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Keine zweite Chance für den ersten Eindruck

Ein Mann im Anzug mit Koffer kommt aus einem Gebäude
Ein guter erster Eindruck in der neuen Ausbildung ist wichtig für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten mit den zukünftigen Kollegen.
Foto: Nicole Schwab

Ausbildungsstart

Keine zweite Chance für den ersten Eindruck

Im Herbst heißt es auch für viele Abiturienten: runter von der Schulbank rein ins Berufsleben. Doch beim Ausbildungsstart gilt es, ganz neue Situationen zu meistern. Darf ich die Kollegen duzen? Was tun, wenn ich einen Fehler mache? abi» hat bei Michael Hümmer, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Fürth, und bei Jürgen Thomas, Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Trier, nachgefragt, wie Neu-Azubis am Anfang Fettnäpfchen am besten umschiffen.

1 Szenario: Sportlich oder seriös?

 Sascha hat seinen Wunschausbildungsplatz als Industriekaufmann bei einem Sportartikelhersteller bekommen. Er überlegt, was er an seinem ersten Arbeitstag anziehen soll. Am liebsten würde er in T-Shirt und Jeans ins Büro gehen. Wäre er damit angemessen gekleidet?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Porträtbild von Michael Hümmer

Michael Hümmer

Foto: privat

Er sollte sich so kleiden, wie es im Betrieb üblich ist. Schon in der Bewerbungsphase kann man ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Gepflogenheiten sind – auch hinsichtlich der Arbeitskleidung. Sollte spezielle, uniforme Kleidung vorgeschrieben sein – zum Beispiel in der Systemgastronomie oder im Hotelgewerbe –, wird der Arbeitgeber in der Regel darauf hinweisen beziehungsweise ihm diese zur Verfügung stellen. Und wenn man sich unsicher ist – egal, worum es sich handelt, – sollte er einfach nachfragen.

2 Szenario: Zu spät!

Merle hat sich rechtzeitig auf dem Weg zu ihrem Ausbildungsbetrieb gemacht. Wegen eines Unfalls fährt ihre Straßenbahn aber nicht weiter. Es ist abzusehen, dass sie zu spät kommen wird. In der Schule war es zwar unangenehm, ins Klassenzimmer zu huschen, wenn alle schon auf ihren Plätzen saßen. Aber das war schon okay. Ob das im Unternehmen auch geht?

»Das sagt IHK-Experte Jürgen Thomas:

Sobald die Auszubildende merkt, dass sie eventuell zu spät kommt – selbst wenn es nur ein paar Minuten sind – sollte sie direkt Bescheid geben, idealerweise von unterwegs per Handy. Auch, wenn die Verspätung nur klein ist, kommt es beim Ausbilder gut an, dass sie Bescheid gegeben hat. Und sie ist auf der sicheren Seite, denn aus fünf Minuten Verkehrsverzögerung können schnell 15 Minuten werden.

3 Szenario: Zu früh?

Manuel ist an seinem ersten Tag besonders früh losgefahren, um auf keinen Fall zu spät zu kommen. Jetzt ist er eine halbe Stunde früher da. Soll er schon reingehen nach dem Motto: je früher, desto besser?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Er könnte noch eine Runde um den Block gehen oder irgendwo einen Kaffee trinken. Die Höflichkeit gebietet, nicht mehr als 15 Minuten zu früh zu einem vereinbarten Termin zu kommen. Sonst setze ich den anderen unter Druck – der hat ja vielleicht noch etwas zu erledigen, bevor er sich um den Azubi kümmern kann.

4 Szenario: Grüßen oder lieber nicht?

Julia freut sich auf ihren ersten Ausbildungstag. Auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz blickt sie in fremde Gesichter. Einige Mitarbeiter sehen sie fragend an. Ihr ist das peinlich, sie geht einfach weiter ohne etwas zu sagen. Gut so?

