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Kein Sprung ins kalte Wasser

Junge Frau und junger Mann sitzen nebeneinander und schauen gemeinsam in ein Tablet.
Von den Kollegen lernen: Fragen stellen und sich Arbeitsabläufe erklären lassen ist ein wichtiger Punkt in jeder Ausbildung.
Foto: Julien Fertl

Ausbildungsstart: Erfahrungsbericht

Kein Sprung ins kalte Wasser

Maria Hitzenberger (23) besucht die Berufsfachschule für Ergotherapie in Neuötting. Ihre Ausbildung dauert drei Jahre, wobei sie etwa ein Drittel der Zeit in der praktischen Ausbildung verbringt. Für abi>> denkt sie an die Anfangszeit ihrer Ausbildung zurück.

Zunächst habe ich eineinhalb Jahre die Berufsfachschule besucht, um die theoretischen Grundlagen zu lernen. Die Fächer in der Ergotherapie decken ein breites Spektrum ab, angefangen von Biologie, Anatomie über Sozialwissenschaften, Psychologie und Pädagogik bis hin zu Behandlungsverfahren der Ergotherapie. Dann gibt es noch die handwerklich-gestalterischen Fächer.

Nach den eineinhalb Jahren durchlaufen wir vier verschiedene Praxisbereiche, wobei wir auch in dieser Zeit von unseren Lehrern betreut werden. Meinen ersten fachpraktischen Einsatz hatte ich in einer Rehaklinik, die so weit entfernt von meinem Wohnort lag, dass ich vor Ort ein Zimmer brauchte. Unsere Schule hatte zum Glück vor dem Praktikumsbeginn Schnuppertage organisiert. Ich hatte also Zeit, die Klinik kennenzulernen und eine Unterkunft in einem Wohnheim zu organisieren.

Eigeninitiative gefragt

Ein Porträt-Foto von Maria Hitzenberger

Maria Hitzenberger

Foto: privat

Das Fachwissen, etwa aus der Neurologie und Orthopädie, umzusetzen, war am Anfang eine Herausforderung. Die Therapien sind eng getaktet, daher muss man sich immer schnell auf einen neuen Patienten einstellen. Bei der Organisation war von Anfang an Eigeninitiative gefragt. Ich habe selbst Ergotherapeuten angesprochen, ob ich sie begleiten darf.

Am Anfang habe ich erst einmal daneben gesessen, beobachtet, Fragen gestellt und mir viele Notizen gemacht. Ich habe Vieles erklärt bekommen und wurde dann bei der Arbeit praktisch angeleitet. Es war eine Mischung aus Zuschauen und Ausprobieren. Man merkt auch sehr schnell, wie die Therapeuten, die man begleitet, das am liebsten handhaben – ob sie mir während der Behandlung etwas erklären oder hinterher, ob sie es mögen, wenn ich Fragen gleich stelle oder warte.

Selbstsicherheit wächst mit jedem Einsatz

In den ersten zwei Wochen konnte ich mich einarbeiten und dann die ersten Patienten übernehmen. Ziel der Einzel-Ergotherapie ist es, alltagspraktische Fähigkeiten zu üben. Wir trainieren mit den Patienten zum Beispiel den Faustgriff, mit dem man nach einer Flasche greift oder auch den Pinzettengriff, den man zum Greifen kleinerer Gegenstände benötigt.

Im Vorfeld habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie das wohl laufen wird. Es gab aber keinen Moment der Unsicherheit. Die Schule hat uns schon sehr gut auf die Praxis vorbereitet, daher fühlte sich das nicht an wie ein Sprung ins kalte Wasser. Sehr hilfreich ist bei uns der familiäre Umgang unter den Ergotherapeuten. Mir wurde zum Beispiel in der Klinik gleich das „Du“ angeboten.

Meine Selbstsicherheit ist dann mit jedem Praxiseinsatz gewachsen. Nicht nur, weil ich sehe, wofür ich das theoretische Wissen brauche, sondern auch, weil ich mich persönlich weiterentwickelt habe, gelassener geworden bin und besser mit dem Alltagsstress umgehen kann.

abi>> 13.02.2017