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Von der Baustelle zum Abi

Arbeiten in einer Schreinerei
Nach einem Tag auf der Baustelle büffelt Valentina Baumgartner am Abend oft noch für ihre Fachhochschulreife.
Foto: Julien Fertl

BerufsAbitur – Erfahrungsbericht

Von der Baustelle zum Abi

Ein Handwerk erlernen und gleichzeitig das Abitur machen: Das ist mit dem sogenannten BerufsAbitur möglich. Valentina Baumgartner hat sich für diesen ambitionierten Weg entschieden. Die 20-Jährige macht in Oberbayern eine Ausbildung zur Schreinerin und büffelt nach Feierabend noch für ihre Fachhochschulreife. Für abi» berichtet sie von den Herausforderungen und den Chancen, die das Modell eröffnet.

Mein Ziel ist es, zu studieren, aber ich wollte immer auch einen Beruf erlernen – zur Sicherheit, damit ich, falls mir ein Studium nicht zusagt, etwas in der Hand habe, damit ich arbeiten und Geld verdienen kann und das am liebsten in einem handwerklichen Beruf. Das Modell BerufsAbitur passt also sehr gut zu meinen Plänen. Ich hatte zunächst versucht, das Abitur am Gymnasium zu machen, habe aber die Mathe-Klausur und auch die Nachprüfung nicht geschafft. Ich habe ziemlich viel Prüfungsangst, zudem liegt mir Mathe nicht so sehr.

Freitagnachmittags in die Schule

Ich bin jetzt im zweiten Jahr meiner Ausbildung zur Schreinerin, die ich in einem Betrieb in Teisendorf im Berchtesgadener Land mache. Daneben besuche ich – wie bei jeder dualen Ausbildung üblich – einmal in der Woche die Berufsschule. Das Besondere: Freitagnachmittags habe ich nochmal Unterricht. Von 14.45 Uhr bis 19.30 Uhr werden wir auf die Fachhochschulreife vorbereitet. Auf dem Stundenplan stehen Deutsch, Englisch und Mathe als Hauptfächer. Nebenfächer sind Gesellschaftswissenschaften im ersten Jahr, danach Technik. Hätten wir eine zweite Fremdsprache, könnten wir auch die allgemeine Hochschulreife erlangen.

Porträtbild von Valentina Baumgartner

Valentina Baumgartner

Foto: privat

Wir, das sind zirka 20 Auszubildende aus verschiedenen Berufsfeldern. Zukünftige Steuerfachangestellte, Kraftfahrzeugmechatroniker und Bürokaufleute sind zum Beispiel dabei. Anfangs war die Klasse größer, aber nicht alle wollten nach dem ersten halben Jahr, das extra zum Schnuppern gedacht ist, weitermachen. Einige haben sich dagegen entschieden, weil es ihnen zu viel war. Es ist auch wirklich anstrengend. Schließlich gehen wir in die Schule, nachdem wir vorher schon den ganzen Tag gearbeitet haben.

Geduld, Ehrgeiz und Disziplin

Einmal im Monat haben wir zudem samstags Unterricht. Das ist schon hart, schließlich ist ja eigentlich Wochenende. Und man muss nach der Arbeit noch lernen – manchmal auch dann, wenn man erst abends von einer Baustelle nach Hause kommt. Aber mein Chef unterstützt mich beim BerufsAbitur. Er achtet zum Beispiel darauf, dass ich freitags zeitig zur Schule komme, auch, wenn es eigentlich noch etwas zu tun gibt. Und falls wir mal an einem Samstag zur Baustelle müssen, fragt er immer erst nach, ob ich kann.

Anfangs dachte ich noch: „Ich mach das Abi mal eben nebenbei.“ Das funktioniert so natürlich nicht … Man braucht auf jeden Fall Ehrgeiz, Disziplin und Geduld mit sich selbst. Der große Vorteil ist die kleine Klasse, vor allem in Mathe. Hier sind wir nochmal aufgeteilt in eine technische und eine nichttechnische Gruppe. So hat unser Lehrer viel Zeit, um einzeln auf uns einzugehen. Wir können viele Fragen stellen und er erklärt uns alles sehr genau. Und das klappt super: In der letzten Arbeit hatte ich eine Zwei!

Viele Zukunftswege

Nach drei Ausbildungsjahren erhalte ich, wenn alle Prüfungen bestanden sind, meinen Gesellenbrief und meine Bescheinigung über den Erwerb der Fachhochschulreife. Danach hat man mehrere Möglichkeiten: Man kann in seinem Beruf arbeiten und die Meisterprüfung machen, oder man studiert an einer Fachhochschule. Mein Traum wäre es, Design oder Architektur zu studieren. Was ich ebenfalls spannend finde ist Holztechnik mit dem Abschluss Berufsschullehramt. Und wer weiß: Vielleicht unterrichte ich dann ja auch irgendwann mal BerufsAbiturienten.

abi>> 27.02.2019

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