»Das sagt IHK-Experte Jürgen Thomas:

Jürgen Thomas

Foto: IHK Trier

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Derjenige, der neu da ist, sollte grüßen. Im Vorbeigehen genügt zunächst ein „Guten Tag“. In anderen Situationen kann man die Gelegenheit nutzen, sich kurz vorzustellen, gerade in einem kleinen Unternehmen. Denn je häufiger man dem Mitarbeiter begegnet, ohne sich vorgestellt zu haben, umso unangenehmer wird die Situation. Gleiches gilt, wenn ich den Namen eines Kollegen, mit dem ich zusammenarbeiten soll, vergessen habe: Direkt ansprechen, sich entschuldigen und nachfragen.

5 Szenario: Handy am Arbeitsplatz

Carlo sieht, dass Kollegen ihre privaten Handys im Büro anlassen und nutzen. Dann kann er ja auch mal schnell eine Nachricht versenden, oder?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Als Azubi ist es ratsam, sich an der Führungskraft und ihrem Verhalten zu orientieren, nicht an den Kollegen. Grundsätzlich gilt: Soziale Kommunikationsmittel, die ich privat nutze, haben eigentlich am Arbeitsplatz nichts verloren. Das gilt fürs Handy ebenso wie für den privaten Mail-Account oder das Facebook-Profil. Hat der Azubi einmal vergessen, sein Handy auszuschalten, und es klingelt im Büro, ist es besser, sich zu entschuldigen und es auszuschalten.

6 Szenario: Du oder Sie?

Ein paar Mitarbeiter stehen zusammen, unterhalten sich und duzen sich dabei ganz selbstverständlich. Martha ist die neue Auszubildende. Als ihr jemand eine Frage stellt, fällt sie auch spontan ins Du, fragt sich dann aber, ob das in Ordnung war.

»Das sagt IHK-Experte Jürgen Thomas:

Man sollte warten, bis einem das Du angeboten wird. Selbst in Betrieben, in denen es üblich zu sein scheint, dass alle sich duzen, kann es einzelne Kollegen geben, die das nicht möchten. Wenn der Azubi selbst geduzt wird, kann es ratsam sein, trotzdem beim Sie zu bleiben. Azubis wirken oft sehr jung, weshalb es passieren kann, dass ein Kollege ihn quasi „aus Versehen“ duzt.

7 Szenario: Tratschen und Tuscheln

Emir hat Pause und geht in die Kantine. Dort setzt er sich an einen Tisch mit neuen Kollegen, die er bereits kennengelernt hat. Diese tratschen und lästern über einen Dritten, der nicht dabei ist. Er möchte sich am Gespräch beteiligen und lässt auch eine Bemerkung fallen. Eine gute Idee?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Auf keinen Fall. Besser nur zuhören, und nichts kommentieren. Wenn der Azubi direkt angesprochen und gefragt wird: „Wie findest du den?“, kann die Antwort ja lauten: „Tut mir leid, ich bin erst seit x Tagen da, dazu kann ich nichts sagen.“ Dabei bleibt man sogar authentisch – man kann ja wirklich noch nichts dazu sagen.

8 Szenario: Das Telefon klingelt

Tanjas dritter Tag im Büro. Plötzlich sind alle weg und das Telefon klingelt, klingelt und klingelt. Sie geht aber nicht ran, aus Furcht etwas falsch zu machen. Als es aufhört zu läuten, ist sie froh. Alles richtig gemacht?

»Das sagt IHK-Experte Jürgen Thomas:

Ich empfehle, immer dranzugehen und sich als Auszubildende vorzustellen, die gerade erst begonnen hat. Auch wenn sie dem Anrufer nicht weiterhelfen kann, erfährt sie zumindest, wenn es sehr dringend ist. Dann kann sie entsprechend reagieren und einem Kollegen Bescheid geben.

9 Szenario: Etwas stört

Mica ist jetzt bereits seit einer Woche im Betrieb und hat vom Chef eine wichtige Aufgabe übertragen bekommen. Das freut ihn. Er möchte seine Sache besonders gut machen, kann sich aber nicht konzentrieren, weil der Kollege am Nachbartisch immer wieder sehr laut telefoniert. Soll er ihn ansprechen und bitten, leiser zu sprechen?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Das Problem betrifft nicht nur den Azubi, sondern jeden Mitarbeiter. Als „Frischling“ im Team kann es sinnvoll sein, sich erst einmal mit der Situation zu arrangieren und zu schauen, wie die anderen damit umgehen.

