Tierische Patienten und Kollegen

Marlene Bürkle schneidet einem Hund die Krallen.
Wer sich für Berufe mit Tieren interessiert, sollte neben der Wertschätzung für Tiere einen guten Zugang zu ihnen haben. Das prägt auch die Arbeit der angehenden TFA Marlene Bürkle.
Foto: Mias König

Ausbildungsberufe mit Tieren

Tierische Patienten und Kollegen

Wer seine Tierliebe im Beruf ausleben möchte, kann aus einer Reihe verschiedener Berufsausbildungen wählen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Arbeit mit Tieren viel Geduld erfordert und auch körperlich anstrengend sein kann.

Um nicht unmittelbar den Klassenraum durch den Hörsaal zu ersetzen, wollte Marlene Bürkle nach dem Abitur zunächst praktische Erfahrung sammeln. „Ich habe erst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Denkmalpflege gemacht und dort unter anderem in der Landwirtschaft mitgearbeitet. Die Arbeit mit den Tieren hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich um eine Ausbildungsstelle als Tiermedizinische Fachangestellte – kurz TFA – beworben habe“, erzählt die 20-Jährige, die sich derzeit im zweiten Lehrjahr befindet.

Den betrieblichen Teil ihrer Ausbildung zur TFA absolviert sie in der Tierarztpraxis von Dr. Ursula Leyer in Nürnberg. Daneben besucht sie einmal pro Woche die Berufsschule. „Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Anatomie, Hygiene und Behandlungsassistenz“, erklärt die Auszubildende. „Im Labor bearbeiten und analysieren wir Blutproben“, ergänzt sie. Darüber hinaus lernt sie, wie man Termine einplant und Rechnungen erstellt.

Ausbildung als gute Voraussetzung

Ein Porträt-Foto von Marlene Bürkle.

Marlene Bürkle

Foto: Mias König

In der Regel beginnt der Arbeitstag für Marlene Bürkle damit, dass sie um 8 Uhr morgens die Praxis öffnet und Büroarbeit erledigt. Ab 8.30 Uhr ist dann meist OP-Zeit und sie assistiert der Tierärztin. „Ich reiche Tupfer und Klemmen oder helfe beim Nähen. Außerdem lerne ich, wie man die Narkose überwacht“, erklärt sie. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Entfernen von Zahnstein mittels eines Ultraschallgeräts.

Während der Nachmittagssprechstunde kümmert sich die angehende TFA um die eintreffenden Patienten samt Besitzern und bringt sie in den Behandlungsraum. Der Kundenkontakt ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Neben Hunden, Katzen und Hamstern gehören auch ausgefallenere Tiere wie Eichhörnchen oder Ratten zu den Praxispatienten.

Mit kranken Tieren zu arbeiten, erfordert eine ausgeprägte Beobachtungsfähigkeit. „Tiere können nicht sagen, was ihnen fehlt. Wenn es einem kranken Tier nach der Behandlung besser geht, ist das eine tolle Motivation.“ Nach ihrer dreijährigen Ausbildung möchte Marlene Bürkle ein Studium der Tiermedizin aufnehmen: „Durch die Ausbildung habe ich gute Voraussetzungen für das Studium und sammele Wartesemester.“

Einfühlungsvermögen und Belastbarkeit

„Viele Abiturienten, die sich für Berufe mit Tieren interessieren, gehen den Weg über ein Studium wie beispielsweise Tiermedizin oder Agrarwissenschaft“, sagt Judith Böhmann von der Agentur für Arbeit Cloppenburg. „Eine vorausgehende Berufsausbildung kann hier ein Sprungbrett sein, um praktische Erfahrung zu sammeln, aber auch um zu sehen, ob der Beruf der richtige für jemanden ist.“ Allerdings kann eine Berufsausbildung mit Tieren auch eine echte Alternative sein, wenn man nicht studieren möchte. Beliebte Ausbildungsberufe in diesem Bereich sind etwa Tierpfleger/in, Pferdewirt/in, Veterinärmedizinisch-technische/r Assistent/in oder Tiermedizinische/r Fachangestellte/r.

