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Glücksmomente und Perfektion

Das Foto zeigt einen Buchbinder bei der Arbeit.
Einigen Abiturienten liegt es am Herzen, mit ihrer Ausbildung dazu beizutragen, über Jahrhunderte erworbenes Wissen als Kulturgut zu bewahren.
Foto: Frank Pieth

Nostalgie-Berufe – Statements

Glücksmomente und Perfektion

Statt voll digital, voll Retro: Einen Beruf erlernen, den es schon vor mehreren hundert Jahren gab – und den viele mittlerweile für überflüssig halten, das traut sich nicht jeder. Was treibt junge Leute an, sich gegen alle Widerstände für so einen Beruf entscheiden? abi» hat bei drei leidenschaftlichen Traditionshandwerkern nachgefragt.

Heidelinde Fachmann (20), angehende Buchbinderin: „Ein Beruf mit Perspektive“

Ein Portrait-Foto von Heidelinde Fachmann.

Heidelinde Fachmann

Foto: privat

Mein Vater ist Akkordeon-Bauer, meine Tante Weberin, meine beiden Brüder arbeiten als Zimmermann und Tischler – der Blick auf unsere Familie zeigt, wie sehr wir alle uns für das kreative Handwerk begeistern. Als ich ein Kind war, besuchten wir darum häufig Kunst-Märkte, wo ich das erste Mal auf den Beruf des Buchbinders stieß und gleich fasziniert war.

Nachdem ich eine Reihe von Praktika in diesem Bereich gemacht hatte, bewarb ich mich nach dem Abitur bei verschiedenen Buchbindereien nahe meiner Heimatstadt Lüneburg. In einer Hamburger Buchbinderei konnte ich mich gegen eine Handvoll Mitbewerberinnen durchsetzen, nachdem ich dort eine Woche zur Probe gearbeitet und bewiesen hatte, dass ich ins Team passe.

Mit meiner Tätigkeit habe ich mir einen Traum erfüllt – einen, den ich noch lange ausleben werde, da bin ich mir sicher: Während Industriebücher immer mehr durch E-Books verdrängt werden, haben wir mehr als genug zu tun, denn wir stellen Unikate wie Hochzeits- oder Gästebücher her, die unsere Kunden über Jahrzehnte begleiten und schaffen so etwas für die Ewigkeit.

>> Mehr zum Beruf der Buchbinderin 

Felix Kühnert (23), Büchsenmacher: „Handwerk mit Präzision und Verantwortungsgefühl“

Ein Portrait-Foto von Felix Kühnert.

Felix Kühnert

Foto: privat

Vom Beruf des Büchsenmachers hörte ich das erste Mal in meinem Sportschützenverein in meiner Heimatstadt Berlin. Mich begeisterte die Aussicht, mit meinen eigenen Händen etwas bauen zu können. Die Vorstellung, einen Gegenstand quasi aus dem Nichts zu zaubern, aus einem Stück Holz, einem Stück Stahl, nur mit Hilfe des Werkzeugs, der nötigen Fachkenntnis und entsprechendem Geschick ein funktionierendes Gewehr zu machen, fand ich beeindruckend.

Für meine Ausbildung zog ich nach Suhl in Thüringen. Dort lernte ich bei einem Sport- und Jagdwaffenhersteller und besuchte im Ort die Berufsschule. Mein Abitur war dabei viel wert, denn ich brachte wichtige Grundkenntnisse für den Unterricht mit, gerade in den Bereichen Mathe und Physik.

Neben dem theoretischen Wissen geht es in meinem Beruf vor allem um Präzision und Genauigkeit: Die Arbeit muss perfekt ausgeführt werden, schließlich trägt man Verantwortung dafür, dass das Gewehr gefahrlos vom Schützen genutzt werden kann.

Meine Ausbildung bietet mir sehr viele Möglichkeiten: Momentan kümmere ich mich in meiner Firma um den Vertrieb, ich kann mir aber auch vorstellen, eines Tages einige Zeit im Ausland zu arbeiten: Gerade in den USA sind deutsche Büchsenmacher und ihre Handwerkskunst sehr gefragt.

>> Mehr zum Beruf des Büchsenmachers 

Natascha Schmidt (26), Sattler-Gesellin: „Mein Bauchgefühl riet mir zur Ausbildung“

Ein Portrait-Foto von Natascha Schmidt.

Natascha Schmidt

Foto: privat

Schon als Kind und Jugendliche habe ich meine Zeit gerne mit Basteln, Häkeln, Malen und Holzarbeiten verbracht und konnte mir nie vorstellen, einen Beruf auszuüben, der mich an den Schreibtisch kettet. Da lag es nahe, eines Tages ein Handwerk zu erlernen. Trotzdem fiel mir die Entscheidung zunächst nicht leicht. Mein Herz sagte: „Ja“, doch mein Umfeld riet mir zum Studium.

Schließlich hatte ich das Abitur in der Tasche. Fast hätte ich mich für Jura eingeschrieben, aber am Ende siegte mein Bauchgefühl. Rückblickend ein großes Glück: Der Beruf der Sattlerin ist kreativ und erfüllt mich mit großer Freude, ich gehe jeden Tag immer wieder gerne in unseren kleinen Zwei-Frau-Betrieb und stelle von Handtaschen und Gürteln über Verkleidungen für Lenkräder bis hin zu Flip-Flops und Würfelbechern alles her, was man aus Leder machen kann. So eine Abwechslung hätte ich als Juristin sicherlich nicht gehabt.

Tatsächlich drücke ich aber gerade noch mal die Schulbank: Ende des Jahres habe ich meinen Abschluss als Meisterin in der Tasche.

>> Mehr zum Beruf der Sattlerin 

abi>> 05.07.2019