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Zurück auf die Schulbank

Junger Krankenpfleger hilft einer Patientin mit einer Gehhilfe bei Wiedererlernen des Gehens.
Eine schulische Ausbildung bedeutet nicht, dass nur Theorie gepaukt wird. Dank vieler Praxiseinsätze lernen die Auszubildenden auch den Berufsalltag kennen.
Foto: Julien Fertl

Schulische Ausbildungen – Hintergrund

Zurück auf die Schulbank

Die meisten Berufe lernt man im Betrieb, aber einige Ausbildungen werden auch in schulischer Form angeboten. Das bedeutet aber keineswegs, dass die Auszubildenden nur die Theorie erlernen – in der Regel gibt es viele Praxisteile und praktische Übungen an den Schulen.

Für einen schulischen Ausbildungsberuf hat sich auch Julian Balser entschieden. Anfang 2017 hat er die dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) abgeschlossen. Nach dem Examen wurde er von der zugehörigen Klinik übernommen und arbeitet dort nun im Fachbereich Onkologie. Für ihn war es eine Alternative zum Medizinstudium. „Da hätte ich eine lange Wartezeit gehabt. Außerdem hatte ich nach dem Abitur bereits begonnen, Geschichte und Politik zu studieren, und dabei festgestellt, dass ich lieber eine praxisnahe Ausbildung im medizinischen Bereich machen möchte“, erklärt der 29-Jährige.

Arbeitsbereich Onkologie

Ein Porträt-Foto von Julian Balser

Julian Balser

Foto: privat

An der Pflegeschule sind Theorie und Praxis in diesem Fall gleich gewichtet: Die Hälfte der Ausbildungszeit verläuft im Klinikum. „Dort habe ich alle Fachbereiche durchlaufen, auch die Onkologie, in der ich jetzt arbeite.“ Finanziell passte es auch, denn die schulische Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger wird vergütet, Schulgebühren entfallen.

In der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation kümmert sich Julian Balser um an Krebs erkrankte Patienten. Der Pfleger versorgt Bestrahlungsfelder und Wunden, vergibt Medikamente nach ärztlicher Vorgabe, assistiert bei Chemo- und Bestrahlungstherapien und führt viele Gespräche. Die psychosoziale Betreuung ist besonders wichtig, weil viele der Patienten unheilbar erkrankt sind. „Ich möchte dazu beitragen, dass sie es in der letzten Zeit so schön wie möglich haben“, erklärt Julian Balser. Langfristig könnte er sich vorstellen, auf die Palliativstation der MHH zu wechseln, um sich noch mehr um Patienten zu kümmern, die im Sterben liegen. „Dort sind aber einige Jahre Berufserfahrung Voraussetzung, die ich nun sammeln möchte.“

Dual und schulisch: die Unterschiede

Ein Porträt-Foto von Susanne Schmitz

Susanne Schmitz

Foto: privat

Eine Vielzahl an schulischen Ausbildungsberufen findet sich im Gesundheitsbereich. Darunter fallen neben dem Gesundheits- und Krankenpfleger auch der Physiotherapeut, Ergotherapeut, Altenpfleger oder Logopäde. Doch auch andere Berufsfelder bieten schulische Ausbildungen. Dazu zählen die technischen Assistentenberufe in den Naturwissenschaften, wie etwa der Pharmazeutisch-technische Assistent (PTA), Medizinisch-technische Assistent (MTA) oder Chemisch-technische Assistent (CTA). „Ein weiterer Bereich sind die Fremdsprachen“, ergänzt Susanne Schmitz, Beraterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Rheine und Steinfurt. „Zum Beispiel wird die Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten an Berufsfachschulen durchgeführt.“ Ein Sonderfall ist die Ausbildung zum Erzieher, weil sie je nach Bildungsgang nicht als Aus-, sondern als Weiterbildung eingestuft wird. Die Schule nennt sich dann nicht Berufsfachschule, sondern Fachschule.

Die Ausbildungsexpertin erklärt den Unterschied zwischen dem schulischen und dem dualen Ausbildungssystem: „Bei einer dualen Ausbildung verbringt man die meiste Zeit in einem Betrieb und hat ergänzend dazu Unterricht an der Berufsschule. Eine schulische Ausbildung erfolgt dagegen in Vollzeit an einer Berufsfachschule mit ergänzenden Praxisphasen.“ (Lies dazu auch das abi>> Coaching „Duale oder schulische Ausbildung.) Susanne Schmitz verweist dabei auf eine Ausnahme: „Bei schulischen Ausbildungen im Gesundheitswesen sind die Praxisanteile größer. Hier wechselt sich die Theorie mit Praxisphasen in verschiedenen Einrichtungen wie zum Beispiel Kliniken ab.“

Bei manchen schulischen Ausbildungen gibt es eine Ausbildungsvergütung, etwa bei den Gesundheits- und Krankenpflegern oder bei den Operationstechnischen Assistenten. „Meist ist dies jedoch nicht der Fall“, sagt Susanne Schmitz. „Im Gegenteil, bei vielen schulischen Ausbildungen zahlt man Schulgeld, zumal es in diesem Bereich auch viele private Anbieter gibt. Entsprechend kann die Höhe schwanken, teils sind es bis zu 600 Euro monatlich.“ Sie weist auch darauf hin, dass bei schulischen Ausbildungen Schüler-BAföG beantragt werden kann, das nicht zurückgezahlt werden muss.

Regionale Besonderheiten berücksichtigen

Wer sich für eine schulische Ausbildung entscheidet, sollte sich bewusst sein, dass er noch einmal einige Jahre die Schulbank drücken muss. „Wer überwiegend theoretisches Lernen nicht mag, ist in einer betrieblichen Ausbildung vielleicht besser aufgehoben“, meint die Berufsberaterin. Besonders in den Gesundheitsberufen besteht derzeit ein Trend zur Akademisierung. So werden im Bereich Pflege und Therapie zunehmend auch Studiengänge angeboten. Beispielsweise Logopädie, Physio- oder Ergotherapie.

Die Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten sind nach einer schulischen Ausbildung ähnlich wie bei einer dualen Ausbildung. Analog hat man Zugang zu Aufstiegsweiterbildungen, wie etwa Betriebswirt oder Techniker. „Manche Abiturienten nutzen die schulische Ausbildung auch als Vorbereitung auf ein artverwandtes Studium. So kann die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger eine gute Grundlage für ein Medizinstudium bilden“, ergänzt Susanne Schmitz.

Zu beachten ist auch, dass die schulischen Ausbildungen überwiegend landesrechtlich geregelt sind und es daher in den einzelnen Bundesländern Unterschiede geben kann – auch bezüglich der übergreifenden Anerkennung. „Hier können wir bei den Agenturen für Arbeit weiterhelfen, da wir das bundesweite Schulangebot mit landestypischen oder regionalen Besonderheiten berücksichtigen können“, ergänzt Susanne Schmitz. So ist zum Beispiel die schulische Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten in Nordrhein-Westfalen und in Sachsen-Anhalt landesrechtlich geregelt und kann sich unter Umständen von der Ausbildung in den anderen Bundesländern unterscheiden.

Für den gelungenen Berufseinstieg nach einer schulischen Ausbildung hat sie einen Tipp: „In den Praxisphasen oder Praktika sollten die Schüler unbedingt Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen und pflegen. Das erweist sich oft als Vorteil bei der Stellensuche.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Kultusministerkonferenz (KMK)

Infos zu Hochschulreformen, weiterführende Links zu staatlichen Stellen, wissenschaftlichen Gremien und internationalen Organisationen
www.kmk.org

abi>> 15.05.2017

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