Schülerinnen und Schüler, die sich für Berufe mit Tieren interessieren, sollten neben der Wertschätzung für Tiere einen guten Zugang zu ihnen haben. „Für die Arbeit mit Tieren benötigt man Einfühlungsvermögen und viel Geduld. Tiere machen nun mal nicht immer das, was der Mensch möchte“, weiß Judith Böhmann.

Auch eine gewisse körperliche und psychische Belastbarkeit ist für einige Berufe in diesem Bereich unerlässlich. „Viele Tätigkeiten, wie das Ausmisten von Ställen oder das Satteln von Pferden, sind körperlich anstrengend. Und manchmal ist leider auch der Tod eines Tieres ein Thema im Berufsalltag“, erklärt die Beraterin.

Neben den klassischen Ausbildungsberufen mit Tieren gibt es solche, die erst auf den zweiten Blick etwas mit Tieren zu tun haben. „Beispielsweise gibt es pädagogische, psychologische oder medizinische Berufe, darunter Erzieher, Sozialpädagogen oder Gesundheits- und Krankenpfleger, die dank einer entsprechenden Zusatzausbildung die Möglichkeit nutzen, Pferde und andere Tiere zur Therapie einzusetzen“, sagt Judith Böhmann. „So können sich Physiotherapeuten beispielsweise zu Hippotherapeuten weiterbilden und mit ihren Patienten spezielle Übungen auf Pferden durchführen.“

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Beliebtheit von Ausbildungsberufen im Tierbereich ist je nach Beruf sehr unterschiedlich. Vor allem die Ausbildung zum/-r Tierpfleger/in wird oft angestrebt – hier gibt es regelmäßig mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. „Im letzten Jahr haben sich durchschnittlich knapp neun Interessenten auf einen Ausbildungsplatz beworben“, erklärt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Im Gegensatz dazu kommen auf einen Ausbildungsplatz in der Tierwirtschaft rechnerisch nur 0,4 Bewerberinnen und Bewerber.“

Die Nachfrage nach Fachkräften in den meisten Ausbildungsberufen mit Tieren ist innerhalb der letzten zehn Jahre eher gestiegen. Gab es 2007 noch 80 Arbeitsstellen mit Tiermedizinischen Fachangestellten, waren es 2017 bereits 268 Stellenangebote. Hingegen ging die Zahl der Stellenangebote für Pferdewirtinnen und -wirte innerhalb dieses Zeitraums von 257 auf 226 leicht zurück.

„Wer sich für einen Ausbildungsberuf mit Tieren interessiert, sollte frühzeitig Netzwerkarbeit betreiben. Ehrenamtliches Engagement oder Praktika bei potenziellen Ausbildungsbetrieben sind hier beispielsweise sinnvoll“, rät Claudia Suttner.

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Tiere)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Tiere)
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)

www.bibb.de

Bundesverband praktizierender Tierärzte

www.tieraerzteverband.de

Bundestierärztekammer e.V.

www.bundestieraerztekammer.de

Deutscher Tierschutzbund e.V.

www.tierschutzbund.de

Berufsverband der Zootierpfleger e.V.

www.zootierpflege.de

 

Ausbildungsberufe mit Tieren – Übersicht

Von Landwirt bis Veterinärmedizinisch-technischer Assistent

Es gibt eine ganze Reihe an Ausbildungsberufen mit Tieren. abi» hat eine Auswahl zusammengestellt.

Landwirt/in

Aufgaben: pflanzliche und tierische Erzeugnisse herstellen und verkaufen; Nutztiere füttern, tränken und pflegen; Ställe reinigen; Buchführungs- und Dokumentationsarbeiten
Mögliche Arbeitgeber: (eigener) landwirtschaftlicher Betrieb oder Großbetriebe, Gemüse- und Obstbaubetriebe, landwirtschaftliche Versuchsanstalten, Berufs- und Interessenverbände

Pferdewirt/in – Fachrichtung Klassische Reitausbildung

Aufgaben: die Eignung von Pferden beurteilen; Tiere in der Dressur sowie im Springen ausbilden und trainieren; Kunden im klassischen Reitsport beraten und unterrichten; Pferde füttern, tränken und pflegen

