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Mehr als nur die Pinzette reichen

Sektionstisch für Sektion mit Sektionswerkzeug vorbereiten
Kein gewöhnlicher Labor-Job: Kirsten Stranner wird jeden Tag mit dem Tod konfrontiert.
Foto: Sonja Trabandt

Medizinische Sektions- und Präparationsassistentin

Mehr als nur die Pinzette reichen

Obwohl sie fast täglich mit dem Tod konfrontiert wird, hat Kirsten Stranner (21) mit der Ausbildung zur medizinischen Sektions- und Präparationsassistentin an der Gesundheitsakademie der Charité ihre berufliche Passion gefunden.

Ist das wirklich der richtige Job für mich? Diese Frage stellte sich Kirsten Stranner in dem Augenblick, als sie das erste Mal mit dem Anblick einer Leiche konfrontiert wurde. „Bei der ersten Sektion, bei der ich zugeschaut habe, war mir doch etwas mulmig zumute und ich hoffte, dass mein Kreislauf nicht schlapp macht”, erinnert sich die 21-Jährige. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur Medizin studieren, scheiterte jedoch am Numerus clausus und entschied sich daher, die Wartezeit auf einen Studienplatz mit einer Ausbildung zur medizinischen Sektions- und Präparationsassistentin an der Gesundheitsakademie der Charité in Berlin zu überbrücken. „Den Bereich Pathologie und Rechtsmedizin fand ich schon immer spannend, und inzwischen bin ich mir sicher, dass ich in diesem Bereich arbeiten möchte“, erklärt sie.

Von Anatomie bis Fotografie

Ein Porträt-Foto von Kirsten Stranner

Kirsten Stranner

Foto: Anistan Sebastiampillai

Gerade absolviert Kirsten Stranner ein sechsmonatiges Anerkennungspraktikum am Institut für Pathologie der Charité. Dieses ist Pflicht und schließt an die sechsmonatige schulische Ausbildung (Kosten: 3.870 Euro) an, die Kirsten Stranners Eltern finanzieren. Die schulische Ausbildung gliedert sich in 17 Wochen Theorie und acht Wochen Praxis. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Anatomie, Pathologie, Physiologie, Hygiene und Fotografie. Im Praxisteil lernen die Schüler, eigenständig Sektionen durchzuführen und Präparate von Organen sowie wichtigen Arterien und Venen herzustellen. Auch die schriftliche und fotografische Dokumentation sowie die Konservierung von Präparaten gehören dazu. Am Ende folgen eine theoretische und praktische Prüfung, bei der Kirsten Stranner unter den wachsamen Augen ihres Dozenten ein Organpaket entnehmen und ein fachgerechtes Präparat von einer Arterie anfertigen musste – mit Erfolg.

Täglich neue Herausforderungen

Während des Praktikums ist vor allem selbstständiges Arbeiten gefragt: „Ich bereite morgens immer den Sektionsraum vor, indem ich zum Beispiel Instrumente bereitlege. Und ich hole die Leiche aus dem Keller. Auch daran habe ich mich inzwischen gewöhnt“, schmunzelt sie. Bei der äußeren Leichenschau und der Leichenöffnung geht Kirsten Stranner den Fachärzten zur Hand, entnimmt Organe, legt sie in spezielle Schalen auf den Präparationstisch. Die Ärzte entnehmen gegebenenfalls Gewebeproben, die später im Labor konserviert oder auf Krankheitserreger untersucht werden, um die vermutete Todesursache zu überprüfen. „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Bei jeder Sektion erfahre ich mehr über die verschiedenen Krankheiten.“

Kein Job für jedermann

Am Ende der Sektion legt die Assistentin die entnommenen Organe wieder in den Körper des Verstorbenen zurück und vernäht die Hautschnitte. Die zweite Hälfte des Tages verbringt Kirsten Stranner mit der Desinfektion und Sterilisation des Raumes, der Instrumente und Geräte sowie mit der Herstellung von Präparaten für Wissenschaft und Lehre unter Anwendung verschiedener Konservierungsverfahren. Auch administrative Aufgaben wie das Erfassen und Archivieren von Daten der Verstorbenen gehören zu ihrem Aufgabenbereich.

Der Beruf der medizinischen Sektions- und Präparationsassistentin ist definitiv kein gewöhnlicher Labor-Job: „Zwar verlangt er auch Geschicklichkeit, eine gute Auge-Hand-Koordination und Sorgfalt, allerdings ist darüber hinaus eine psychische Stabilität sehr wichtig“, weiß die 21-Jährige; sie fügt hinzu: „Es kann auch vorkommen, dass Angehörige im Büro erscheinen und wir spontan ein Abschiednehmen veranlassen müssen. Hierfür braucht es eine gewisse Reife und viel Einfühlungsvermögen. Im Rahmen eines Praktikums kann man aber herausfinden, ob diese Ausbildung wirklich zu einem passt.“

Hier geht's zum typischen Tagesablauf

abi>> 14.09.2015

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