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Herrscherin über den Luftraum

Eine Frau arbeitet im Flugsimulationsraum.
Den kompletten Luftraum im Blick: Am Simulator erlenen die Auszubildenden zum Fluglotsen die Koordination der Flugzeuge sowie den Umgang mit möglichen Komplikationen.
Foto: Thomas Lohnes

Fluglotsin – Control Center

Herrscherin über den Luftraum

Immer konzentriert bei der Sache sein und auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf behalten: Darauf kommt es in Selma Warneckes Ausbildung zur Fluglotsin an. Die 23-Jährige hat sich einen der Ausbildungsplätze bei der DFS-Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt ergattert.

„Lufthansa One-Two-Three. Langen Radar. Identified“, mit diesen Worten begrüßt Selma Warnecke das Flugzeug, das soeben ihren Luftraum erreicht hat. Und auch wenn es nur eine Simulation ist, verfolgt die 23-Jährige jetzt hochkonzentriert am Radarbildschirm, wie sich das kleine Viereck langsam durch ein Wirrwarr von Linien von rechts oben nach links unten bewegt.

Als Radarlotsin ist sie dafür verantwortlich, dass alle Flugzeuge, die ihren Luftraum durchfliegen, genau auf der Flughöhe, zur geplanten Geschwindigkeit an einer bestimmten Position, auf einem bestimmten Kurs den nächsten Luftraum erreichen – ohne zu nah an ein anderes Flugobjekt zu gelangen. „Man muss alle Flieger im Kopf haben und wissen, was der Pilot möchte. Falls der vorgesehene Mindestabstand unterschritten werden sollte, muss man frühzeitig eingreifen und mit seinen Anweisungen die Flieger auseinanderhalten. Spannend wird es außerdem, wenn es einen Notfall gibt oder ein Unwetter aufkommt“, erklärt die angehende Fluglotsin.

Erst Theorie, dann Simulationen

Ein Porträt-Foto von Selma Warnecke

Selma Warnecke

Foto: privat

Selma Warnecke ist im ersten Ausbildungsjahr. Nach fünf Monaten Theorie mit Themen wie Luftrecht, Flugzeugkunde, Meteorologie, Luftfahrtenglisch und Navigation trainiert sie nun vor allem an wirklichkeitsnahen Simulationsübungen. „Wir sind immer zu dritt, einer ist der Radarloste, einer der Koordinationslotse, der mit den anderen Lufträumen im ständigen Kontakt ist, und der dritte spielt die Piloten. Nach maximal zwei Stunden ist Pause und wir wechseln durch“, erklärt sie.

In ihrer Ausbildung konzentriert sich Selma Warnecke auf das Lotsen im sogenannten Unteren Luftraum. Andere spezialisieren sich auf den Oberen Luftraum oder werden Towerlotsen. „Es hat mich sehr gefreut, dass mir dieser Luftraum zugewiesen wurde, weil hier meiner Meinung nach am meisten los ist. Hier befinden sich die Flieger nach dem Start im Steigflug beziehungsweise werden für die Landung vorbereitet. Wenige Minuten vor der Landung übergeben wir die Flieger dann an die Towerlotsen.“

Nach dem ersten Ausbildungsabschnitt wechselt sie direkt an ihren zukünftigen Arbeitsplatz und wird „on the Job“ trainieren. Am Ende ihrer Ausbildung erhält sie eine Lizenz für genau den Luftraum, an dem sie trainiert hat. Je nach persönlicher Entwicklung und Einsatzort kann das noch einmal zwischen zwölf und 24 Monaten dauern. „Den Einsatzort können wir uns nicht aussuchen. Die DFS entscheidet, wo neue Leute gebraucht werden.“

Mehrstufiges Auswahlverfahren

Schon für den Start ihrer Ausbildung musste Selma Warnecke äußerst flexibel sein. Bereits vor drei Jahren hatte sie sich beworben, musste aber mehr als zweieinhalb Jahre warten, bis es dann schließlich losgehen konnte. „Damals wurden keine neuen Lotsen gebraucht. Die DFS plant genau nach Bedarf. Zurzeit sind die Wartezeiten kürzer“, sagt sie.

Mit einem klassischen Bewerbungsschreiben startete sie in ein aufwändiges Auswahlverfahren. Selma Warnecke passte ins Profil und wurde zu einem zweitägigen Eignungstest nach Hamburg ins Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) eingeladen. Hier musste sie beweisen, dass sie das Zeug dazu hat, sich räumlich zurechtzufinden, sich nicht ablenken zu lassen, sicher im Kopf zu rechnen – und vor allem schnell Entscheidungen zu treffen.

Studium als zweites Standbein

Während die DLR-Psychologen und Experten die ersten Tests auswerteten, kümmerte sich Selma Warnecke um einen Plan B. „Ich wollte unbedingt Fluglotsin werden. Trotzdem bestand die Gefahr, dass es nicht klappen könnte.“ Sie begann deshalb mit einem Studium der Technomathematik, einer Mischung aus Mathematik und Ingenieurwissenschaften.

Als sie nach weiteren Bewerbungsrunden schließlich die Zusage erhielt, hätte die Ausbildung theoretisch beginnen können: „In Abstimmung mit der DFS habe ich mein Bachelor-Studium aber noch zu Ende gemacht, damit ich ein zweites Standbein habe, sollte ich meine Lotsentauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen verlieren“, sagt sie und spielt damit auch auf das Seh- und Hörvermögen an, dass bei Lotsen ähnlich wie bei Piloten sehr gut sein muss.

Dass sie als Fluglotsin den ganzen Tag im gleichen Raum sitzt, stört sie nicht. „Alles was ablenkt, ist schlecht und ich möchte mich ja voll auf das konzentrieren, worauf es gerade ankommt: Flugzeuge sicher ans Ziel zu bringen. Außerdem haben wir ja alle zwei Stunden eine Pause von einer halben Stunde. Dann können wir ja abschweifen und in den Himmel schauen.“

Hier geht's zum typischen Tagesablauf >>

abi>> 04.07.2017