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In den prägenden Jahren begleiten

Eine junge Frau schubst Kleinkinder in einer Nestschaukel an
Auch als junge Erwachsene erinnert sich Chiara Lindert (24) noch an die wertvolle Zeit im Kindergarten zurück.
Foto: Julien Fertl

Erzieherin

In den prägenden Jahren begleiten

Erzieher spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern, und nicht selten hinterlassen sie auf Dauer Spuren im Leben eines Menschen. Auch Chiara Lindert (24) erinnerte sich als junge Erwachsene an ihre wertvolle Zeit im Kindergarten zurück – und entschied sich im zweiten Anlauf für eine Ausbildung zur Erzieherin.

Chiara Lindert ist im zweiten Ausbildungsjahr an der Fachschule für Erziehung der Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI) in Berlin. Zurzeit absolviert sie ein dreimonatiges Praktikum im Kunst- und Bildungszentrum „Die gelbe Villa“ in Berlin-Kreuzberg. Die gelbe Villa bietet Projektwochen für Schulen an sowie unterschiedliche Werkstätten und Workshops als Freizeitprogramm.

Als Praktikantin ist die 24-Jährige ein vollwertiges Mitglied im Team. Sie motiviert die Kinder und Jugendlichen, hilft bei Handgriffen oder unterstützt dabei, Entscheidungen zu treffen. „Manchmal reicht es, wenn ich eine Idee habe und sage: ‚Hey, das kannst du doch auch so gestalten“, sagt sie. „Oder wenn ich sehe, dass jemand einfach keine Lust mehr hat, ermuntere ich ihn oder sie auch, aufzuhören und etwas anderes zu machen.“

Spannende Projektarbeit

Ein Porträt-Foto von Chiara Lindert

Chiara Lindert

Foto: privat

Chiara Lindert kann sich aussuchen, in welchem Projekt und in welcher Werkstatt sie mitarbeiten möchte. Die Themen für die Grundschul-Projektwochen reichen von Kunst und Kultur über naturwissenschaftliche Themen bis hin zu gesunder Ernährung und kreativer Sprachförderung. Am Nachmittag können Kinder wählen zwischen Arbeit mit Holz, Elektronik oder Nähen, Fotografie, Töpfern, Tanz- und Theaterworkshops und vielen anderen Werkstätten. Hier steht Chiara Lindert den Kindern motivierend und unterstützend zur Seite.

Den Umgang mit Kindern und Jugendlichen und worauf es dabei ankommt, lernt die junge Frau im theoretischen aber sehr praxisorientierten Unterricht in der Berufsfachschule. „Mir gefällt sehr, dass wir in der Schule viel diskutieren und uns austauschen“, sagt Chiara Lindert. Unterrichtet wird Recht, Pädagogik und Psychologie aber auch Sport und Bewegung, Musik- und Mediengestaltung, Darstellendes Spiel und Spielmethoden sowie Krankheitsbilder. Auch der Umgang mit Gewalt wird trainiert. „Wir müssen viele Referate und Vorträge halten und uns immer wieder in Gruppen darauf vorbereiten. Es geht viel um Selbstbildung, Eigenwahrnehmung“, berichtet sie.

Viel Praxis in der Ausbildung

Im ersten Jahr ihrer Ausbildung arbeitete Chiara Lindert in einem Berliner Kinderladen mit. „Obwohl ich wusste, dass das nicht mein späteres Einsatzgebiet werden sollte, war ich begeistert davon, wie die Erzieher mit den Kindern umgehen. Ich habe dort viel gelernt, und die Erzieher haben mich immer eingebunden und zu allen Reflexionsterminen mitgenommen.“ Ihr letztes Praktikum im letzten und dritten Ausbildungsjahr will Chiara Lindert an einer deutschen Schule in Rom machen, mit der ihre Berufsfachschule eine Kooperation hat.

Eigentlich wollte Chiara Lindert gar nicht Erzieherin werden. „Meine Eltern arbeiten in erzieherischen Berufen. Ich wollte das nicht. Zuerst habe ich mich deshalb für ein Studium der ‚Gartenbaulichen Phytotechnologie‘ entschieden, aber bald gemerkt, dass das nichts für mich ist“, erzählt sie. Stattdessen begleitete sie ihren Vater zu einer Streikkundgebung für soziale Berufe – und änderte ihre Meinung. „Eine Sprecherin auf dem Podium berichtete zunächst von der fehlenden Wertschätzung für den Beruf. Aber dann bat sie uns Zuschauer, sich daran zu erinnern, wer für uns früher wichtig war.“ Chiara Lindert fielen sofort zwei Menschen ein, eine Erzieherin aus dem Kindergarten und auch ein Lehrer, der für sie sehr prägend war. Daraufhin beschloss sie, selbst Erzieherin zu werden.

Weiterführende Zukunftspläne

Später möchte Chiara Lindert mit Kindern im Grundschulalter arbeiten oder auch mit Jugendlichen. In jedem Fall möchte sich sich weiterbilden oder ein Studium anschließen. Sie kann sich zum Beispiel gut vorstellen, Theaterpädagogik zu studieren oder eine Weiterbildung zur Traumapädagogin zu absolvieren. Das einzige, was Chiara Lindert in der Ausbildung bedauert, ist der geringe Männeranteil. „Das liegt sicher auch daran, dass die Bezahlung und die Wertschätzung für diese Tätigkeit nicht besonders hoch sind und gleichzeitig die Anforderungen immer mehr steigen. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert, denn Kinder und Jugendliche brauchen dringend Männer als Vorbilder, um Geschlechterrollenbilder aufzubrechen.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

abi>> 18.02.2019