Mit Menschen und an Menschen arbeiten
Ursprünglich wollte Marina Odenthal (22) Medizin studieren. Aber der hohe Numerus clausus und die Aussicht auf ein sehr theoretisches Studium ließen sie ihre Pläne ändern. Mit der Ausbildung zur Ergo-therapeutin an einer Berufsfachschule in Köln fand sie genau das Richtige für ihre Interessen.
Gymnastikbälle und Co.: Marina freut sich, mit Menschen zu tun zu haben und nicht mit Computern reden zu müssen.
Foto: Jardner
„Die Ergotherapie unterstützt Menschen, deren Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist. Wir helfen dem Patienten dabei, seinen Alltag selbständig zu meistern – zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder wenn ein Kind Entwicklungsstörungen aufweist“, sagt Marina Odenthal. Sie ist überzeugt von ihrem zukünftigen Beruf. Vor allem die medizinischen Aspekte der Ausbildung haben es ihr angetan. „Dass man mit Menschen und an Menschen arbeitet, gefällt mir besonders. Es ist kein Job, bei dem man sich mit dem Computer unterhalten muss.“
Mit medizinischem Hintergrund
Nach der Schule wollte Marina Odenthal erst einmal etwas Praxisorientiertes machen. Eine Bekannte machte sie auf den Beruf Ergotherapeutin aufmerksam. Was sie darüber erfuhr, überzeugte sie. Jetzt ist Marina Odenthal im dritten Lehrjahr an der privaten Berufsfachschule DIE SCHULE. Neben den privaten Bildungsträgern bieten auch staatliche Berufsfachschulen die Ausbildung an. Es gibt aber auch die Möglichkeit, an einer Fachschule zu studieren. „Die schulische Ausbildung ist ganz anders als eine duale Ausbildung in einem Betrieb“, erzählt Marina. „Wir bekommen kein Gehalt, sondern zahlen Schulgebühren und sind nicht auf einen Betrieb konzentriert.“
Die praktischen Phasen ihrer Ausbildung absolviert die Berufsschülerin in vier dreimonatigen Praktika, die die verschiedenen ergotherapeutischen Einsatzgebiete abdecken. „Im motorisch-funktionellen Bereich findet das Praktikum meistens in einer Reha-Klinik statt. Dann gibt es ein Pädiatrie-Praktikum, also in der Kinderheilkunde. Ein Praktikum ist im psychosozialen Bereich zu absolvieren, zum Beispiel bei einer Suchtklinik oder in der Psychiatrie. Das vierte ist im arbeitstherapeutischen Bereich, zum Beispiel bei einer Behindertenwerkstatt.“ Die Praktikumsplätze müssen die angehenden Ergotherapeuten nicht selbst suchen. Die Schule kümmert sich darum, dass jeder entsprechend seiner Neigungen und in der Nähe seines Heimatortes eingesetzt wird.
Lernen in der Schule
Für den Rest der Zeit ist vor allem Schule angesagt. „Wir fangen um halb neun an und haben theoretische und praktische Fächer. Normalerweise geht der Unterricht bis 15:30 Uhr.“ Das heißt aber nicht, dass Marina Odenthal danach Freizeit hat. Für die anspruchsvolle Ausbildung muss sie auch nach der Schule Projekte oder Fallstudien bearbeiten. „Es ist viel Selbststudium dabei“, berichtet sie, „aber auch viel Gruppenarbeit.“ Über 20 Fächer muss Marina während ihrer Ausbildung bewältigen. Zum theoretischen Teil gehören die Fächer der Krankheitslehre, wo sie alles Wichtige über die verschiedenen Krankheiten lernt. Eine weitere Fächergruppe bilden die Behandlungsverfahren, wo sie erfährt, wie man die verschiedenen Krankheiten behandeln kann. Hinzu kommen praktische Fächer, in denen die Schüler therapeutische Mittel ausprobieren und erlernen.
Spezialisierung möglich
„Der Job macht mir so viel Spaß und die Berufsaussichten sind sehr gut. Deswegen möchte ich nach der Ausbildung erst mal Berufserfahrung sammeln“, sagt Marina Odenthal. Wo sie hin will, weiß sie auch schon: „Ich würde gern in einer Reha-Klinik mit Patienten mit neurologischen Störungen arbeiten.“ Die Aussicht, eigenes Geld zu verdienen und von zu Hause auszuziehen, sind weitere Anreize. „Meine Eltern haben mir schon die Ausbildung finanziert. Jetzt möchte ich erst mal selbstständig werden. Dann will ich mich spezialisieren, vielleicht eine berufsbegleitende Weiterbildung machen.“ Ihre Studienpläne hat die 22-Jährige dabei nicht aus den Augen verloren. „Ich weiß nicht, ob ich Medizin studieren werde. Aber ein berufsbegleitendes Studium, bei dem ich meine Kenntnisse aus der Ergotherapie vertiefen kann, kann ich mir sehr gut vorstellen.“


