2009 hat sie die Ausbildung bei der Unternehmensgruppe VK Mühlen AG in Hamburg begonnen, deren Mühlen Weizen, Roggen, Dinkel und Mais zu Mehl mahlen. Das gelangt im Norden über die Marke „Aurora“ oder in Süddeutschland als „Rosenmehl“ in die Supermarktregale, wird zum größten Teil aber von der Lebensmittelindustrie abgenommen und an den zentralen Einkauf der Bäcker geliefert. „Mir ist wichtig“, sagt Ekaterina Weismann, die in Moskau geboren und mit sechs Jahren nach Deutschland gekommen ist, „dass ich in einem Unternehmen arbeite, das etwas Lebenswichtiges herstellt. Mit unseren Produkten sichern wir einen Großteil der Ernährung unserer Kunden.“
Einblick in alle Abteilungen
Schon in der Schule war ihr während der Berufsorientierungswochen klar geworden, dass sie in den kaufmännischen Bereich möchte, weil sie sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, allerdings eine Ausbildung dem Studium vorzieht – vor allem wegen der praktischen Anteile. Sie hat sich bei verschiedenen Unternehmen beworben und sich für VK Mühlen entschieden: „Es gibt hier ganz viele Abteilungen, man bekommt während der Ausbildung einen tollen Überblick und kann herausfinden, was einem am besten liegt“, meint Ekaterina Weismann.
Ihre erste Station war die Auftragsannahme des Tochterunternehmens Aurora Mühlen GmbH. „Dort hat man direkten Kundenkontakt und lernt bei der Auftragsbearbeitung ganz automatisch all unsere Produkte kennen.“ Auch die Postverteilung gehörte zu ihren Aufgaben – ein weiterer Baustein, der ihr geholfen hat, das Unternehmen, die Abteilungen und Mitarbeiter kennenzulernen. Danach war sie im Getreideeinkauf. Der Rohstoff wird per Schiff oder Lkw bei VK Mühlen angeliefert, die Kaufleute aber arbeiten natürlich am Schreibtisch damit. Ekaterina Weismann kümmerte sich auch um den Verkauf der sogenannten Nachmühlenprodukte. Hierzu gehört zum Beispiel Kleie, die an Tierfutterhersteller geht.
Außerdem war die 22-Jährige beim Tochterunternehmen KFI, der Kampffmeyer Food Innovation GmbH, eingesetzt und hat dort den Vertrieb von innen kennengelernt – inklusive der Erstellung von Exportpapieren für Mehl, Kleie und Co. Sie hat im Marketing viel über Imagewerbung erfahren und Rezeptpostkarten erstellt, war in der Buchhaltung und hat in der Personalabteilung unter anderem die nächste Azubi-Generation ausgewählt.
Tagesgeschäft statt Kaffeekochen
13 angehende Industriekaufleute gehören zu den über 1.000 Beschäftigten der VK Mühlen AG. „Hier ist man als Azubi nicht fürs Kopieren und Kaffeekochen zuständig“, sagt Ekaterina Weismann, die wie alle Auszubildenden nach kurzer Einarbeitungszeit ins jeweilige Tagesgeschäft eingebunden wird. Aktuell ist sie im Controlling eingesetzt und erstellt mit ihren Kollegen gerade den Monatsabschluss. Ihre Aufgabe heute: Die Ermittlung ungedeckter Forderungen. Aus einer Liste der Kunden muss sie diejenigen heraussuchen, die noch nicht gezahlt haben und deren Einkaufsvolumen eine bestimmte Summe übersteigt.
Das verlangt Sorgfalt und eine Prise detektivisches Gespür. Der angehenden Industriekauffrau liegt diese Tätigkeit, sie kann sich vorstellen, „auch in zehn Jahren“ noch hier zu arbeiten. Aber zunächst will sie ihre Ausbildung abschließen. Weil sie diese dank Abi von den üblichen drei auf zweieinhalb Jahre verkürzen konnte, dauert es nicht mehr lange. Und dann ein Studium? Ekaterina Weismann schüttelt den Kopf, denn sie hat gute Chancen, nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden. Dann will sie sich nebenberuflich fortbilden. Dass ein Studium nicht unbedingt notwendig ist, zeigt das Beispiel der Kollegen: Viele Abteilungsleiter bei VK Mühlen haben als Azubis angefangen und dann Karriere gemacht.






