Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Chef über Tausende PS

Junge Frau in Bahnuniform bedient und fährt einen Personenzug
Angehende Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport lernen, wie man einen Zug steuert.
Foto: Martin Rehm

Eisenbahner im Betriebsdienst – Lokführer und Transport

Chef über Tausende PS

Etwas bewegen und Verantwortung tragen: Das macht Matthias Markgraf (20) täglich. In seiner Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer/Transport lernt er unter anderem, wie man einen Zug steuert.

Der Fahrerstand von Matthias Markgraf unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht stark vom Cockpit eines Flugzeugs: Hebel, Schalter, Knöpfe, diverse Anzeigen etwa für Motorleistung oder Fahrpläne sind zu sehen. Doch der 20-Jährige fliegt nicht über den Wolken, sondern fährt durch bayerische Landschaften. Er befindet sich in seinem zweiten von insgesamt drei Ausbildungsjahren. Ob er als Abiturient die Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzen kann, hängt von seiner Zwischenprüfung und einer Beurteilung seines Arbeitgebers ab.

Dass er nach dem Abitur Lokführer werden wollte, war keine Überraschung: „Ich bin in der Nähe einer Bahnanlage aufgewachsen und hatte schon immer Interesse am Bahnbetrieb.“ Zwar werden Lokführer gesucht, aber eine Hürde muss zuvor jeder nehmen: es gilt, einen Einstellungstest und eine medizinische Erstuntersuchung zu absolvieren. Dabei werden unter anderem das Reaktionsvermögen und die Wahrnehmungsfähigkeit sowie das Verantwortungsbewusstsein getestet. Er bestand alle Tests.

Lieber ländlich als bundesweit

Ein Porträt-Foto von Matthias Markgraf

Matthias Markgraf

Foto: privat

Zur DB gehören unterschiedliche Verkehrsunternehmen: „Je nachdem, ob man im Güterverkehr (DB Cargo), bei der S-Bahn, im Fern- oder Regionalverkehr fahren möchte, unterschreibt man einen Ausbildungsvertrag bei der entsprechenden Gesellschaft“, erklärt Matthias Markgraf.

Er hatte sich bei der DB Regio beworben, weil er gerne ländliche Strecken fahren möchte. Nach seinem Abschluss wird der 20-Jährige weiter in seiner Heimatregion im Streckennetz Garmisch eingesetzt – so wie er es sich wünscht. Anders als im Fernverkehr kann er im Regionalverkehr nach der Schicht zu Hause sein: „Andere wollen lieber viele Städte kennenlernen und was sehen von Deutschland. Ich fahre durch eine Landschaft mit Bergblick, durch eine Region, in der andere Urlaub machen.“ An seine erste Fahrt von Murnau nach Oberammergau kann er sich noch sehr gut erinnern: „Das vergisst man so schnell nicht. Es war ein tolles Gefühl!“ Der Zug hatte 1.500 PS und wog über 300 Tonnen. Trotz aller Euphorie ist Sicherheit das Wichtigste: „Schließlich trage ich die Verantwortung für die Fahrgäste.“

Eintauchen in einen eigenen Kosmos

Die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst (EiB) findet im Betrieb, in der Schule und im DB Ausbildungszentrum in Aubing statt, wo die angehenden Lokführer in einem Simulator auch Trockenübungen absolvieren können. Natürlich fährt er auch auf richtigen Strecken, allerdings keine Nachtschichten. Das wird nach der Ausbildung sicherlich anders werden, schließlich fährt die Bahn 24 Stunden am Tag. Zu Beginn lernen die EiB erst einmal alle Fachbegriffe kennen, etwa Pendel 1, Trasse, Haltestelle, Haltepunkt. Hinzukommen die Signale: „Das ist eine Welt für sich“, weiß Matthias Markgraf inzwischen. „Aber allein aus Sicherheitsgründen ist es Grundvoraussetzung, dass man das Vokabular und die Betriebsabläufe beherrscht.“

Da die Züge immer von zwei Personen gesteuert werden, vom Lokführer im Zug und vom Fahrdienstleiter, der Weichen stellt und Signale setzt, schnuppert jeder Auszubildende auch in die berufliche Welt des anderen rein. Dann kommen die technischen Details: Wie ist ein Triebwagen aufgebaut, welche Baureihen gibt es? „Wenn man einmal weiß, welche Bauteile in einer Lokomotive stecken, betrachtet man sie mit ganz anderen Augen“, resümiert der Auszubildende.

Es gibt verschiedene Baureihen, für die die Fahrer eine sogenannte „Baureihenbefähigung“ benötigen. In der Ausbildung absolviert Matthias Markgraf zunächst einen Triebfahrzeugführerschein – eine Grundausbildung für zwei Baureihen.

Die Lok ist das eine, die Strecke das andere. Auch hier müssen die Fahrer eine Streckenkunde absolvieren: „Man fährt erst zwei bis drei Wochen mit, um eine Strecke kennenzulernen.“ Was ebenfalls in der Ausbildung intensiv trainiert wird, ist das Reagieren in Stresssituationen: „Wenn man irgendwo auf der Strecke stehenbleibt, muss man wissen, was im Störungsfall zu tun ist.“

Hier geht's zum typischen Tagesablauf >>

abi>> 20.08.2018