Themen

Rubrik Lehrer und Eltern


Versenden Drucken PDF
Hörgeräteakustiker

Eine gehörige Portion Feingefühl

"Es gibt sicher nur wenige Berufe, die so vielseitig sind, wie der des Hörgeräteakustikers", schwärmt Robin Hartmeyer. Der 22-Jährige absolviert gerade seine Ausbildung bei der Firma HörGut in Kiel. Inzwischen weiß er, dass neben den technischen Fertigkeiten bei der Arbeit auch viel Einfühlungsvermögen gefordert ist.

Robin Hartmeyer blickt lächelnd in die Kamera und untersucht mit einem speziellen Werkzeug das Ohr einer Kundin.

Arbeit mit Mensch und Technik. Neben technischen Fertigkeiten ist als Hörgeräteakustiker auch Einfühlungsvermögen gefragt.

Foto: HörGut

In der schalldichten Anpasskabine sitzt eine schwerhörige Dame und wartet, dass ihr künftiges Hörgerät programmiert wird. Auf einmal blinzelt die Kundin und sagt: „Jetzt rauscht das Gerät." „Das ist nur die Monitorlüftung unseres Computers", ruft Robin Hartmeyer. Aus Gewohnheit spricht er laut und deutlich.  „Warum schreien Sie mich so an", fragt die Dame den Azubi erschrocken. In dem Moment wird ihr bewusst, dass sie durch die Hörgeräte wieder viel besser hören kann. Ihrem Mann kommen vor Freude die Tränen.

Audiometrie und Otoskopie

„In solchen Augenblicken wird mir bewusst, wie wichtig unsere Arbeit ist", stellt Robin Hartmeyer fest. Seine Ausbildung begann er im August 2007 bei der Firma HörGut in Kiel. Von Filialleiterin und Hörgeräteakustiker-Meisterin Jana Schumacher wurde er nach und nach in die Hauptaufgaben eingeführt: etwa in die Audiometrie, die Durchführung von Hörtests, und die Otoskopie. „Dabei leuchte ich den Gehörgang des Kunden mit einer speziellen Lampe, dem Otoskop, aus und analysiere die Beschaffenheit des Gehörgangs", erklärt der 22-Jährige.

Werden Hörgeräte benötigt, nimmt er einen Abdruck von den Ohren und fertigt mit speziellen Silikonen individuelle Ohrpassstücke, die so genannten Otoplastiken an. In der Regel sind unauffällige gefragt. „Aber inzwischen lassen sich immer mehr Kunden ihre Plastiken mit Strasssteinen oder verschiedenen Schmuckformen designen." Abdrücke werden auch gemacht, um einen individuellen Schallschutz zu fertigen, der beispielsweise gegen den Lärm in der Diskothek oder am Schießstand hilft.

Mit Mini-Computern umgehen

„Die Kundenberatung und die Messung und Anpassung von Hör- und Zubehörsystemen stehen im Vordergrund der Ausbildung", erläutert Meisterin Jana Schumacher. „Hörsysteme sind heute Mini-Computer, die ständig weiterentwickelt werden. Das erfordert technisches Verständnis. Wichtige theoretische Themengebiete sind Anatomie, Psychologie, Akustik, Kommunikation und Verkauf." Dieses Fachwissen eignet sich Robin Hartmeyer in der Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörgeräteakustiker in Lübeck an. Hier werden angehende Hörgeräteakustiker aus dem ganzen Bundesgebiet ausgebildet. Insgesamt sind acht Blockseminare vorgesehen, die jeweils drei bis fünf Wochen dauern. Während dieser Zeit ist er im anliegenden Internat untergebracht und nutzt in seiner Freizeit verschiedene Angebote wie Ruder-, Kletter- und Badmintonkurse. Abgerundet wird seine Ausbildung durch beriebsinterne Kurse etwa zur Reparaturtechnik oder zur Otoplastikanfertigung durch erfahrene Hörgeräte-Akustiker der HörGut-Gruppe.

Robin Hartmeyer ist begeistert von seinem Beruf: „Wir arbeiten sowohl technisch und handwerklich, als auch beratend und begleitend. Entscheidend ist aber: Wir verhelfen Menschen, die teilweise schon Jahre nicht mehr richtig hören, zu neuer Lebensqualität und das ist für mich ungemein befriedigend." Die psychologische Arbeit fällt ihm allerdings nicht immer leicht, beispielsweise wenn ein Kunde einen Schicksalsschlag erlebt hat und ihm mehr Details schildert als ihm lieb ist. „Wer schlecht hört, lebt oft isoliert, weil er den Kontakt zu anderen Menschen meidet", sagt er mitfühlend. „Da ist psychologisches Gespür gefragt. Zum Glück werden wir in dem Fach ‚Psychologie-Kommunikation' auf solche Situationen vorbereitet."

Steigende Nachfrage

„Die Berufschancen auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit sehr gut", meint Jana Schumacher. „Die Bevölkerung wird immer älter und die Anzahl der Altersschwerhörigen steigt." Heute gebe es rund 14 Millionen Menschen, die von einer Hörminderung betroffen seien. Da die heutigen Hörsysteme uns viel mehr Möglichkeiten für die Anpassung bieten, steige die Akzeptanz einer Hörsystemversorgung stetig. Im Fachbetrieb sind die Absolventen häufig im Verkauf, in der Anpassung, im Labor und in der Werkstatt tätig. „Die Wirtschaft sucht außerdem regelmäßig Akustiker zum Audiodesign von Autos und Flugzeugen", ergänzt die Meisterin. Gemeint ist damit beispielsweise der Sound eines Motors. Als weitere Berufsmöglichkeiten nennt sie: „Als Audiotherapeut hat man die Chance beratend und psychologisch zu betreuen. Als Pädakustiker ist man vor allem mit der Versorgung hörgeschädigter Kinder und Babys betraut."

Der Meisterbrief sei wichtig, wenn man einen Fachbetrieb führen, Lehrlinge ausbilden und sich selbstständig machen möchte. Das ist für Robin Hartmeyer durchaus eine Überlegung Wert. „Die Arbeit als Audiotherapeut oder Pädakustiker würde mich ebenfalls reizen."

Mehr zu diesem Thema:


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:


  Erweiterte Suche

News RSS-Feeds abonnieren (Öffnet sich in neuem Fenster)

Wenige Berufe dominieren

Prädikat: empfehlenswert!

Events

Orientierungstage Rhein-Neckar

T5 JobMesse

Veranstaltungsübersicht

Links & Infos

Link zur JOBBÖRSE (öffnet sich in neuem Fenster)


Link zu KURSNET (öffnet sich in neuem Fenster)