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Kreative Köpfe mit Fingerspitzengefühl

Detailaufnahme von Aufsätzen für eine Fräsmaschine.
Schmuckstücke nach eigenen Ideen oder nach Kundenwünschen anfertigen – dabei arbeiten Goldschmiede mit unterschiedlichen Materialien.
Foto: Susanne Erler

Gestalterische Ausbildungsberufe im Handwerk – Hintergrund

Kreative Köpfe mit Fingerspitzengefühl

Bühnenmaler, Maskenbildner oder Fotograf – das Handwerk bietet eine Vielzahl an gestalterischen Ausbildungsberufen. Genau das Richtige für Abiturienten, die ihre Kreativität frei entfalten und mit ihren Händen eigene Kunstwerke erschaffen möchten.

Kunst hatte für Felix Wöhlbier aus Augsburg schon immer eine große Bedeutung. Als er 2012 sein Abitur in der Tasche hatte, war er sich seiner Berufswahl aber trotzdem noch nicht sicher. Drei Jahre lang hat er gejobbt, bis er zufällig über eine Stellenanzeige für eine Ausbildung zum Goldschmied stolperte. „Ich dachte sofort, dass das etwas für mich sein könnte“, erinnert er sich. „Die Goldschmiedekunst hat viel mit Zeichnen zu tun, man arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und lernt eine ganze Reihe an Herstellungstechniken. Diese Vielseitigkeit hat mich auf Anhieb überzeugt.“

Mittlerweile befindet sich der 24-Jährige im zweiten Jahr seiner Ausbildung in der Goldschmiede Werner in Augsburg. Etwa alle zwei Monate hat er zwei Wochen Berufsschulunterricht, die restliche Zeit verbringt er in der Werkstatt seines Ausbildungsbetriebs. Während die Schule fachspezifische Theorie wie Edelsteinkunde, Metallbeschaffenheit und Mathematik vermittelt, ist in der Werkstatt löten, sägen und feilen angesagt. „Meine Aufgaben bestehen zum einen aus der Umarbeitung von Schmuckstücken, zum Beispiel das Verlängern von Ketten oder das Ändern von Ringgrößen“, erklärt Felix Wöhlbier. „Zum anderen baue ich Schmuckstücke nach und darf natürlich auch selbst welche entwerfen. Ich finde es schön, zu sehen, was ich im zweiten Ausbildungsjahr schon alles gelernt habe und umsetzen kann.“
Mit seiner Entscheidung zur Goldschmied-Ausbildung ist er sehr glücklich: „Ich bin mir sicher, dass ich das Richtige für mich gefunden habe“. In nächster Zeit möchte er weitere Techniken dazulernen, neue Ideen umsetzen, seine Kunstfertigkeit weiterentwickeln – und auf jeden Fall in der Goldschmiedebranche bleiben. Den ersten Schritt für eine erfolgreiche Karriere hat er bereits getan: Beim internationalen Goldschmiede-Wettbewerb „Junge Cellinis“ hat der Augsburger mit einem selbst entworfenen Schmuckstück den ersten Preis gewonnen.

Mit vollem Einsatz dabei sein

Ein Porträt-Foto von Felix Wöhlbier

Felix Wöhlbier

Foto: privat

Neben dem Goldschmied existieren noch viele weitere gestalterische Ausbildungsberufe im Handwerk, die für Abiturienten interessant sein können. Dazu gehören beispielsweise Fotograf, Maskenbildner, Raumausstatter oder Maßschneider. „Für Abiturienten, die gerne etwas Kreatives machen möchten, ist so eine Ausbildung eine tolle Sache. Sie stehen im Unterschied zum Studium quasi vom ersten Tag an im Berufsleben, die Hierarchien in den Handwerksbetrieben sind flach und die beruflichen Perspektiven sehr gut“, erklärt Stefan Scholz-Rode, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Hannover.

Wer sich für einen Handwerksberuf interessiert, sollte vor allem zuverlässig, begeistert, motiviert und teamfähig sein. „Das Wichtigste ist, voll hinter seiner Berufswahl zu stehen. Wenn das der Fall ist, wird man mit offenen Armen empfangen.“ Und auch die Teilnahme an Wettbewerben, wie im Fall von Felix Wöhlbier, ist ein guter Schritt für die berufliche Zukunft. „So etwas macht sich im Lebenslauf hervorragend. Wer solche Referenzen vorweisen kann, dem steht eine aussichtsreiche Karriere im Handwerk bevor“, ist sich der Experte sicher.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass eine handwerkliche Ausbildung keine Endstation ist, sondern vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. „Man kann zum Beispiel seinen Meister oder Techniker machen oder nach der Ausbildung ein Studium absolvieren“, berichtet der Berufsberater. „Darüber hinaus existieren zahlreiche Fortbildungen, wie etwa im kaufmännischen Bereich.“ Im sogenannten trialen Studium kann innerhalb von viereinhalb Jahren der Gesellen- und Meisterbrief sowie ein Bachelor in Handwerksmanagement erworben werden.

Nachfolger gesucht

Viele ausgebildete Handwerker möchten sich später selbstständig machen. Ebenso ist die Möglichkeit, einen bereits bestehenden Betrieb zu übernehmen, sehr attraktiv. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden etwa 200.000 Handwerksbetriebe in Deutschland ohne Nachfolger sein. Das bietet für junge Menschen mit Abitur beste Perspektiven“, erklärt Stefan Scholz-Rode.

Und wie sieht nun genau der Arbeitsmarkt aus? Im Bereich der kunsthandwerklichen Metallgestaltung (Goldschmiede, Juweliere, Metalldesigner) gibt es laut Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit derzeit fast 24.000 Erwerbstätige in Deutschland. Die Zahl der Arbeitslosen ist mit rund 1.100 gering und in den vergangenen Jahren rückläufig. Fast die Hälfte der Metallgestalter ist dabei selbstständig, bei den Bildhauern (Steinmetze, Holzbildhauer, Restaurator) sind es sogar drei von vier. Auch hier ist die Arbeitslosenzahl mit etwas mehr als 300 Personen im Jahresdurchschnitt rückläufig.

Etwas schwieriger haben es die Fotografen: Knapp 29.000 Fotografen waren den Angaben der Arbeitsmarktberichterstattung zufolge 2015 in Deutschland tätig; pro Jahr gibt es nur 160 gemeldete Stellenangebote. Mit rund 1.600 Arbeitslosen fällt die Arbeitslosigkeit leicht überdurchschnittlich aus. Auch die Mehrheit der Fotografen ist selbstständig tätig.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 AusbildungPlus

Die Plattform des Bundesinstituts für Berufsbildung bietet einen Überblick über duale Studiengänge und Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen.
www.ausbildungplus.de

 Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

www.zdh.de

 Berufsprofile im Handwerk

Informative Website des Deutschen Handwerkskammertag (DHKT) e.V.
www.handwerk.de

Zentralverband der deutschen Gold- und Silberschmiede e.V.

Der Zentralverband ist die Interessenvertretung und der Dachverband aller deutschen Gold- und Silberschmiede sowie Juweliere.
http://zentralverband-goldschmiede.de

abi>> 09.06.2017