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Der Verkehr der Zukunft

Fluggeräteelektronikerin
Die umweltbewusste Beförderung einer steigenden Zahl an Menschen ist eines der zentralen Themen im Verkehrswesen.
Foto: Axel Jusseit

Ausbildungsberufe rund ums Verkehrswesen: Interview

Der Verkehr der Zukunft

Der Verkehr in Deutschland wandelt sich und somit auch die Anforderungen an Auszubildende dieser Branche. Michael Weber-Wernz, Geschäftsführer der VDV-Akademie (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen), erklärt, welche Auswirkungen die Verkehrsentwicklung auf Mobilität, Ausbildungsberufe und Kompetenzen haben wird.

abi>> Herr Weber-Wernz, schon jetzt ist das Verkehrsaufkommen hierzulande sehr hoch – sei es auf Straßen, Schienen oder in der Luft. Wie wird sich die Situation in den nächsten Jahren entwickeln?

Michael Weber-Wernz: Alle Prognosen des Bundesverkehrsministeriums und renommierter Forschungsinstitute gehen von einer Zunahme der Mobilität in Deutschland aus. Autoverkehr, Bus- und Bahnverkehr für die Personenbeförderung, Güterverkehr auf Straßen und Schienen – all das wird in unterschiedlichen Dimensionen wachsen.
Außerdem zeichnen sich Mobilitätsszenarien ab, die spannend werden. Autos, insbesondere mit fossilen Energieträgern wie Diesel, Benzin oder Gas angetriebene, sollten bis 2030 aus dem Stadtbild verschwinden. Ansonsten können die Klimaziele der Weltgemeinschaft nicht erreicht werden.

abi>> Was kommt stattdessen?

Ein Porträt-Foto von Michael Weber-Wernz

Michael Weber-Wernz

Foto: privat

Michael Weber-Wernz: Elektrofahrzeuge, kleinere Autos, selbstfahrende Taxis, ein öffentlicher Hochleistungs-Nahverkehr, nicht nur mit elektrisch fahrenden Stadt- und U-Bahnen – die gibt es ja schon seit über 100 Jahren – sondern auch mit Bussen. Hinzu kommt: Immer mehr Menschen wollen kein eigenes Auto mehr besitzen. Sie wollen multimodal unterwegs sein, das heißt alle Verkehrsträger als vernetztes System zur Verfügung haben. Deswegen boomen sogenannte Carsharing-Modelle.
Durch die Digitalisierung wird noch viel mehr möglich: „Mobility on demand“ ist die Tendenz. Heute lassen viele Menschen ihr Essen nach Hause liefern, in zehn bis 15 Jahren werden voraussichtlich kleine, selbstfahrende Taxis über eine Smartphone-App direkt nach Hause bestellt, um Menschen an ihr gewünschtes Ziel zu bringen. Apropos Smartphone: Dieses Gerät wird, so wie es sich abzeichnet, zur individuellen Mobilitätsplattform, mit dem die Fahrgäste ihre Reise – ob nah oder fern und egal ob mit Bahn, Bus, Taxi, Flugzeug – planen, buchen und bezahlen können.

abi>> Welche Auswirkung hat diese Verkehrsentwicklung auf den Bedarf an Verkehrsfachleuten?

Michael Weber-Wernz: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat ein Gutachten erstellt. Demnach benötigen die deutschen Nahverkehrsunternehmen bis zum Jahr 2020 rund 30.000 neue Auszubildende und Beschäftigte. Das sind überwiegend Einstellungen, die in den Ruhestand wechselnde Mitarbeitende ersetzen. Das ist eine ganze Menge. Dabei werden andere Kompetenzen von Fachkräften in der Verkehrsbranche gefordert als noch vor fünf oder zehn Jahren. Das liegt insbesondere an den Folgen der neuen digitalen Technologien, die Arbeit und berufliche Anforderungen heftig verändern werden. Bereits in der Berufsausbildung muss den Auszubildenden das Lernen und Arbeiten mit digitaler Technik näher gebracht werden, entsprechend müssen auch die Werkstätten ausgestattet werden.

abi>> Welche Berufe im Verkehrswesen werden zukünftig besonders gefragt sein?

Michael Weber-Wernz: Es werden speziell Bewerber aus dem gewerblichen und technischen Bereich gesucht – beispielsweise Elektroniker, Mechatroniker, zunehmend auch IT-Spezialisten. Aber auch im kaufmännischen Sektor sind gut ausgebildete Fachkräfte gefragt. Um die neue Mobilitätswelt aufbauen und managen zu können, benötigt die Branche kaufmännische Spezialisten mit exzellenten Fachkenntnissen. Dazu gehören zum Beispiel Kaufleute für Verkehrsservice, Mobilitätsexperten oder Fachinformatiker. Immer wichtiger für die neue Mobilitätswelt werden insbesondere ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten der Beschäftigten in den Branchenunternehmen. Denn Kommunikation – die persönliche und die mediale – wird das Schmiermittel sein, mit dem sich Kundenbedürfnisse in neue Dienstleistungen verwandeln lassen.

abi>> 28.11.2016