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In Würde Abschied nehmen

Abbildung eines Grabsteins.
Bestattungsfachkräfte werden täglich mit dem Tod konfrontiert.
Foto: André Deco

Bestattungsfachkraft

In Würde Abschied nehmen

Victoria Jäger (20) hat sich für einen außergewöhnlichen Beruf entschieden: Als angehende Bestattungsfachkraft organisiert sie Trauerfeiern und wird dabei täglich mit dem Tod konfrontiert.

Mit dem Thema Tod und Sterben ist Victoria Jäger bereits früh in Berührung gekommen. Im Bestattungsunternehmen ihrer Mutter ist sie praktisch damit aufgewachsen. „Über die Jahre habe ich festgestellt, dass das ein Beruf ist, der mich interessiert und den ich ausüben möchte“, erklärt die junge Frau. Da sie einmal einen anderen Betrieb kennenlernen wollte, begann sie ihre Ausbildung 2013 in einem fremden Betrieb in Bonn.

Ein Porträt-Foto von Victoria Jäger

Victoria Jäger

Foto: Privat

In der insgesamt dreijährigen dualen Ausbildung arbeitete Victoria Jäger von Anfang an in allen Bereichen mit, vierzig Stunden pro Woche: Sie hilft bei der Vorbereitung von Trauerfeiern, holt Verstorbene ab, wäscht sie und kleidet sie an. Darüber hinaus übernimmt sie auch organisatorische Aufgaben am Schreibtisch. Neben Einfühlungsvermögen muss sie auch handwerkliches Geschick und ein Gespür für Zahlen beweisen. Dass sie manchmal auch an den Wochenenden und nachts im Einsatz ist, gehört für die Auszubildende dazu.

Trauerpsychologie und Farbenlehre

Neben der Arbeit im Betrieb stehen pro Ausbildungsjahr vier Unterrichtsblöcke an der Berufsschule Berufskolleg Bergisch Land an. Dort besucht Victoria Jäger dann zum einen altbekannte Fächer wie Deutsch, Geschichte und Sozialkunde. Darüber hinaus erlernt sie auch die Grundlagen der Trauerpsychologie, die ihr im Umgang mit den Angehörigen helfen sollen, erwirbt medizinisches Grundwissen, mit dem sie sich bei der hygienischen Versorgung Verstorbener vor Infektionen schützt und lernt die Bestattungskulturen anderer Völker und Religionen kennen. Betriebswirtschaft und Buchführung stehen ebenso auf dem Stundenplan wie gestalterische Fragestellungen. Victoria Jäger und ihre Mitschüler lernen auch, worauf sie bei der Dekoration für Trauerfeiern achten müssen, etwa auf die Bedeutung von Blumen oder Farben. „Es geht im Unterricht um viele Bereiche, an die man am Anfang vielleicht gar nicht sofort denkt“, sagt sie.

Offener Umgang mit dem Tod

Insgesamt drei Praxislehrgänge besucht Victoria Jäger zusätzlich zum Unterricht in der Berufsschule und zur Arbeit im Betrieb. Im überbetrieblichen Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt übte Victoria Jäger im ersten Lehrjahr etwa, wie sie mit Schaufel und Bagger ein Grab ausheben kann und worauf sie dabei achten muss, damit keine Unfälle passieren. „Dabei schadet es nicht, wenn man ein bisschen Kraft und Geschick mitbringt“, sagt sie. Victoria Jäger hat außerdem gelernt, wie sie einen Sarg von innen präparieren muss, damit er der Norm entspricht und schön aussieht. Im zweiten Lehrjahr besuchte die 20-Jährige ein einwöchiges Seminar zu dem Thema „Hygienische Versorgung“. Dabei hat sie ihr Wissen darüber vertieft, wie sie Verstorbene waschen, ankleiden und gegebenenfalls kosmetisch behandeln muss, damit die Hinterbliebenen in Würde von ihnen Abschied nehmen können.

Inzwischen ist Victoria Jäger im dritten Lehrjahr. Die Zwischenprüfung zur Halbzeit der Ausbildung hat sie erfolgreich hinter sich gebracht. Ein Seminar zum Thema Trauerpsychologie in Münnerstadt, vier Unterrichtsblöcke an der Berufsschule und ihre Arbeit im Betrieb stehen in diesem Jahr noch an, dann tritt sie zur Abschlussprüfung an. Dort wird sie in einer praktischen und einer theoretischen Prüfung zeigen müssen, dass sie auf ihre Arbeit als Bestattungsfachkraft vorbereitet ist.

Ist es nicht manchmal belastend, ständig mit dem Thema Tod konfrontiert zu sein? „Es gibt schon Fälle, die einem nahegehen“, sagt Victoria Jäger. Etwa dann, wenn junge Menschen sterben oder wenn jemand einen tragischen Unfall erlitten hat. „Aber solange ich das nicht in mich hineinfresse und offen darüber spreche, ist es kein Problem, damit umzugehen.“

Hier geht's zum typischen Tagesablauf

abi>> 12.11.2015