Mögliche Arbeitgeber: Reitschulen, Reiterhöfe, Pferdeausbildungsbetriebe, Reitvereine, Pferdepensionen

Pferdewirt/in – Fachrichtung Pferdehaltung und Service

Aufgaben: die Gesundheit von Pferden beurteilen, erhalten und fördern; Pferde mit Zaumzeug und Sätteln ausrüsten; die Tiere füttern und pflegen; Kunden beraten bezüglich der richtigen Ernährung von Pferden
Mögliche Arbeitgeber: Gestüte, Reitschulen, Reiterhöfe, Reitvereine, Pferdepensionen

Pferdewirt/in – Fachrichtung Pferderennen

Aufgaben: Rennpferde beurteilen und fördern; die Tiere für Rennen trainieren; Pferde reiten oder Rennwagen lenken; die Tiere füttern, tränken und pflegen
Mögliche Arbeitgeber: Pferderennställe, Trainingsbetriebe, Rennvereine, Rehabilitationseinrichtungen für Sportpferde

Pferdewirt/in – Fachrichtung Pferdezucht

Aufgaben: Pferde für die Reinzucht oder Veredlung auswählen; die Tiere für die künstliche Besamung oder die natürliche Paarung vorbereiten; trächtige Stuten betreuen; bei der Geburt von Fohlen assistieren; Jung- und Zuchtpferde füttern, tränken und pflegen; Tiere ausbilden
Mögliche Arbeitgeber: Gestüte, Deckstationen, Hengstdepots, Aufzuchtbetriebe, Pferdekliniken

Pferdewirt/in – Fachrichtung Spezialreitweisen

Aufgaben: die Verwendbarkeit von Pferden für bestimmte Reitweisen beurteilen; Pferde für Wettbewerbe und Prüfungen ausbilden und trainieren; Reiter für Spezialreitweisen wie Westernreiten ausbilden; Pferde füttern, tränken und pflegen; Koppeln, Zäune und Boxen instand halten
Mögliche Arbeitgeber: Reitschulen, Reiterhöfe, Pferdezucht- und -ausbildungsbetriebe, Reitvereine

Revierjäger/in

Aufgaben: ein Jagdrevier nach jagdrechtlichen Vorschriften bewirtschaften; Hoch- und Niederwildbestand erhalten; Artenvielfalt gewährleisten; Äsungs- und Deckungsflächen anlegen; Tiere vor gefährdenden Eingriffen durch Menschen schützen; den Tierbestand regulieren; Hochsitze errichten
Mögliche Arbeitgeber: Jagd- und Forstverwaltungen sowie -betriebe; Jagd-, Forst- und Naturschutzverbände

Tiermedizinische/r Fachangestellte/r

Aufgaben: Tiere vor, während und nach einer Behandlung betreuen; Röntgenaufnahmen anfertigen; Laborarbeiten ausführen, Tiere auf Krankenstationen pflegen; Tierhalter und deren Tieren empfangen; Tierhalter beraten; die tierärztliche Apotheke verwalten; Termine vergeben; Dokumentationsaufgaben
Mögliche Arbeitgeber: Tierarztpraxen, Tierkliniken, veterinärmedizinische Hochschulinstitute, Tierparks, Veterinärämter

Tierpfleger/in – Fachrichtung Forschung und Klinik

Aufgaben: Tiere füttern; Käfige und Ställe sauber halten; Fell und Klauen pflegen; Jungtiere aufziehen; bei tierärztlichen Behandlungen assistieren; Medikamente nach ärztlicher Anweisung verabreichen; bei Tierversuchen und Tests assistieren
Mögliche Arbeitgeber: Forschungslabore, Universitätskliniken, Hochschulen, Tierkliniken und Tierarztpraxen, Betriebe der Versuchstierzucht und -haltung

Tierpfleger/in – Fachrichtung Tierheim und Tierpension

Aufgaben: Haustiere, die teilweise auch traumatisiert sind, versorgen und pflegen; artgerechte Tierunterkünfte einrichten, säubern und instand halten; Tierbesitzer beraten; neue Eigentümer für herrenlose Tiere suchen
Mögliche Arbeitgeber: Tierheime, Tierpensionen, Tierkliniken

Tierpfleger/in – Fachrichtung Zoo

Aufgaben: Tiere aller Gattungen betreuen und mit Futter versorgen; tiergerechte Unterkünfte einrichten; Unterkünfte reinigen und instand halten; Tiere begutachten, um Verhaltensstörungen zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten; Jungtiere aufziehen; Zoobesucher informieren
Mögliche Arbeitgeber: Zoologische Gärten, Naturparks, Tier- und Wildgehege, Aquarien- und Terrarienbetreiber, Tierheime und -pensionen, Tierkliniken und Tierarztpraxen, Versuchstierpflege, Gnadenhöfe

Tierwirt/in – Fachrichtung Geflügelhaltung

Aufgaben: Geflügel wie Masttiere oder Legehennen züchten, versorgen und pflegen; Geflügelfleisch und Eier vermarkten; Käfige und Ställe reinigen
Mögliche Arbeitgeber: Tier- und landwirtschaftliche Betriebe, Geflügelschlachtereien, landwirtschaftliche Interessenverbände

Tierwirt/in – Fachrichtung Imkerei

Aufgaben: Bienenvölker beobachten, füttern und pflegen; Bienenunterkünfte instand halten sowie Ein- und Auswintern
Mögliche Arbeitgeber: Imkereien, Königinnenzucht- und Bestäubungsbetriebe, Landesanstalten für Bienenzucht, Forschungsinstitute, Imkergenossenschaften

Veterinärmedizinisch-technischer Fachangestellte/r

Aufgaben: Laboruntersuchungen durchführen; tierische Lebensmittel überprüfen; Gene analysieren; Proben entnehmen und analysieren; Bakterienkulturen anlegen
Mögliche Arbeitgeber: veterinärmedizinische Labore, Tierkliniken und Tierarztpraxen, Landesuntersuchungsämter, Kontrolllabore von Schlachthöfen oder Molkereien

 

Pferdewirt

Teamwork zwischen Mensch und Pferd

Als angehender Pferdewirt pflegt und trainiert Nils zur Lage (19) Reitpferde. Beim Umgang mit diesen Tieren ist besondere Umsicht und Einfühlungsvermögen gefragt – denn jedes Tier ist anders.

Nils zur Lage hat schon seit seiner Kindheit mit Pferden zu tun. „Meine Eltern haben einen Pferdezuchtbetrieb im niedersächsischen Bersenbrück. Der Umgang mit Pferden ist daher ganz normal für mich“, sagt der 19-Jährige. Nach dem Abitur zog es Nils zur Lage zunächst für ein halbes Jahr ins Ausland, bevor er sich um eine Ausbildungsstelle als Pferdewirt bewarb. „Ich hatte zwischen einer landwirtschaftlichen und der Ausbildung zum Pferdewirt geschwankt. Jetzt bin ich mit meiner Entscheidung sehr zufrieden“, sagt der angehende Pferdewirt. Derzeit befindet er sich in seinem zweiten Ausbildungsjahr im Reitstall der Böckmann Pferde GmbH im Oldenburger Münsterland. 

In der betrieblichen Ausbildung zum Pferdewirt dreht sich alles rund um die Vierbeiner. Die Auszubildenden wählen zwischen den Schwerpunkten Klassische Reitausbildung, Pferdehaltung und Service, Pferderennen, Pferdezucht oder Spezialreitweisen. „Ich mache die Klassische Reitausbildung und trainiere Pferde im Springreiten“, erzählt Nils zur Lage, den die Teamarbeit mit den Tieren begeistert. „Man macht gemeinsam mit den Pferden Fortschritte. Und da jedes Tier anders ist, lernt man immer dazu.“

Individuelle Trainingspläne

Ein Porträt-Foto von Nils zur Lage.

