpfleger, die dank einer entsprechenden Zusatzausbildung die Möglichkeit nutzen, Pferde und andere Tiere zur Therapie einzusetzen“, sagt Judith Böhmann. „So können sich Physiotherapeuten beispielsweise zu Hippotherapeuten weiterbilden und mit ihren Patienten spezielle Übungen auf Pferden durchführen.“

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Beliebtheit von Ausbildungsberufen im Tierbereich ist je nach Beruf sehr unterschiedlich. Vor allem die Ausbildung zum/-r Tierpfleger/in wird oft angestrebt – hier gibt es regelmäßig mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. „Im letzten Jahr haben sich durchschnittlich knapp neun Interessenten auf einen Ausbildungsplatz beworben“, erklärt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Im Gegensatz dazu kommen auf einen Ausbildungsplatz in der Tierwirtschaft rechnerisch nur 0,4 Bewerberinnen und Bewerber.“

Die Nachfrage nach Fachkräften in den meisten Ausbildungsberufen mit Tieren ist innerhalb der letzten zehn Jahre eher gestiegen. Gab es 2007 noch 80 Arbeitsstellen mit Tiermedizinischen Fachangestellten, waren es 2017 bereits 268 Stellenangebote. Hingegen ging die Zahl der Stellenangebote für Pferdewirtinnen und -wirte innerhalb dieses Zeitraums von 257 auf 226 leicht zurück.

„Wer sich für einen Ausbildungsberuf mit Tieren interessiert, sollte frühzeitig Netzwerkarbeit betreiben. Ehrenamtliches Engagement oder Praktika bei potenziellen Ausbildungsbetrieben sind hier beispielsweise sinnvoll“, rät Claudia Suttner.

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Tiere)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Tiere)
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)

www.bibb.de

Bundesverband praktizierender Tierärzte

www.tieraerzteverband.de

Bundestierärztekammer e.V.

www.bundestieraerztekammer.de

Deutscher Tierschutzbund e.V.

www.tierschutzbund.de

Berufsverband der Zootierpfleger e.V.

www.zootierpflege.de

abi>> 26.03.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts