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Das Plus an Qualifikation

Zwei Fußpaare, eins mit eleganten und eins mit sportlichen Schuhen.
Doppel hält besser - durch eine Zusatzqualifikation können Auszubildende ihr Profil schärfen.
Foto: Martin Rehm

Doppelt qualifizierende Ausbildungen - Hintergrund

Das Plus an Qualifikation

Doppelt qualifizierende Ausbildungen sind für Abiturienten mit Sinn fürs Praktische ein guter erster Schritt ins Berufsleben. Sie bieten eine duale Berufsausbildung und zusätzliche Kenntnisse oder extra Qualifikationen in einem Paket.

Manchmal nimmt das Berufsleben rasant Fahrt auf. Wie im Fall von Alexandra Große aus Gröbzig in Sachsen-Anhalt. Erst vergangenes Jahr hat die 30-Jährige die doppelt qualifizierende Ausbildung zur Fachwirtin für Vertrieb im Einzelhandel abgeschlossen. Nun leitet sie schon ein Team von elf Mitarbeitern in der kleinen Stadt Köthen, unweit ihres Heimatortes.
Alexandra Große ist dabei dem Unternehmen treu geblieben, bei dem sie arbeitete, während sie die Fachhochschulreife erwarb, und auf dessen Abiturientenprogramm sie aufmerksam wurde: die TEDi GmbH & Co. KG. Die deutsche Firma mit rund 1.900 Filialen in Deutschland und anderen europäischen Ländern bietet unter anderem Geschenkartikel, Dekobedarf und Schreibwaren an. „Ich war dort als Aushilfe tätig und erfuhr: Man kann nach dem dreijährigen Programm gleich eine Filiale leiten, erwirbt während des Programms den Ausbilderschein und bekommt ein gutes Gehalt“, berichtet die junge Frau.

Gute Karrierechancen

Porträt von Alexandra Große.

Alexandra Große

Foto: Nadine Dilly

Als sich Alexandra Große damals über das Programm informierte, hieß der Abschluss der doppelt qualifizierenden Ausbildung noch „Handelsassistent/in“. Wenig später wurde daraus „Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel“. Diese Kombination aus verkürzter dualer Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel und darauffolgender Fortbildung zur Fachwirtin brachte beiden – Alexandra Große und TEDi – einen Mehrwert: Die 30-Jährige fuhr gewissermaßen auf der Überholspur zur Führungsposition, und das Unternehmen bildete sich maßgeschneiderten Führungsnachwuchs aus den eigenen Reihen heran.
Am Bildungszentrum des Einzelhandels (BZE) lernte die Fachwirtin zum Beispiel, wie man ein Team führt, in diesem kommuniziert, sich selbst managt, kundenorientiert arbeitet oder Marketing attraktiv gestaltet, dazu Vertriebsmanagement und Volkswirtschaftlehre. „Mit meiner Doppelausbildung kann ich eine Filiale leiten – wie ich es tue – eine Abteilung, eine Gruppe oder einen Bereich. Außerdem könnte ich als Sales- oder Marketing-Managerin tätig sein, im Ein- und Verkauf oder in der Personalverwaltung“, zählt Alexandra Große auf.

Viele Vorteile – wenige Nachteile

Auch Steffi Neubauer, Berufs- und Studienberaterin bei der Agentur für Arbeit Lübeck, kennt die Vorteile, die eine doppelt qualifizierende Ausbildung mit sich bringt: „Sie ist geeignet für Menschen mit Studienberechtigung, die frühzeitig einen Verdienst anstreben, die eine praxisbetonte Ausbildung einem Studium vorziehen und die die Karrierechancen in dem ausbildenden Unternehmen reizen“, fasst sie zusammen.
Dem stehen aus ihrer Sicht wenige Nachteile gegenüber: Man erwirbt keinen akademischen Abschluss und muss – etwa im Vergleich zum dualen Studium – aus einem relativ schmalen Fächerspektrum wählen. (Weitere Informationen über die Chancen und verschiedene Typen der doppelt qualifizierenden Ausbildung findest du im Interview „Zusatzqualifikationen machen die berufliche Bildung attraktiver“) Eine weitere Option sind schulische Ausbildungsangebote für Abiturienten, beispielsweise die Ausbildung zum Fluglotsen an der Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt.

Keine einheitliche Regelung

Porträt von Steffi Neubauer.

Steffi Neubauer

Foto: Olga Nommensen

Rund zwanzig doppelt qualifizierende Ausbildungen listet BERUFENET auf – vom Außenhandelsassistenten über den Betriebsassistenten im Handwerk, den Betriebswirt (VWA) und den Europakaufmann bis hin zum Fachberater für Integrierte Systeme, den Handelsfachwirt oder den Immobilienassistenten. Die Teilnehmer werden dabei an beruflichen Schulen, Berufsfachschulen, Berufskollegs oder von privaten Bildungsträgern geschult. Großunternehmen leisten sich dafür manchmal sogar eigene Akademien. Die Abschlüsse gelten dann innerhalb des entsprechenden Unternehmens, oft jedoch sind sie auch in anderen Betrieben anerkannt. Es gibt zudem Fälle, in denen Interessierte die Zusatzqualifikation auf eigene Faust in Absprache mit der Berufsschule parallel zur Ausbildung im Betrieb erwerben.
Da die Zusatzausbildungen bundesweit nicht einheitlich geregelt sind, sollten Interessenten sich vorher gut informieren, wie das jeweilige Modell organisiert ist, was beim Bewerbungsverfahren wichtig ist, welche Fristen einzuhalten sind und wo die Abschlüsse anerkannt werden. Das können sie zum Beispiel bei Berufsschulen, Bildungszentren, Kammern oder den Berufsberatern der Agentur für Arbeit machen, aber auch bei Unternehmen, die selbst Abiturientenprogramme anbieten. Eine geeignete Informationsquelle zu den Zusatzqualifikationen und ihren Anbietern ist das Fachportal AusbildungPlus des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Eigeninitiative gefragt

Dass Abiturienten mit Hilfe dieser speziellen Ausbildungsformen einerseits schnell zur Führungskraft auf mittlerer Ebene aufsteigen können und vielseitiges Wissen erwerben, verlangt ihnen auf der anderen Seite aber auch Eigeninitiative und mitunter Anstrengung ab: „In der Ausbildungsphase wird geballtes Wissen in kurzer Zeit vermittelt. Man sollte dafür ein gutes Arbeitsverhalten, Disziplin und Selbstorganisationsfähigkeit mitbringen, mit einem hohen Arbeits- und Lernpensum umgehen können, stressresistent und, falls nötig, regional mobil sein“, betont Berufsberaterin Neubauer.
Sie empfiehlt ebenfalls, vor der Ausbildung zu prüfen, ob man damit auf das entsprechende Unternehmen beschränkt ist oder auch in andere Firmen oder Branchen wechseln kann.

Mehr Informationen

berufsfeld-info.de
Inforportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Abiturientenausbildung)
http://berufenet.arbeitsagentur.de

 

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

AusbildungPlus
Portal mit Erfahrungsberichten von Auszubildenden und einer umfangreichen Liste an Zusatzqualifikationen
www.ausbildungplus.de

 

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
www.bibb.de

 

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
vertritt die Interessen von einer Million Handwerksbetrieben in Deutschland
www.zdh.de

 

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
Mitglieder sind unter anderem die 79 deutschen Industrie- und Handelskammern.
www.dihk.de

abi>> 22.10.2018