Nils zur Lage

Foto: Mias König

„Ein Teil der Ausbildung beinhaltet die Vorstellung der Pferde auf Turnieren. Die jungen Pferde werden zunächst in Springpferdeprüfungen präsentiert. Hier werden die Springmanier, das Vermögen und die Eignung als Sportpferd bewertet. In den Prüfungen werden Noten von Null bis Zehn vergeben. Die Note Acht entspricht einem „gut“. Diese Wertung muss erreicht werden, um sich bei Sichtungsturnieren für das Bundeschampionat zu qualifizieren“, erklärt der junge Reiter. Durch eine intensive Ausbildung, gute Platzierungen und Siege kann der Wert eines Springpferdes gesteigert werden.

Nils zur Lage arbeitet schon mit den Pferden, wenn sie noch Fohlen sind. „Ich unterstütze bei Impfungen und Wurmkuren, bringe die Tiere regelmäßig zum Hufschmied und zum Setzen der Brandzeichen.“ Ab einem Alter von etwa drei Jahren kann der angehende Pferdewirt die Tiere dann anreiten. Dabei wird mit jedem Tier nach einem individuellen Trainingsplan gearbeitet. Unter anderem wird auf Kondition, Ausdauer und Muskelaufbau, die sogenannte Gymnastizierung, geachtet. „Erst wenn die Pferde dressurmäßig gut ausgebildet sind, wird mit dem Springtraining begonnen“, berichtet Nils zur Lage, der seinen Schützlingen großen Respekt entgegenbringt. „Man arbeitet nicht mit Maschinen, sondern mit Lebewesen. Jedes Tier hat seinen eigenen Kopf und Charakter und darauf muss man sich einstellen.“

Alles rund ums Pferd

Neben dem betrieblichen Teil auf dem Reithof gehört zur Ausbildung zum Pferdewirt auch der wöchentliche Besuch der Berufsschule. „Hier lernen wir alles rund ums Pferd –die Anatomie, die verschiedenen Reitweisen der Tiere, die Qualität der Grundgangarten sowie die Pferdezucht. Aber auch Politik, Recht und kaufmännisches Wissen werden vermittelt“, erklärt der Auszubildende.
Nach seiner Ausbildung möchte Nils zur Lage weitere Berufserfahrung als Pferdewirt sammeln, um eines Tages den elterlichen Betrieb zu übernehmen. „Unter Umständen will ich noch Agrarwissenschaften studieren – das ist aber noch offen“, sagt der angehende Pferdewirt.

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Pferdewirt – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Das Glück der Erde liegt für Nils zur Lage auf dem Rücken der Pferde. Daher hat sich der 19-Jährige für eine Ausbildung zum Pferdewirt mit dem Schwerpunkt Klassische Reitausbildung entschieden. Hier schildert er, wie ein Arbeitstag aussehen kann.

7.30 Uhr
Nils zur Lage füttert die Pferde im Stall und bringt sie in die Führanlage oder auf Paddocks, einer Art Koppel. Dann mistet er die Ställe aus und streut sie mit frischem Stroh ein.

9 Uhr
Frühstückspause

9.30 Uhr
Unter der Anleitung seines Ausbilders reitet er etwa vier oder fünf Pferde. Vor dem Reiten muss er die Pferde putzen, satteln und die Trense, ein Teil des Zaumzeugs, anlegen. Nach dem Reiten werden die Pferde gewaschen.

12.30 Uhr
Mittagspause

14 Uhr
Nils zur Lage longiert einige Pferde in der Reithalle oder reitet sie.

16.30 Uhr
Danach planiert er mit Traktor und Schleppe den Hallenboden. Anschließend füttert er die Tiere und hilft beim Saubermachen des Hofes.

18 Uhr
Nachdem Stall und Hof in Ordnung gebracht und alle Pferde wieder in ihren Boxen sind, macht Nils zur Lage Feierabend.

 

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Veterinärmedizinisch-technischer Assistent

Detektivischer Spürsinn im Labor

Durch die Ausbildung zum Veterinärmedizinisch-tech­nischen Assistenten bieten sich Simon von Butler (21) viele berufliche Perspektiven – von der Analysearbeit im Labor bis zur Arbeit am lebenden Tier.

