Das traditionsreiche Modehaus Schnitzler auf dem Prinzipalmarkt in Münster bietet Herren-, Damen- und Kindermode an – von sportlich bis elegant. Der Ausstatter beschäftigt drei angehende Gestalterinnen für visuelles Marketing. Eine von ihnen ist Johanna Heitland, die im ersten Ausbildungsjahr an der Berufsschule, die sie zweimal in der Woche besucht, schon viele theoretische Kenntnisse in ihrem Metier erwerben konnte: Verkaufsförderung, Warenpräsentation, Gestaltung von Werbung oder Events.
„Bei meinem Arbeitgeber bin ich voll in der Praxis. Das wollte ich, bevor ich studiere, unbedingt machen. Ich habe was richtig Kreatives gesucht und gefunden“, sagt die 21-Jährige, die sich in Absprache mit ihrer Chefin und ihren Kolleginnen Möglichkeiten überlegt, wie man die Schaufenster zu bestimmten Themen dekoriert. „Je nach Jahreszeit oder auch Events, die in der Stadt stattfinden, werden die Schaufensterfiguren mit anderen Kleidungsstücken ausgestattet, da müssen auch passende Blickfänge her“, sagt Johanna Heitland, die den Puppen die Kleider anzieht und dafür zum Beispiel Stecknadeln oder Lederklammern benutzt, damit alles gut sitzt.
Hammer, Säge und Bohrmaschine
Ein Schaufenster hat einen verkaufspsychologischen Aspekt. Nach der "24-Feet-Regel" sollte es so gestaltet sein, dass Passanten aus einer Entfernung von etwa 7,30 Metern Inhalt und Aussage erkennen können. „Da müssen Beleuchtung, Farben oder Schriftzüge genau passen“, erklärt die Auszubildende. Bis zur perfekt gestalteten Auslage ist es ein langer Weg: Gestalterinnen für visuelles Marketing erstellen Zeichnungen von möglichen Szenerien in Schaufenstern – auf Papier oder mit Computerprogrammen. „Das ist dann ein sehr kreativer Part. Man muss aber auch handwerkliches Geschick haben. Ich tapeziere die Schaufenster, bringe Bodenbeläge und Lampen an.“ Sie ist den ganzen Tag für die Fenster zuständig. Morgens schließt sie die Aushängeschilder des Geschäfts auf und nach Ladenschluss wieder zu.
Alle fünf bis sechs Wochen wechselt im Modehaus Schnitzler die Schaufenster-Deko. Für ein städtisches Pferdefestival musste Johanna Heitland Pferde basteln. „Wir bestellen dann Materialien wie Holz oder Styropor und basteln und sägen in unserer Werkstatt eben hübsche Pferdesilhouetten.“ Mit Hammer, Säge und Bohrmaschine sollte man als Gestalterin für visuelles Marketing schon umgehen können, sagt Johanna Heitland.
Schon als Kind hat Johanna Heitland gerne gemalt und gezeichnet, gebastelt und genäht. In der Schule belegte sie den Kunst-Leistungskurs und spätestens da wurde ihr bewusst, „dass Kreativität meine Richtung ist“. Besonderen Spaß bereitete ihr erst vor kurzem die Ausstattung des Kinderschaufensters. „Da konnte ich echt mal aus meiner ganzen kreativen Ader schöpfen. Wir haben einen kleinen Kaufmannsladen gebaut und ihn mit Süßigkeiten und bunten Getränkeflaschen ausstaffiert, natürlich keine echten, aber man hat da so viele Tricks“, freut sich Johanna Heitland, die in ihrem Job viel Sorgfalt und Teamfähigkeit an den Tag legen muss. An manchen Ideen müsse man im Team über Monate feilen und Gedanken austauschen. „Schon im Juni kümmern wir uns um die Weihnachtsdekoration“, sagt die Gestalterin, im Designbereich, es gibt viele Möglichkeiten. Hauptsache aber, ich kann weiter kreativ sein, das sollte auch im Studium klappen“, sagt sie.






