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Wenn Präzision auf Handwerkskunst trifft

Biegen von Draht-, Halte- und Stützelementen an kieferorthopädischem Gerät.
Zwei linke Hände sollte man als Zahntechniker nicht haben.
Foto: Friso Gentsch

Zahntechniker

Wenn Präzision auf Handwerkskunst trifft

Lars Anzuch (20) bastelte schon als Kind in der Heimwerker-Werkstatt seines Großvaters. Heute lebt er diese Leidenschaft beruflich aus: als Auszubildender zum Zahntechniker. Hier kommt es vor allem auf Fingerfertigkeit, Geduld und genaues Arbeiten an.

Handwerklich zu arbeiten, das konnte Lars Anzuch sich schon als Kind sehr gut vorstellen. „Mein Opa hatte eine Werkstatt, in der ich oft begeistert geholfen habe”, erinnert sich der gebürtige Berliner.

Ein Porträt-Foto von Lars Anzuch

Lars Anzuch

Foto: Privat

Rund 15 Jahre später hat er diese Begeisterung zum Beruf gemacht und in einem zahntechnischen Labor in Köln seine Ausbildung begonnen. Bevor er den Ausbildungsplatz bekam, musste er seinen zukünftigen Vorgesetzten in einem einwöchigen Praktikum beweisen, dass er für den Job geeignet ist. Unter anderem musste er aus einer Bimsstein-Gipsmischung eine möglichst perfekte Kopie eines Zahns anfertigen sowie aus einem Draht einen Buchstaben biegen. Denn auch wenn immer häufiger moderne Technik zum Einsatz kommt – beispielsweise kann der Zahnersatz am Computer mit Hilfe einer speziellen Software konstruiert und später in einem externen Fräszentrum gefräst werden –, der Großteil der Tätigkeit ist nach wie vor Handarbeit.

Präzises Arbeiten unter Zeitdruck

„Und zwar sehr filigrane", weiß Lars Anzuch. „Zwei linke Hände sollte man als Zahntechniker definitiv nicht haben.“

Der Umgang mit den verschiedenen Werkstoffen, mit Keramik, Metall und Kunststoff, mit kleinen Gegenständen wie Kronen, aber auch mit Werkzeugen wie Pinsel, Zangen oder Modellierinstrumenten erfordert Präzision und höchste Konzentration. Den natürlichen Zahn exakt zu kopieren, ist der Anspruch, dem Lars Anzuch und seine Kollegen sich jeden Tag stellen. „Dabei müssen wir die Aufträge zügig erledigen“, sagt Lars Anzuch, „denn der Zahnarzt braucht den Zahnersatz oft in allerkürzester Zeit. Daher muss ich in der Lage sein, unter Druck zu arbeiten.“

Neben der Praxis im Labor lernt Lars Anzuch einmal in der Woche in der Berufsschule unter anderem alles über den Aufbau des Kiefers und darüber, welche Auswirkungen Zahnersatz auf den Kiefer haben kann. Daneben stehen Werkstoffkunde und das Thema Wirtschaft mit Schwerpunkten wie Vertragslehre auf dem Stundenplan: „Schließlich müssen wir auch wissen, welche Rechte und Pflichten wir haben, wenn wir einen Auftrag vom Zahnarzt übernehmen.” Hinzu kommen mehrtägige überbetriebliche Lehrgänge, die vor allem dazu dienen, das praktische Arbeiten zu üben.

Vorteile für ein Studium

Regelmäßig wird das Wissen aus dem Berufsschulunterricht in Arbeiten abgefragt, in die Endnote fließen die Ergebnisse der Tests allerdings nicht ein. Um die Gesellenprüfung zu bestehen, muss der Auszubildende am Ende noch einmal in einem Theorie- und Praxistest zeigen, was er in den vergangenen Jahren gelernt hat: „Unter anderem müssen wir einen Modellguss anfertigen sowie eine Verblendung und eine Brücke herstellen.“

Nächstes Jahr wird Lars Anzuch die Ausbildung abschließen, als Abiturient konnte er sie um zwölf Monate auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Der 20-Jährige könnte sich vorstellen, ein Zahnmedizinstudium anzuschließen: „Mit dem praktischen Wissen, das ich bisher sammeln konnte, hätte ich bestimmt an der Universität einige Vorteile.“

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abi>> 21.08.2015

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