Ein Schülerpraktikum bei einem Tierarzt brachte Simon von Butler auf die Idee, später einen Beruf im tiermedizinischen Bereich zu ergreifen: „Ich war 14 Jahre alt und habe die Arbeit mit Klein- und Großtieren beobachten können – das hat mich sehr beeindruckt.“

Nach dem Abitur bewarb er sich für ein Studium der Tiermedizin, hat jedoch leider aufgrund der anspruchsvollen Zulassungsvoraussetzungen keinen Studienplatz bekommen. Dann wurde er auf die Ausbildung zum Veterinärmedizinisch-technischen Assistenten (VMTA) aufmerksam: „Für mich ist diese Ausbildung die perfekte Alternative – gerade wegen des Schwerpunkts auf der Laborarbeit.“

Schulische Ausbildung ergänzt um Praktika

Ein Porträt-Foto von Simon von Butler.

Simon von Butler

Foto: privat

Beworben hatte sich der Abiturient an der Lehranstalt für Veterinärmedizinisch-technische Assistenten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Neben meinem Abiturzeugnis und meinem Lebenslauf musste ich ein Motivationsschreiben einreichen“, berichtet der Auszubildende, der sich mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr befindet. Mit insgesamt neun Mitschülern ist sein Jahrgang relativ klein. Die meisten seiner Mitschüler haben Abitur, das für die Aufnahme der Ausbildung aber nicht zwingend ist.

Die schulische Ausbildung orientiert sich stark am Lehrplan der Hochschule: „Wie das Tiermedizinstudium ist auch unsere Ausbildung in Semester unterteilt. In der vorlesungsfreien Zeit absolvieren wir Praktika“, erklärt Simon von Butler.

Von Anatomie bis Zytologie

Die ersten beiden Semester bestehen aus Einführungsveranstaltungen in Fächern wie Chemie, Physik, Biologie und Mathematik. „Außerdem stehen unter anderem Anatomie, Physiologie, Hygiene, Mikrobiologie und Hämatologie auf dem Lehrplan“, führt Simon von Butler aus. Im dritten Semester kommen Fächer wie Lebensmittel- und Milchkunde, Biochemie, Parasitologie, Mikrobiologie, Virologie, Spermatologie, Zytologie und weitere hinzu.

Während der Laborpraktika arbeiten sich die Auszubildenden innerhalb und außerhalb der Hochschule vertieft in verschiedene Teilbereiche ein. Im fünften Semester absolvieren die Azubis ein siebenmonatiges Betriebspraktikum. Simon von Butler möchte dies entweder in der Klinik für kleine Klauentiere in Hannover oder im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit absolvieren. Vor der Abschlussprüfung am Ende des sechsten Semesters stehen Wiederholungen an. „Die Prüfung erfolgt schriftlich und je nach Fach auch praktisch und mündlich“, weiß Simon von Butler.

Zusammenhänge suchen und erkennen

Die Ausbildung zum Veterinärmedizinisch-technischen Assistenten beinhaltet sehr viel Arbeit im Labor. „Wir bereiten Gewebeschnitte vor und führen Analysen durch. Da geht man fachlich sehr in die Tiefe und hinterfragt genau – das macht mir großen Spaß“, sagt der 21-Jährige. Hierbei kommen die Auszubildenden nicht ohne detektivisches Gespür aus: „Man muss Zusammenhänge suchen und erkennen, um beispielsweise Ursachen für Erkrankungen auf den Grund zu gehen.“

Wie seine berufliche Zukunft aussieht, weiß Simon von Butler noch nicht genau: „Ich könnte mir gut vorstellen, nach meinem Abschluss in einem Forschungslabor oder in einer Klinik zu arbeiten, um näher am Tier zu sein, zum Beispiel in einer Pferdeklinik. Sollte ich doch noch ein Studium der Tiermedizin ins Auge fassen, habe ich durch die Ausbildung zum VMTA in jedem Fall wertvolle Pluspunkte für die Studienzulassung gesammelt.“

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Veterinärmedizinisch-technischer Assistent – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Simon von Butler wird Veterinärmedizinisch-technischer Assistent (VMTA). Während seiner Ausbildung lernt er verschiedene Bereiche und berufliche Einsatzmöglichkeiten kennen. Für abi» schildert er, wie ein Arbeitstag in einem Labor aussehen kann.

