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Handwerk nah am Menschen

Eine junge Frau führt das Anlegen einer Knieorthese vor
Maßgenaue Arbeit: Orthopädetechnik-Mechaniker fertigen Prothesen und Bandagen nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten.
Foto: Helge Gerischer

Orthopädietechnik-Mechaniker

Handwerk nah am Menschen

Sebastian Roth fertigt Prothesen an, eignet sich Wissen über die menschliche Anatomie an und hat viel Kontakt mit Kunden: Der 27-Jährige absolviert das letzte Jahr seiner Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker mit Schwerpunkt Prothetik.

„Handwerkliches Arbeiten hat mir zwar schon immer Spaß gemacht. Inspiriert durch mein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport habe ich aber zunächst ein duales Bachelorstudium in Gesundheitsmanagement abgeschlossen und danach in einem Gesundheitszentrum gearbeitet“, erzählt Sebastian Roth. „Mir fehlte jedoch das Praktische.“ Er recherchierte im Internet nach Alternativen und entschied sich für die Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker. Diese absolviert er am Standort Bad Tölz der Streifeneder Unternehmensgruppe, zu der unter anderem 13 Sanitätshäuser und orthopädische Werkstätten in Bayern gehören.

Vielfältiger Ausbildungsbetrieb

Ein Porträt-Foto von Sebastian Roth

Sebastian Roth

Foto: Alfred Roth

Sein heutiger Arbeitgeber war ihm durch seine vorherige Berufstätigkeit bereits bekannt. „Mir gefiel die Vielfalt der Unternehmensbereiche von der Werkstatt bis zur Klinikbetreuung, sodass ich mich initiativ bewarb“, erinnert sich Sebastian Roth. Nach einer Woche Probearbeit begann er schließlich im Februar 2015 seine Ausbildung. Aufgrund seiner Vorbildung verkürzte sich die Ausbildungszeit von drei auf 2,5 Jahre.

In Bad Tölz kümmern sich eine Meisterin und ein Meister um die Auszubildenden. Die Ausbildungsinhalte bauen aufeinander auf. „Zunächst habe ich mit kleineren Werkstücken wie Bandagen oder Schuheinlagen angefangen. Nach und nach kamen anspruchsvolle Orthesen – also äußere Stützen für Körperteile – und schließlich Prothesen dazu. Letztere ersetzen fehlende Gliedmaßen.“

Zwischen Werkstatt und Kundenbetreuung

Je nach Auftrag unterscheiden sich die Aufgaben des Auszubildenden. „Die Kunden kommen typischerweise mit einem Rezept ihres Arztes in unseren Laden. Anhand dessen fertige ich das benötigte orthopädische Hilfsmittel an. Ich nehme zum Beispiel Gipsabdrücke von Füßen, die ich gegebenenfalls auf Besonderheiten wie Druckstellen prüfe. Manchmal halte ich Rücksprache mit dem behandelnden Mediziner.“ Die Trichterfräse ist sein wichtigstes Werkzeug: „Damit schleife ich beispielsweise eine Einlage so, dass sie genau zur Fußform eines Patienten passt.“

Sebastian Roths Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr, wenn das Ladengeschäft öffnet, und endet um 17 Uhr, freitags um 12.30 Uhr. „Ich kümmere mich um die Kunden, die in den Laden kommen, und arbeite in der Werkstatt. Außerdem besuche ich immobile Patienten vor Ort in einer benachbarten Rehabilitationsklinik.“ Etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit verbringt er im Patientenkontakt.

Darüber hinaus besucht er die Berufsschule in München. Der Unterricht findet in Blöcken mit einer Dauer von jeweils drei Wochen statt. „Dort eignen wir uns unter anderem medizinisches Wissen an. Wir lernen vieles über die menschliche Anatomie, den Muskelapparat sowie die verschiedenen Krankheitsbilder, damit wir die ärztlichen Verordnungen verstehen können.“ Dazu kommen Materialkunde und praktischer Unterricht.

Handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen

In Sebastian Roths Beruf sind verschiedene Eigenschaften von Bedeutung, etwa handwerkliches Geschick und eine hohe Frustrationstoleranz, denn nicht immer fällt ein Werkstück auf Anhieb wunschgemäß aus. Außerdem braucht der Azubi gute Kenntnisse in Mathematik sowie eine große Portion Kontaktfreude und Einfühlungsvermögen für den Umgang mit Kunden, die zum Teil schwere körperliche Behinderungen haben. Interessierten rät der 27-Jährige: „Vor der Ausbildungswahl sollte man am besten ein Praktikum in einem Orthopädiemechanik-Betrieb absolvieren, um Erwartungen und Realität abzugleichen.“

Nach seinem Gesellenabschluss möchte Sebastian Roth weiter in seinem Ausbildungsbetrieb bleiben. „Das Unternehmen bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten. Vielleicht nehme ich später die Meisterweiterbildung in Angriff. Genauso könnte ich es mir vorstellen, mein im Studium gesammeltes Wissen einzubringen.“

abi>> 02.10.2017