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Das Hobby zum Beruf machen

Ansicht der Wekhalle einer Bootsbauerei
Die Fähikgkeiten von Bootsbauern sind auch in anderen Branchen gefragt.
Foto: Thomas Schatz

Bootsbauer

Das Hobby zum Beruf machen

Mit den Händen arbeiten: Benno Diemer macht bei der Walhalla-Werft auf Rügen eine Ausbildung zum Bootsbauer. Mit dem Abschluss kann der 25-Jährige in den verschiedensten Branchen arbeiten.

Mit Booten kennt Benno Diemer sich schon lange aus: Aufgewachsen ist er auf der Insel Rügen, in seiner Freizeit segelt er oder ist mit einem Ruderboot unterwegs. „Mir war wichtig, dass auch mein Beruf etwas mit Wasser zu tun hat“, erzählt der 25-Jährige. Deswegen entschied sich der Abiturient zu einer Ausbildung als Bootsbauer der Fachrichtung „Neu-, Aus- und Umbau“.

Die Ausbildung ist in theoretische und praktische Abschnitte unterteilt: Drei Mal im Jahr besucht Benno Diemer für einen Monat eine Berufsschule. Neben Mathe, Englisch, Geschichte und Politik stehen spezielle berufsrelevante Aspekte auf dem Programm, darunter das Erstellen einfacher Baupläne. „In den extra dafür eingerichteten Werkstätten haben wir außerdem Grundlagen gelernt, etwa wie man Holz auswählt, Werkzeuge richtig benutzt und verschiedene Materialien verarbeitet.“ Später gehörte auch das Bedienen von Maschinen wie Kreis- oder Bandsägen zum Unterricht.

Defekte Planken und kaputte Kojen

Ein Porträt-Foto von Benno Diemer

Benno Diemer

Foto: Sebastian Kartheuser

In den schulfreien Monaten ist der Azubi in der kleinen Walhalla-Werft tätig, einem Zwei-Mann-Betrieb. Die Aufgaben dort können je nach Auftragslage ganz unterschiedlich sein. Im Winter zum Beispiel bringen viele Besitzer ihre Boote ins Winterlager und lassen sie in dieser Zeit warten und reparieren. „Das sind meist Folkeboote, also Segelboote wie sie auf der Ostsee typisch sind“, erzählt Benno Diemer. Manchmal muss dabei eine Planke erneuert werden, manchmal etwas an Deck oder in den Kajüten.

Aber auch im Frühling und Sommer stehen Reparaturen an. Dann entfernt Benno Diemer zum Beispiel kaputte Planken, nimmt Maß für neue und sägt diese zurecht. Ähnliches gilt für defekte Masten und kaputte Kojen. „Ich schleife die Ersatzteile erst an der Werkbank und schaue dann, ob sie richtig passen. Wenn nicht, muss ich sie anpassen, bis es millimetergenau stimmt“, erklärt er. Seit einigen Monaten liegt außerdem ein alter Jollenkreuzer in der Werft, der komplett restauriert wird. „Da hat sich einiges verzogen oder ist kaputt. Das Boot haben wir erst völlig entkernt und bauen es jetzt Stück für Stück wieder zusammen.“

Reparaturen im Hafen

Meist arbeiten Benno Diemer und sein Chef in ihrer Werft. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Boote noch in einem Hafen liegen und lediglich kleine Reparaturen benötigen. „Wenn das nur ein paar Tage dauert, bringen wir sie nicht in die Werft, sondern erledigen das direkt vor Ort.“ Dafür müssen sie dann ihre Werkzeuge und alle benötigten Materialien zum Hafen mitnehmen.

Warum Benno Diemer sich für diese Ausbildung entschied? „Ich habe gemerkt, dass ich praktisch und mit meinen Händen arbeiten möchte“, sagt er. Dabei suchte er eine Ausbildung, die handwerklich anspruchsvoll ist. Bei einer Werft in Wiek auf Rügen entdeckte er eine Ausschreibung für einen Ausbildungsplatz. Er bewarb sich mit einem Anschreiben und Lebenslauf, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und kam eine Woche zum Probearbeiten. Das lief gut, und wenig später, im August 2014, begann er seine Ausbildung. Im Februar dieses Jahres wechselte er den Ausbildungsbetrieb und arbeitet nun bei der Walhalla-Werft.

Das Ziel: an Land bleiben

Während der Ausbildung bekommt der 25-Jährige nur einen relativ geringen Lohn: „Im zweiten Lehrjahr sind es 420 Euro brutto pro Monat.“ Das ist nicht viel, zumal die Berufsschule im schleswig-holsteinischen Priwall liegt und Benno Diemer seine Unterkunft dort selbst bezahlen muss. „Ich habe glücklicherweise etwas gespart, deswegen geht es trotzdem“, erklärt er.

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre; Anfang 2018 müsste Benno Diemer fertig sein. „Das ist noch weit weg“, sagt er. „Ich habe mir noch keine Gedanken über die Zeit danach gemacht.“ Mit seiner Ausbildung könnte er später in einer Werft arbeiten. Bootsbauer werden aber auch in anderen Branchen wie der Automobilindustrie oder Windbranche engagiert. „Eins ist sicher: Ich möchte auf alle Fälle an Land bleiben.“

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abi>> 19.09.2016

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