10 Szenario: Sich merken oder aufschreiben?

Janas Chefin bittet sie in ihr Büro, um ihr eine kleine Aufgabe zu geben. Das wird sie sich schon alles merken, oder?

»Das sagt IHK-Experte Jürgen Thomas:

Block und Stift sollte die Auszubildende immer dabei haben – sie kann ja nie wissen, was kommt. Was für den Chef eine „kleine“ Aufgabe ist, ist für sie gerade am Anfang vielleicht sehr komplex. Und nach zwei Minuten noch einmal nachfragen zu müssen, macht keinen guten Eindruck. Deswegen: immer Notizen machen, dann ist man auf der sicheren Seite.

11 Szenario: Der Kopf raucht

Charly hat eine Aufgabe zugeteilt bekommen und das Gefühl, ihr nicht gewachsen zu sein. Soll er sich einfach durchwurschteln?

»Das sagt IHK-Experte Jürgen Thomas:

Gerade am Anfang einer Ausbildung sollte man sich nicht unter Druck setzen. Er sollte sich die Aufgabe zunächst in Ruhe anschauen, sich mit ihr gründlich auseinandersetzen und nicht zu schnell aufgeben. Wenn dann abzusehen ist, dass er mit ihr nicht zurechtkommt: Nachfragen! Wenn er sich erst nach ein paar Stunden meldet, wird der Ausbilder zu Recht sagen: „Warum kommst du erst jetzt?“. Wichtig: Er sollte nicht einfach nur sagen: „Kann ich nicht“, sondern die konkreten Gründe nennen können.

12 Szenario: Mist, vergessen…

Die Woche ist rum. Benno freut sich auf das Wochenende. Bevor er geht soll er noch schnell sein Berichtsheft bei seinem Ausbilder abgeben, kann es aber nicht finden. Er hat es wohl zu Hause vergessen. Montag reicht doch auch, oder?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Fehler passieren. Wichtig ist, dass man sie direkt anspricht, wenn sie einem auffallen. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Azubi, sobald er merkt, dass er das Heft vergessen hat, zu seinem Ausbilder geht, ihm Bescheid gibt und fragt, was er tun soll: Soll er es noch holen oder genügt es, wenn er es am Montag abgibt? Eventuell holt er sich dann einen Anpfiff ab – aber damit muss er umgehen lernen.

13 Szenario: Nichts zu tun?

Maria hat alle Aufgaben für den Tag bereits erledigt. Und es ist fast schon Feierabend. Kann sie einfach nach Hause gehen?

»Das sagt Berufsberater Michael Hümmer:

Nein, sie hat Arbeitszeiten, an die sie sich halten muss. Wenn sie der Meinung ist, alles erledigt zu haben, sollte sie auf die Führungskraft oder den Ausbildungsbetreuer zugehen und fragen, ob es noch etwas für sie zu tun gibt.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Die Berufsfeld-Information der Bundesagentur für Arbeit. Der Wegweiser mit über 1.500 Reportagen unter anderem zu Aus- und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild.
http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

 

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe.
www.berufe.tv

 

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de/

 

Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
Infos über die Berufsausbildungsbeihilfe der Bundesagentur für Arbeit.
www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung

 

Schritt für Schritt zum Wunschberuf
Die Bundesagentur für Arbeit bietet (zukünftigen) Azubis Infos und Hilfestellung rund um die Berufsausbildung, auch was Organisatorisches betrifft.
www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung

 

durchstarter.de
Die Initiative der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Pfalz, Rheinhessen und Trier sowie des Mittleren Ruhrgebiets informiert über Berufsbilder, Karriere- und Fortbildungschancen, Einstiegsbedingungen und offene Ausbildungsstellen.
www.durchstarter.de

 

Behördeninfos für Azubis
Das Portal „amtlich einfach –Staat der kurzen Wege“ informiert praktisch und anschaulich darüber, welche Behördengänge vor einer Berufsausbildung notwendig sind.
www.amtlich-einfach.de

 

Azubi-Netzwerk der Volksbanken Raiffeisenbanken
Erfahrungsberichte und Infos zum Azubi-Netzwerk „Next“ der Volksbanken und Raiffeisenbanken.
www.vr.de/wirsindnext

abi>> 01.04.2019

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