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Ausgelernt?

Symbolbild für das Internet der Dinge
Neue technologische Entwicklungen, wie das Internet der Dinge, sind ein Treiber für die Neuordnung von Ausbildungsberufen.
Foto: Martin Rehm

Neugeordnete Ausbildungsberufe

Ausgelernt?

„Ausgelernt“ heißt es nach dem Abschluss der Ausbildung. Aber so ganz stimmt das nicht, denn die Arbeitswelt verändert sich ständig – durch neue Technologien, neue Bedürfnisse, neue Gesetze. An die neuen Anforderungen müssen auch die Ausbildungsberufe angepasst werden. Aber was heißt das für die, die bereits einen Abschluss haben?

Für Katharina Weiß gehört Lernen auch noch lange nach Abitur und Ausbildung zum Alltag. Ihre Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik bei der Wacker Chemie AG in Burghausen hat die 26-Jährige 2012 abgeschlossen. Während ihrer fünfjährigen Berufstätigkeit in einer Elektrowerkstatt machte sie parallel ihren Meister. Dass die Ausbildungsordnung ihres Berufs 2018 angepasst wurde, weiß sie aus erster Hand: Seit 2015 ist sie im Prüfungsausschuss der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) tätig und seit 2017 selbst Ausbilderin im Betrieb. „Die Anforderungen haben sich sehr verändert“, weiß sie.

Porträtbild von Katharina Weip

Katharina Weiß

Foto: privat

Im Zuge der Industrie 4.0, also der Digitalisierung der industriellen Produktion, müssen Auszubildende inzwischen etwa auch bei Themen wie der Vernetzung von Maschinen und Geräten fit sein. „Azubis müssen heute viel selbstständiger am Computer arbeiten, viele Prozesse laufen nur noch digital“, erklärt Katharina Weiß. Ihre eigene Karriere zeigt, dass sie den Anschluss dennoch nicht verloren hat. Ihr Rezept? „Learning by doing und Dranbleiben.“ Schulungen und Weiterbildungen im Unternehmen erlauben jedem Mitarbeiter, am Ball zu bleiben, aber „wichtig ist, sich stets über neue Entwicklungen zu informieren.“

Ausbildungen gehen mit der Zeit

Die Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik ist eine von insgesamt 138, die zwischen 2008 und 2018 modernisiert wurden. 13 Berufe sind ganz neu dazugekommen. „Je nach Beruf und Branche ist meist nach fünf bis zehn Jahren die Zeit gekommen, ein Berufsbild an die veränderten betrieblichen Rahmenbedingungen anzupassen“, erklärt Monika Hackel, die beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Abteilung „Struktur und Ordnung der Berufsbildung“ leitet. Aber das wird nicht am Schreibtisch entschieden. „Es liegt in der Hand von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zu sagen: jetzt passt es nicht mehr.“

Porträtbild von Monika Hackel

Monika Hackel (BIBB)

Foto: BIBB

Gemeldet wird der Überabeitungsbedarf in der Regel über die Branchenverbände und Gewerkschaften. Das BIBB koordiniert die Umsetzung und bindet betriebliche Sachverständige mit Erfahrungen in der Ausbildungs- und Prüfungspraxis ein. Auch die Rahmenlehrpläne der Berufsschulen werden an die Ausbildungsordnungen angepasst. Das letzte Wort haben die fachlich zuständigen Ministerien. Dann steht die neue Ausbildungsordnung – nach einem Jahr konzentrierter Arbeit.

Ausbildungsordnungen legen Standards fest, damit jeder Absolvent fit in seinem Metier ist. Zentral sind dabei die erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Unter Umständen leiten sich daraus auch strukturelle Veränderungen ab, etwa neue optionale Zusatzqualifikationen oder angepasste Prüfungsbestimmungen. Bei den Elektronikern für Automatisierungstechnik beispielsweise gibt es nun Zusatzqualifikationen im Bereich Programmierung, IT-Sicherheit und digitale Vernetzung.

