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„Zusatzqualifikationen machen die berufliche Bildung attraktiver“

Junge Sportlerin beim Start auf der Laufbahn.
Eine doppelt qualifizierende Ausbildung bietet Abiturienten beste Startmöglichkeiten.
Foto: Julien Fertl

Doppelt qualifizierende Ausbildungen

„Zusatzqualifikationen machen die berufliche Bildung attraktiver“

Eine doppelt qualifizierende Ausbildung – die Kombination eines anerkannten Ausbildungsberufs und einer Zusatzqualifikation – ist für Abiturienten eine gute Alternative zum Studium. Silvia Hofmann, als Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) verantwortlich für das Fachportal „AusbildungPlus“, berichtet über die verschiedenen Arten und deren Mehrwert für Absolventen und Wirtschaft.

abi>> Frau Hofmann, wie können Interessenten eine normale Ausbildung mit einer Zusatzqualifikation verbinden?

Silvia Hofmann: Zusatzqualifikationen können Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl für einen bestimmten als auch für mehrere Ausbildungsberufe erweitern oder das Profil schärfen. Man unterscheidet dabei zwischen drei Typen: Beim ersten Typ erweitern oder vertiefen sie die beruflichen Qualifikationen horizontal. Dabei wird zum Beispiel ein kaufmännischer Azubi berufsübergreifend im Controlling ausgebildet oder berufsspezifisch für E-Business – der Abschluss heißt dann E-Business-Junior-Assistant. Die Zusatzqualifikation kann auch zu einem anderen Themenbereich gehören, zum Beispiel, wenn kaufmännische Auszubildende zusätzlich technisch geschult werden. Unter der zweiten Kategorie lassen sich berufsunabhängige Qualifikationen zusammenfassen, zum Beispiel der Europäische Computerführerschein (EDCL), Fremdsprachen oder Projektmanagementfähigkeiten. Der dritte Typ bezeichnet Zusatzqualifikationen, die die beruflichen Fähigkeiten vertikal erweitern oder vertiefen. Diese können einer abschlussbezogenen Fortbildung entsprechen und sind oft sehr umfassend, weil sie die betreffende Person auf Aufstiegspositionen vorbereiten. Als Beispiel kann man die Kombination der kaufmännischen Ausbildung mit der Fortbildung zum Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel nennen.

abi>> Wie profitieren Absolventen von solchen Zusatzqualifikationen?

Porträt von Silvia Hofmann.

Silvia Hofmann

Foto: BIBB

Silvia Hofmann: Vor allem leistungsstarke Auszubildende können damit sehr gut ihre individuellen Potenziale ausschöpfen. Sie sind damit in der Lage, ihr berufliches Bildungsprofil zu erweitern und sind dann als Fachkräfte für Unternehmen interessant, die nach genau dieser Spezialisierung suchen. Sie bieten potenziellen Arbeitgebern gewissermaßen ein Plus und erhöhen so ihre Arbeitsmarktchancen.

abi>> Da Sie die Wirtschaft ansprechen – was hat sie davon?

Silvia Hofmann: Für die Wirtschaft sind Zusatzqualifikationen ein wichtiges Instrument, um berufliche Bildung immer nah an ihrem Bedarf zu halten und gleichzeitig ihre Attraktivität zu steigern. Unternehmen können so bei ihren Beschäftigten gezielt Kompetenzen aufbauen, die sie brauchen, um beispielsweise angesichts der Digitalisierung zu bestehen.

abi>> Stimmt es, dass diese Ausbildungen oft speziell auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten sind, die sie anbieten?

Silvia Hofmann: Der Vorteil der Zusatzqualifikationen gegenüber der normalen Berufsausbildung liegt darin, dass sie nicht an die formalen Vorschriften der Ausbildungsordnungen gebunden sind beziehungsweise Inhalte bieten, die über das hinausgehen, was die Ausbildungsordnung vorgibt. So kann jedes Unternehmen seine Beschäftigten genau die Kompetenzen erwerben lassen, die es braucht.

abi>> Welche Chancen und Entwicklungen sehen Sie dabei gerade?
Silvia Hofmann: Im Rahmen des lebenslangen Lernens helfen diese Qualifikationen, berufliche Aus- und Weiterbildung zu vernetzen. Sie zeigen, welche weiterführenden oder ergänzenden Qualifizierungsmöglichkeiten man auf der Basis eines normalen Ausbildungsberufs wählen kann. So kann – wie schon gesagt – berufliche Bildung generell attraktiver werden.

abi>> 22.10.2018