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Allrounder in Unternehmen

Detailaufnahme vom eintragen eines Termins in den Kalender
Organisationstalent, Kommunikation und ein Gefühl für Zahlen und Relationen sind wichtig für eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau.
Foto: Isabella Fischer

Kaufmännische Ausbildungen

Allrounder in Unternehmen

Wer Abitur hat und zunächst nicht studieren möchte, entscheidet sich häufig für eine kaufmännische Ausbildung. Kein Wunder: Die Aufgaben eines kaufmännischen Angestellten sind vielseitig – und in vielen Unternehmen können sie die Karriereleiter bis zur Führungsposition emporsteigen. Lukas Wolnik (22) zum Beispiel hat sich für eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel entschieden.

Ich wollte gern einen Beruf erlernen, in dem ich nicht nur am Schreibtisch sitze, sondern auch Kontakt zu Kunden habe“, sagt Lukas Wolnik. Nach einem halben Jahr Work & Travel startete er im August 2018 seine Ausbildung beim Lack- und Farbenhersteller Brillux in der Niederlassung Hamburg-Billbrook. „Brillux vertreibt seine Produkte ausschließlich im Direktvertrieb, daher habe ich fast jeden Tag mit gewerblichen Kunden zu tun, die bei uns ihre Ware abholen oder telefonisch beziehungsweise persönlich beraten werden möchten“, sagt der Auszubildende, der somit täglich mit Handwerkern zu tun hat.

Nach dem Abitur war sich Lukas Wolnik nicht sicher, ob er studieren oder eine Ausbildung machen wollte. Auf einer Ausbildungsmesse informierte er sich über verschiedene Berufe und seine Möglichkeiten nach dem Schulabschluss. „Hier habe ich den Lack- und Farbenhersteller Brillux kennengelernt“, berichtet der 22-Jährige. Er bewarb sich auf eine Ausbildung als Kaufmann im Groß- und Außenhandel und erhielt nach einem Assessment Center und einem Vorstellungsgespräch die Zusage für die dreijährige Ausbildung.

Nun hilft er bei der Kundenbetreuung, nimmt Aufträge entgegen, arbeitet im Lager mit, gestaltet Präsentationsflächen oder plant die Touren für den Versand. Groß- und Außenhandelskaufleute in anderen Unternehmen kümmern sich häufig auch um den Ankauf von Waren für den Weiterverkauf. Dabei kontrollieren sie den Wareneingang, die Lagerung, den Warenausgang und behalten im Blick, wann neue Ware bestellt werden muss. „Ich helfe oft da aus, wo gerade jemand gebraucht wird“, ergänzt er. Außerdem geht Lukas Wolnik eineinhalb Tage in der Woche zur Berufsschule.

Große Auswahl an Berufsmöglichkeiten

Ein Porträt-Foto von Lukas Wolnik

Lukas Wolnik

Foto. privat

Wie Lukas Wolnik entscheiden sich etliche Abiturienten für eine kaufmännische Ausbildung. Der Kaufmann bzw. die Kauffrau im Groß- und Außenhandel ist nur einer von vielen Möglichkeiten. Unter den Top 10 der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2016 von Azubis mit Studienberechtigung finden sich dem Berufsbildungsbericht 2018 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge sieben kaufmännische Berufe.

Angeführt wird die Rangliste von Industriekaufleuten, dicht gefolgt von Kaufleuten für Büromanagement. Bankkaufleute, Kaufleute für Versicherungen und Finanzen, Kaufleute im Einzelhandel und Kaufleute für Tourismus und Freizeit sind ebenfalls beliebte Ausbildungsmöglichkeiten. Grundsätzlich geht es in jedem Beruf darum, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. „Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit den Themen Steuerung, Controlling, Einkauf oder Marketing“, erklärt Gabriele Jordanski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BIBB.

Ausbildungsplätze in unterschiedlichen Bereichen

Ein Porträt-Foto von Gabriele Jordanski

Gabriele Jordanski

Foto: privat

Aber nicht in allen Berufen, die die Bezeichnung „Kaufmann“ oder „Kauffrau“ tragen, sind betriebswirtschaftliche Fragestellungen so zentral: „Kaufmännische Inhalte spielen etwa bei Informatikkaufleuten, IT-System-Kaufleuten oder Sport- und Fitnesskaufleuten eher eine weniger umfassende Rolle“, merkt Silvia Annen, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin im BIBB, an.

Die meisten Ausbildungsplätze gibt es für Kaufleute für Büromanagement, Kaufleute im Einzelhandel und Industriekaufleute. „Das bedeutet aber nicht, dass dies unbedingt die beliebtesten Berufe sind“, erläutert Gabriele Jordanski. Es heißt, dass die Unternehmen in diesen Berufen viele Ausbildungsplätze anbieten, die besetzt werden. Daher stehen sie in Ranglisten auf den vordersten Plätzen. Erfahrungsgemäß werden auch Berufe wie Sport- und Fitnesskaufmann häufig von Ausbildungswilligen nachgefragt. „Hier gibt es jedoch weit weniger Ausbildungsangebote“, weiß die Expertin vom BIBB. Der im Jahr 2018 neu eingeführte Beruf des Kaufmanns für E-Commerce läuft gut an.

Kommunikation sehr wichtig

Generell sollte jeder, der eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau anstrebt, gut kommunizieren können, weil man häufig mit Kunden und Kollegen aus anderen Abteilungen zu tun hat, sagt Silvia Annen: „Ein Gefühl für Zahlen und Relationen sowie ein Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen sollte man zudem haben.“

Nach der Ausbildung warten viele Weiterbildungsmöglichkeiten. In einigen Berufszweigen kann man sich zum Fach- oder Betriebswirt weiterbilden. Auch ein Wechsel in andere Bereiche ist oft möglich. So können Industriekaufleute meist problemlos auch im Groß- und Außenhandel arbeiten. „Wer einen kaufmännischen Ausbildungsberuf erlernt, erwirbt damit die Eintrittskarte in ein großes Berufsfeld und damit bei entsprechender Flexibilität gute Beschäftigungsaussichten“, erklärt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Gute berufliche Perspektiven

941.000 Menschen waren im Juni 2018 in Deutschland in der kaufmännischen Betriebswirtschaft auf Fachkräfteniveau sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter viele Industriekaufleute. Weitere 402.000 Frauen und Männer arbeiten in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen, zum Beispiel als Kaufleute im Groß- und Außenhandel oder als Immobilienkaufleute. „Die Zahl der Arbeitslosen ist in beiden Berufsbereichen in den letzten Jahren tendenziell gesunken“, sagt Claudia Suttner.

Insgesamt waren 2018 rund 6.100 arbeitslose Fachkräfte auf der Suche nach Tätigkeiten in der kaufmännischen Betriebswirtschaft und 13.400 in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen. Dem standen im Jahr 2018 insgesamt rund 9.000 gemeldete Stellen gegenüber, davon gut ein Drittel in der kaufmännischen Betriebswirtschaft. Alles in allem, also gute Aussichten.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Stichwort: Kaufmann, Kauffrau)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-Info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
berufsfeld-info.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
www.bibb.de

 

Industrie- und Handelskammern
www.ihk.de

 

Handelsverband Deutschland (HDE)
www.einzelhandel.de

 

Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA)
www.bga.de

 

Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH)
www.bevh.org

abi>> 22.07.2019

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