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Für Technik und Mensch ganz Ohr

Eine junge Frau stellt ein Hörgerät her.
Sowohl den Umgang mit moderner Technik als auch handwerkliche Arbeiten erlernen Auszubildende zum Hörakustiker.
Foto: Jessica Braun

Hörakustiker

Für Technik und Mensch ganz Ohr

Leonard Lipinski (26) absolviert eine duale Ausbildung zum Hörakustiker beim Hörexperten Amplifon in Hannover. Er ist begeistert von der Mischung aus Hightech, Handwerk und dem persönlichen Kontakt zu Menschen.

Der Beruf erfordert fundiertes Fachwissen. Dieses erlernt Leonard Lipinski im Ausbildungsbetrieb, im Amplifon-Fachgeschäft in Hannover, und an der Landesberufsschule für Hörakustiker Lübeck – und zwar in acht Blockeinheiten von je rund vier Wochen. In das rund 220 Kilometer entfernte Lübeck muss er reisen, weil es nur zwei Berufsschulen dieser Art in Deutschland gibt. „Ich war erst etwas skeptisch, immer wieder für ein paar Wochen nach Lübeck fahren zu müssen“, sagt der 26-Jährige. „Aber da wir alle auf dem Campus wohnen, gibt es immer die Gelegenheit, sich auszutauschen, gemeinsam zu lernen oder etwas zu unternehmen. Und es ist eine tolle Abwechslung zum Arbeitsalltag.“

Die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung übernimmt Amplifon, was jedoch nicht alle Ausbildungsbetriebe so handhaben, erzählt er. Der Stundenplan ist vollgepackt mit Fächern wie Akustik, Lärm und Hörschutz mit großen Anteilen Mathematik und Physik, Audiologie sowie Otoplastik und Hörgeräteanpassung, aber auch Betriebswirtschaftslehre und Psychologie.

Fingerspitzengefühl und Technikaffinität gefragt

Neben handwerklichem Geschick und Spaß an Technik, seien Empathie und kommunikative Fähigkeiten wichtige Voraussetzungen für den Beruf (siehe auch: „Im Dienste des guten Hörens“, es wird auf die Berufsreportage verlinkt). Der Kundenkontakt mache nämlich einen Großteil der Arbeit im Fachgeschäft aus. „Am Anfang meiner Ausbildung habe ich Service-Tätigkeiten übernommen wie Hörgeräte überprüfen und reinigen. Auch habe ich mich im Fräsen von Otoplastiken, den Ohrpassstücken, geübt und durfte bei den Hörgeräte-Anpassungen meinem Chef über die Schulter schauen“, erinnert er sich.

Inzwischen führt Leonard Lipinski selbst Hörtests und Sprachmessungen durch, passt die Hörgeräte individuell an die Bedürfnisse der Kunden an oder erklärt ihnen, wie sie ihr Hörgerät per Smartphone selbst einstellen können. Darüber hinaus kümmert sich der Azubi um Büroarbeit, stellt etwa Unterlagen für die Krankenkassen zusammen oder bestellt Hörgeräte.

Psychologisches Wissen braucht der Hörakustiker in spe im Umgang mit den Kunden: „Es gibt Menschen, die mit ihrer Hörminderung nicht unbefangen umgehen können und Berührungsängste haben. Diejenigen muss man mit viel Fingerspitzengefühl davon überzeugen, dass das Tragen eines Hörgeräts eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität bedeutet“, erzählt Leonard Lipinski.

Zu Hörgenuss verhelfen

Der Azubi im dritten Lehrjahr schwärmt von seinem künftigen Beruf: „Es ist einfach toll, welche Möglichkeiten man heutzutage mit modernen Hörgeräten hat, Menschen wieder zu mehr Hörgenuss zu verhelfen.“ Dabei kam er erst über Umwege zu seiner „Traumausbildung“, wie er sagt.

Nach dem Abitur hatte Leonard Lipinski ein Jahr in einem Kindergarten gearbeitet, dann ein Architekturstudium begonnen. „Irgendwie war das beides nicht mein Ding und so habe ich mich auf der Berufsbildungsmesse in Hannover über verschiedene Ausbildungsberufe schlau gemacht. In der Hörakustik habe ich genau das gefunden, was mir schon immer Spaß gemacht hat: handwerkliche Arbeit kombiniert mit Technik und der sozialen Komponente.“

Im Sommer 2017 muss Leonard Lipinski für die Gesellenprüfung sein Wissen und Können unter Beweis stellen. Seine Ziele für die Zeit danach: ein Jahr als fester Angestellter bei seinem Ausbildungsbetrieb arbeiten und dann den Meister machen.

Hier geht's zum typischen Tagesablauf >>

abi>> 28.12.2016