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Von der Leiste zum fertigen Schuh

Ein junger Mann befestigt das aufgezogene und geklebte Leder eines Schuhs mit einem Tacker an den Leisten.
Wo drückt es denn? Orthopädieschuhmacher kümmern sich darum, dass der Schuh optimal sitzt.
Foto: Frank Pieth

Orthopädieschuhmacher

Von der Leiste zum fertigen Schuh

Philipp Jirka (26) hat sich für eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher in einem Meisterbetrieb in Potsdam entschieden. Um dem medizinischen und technischen Fortschritt im Bereich Orthopädie-Schuhtechnik gerecht zu werden, wurde der Ausbildungsberuf 2015 modernisiert.

Ursprünglich wollte Philipp Jirka Artist werden – als er die Ausbildung aus persönlichen Gründen nicht zu Ende bringen konnte, entschied er sich für den traditionellen Handwerksberuf des Orthopädieschuhmachers. Seit August 2015 lernt Philipp Jirka nun wie man Orthopädieschuhe individuell anfertigt oder anpasst.

Ein Porträt-Foto von Philipp Jirka

Philipp Jirka

Foto: privat

In den ersten Monaten seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung las er zunächst viel Fachliteratur, etwa wie ein Schuh aufgebaut ist und welche traditionellen Verfahren es zur Schuhherstellung gibt. Schließlich durfte er seine ersten Fußbettungen herstellen: Einlagen, die fest in orthopädische Schuhe eingebaut sind. „Auch Probeschuhe habe ich bereits gefertigt“, berichtet der 26-Jährige. Drückt hier etwas, kann man es in dieser Phase noch ausbessern. Weitere Arbeiten, die er in den nächsten Monaten lernen wird, sind unter anderem der Einlagenbau und die Herstellung von speziellen orthopädischen Elementen. „Außerdem eigne ich mir verschiedene Laminiertechniken an und lerne die Versteifungsarten mit Gießharz, Kohle- oder Glasfaser kennen“, erklärt Philipp Jirka.

Schuhe nach Maß

Der Berufsschulunterricht findet pro Ausbildungsjahr in zehn Blöcken von jeweils drei bis fünf Wochen statt. Im Rahmen des lernfeld- und projektorientierten Unterrichts lernen die Auszubildenden in kompakter Zeit 14 verschiedene Lernbereiche kennen. Lernfelder sind zum Beispiel „Orthopädische Maßschuhe herstellen und funktionsgerecht instand setzen“ oder „Abform- und Modelliertechniken anwenden und beurteilen“. Innerhalb dieser Felder sind im Vergleich zu früher der Einsatz moderner Werkstoffe und Fertigungstechniken, digitale Untersuchungs- und Messverfahren und die Beratung von Kunden und Patienten stärker ins Zentrum gerückt.

Ein Höhepunkt im fachpraktischen Unterricht ist unter anderem die Herstellung eigener Maßschuhe für jeden Auszubildenden: „Das Maßschuhprojekt ermöglicht zum Beispiel die Vertiefung anatomischer Grundlagen des Fußes“, erklärt Ursula Sengler, Berufsschullehrerin an der Landesberufsschule für Orthopädieschuhtechnik in Travemünde, die auch Philipp Jirka besucht. „Außerdem lernen sie dabei die Grundlagen des technischen Zeichnens, der Werkstoff- und Verfahrenstechnik, der Kosten- und Materialkalkulation sowie des Qualitätsmanagements kennen.“ Neu ist auch, dass es keine Zwischenprüfung mehr gibt, sondern die Note aus dem ersten Teil der Gesellenprüfung am Ende des zweiten Ausbildungsjahres in die Endnote einfließt.

Tradition mit Zukunft

„Der Beruf des Orthopädieschuhmachers verknüpft das traditionell Handwerkliche mit medizinischen Grundlagen und hat hervorragende Zukunftsperspektiven“, ist sich Ursula Senger sicher. Philipp Jirka jedenfalls freut sich auf die weitere Ausbildung. „Danach will ich erstmal als Geselle weitere Berufserfahrung sammeln“, so sein Plan.

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abi>> 11.07.2016

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