Digitalisierung ist nur ein Treiber

„Bei einer Modernisierung wird das Berufsbild komplett auf den Prüfstand gestellt“, erklärt Monika Hackel. „Wenn der Veränderungsbedarf sehr umfangreich ist, kann es sein, dass man dies mit einer neuen Berufsbezeichnung sichtbar macht.“ Als Beispiel nennt sie die Veränderungen durch die Digitalisierung beim Technischen Zeichner. Die waren so gravierend, dass 2011 zwei neue Berufe abgeleitet wurden: Technischer Systemplaner und Technischer Produktdesigner. Doch nicht nur die Digitalisierung spielt bei der Modernierung eine Rolle.

Porträtbild von Florian Kaiser

Florian Kaiser (IHK) 

Foto: Gajanin/IHK München

„Jedes Berufsbild muss kontinuierlich an die Anforderungen der Arbeitswelt, auch an die von morgen, angepasst werden“, weiß Florian Kaiser, Leiter des Referats Bildungsberatung der IHK für München und Oberbayern. So werden etwa Berufe mit starken Überschneidungen zusammengeführt und die Ausbildungsangebote damit übersichtlicher.

Aus drei mach eins: Kaufmann für Büromanagement

Ein Beruf, der so entstanden ist: Kaufmann für Büromanagement . Die drei Vorgängerberufe Bürokaufmann, Fachangestellter für Bürokommunikation sowie Kaufmann für Bürokommunikation gingen 2014 in dem neuen Beruf auf. „Dieser ist zeitgemäß und hat voll eingeschlagen“, schwärmt der IHK-Experte. „Die breite Aufstellung ist kein Schaden – die einzelnen Betriebe stellen mit Wahlqualifikationen sicher, dass sie kompetent ausbilden.“ Wahlqualifikationen sind beispielsweise „Verwaltung und Recht“, „Personalwirtschaft“, „Einkauf und Logistik“ oder auch „Marketing und Vertrieb“. Für die Azubis eröffnet so der neue Beruf breite Karriereoptionen.

Doch auch wer in einem der „alten“ Berufe ausgebildet wurde, muss sich keine Sorgen machen. Schon bevor das BIBB aktiv wird, werden neue Inhalte von den Unternehmen ins Visier genommen. „Unternehmen achten kontinuierlich darauf, dass die Inhalte der Ausbildung dem aktuellen Bedarf entsprechen. Die Ausbildungsordnungen lassen dafür genug Spielraum“, erklärt Florian Kaiser. Dennoch, am Ball bleiben müssen auch die Absolventen, am lebenslangen Lernen führt kein Weg vorbei. Das gilt auch für die Prüfer der IHKs, die sich auf neue Ausbildungsinhalte einstellen müssen. „Die erste Prüfung nach einer geänderten Ausbildungsordnung ist spannend“, berichtet Florian Kaiser. „Aber die Ergebnisse sind immer wasserdicht“, beruhigt er.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Die Berufsfeld-Information der Bundesagentur für Arbeit. Der Wegweiser mit über 1.500 Reportagen unter anderem zu Aus- und Weiterbildung

berufsfeld-info.de/planet-beruf.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild

http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB

Übersicht der neuen und modernisierten Ausbildungsberufe

www.bibb.de/de/41.php

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Projektdatenbank digitaler Fortbildungsangebote

www.qualifizierungdigital.de/de/projektdatenbank-27.php

Industrie- und Handelskammer (IHK)

Unter der Marke "IHK.Die Weiterbildung" stellen die Industrie- und Handelskammern eine breite Palette von Abschlüssen der Höheren Berufsbildung nach dem Berufsbildungsgesetz bereit, die stetig aktualisiert und erweitert wird.

www.ihk.de/weiterbildung

Studieren ohne Abitur

Studienwahl.de gibt einen guten Überblick über Studienmöglichkeiten nach einer dualen Ausbildung.

www.studienwahl.de/studieren-ohne-abitur

abi>> 20.02.2019

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