8 Uhr
Simon von Butler zieht seinen Laborkittel an. Er wäscht und desinfiziert seine Hände.

8.15 Uhr
Nachdem eine Probe eingeliefert wird – zum Beispiel von einem Tierarzt –, überlegt der Azubi, mit welchem Verfahren er diese untersucht. Hierbei berücksichtigt er den Vorbericht sowie das Material der Probe und dokumentiert jeden seiner Schritte.

8.45 Uhr
Sobald er weiß, wie er vorgeht, sucht er die Reagenzien zusammen und startet mit den Versuchen.

9 Uhr
Bei Bakterienproben reichert er sogenannte Kulturen an und gibt sie auf ein spezielles Gel, welches für einen Tag im Wärmeschrank bebrütet, also zum Wachsen angeregt wird.

10 Uhr
Während die eine Probe noch im Wärmeschrank ist, untersucht der angehende VMTA eine Probe vom Vortag. Die Bakterienkolonien – es scheint sich um einen Krankheitserreger zu handeln – werden entnommen und erneut vermehrt.

14 Uhr
Simon von Butler führt Tests an den Bakterienkulturen durch. Vor, während und nach der Untersuchung dokumentiert er seine Ergebnisse im Detail. So kann genau nachvollzogen werden, welche Analysen wie durchgeführt wurden. Anschließend schickt er das Ergebnis an den Tierarzt.

16 Uhr
Nach der Reinigung der Laborinstrumente, des Arbeitsplatzes und der Desinfektion der Hände hat der Auszubildende Feierabend.

 

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Tierpflegerin

Füttern, ausmisten und informieren

Nadine Lang (24) absolviert im Nürnberger Tiergarten eine Ausbildung zur Tier­pflegerin. Neben der Fütterung und Versorgung von Giraffe, Luchs und Co. muss sie als angehende Tierpflegerin auch mit Rechen und Mistgabel zupacken können.

„Ich finde, in der Schule geht man viel zu wenig auf die Möglichkeit ein, später mit Tieren zu arbeiten“, sagt Nadine Lang, die eigentlich schon immer einen derartigen Beruf ergreifen wollte. Nach ihrem Abitur hatte sie vor, Tiermedizin zu studieren. Um Wartesemester und praktische Erfahrung zu sammeln, absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten in einer Kleintierpraxis. Diese Erfahrung brachte sie vom Tiermedizinstudium schließlich ab: „Ich habe gemerkt, dass das nicht mein Traumberuf ist. Man kümmert sich oft mehr um Frauchen und Herrchen als um das Tier – das wollte ich nicht“, erinnert sich die 24-Jährige.

Hart umkämpfte Ausbildungsstellen

Ein Porträt-Foto von Nadine Lang.

Nadine Lang

Foto: privat

Gleich im Anschluss an ihre erste Ausbildung bewarb sich Nadine Lang daher beim Tiergarten Nürnberg um eine Ausbildungsstelle als Tierpflegerin der Fachrichtung Zoo. Neben dieser Fachrichtung können angehende Tierpfleger sich auch für die Fachrichtungen Tierheim und Tierpension oder Forschung und Klinik bewerben. „Mich hat die Arbeit im Zoo am meisten gereizt. Allerdings sind die Ausbildungsstellen hart umkämpft, da es mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt“, erläutert die Auszubildende.

Während ihrer Ausbildung durchläuft die angehende Tierpflegerin verschiedene Stationen im Zoo. „Wir haben insgesamt acht Reviere mit unterschiedlichen Tiergruppen. Alle 30 Tage wechsle ich von einem Revier ins nächste und lerne so den Umgang mit den jeweiligen Tieren“, erklärt sie.

120 Tierarten in- und auswendig kennen

Den schulischen Teil ihrer Ausbildung absolviert Nadine Lang in Form von Unterrichtsblöcken von je einer bis drei Wochen Dauer. Innerhalb von drei Jahren lernen die angehenden Tierpfleger alles rund um Anatomie, tierartgemäße Körperpflege, Fortpflanzung und Zucht, den Transport sowie die Versorgung kranker Tiere. „Insgesamt geht es um rund 120 Tierarten, deren Herkunft, Haltung, Fütterung und Gesundheit“, sagt Nadine Lang. „Außerdem stehen Fächer wie Sozialkunde, Religion, Deutsch, Sport, Betriebsprozesse und Öffentlichkeitsarbeit auf dem Lehrplan.“ Zusätzlich zur Berufsschule haben die Auszubildenden einmal wöchentlich Theorieunterricht im Zoo.

Als Tierpflegerin steht man in direktem Kontakt mit den Tieren und stellt sicher, dass ihnen auch abseits der Wildnis ein artgerechtes und angenehmes Leben ermöglicht wird. Hierfür schaut sich die Auszubildende morgens bei der Fütterung jedes Tier genau an. „Allerdings besteht ein sehr großer Teil meiner Arbeit darin, Ställe und Gehege sauber zu machen und auszumisten – das ist körperlich anstrengend“, berichtet Nadine Lang.

Arbeiten unter freiem Himmel

Zu ihren Aufgaben gehört auch die wöchentliche Bereitstellung der Futtertiere für die Fleischfresser unter den Zoobewohnern. „Einige Tiere müssen regelmäßig mit frischen Futtertieren versorgt werden, damit sie gesund bleiben. Wir verfüttern beispielsweise Mäuse und Ratten, die wir zuvor mit CO2 begasen“, erklärt Nadine Lang, die sich trotz ihrer Tierliebe der Notwendigkeit dieser Arbeit bewusst ist.

Um dem Bildungsauftrag des Zoos gerecht zu werden, sind die Tierpfleger auch in die Öffentlichkeitsarbeit involviert, klären Besucher auf und kommentieren Fütterungen. „Zoogäste erfahren so beispielsweise, warum der Humboldtpinguin als gefährdet eingestuft ist“, erzählt Nadine Lang.

Wer sich für eine Tierpfleger-Ausbildung interessiert, sollte neben einer grundsätzlichen Begeisterung für Tiere die Bereitschaft mitbringen, auch bei Wind, Regen und Schnee draußen zu arbeiten. „Man ist eigentlich immer unter freiem Himmel. Außerdem sollte einem klar sein, dass man mit Wildtieren arbeitet, die teilweise gefährlich sind – dabei ist die Einhaltung von Sicherheitsregeln sehr wichtig“, gibt Nadine Lang zu bedenken. Nach ihrem Abschluss möchte die 24-Jährige gern weiterhin als Tierpflegerin in einem Zoo arbeiten.

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Tierpflegerin – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Füttern, Ausmisten und Zoobesucher informieren: Nadine Lang lässt sich zur Tierpflegerin der Fachrichtung Zoo ausbilden. Für abi» berichtet sie, wie ihr Arbeitsalltag im Tiergarten Nürnberg aussieht.

7.30 Uhr
Die angehende Tierpflegerin schaut, ob es den Futtertieren gut geht und gibt ihnen Futter und Wasser.

7.45 Uhr
Sie geht in eines der Reviere und bespricht mit ihren Kollegen, was zu tun ist. Aufgestallte, das heißt in einem geschlossenen Stall untergebrachte Tiere bringen sie gemeinsam nach draußen und füttern sie. Die Auszubildende schaut bei jedem Tier nach dem Rechten und säubert die Ställe und Gehege.

9.30 Uhr
Frühstückspause

10 Uhr
Die angehende Tierpflegerin macht die Anlagen sauber und reinigt die Fütterungsplattformen.

12 Uhr
Mittagspause

12.45 Uhr
Nadine Lang kümmert sich um kleinere Reparaturarbeiten, richtet Gehege ein und pflegt Tiere, indem sie zum Beispiel Eseln die Hufe auskratzt und sie striegelt.

16.30 Uhr
Nachdem alle Tiere versorgt sind, hat die Auszubildende Feierabend.

 

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Stand: 19.09.2019